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-»--Freiberger Anzeiger dm bi« Nachmittag« , Uhr sür die nächst- UNS erscheinende Nummer angenommen. TageSlatt. Preis vierteljährlich IS Ngr. Inserate ' werde« die gespaltene Zeile oder deren Raum mit L H < berechnet.' , 150. Freitag, den 3. Juli. 1857. Tagesqeschichte. Dresden, 1. Juli. In der Nacht vom 29. zum 30. Juni brannten zu Langebrück 16 Bauerhöfe und 25 Häuslernahrun gen ab. Das Feuer, jedenfalls durch ruchlose Hand angelegt, ging gegen 10 Uhr in der Scheune des Erbrichters Hofmann auf und hatte im Laufe einer Stunde bereits sämmtliche, größ- tentheils mit Stroh gedeckte Brandstätten ergriffen. Das Armen haus, die Schule und die Kirche konnten nur mit Anstrengung gerettet werden. — Nach langer, anhaltenden Trockenheit — die Elbe war fast auf den Wasserstand von 1842, wo der Pegel 2 Ellen 14 Zoll unter 0 zeigte, herabgesunken, es fehlte nur noch das wei tere Sinken um 1 Zoll — erquickte heute endlich ein sanfter Regen unsre dürstenden Fluren. Leipzig. Einer nekrologischen Notiz des Tageblatt über den verstorbenen Superintendenten vr. Grosmann entnehmen wir das Nähere über den Beginn und Verlauf seiner Krankheit. „Seine Krankheit begann am zweiten Osterfeiertage, hat ihn also über elf Wochen heimgesucht, ehe die Erlösung kam. Mitten in seiner schönsten Amtsthäthigkeit, eben als er am heiligen Osterfeste im Begriff war, sich zum Kirchcngange anzu schicken, um seiner mit Verehrung und warmer Herzensergebenheit an ihm als ihrem theuersten Kanzelredner Hangenden Gemeinde zu predigen, wozu er sich von Len frühesten Morgenstunden an, wie er zu thun pflegte, vorbereitet hatte, hatte ihn ein Schlag anfall erfaßt und darniedergestreckt: man fand damals den Kranken ohne Besinnung und Leben zusammen gebrochen dar niederliegen. Seit der Zeit erholte er sich — eS war schon der zweite Schlaganfall seit ein paar Jahren — nicht wieder. Aber sein kernhafter Körper, den sein in seinem gewaltigen Berufe rastlos wirkender Geist frühzeitig an Anstrengungen gewöhnt und mit Energie zu einem willigen Werkzeug seiner Willens äußerungen gekräftigt hatte, widerstand mit Macht dem auflösenden und zerstörenden Einflüsse der Krankheit. Endlich, es war am 28. Mai früh 7^/, Uhr, glaubte man den Kranken sicherlich seinem Ende nahe; der Sohn und Schwiegersohn waren durch Expresse herbeigerufen worden; man erwartete jeden Augenblick seine endliche Auflösung. Lautete doch das jenes Datum tragende Bulletin des Arztes folgendermaßen: „Seit gestern Abend 7 Uhr der Zustand des Kranken unaufhaltsam einem baldigen Ende entgegengehcnd." Und doch überstand er wunderbar jenen Tag und 32 andere Tage! Der Kranke hatte — hörten wir — dann und wann Bewußtsein und glaubte selbst die bisherige Dauer seines Siegthums zu kennen, nur daß er dabei irrthüm- ltch seine Leiden nach Tagen schätzte, während es wohl ebenso viele Wochen waren." Aus dem Plaucn'schen Grunde, 29. Juni. (S. C. Z.) Die Brauerei zum Felsenkeller auf Grassi's Villa schreitet rasch vorwärts und gewährt schon jetzt einen imposanten Anblick. Auf einer gewaltigen Ufermauer aus Syenitblöcken erhebt sich das Hauptgebäude, 220 Ellen lang. Bis zu Ende Augusts .soll das Dach aufgesetzt werden. In allen 9 Lagerkellern sind gegen wärtig ungefähr 32,400 Kubikellen Felsen ausgesprengt. Der elfte Keller hat bereits 68 Ellen, der zweite 62 Ellen Tiefe (von hundert). Die bisher darin beobachteten Temperatur-Ver hältnisse lassen sür Len Gebrauch nur die günstigsten Ergebnisse erwarten. Die Felsenquellen des Grundstückes sind neuerdings von Hrn. Prof. Stein untersucht und ihr Wasser von Sachver ständigen ganz besonders zum Brauen von Lagerbier geeignet befunden worden. Mittweida, 30. Juni. (Dr. I.) Vorgestern ist der beim Gutsbesitzer Eichler in Krumbach dienende Großknecht Finster busch aus Altenhain bet Frankenberg nebst zwei Pferden am Zschopauwehre oberhalb der Krumbacher Baumwollenspinnerei ertrunken. Ein drittes Pferd — er war mit drei Pferden sei nes Herrn daselbst in die Schwemme geritten, hatte