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vierteljährlich 1S Ngr. n^klr' Montag, de« 3. August. 7,1 ''':üu s>ü I 'nUr'i n- zunc Erscheint jede» Wochentag früh S Uhr. Inserate Wer da, tiS Nachmittag« z Uhr für die nächst« erscheinende Nummer angenommen. ü—ss-r Freiberger AnzeigM^^.. . . 7^ 1 ^und ' ^' . c ^1. ,^ Eütene Aetle -d» '' . ' -««Ntmm M S» Tageblatt. Tagk8yeschichte. Berlin. Das Preußische Wochenblatt hatte in zwei frühern Nummern die in verschiedenen fremden Ländern in neuerer Zeit gewährten Amnestien für politische Vergehungen nach ihrer Bedeutung für die öffentlichen Zustände und die allgemeine Lage der betreffenden Staaten beleuchtet. Neuerdings kommt es nun auch auf Preußen zu sprechen und befürwortet eine Be gnadigung der wegen politischer Vergehen seit 1848 zur Hast vcrurthcilten oder fluchtig gewordenen Staatsangehörigen, indem es der Meinung ist, daß eine solche in Preußen weit unbedenk licher gewährt werden könne als in den meisten andern Ländern. Eine Begnadigung in Preußen, meint es, würde aus dem dop pelten Grunde keine politische Bedeutung haben, wie im gleichen Falle z. B. in Ungarn oder Italien, thcils weil die Zahl der betreffenden Personen gering, theils weil alle im Lande vor handenen Parteien in der Anerkennung der bestehenden, Grund lagen des öffentlichen Rechts einig seien und eine Weiterent wickelung innerhalb der gegebenen Grenzen forderten, so daß Diejenigen ganz vereinzelt sein würden, die etwa neue Grund lagen erst geschaffen wissen wollten. Weil aber die Amnestie kein bedeutender politischer Act sein würde, sondern nur die Schicksale von Privatpersonen beträfe, so solle sie auch nicht allgemein crthcilt, sondern jedem Einzelnen einfach Straflosig keit oder Erlaubniß zur Heimkehr zu Theil werden. Berlin. Die Art und Weise, wie die meisten Zeitungen die Pariser Wahlen und die Ereignisse in Italien besprochen haben, hat die Staatsregierung veranlaßt, den einzelnen Blättern „ge eignete Anweisungen" zugehen zu lassen. Kladderadatsch hat eine Verwarnung erhalten. In Langensalza schlug der Blitz in zwei Häuser und traf drei Kinder, zwei zum Tode, daS dritte kam mit Nasen bluten und Erbrechen davon. Abends vorher hat ein Hagel schlag 6—7 Fluren arg mitgenommen. — Einen braven Mann traf ein anderer Schlag; feine Frau war zur Diebin geworden; da erschoß er sich. Der Kölnischen Zeitung schreibt man aus Wien: „Die Einführung der Stempelsteuer für Zeitungen kann als nahe bevorstehend angesehen werden, während ein zweiter Antrag, nach welchem Las Recht, Inserate aufznnchmen, zum Monopol der amtlichen Blätter gemacht werden soll, keine Aussicht auf Er folg haben soll. Die nächste Folge der Stempelsteuer wird das Aufhören der Mehrzahl unserer kleinern Journale sein." Der Pefiher Lloyd berichtet aus Pesth vom 28. Juli: „Eine gräßliche Mordthat, welche gestern in den Abendstunden in Ler Allee des Stadtwäldchens begangen wurde, bildet das Stadtgespräch. Aus anscheinend guter Quelle hören wir Fol gendes hierüber: Es war 9^/, Uhr, als ein Mann, Namens G., in Begleitung einer Dame die genannte Allee passirte. Sie kamen aus der Stadt, wo sie in einem Gasthofe mit einer drit ten Person, dem Freunde des S. und dem Gatten Ler erwähnten Frau, soupirt hatten. Dort hatten Lie Räuber bei dem Freunde des S., als dieser die Zeche bezahlte, eine volle Brieftasche be- merkt, welche die Veranlassung des Mordplans gewesen .sein mochte; denn als die kleine Gesellschaft den Weg nach dem Stadtwäldchen antrat, wurde sie auch von Len Missethätern ver folgt. In Ler Königsgasse blieb jedoch der Freund des S., bei hem eigentlich das Geld bemerkt worden war, wegen eines plötz lichen Unwohlseins zurück. Er ging in eins der Häuser mit dem Bemerken, S. möge nur mit der Frau vorangehen, er werde bald Nachkommen. In der Nähe des M.'schen Gartens wurde nun S. von zwei Individuen überfallen, die ihm in räuberischer Absicht sieben Stiche beibrachten. Die Familien Sch. und von Gy., welche den M.'schen Garten bewohnen, ka men auf die bald ertönenden Hülferufe herbeigeeilt, und als sie das Stöhnen eines Sterbenden vernahmen, ließen sie es auch an der erforderlichen Hilfe nicht fehlen. Ein Arzt wurde herbei- gerufcn, aber vergeblich; denn S. war bereits eine Leiche. Die Mörder hatten mittlerweile daS Wette gesucht. Wit UÜS er zählt wird, sollen sich Bilde« bereit- in den Händender Gerech tigkeit befinden. Einer, Heißt es, wär« durch einen Träger ein» gefangen, und der zweite, der in die Waldzetle entfloh, mit Hilfe eines Fiacre und eines auf ihn gehetzten Hundes gefangen und der Polizei übergeben worden. Bei dem ^mordeten soll h^cr Zipfel eines Halstuchs gefunden worden sein, der während LeS Kampfes mit den Mördern in seinen Händen bsieh und nun gegen eins der verhafteten Individuen zeugen soll- Al der directe Mörder wird H., ein beschäftigungsloses Individuum, bezeichnet, und ein beurlaubter Soldat soll ihm heim Morde behilflich gewesen sein." München, 28. Juli. (N. M. Z.s Wir sehen uns in den Stand gesetzt, Len Wortlaut der Ministerialentschließung, welche die neuerdings angeregten Sammlungen für die entlassenen schleswig-holsteinischen Beamten auS politisch-polizülichen Grün den für unstatthaft erklärt, mitzutheilen und können noch die Bemerkung beifügen, daß allein im bayrischen Post- und Eisen» bahndienste 24 vormalige schleswig-holsteinische Beamte Anstel lung gefunden haben. Das Rescript lauttt: „Staatsministerium des Innern. Die Beilagen des Berichts ... folgen mit dem Auftrage zurück, dem . . . eröffnen zu lassen; daß zu einer Sammlung für entlassene schleswig-holsteinische Beamte kein Anlaß gegeben sei, da die meisten der in Frage stehenden Geist lichen und Beamten theils, in Bayern, theils in andern deut schen Staaten bereits Verwendung gefunden haben. Die k-- Negierung wird anbei Sorge tragen, daß allen diesen, unter verschiedenen Formen veranlaßten Sammlungen» Cone«rten ul dergl. entschieden entgegengetreten werde, da die gleichzeitig an vielen Orten Deutschlands ergangenen Ausrufe keinen Zweifel übrig lassen, daß Uebelgefinnte die Verhältnisse von Schleswig- Holstein benutzen, um Aufregung und Mißstimmung zu ver breiten. München, den 23. Juli 1847, Auf re. ec. Befehl. Graf v. Neigeröberg. Epplen." , In Bayreuth ist eine Credit-Anstalt für Minderbemittelte in's Leben getreten. Das Capital besteht theils aus dem Resed» vefond der Sparkasse, theils aus eigntm Geld. Gegen eine vom Darlehnssuchcr und zwei vom Magistrat genehmigten Bürgen unterzeichnete Schuldurkunde und 6 Procent Jahreszinsen wer den Dahrlehne bis zu 500 Gulden an gut beleumundete Gewerb- treibendc, Bedienstete, Arbeiter, Oekonomen ü. s. w. gegeben. Dieselben sind in monatlichen oder jährlichen Theilen oder im Ganzen binnen höchstens 2 Jahren rückzahlbar. Die Gesammt« summe der Dahrlehne darf den einfachen Betrag des CapitalS der Anstalt nie übersteigen. Gotha, 27. Juli. In der hiesigen Freimaurerloge wird am 9. Aug. eine große Festlichkeit stattfinden, da unser Herzog, der bekanntlich dem Freimaurerorden seit vorigem Jahre ange hört, die Stelle des Meisters vom Stuhl« übernehmen wird. Zu> dieser Festlichkeit sind bereits eine große Menge, der Mit glieder des Ordens auS allen Theilen Deutschlands angemeldet. — Auf der Generalvtrsammlung der Landwirthe der Pro vinz Sachsen in Gotha wurde die Frage aufgeworfen, wie der Landwirth sich bei dem zu befürchtenden Futtermangel hclfm könne. Man schlug vor, weiße Rüben zu bauen, das Streu« ströh züm Futter zu sparen und danach die Ställe einzurichtm oder Erdflreu anzuwenden. Im August müsse Roggen mit Klee auSgesäet werden, um bald im Frühjähr, wo Ler größte Mangel eintrete, Grünfutter zu haben. Nach dem Beispiele der Eng länder solle man das Ströhfutter dämpfen, um den Futterwerth desselben zu erhöhen. London. Von größtem Interesse sind die Aeußrruygen der Times, der Wortführerin Englands, über Mazzini, den Großkaphta der italienischen und europäischen Revolution. Times hofft, daß Mazzini in Paris der Theilnahme an den Mordversuchen Wider Napoleon überführt und in contumaciam vcrurtheilt werde. Verurtheilten Mördern, sagt sie, darf Eng land nicht ferner eine Freistatt bieten. Sie geißelt die kluge Feigheit Mazzini'ö, der immer bethörte Opfer in Putsche und