sie zu kurz aneinander gebunden und war von dem von ihm gerittenen Pferde beim Straffziehen der Zügel abgeworfen worden — hatte sich im Wasser losgerissen und war entkommen. Elster, 29. Juni. Die zuletzt ausgegebene Curliste zeigt, daß die Zahl der hier eingetroffenen Curgäste jetzt auf 453 sich beläuft. Dieselben gruppiren sich tn 308 Parteien oder Num mern mit einer Personenzahl von 496. Anwesend sind von den selben noch 293 Parteien. Berlin, 30. Juni. (Dr. I.) Die von einzelnen Re gierungen der Zollvereinsstaaten etngeforderten Gutachten über die Papiergeldsrage sind bereits hier eingetroffen und, wie man hört, in einer Weise ausgefallen, welche die endgiltlge Reguli- rung durch eine Conferenz außer Zweifel läßt. Diese Berathun- gen dürften vielleicht schon im Laufe des nächsten MonatS und, wie sich annehmen läßt, hier in Berlin stattfinden. Wie sehr erwünscht eine endliche Regulirung dieser Frage ist, wird auch außerhalb der Geschäftswelt Jeder beurtheilen können, der auf Reisen in Deutschland von den Belästigungen des jetzigen Ver hältnisses sich hat überzeugen können. — Magdeburg, 23. Juni. In der Unterhorst bei Salbke bemerkte man am vergangenen Freitage gegen Mittag eine« Wiesen brand, der sich mit großer Schnelligkeit nach Buckau hin ausdehnte und nur durch zufällige Anwesenheit vieler hel fenden Hände auf einen Fleck von ungefähr 25 Morgen Wiese- und Weideland beschränkt werden konnte. AuS Thorn vom 27. Juni schreibt man der Bank- und Handels-Zeitung: „In unserer ganzen Gegend stehen die Winter saaten gut, Weizen bisweilen ausgezeichnet; auch Erbsen haben! sich sehr gebessert, und wo sie nach dem Roggen gcgypst wurden, stehen sie prachtvoll und versprechen sowie Kartoffeln eine sehr gesegnete Ernte. Hafer und Gerste versprechen wenig, und der Wiesenwuchs ist äußerst dürftig. Heute nach starker Hitze Gewitterregen." Am 20. d. M. wurde in Jena in Gegenwart des regie renden Großherzogs der Grundstein zu der neuen Seminarschule gelegt. Professor Dr. Stoy und Geh. Kirchenrath Dr. Schwarz hielten Reden. Für die Weinblüthe konnte die Witterung nicht günstiger sein als sie war. In Würzburg haben die Weinstöcke bereits in den guten Lagen verblüht und in den geringeren wird sie bald vorbei sein. Obendrein hängen die Stöcke in den meisten Lagen sehr voll von Trauben, so daß wir einen guten und reichen Herbst in den Conferenz-, Kometen- und andern Weinen zu erwarten haben. Die Seidenraupenzucht, die seit 19 Jahren in Nienburg im Hannover schen besteht, kann den besten italienischen und französischen Seidenraupenzüchtereien an die Seite gesetzt werden. Von Krankheiten der Seidenraupen ist keine Spur zu merken. In den letzten Jahren sind aus einer Unze Seiden raupeneier 150 Pfund Cocons mit einem Aufwand von 18—20 Centnern Maulbeerblätter erzielt worden, und man hofft den Ertrag in diesem Jahre auf 170—180 Pfund zu bringen. Paris. Die französische Negierung scheint es für eine sich von selbst verstehende Sache zu halten, Laß jede irgend welche Frage in der Politik durch ihre Vermittlung gelöst werden müsse. Kaum ist der Neuenburger Streit nach langem Zögern hauptsächlich durch ihre Bemühung erledigt, so bestrebt man sich auch, die Angelegenheit Holsteins vor das Pariser Schiedsgericht zu ziehen, und wie es heißt hat die französische Diplomatie daS Cabinet in Kopenhagen zu einer vorsichtigen, die Entscheidung möglichst hinausziehenden Behandlung der ganzen Sache ermahnt, damit die deutschen Großmächte nicht so bald einen Antrag beim Bundestag einzubringen und diesem zu einen Beschluß zu ver anlassen Ursache haben. Wenn aber erst die Diplomaten Mittel und Wege gefunden haben, etwas hinaus zu schieben, dann haben sie für ihre Zwecke immer schon sehr viel gewonnen, daß, wenn fremde Mächte sich in Deutschlands Streit mit Dänemark mischen, nichts Gutes sür Deutschland herauskommt, ist mehr als wahrscheinlich; die drei Großmächte Frankreich, England und Rußland sind alle mehr sür die Dänen, als für uns. Hoffent lich bleibt es bei dem Wunsche Frankreichs, die Rolle des Ber»