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in Gegenwart deS Bräutigams die Frage an die Bräute: Ob sie noch reine Jungfrauen seien? und verlangt die Antwort von ihnen unter Aufhebung der Schwurfinger — kraft seines Amtes. Jetzt, wo der Bischof von Leitmeritz den Geistlichen seines Spren gels die Führung eines Brautprotokolls anbcfohlen hat, berichtet die protestantische K. Z. diese Thatsache mit dem Bemerken, daß die evangelische Kirche der katholischen hierin den Rang bereits abgelaufen habe. Schweiz. Der Entschädigungsforderung Preußens stellt ür. Kern folgende Berechnung der Kosten entgegen, welche der Eidgenossenschaft und den einzelnen Cantonen aus den Septem- bervorgängen erwachsen sind: Weggenommene Waffen und Mu nition, verursachte Schäden und Sold der Miliz in Neuenburg selbst 164,06V Fr.; Reclamationen von Gemeinden oder Indi viduen für Verschleppungen re. 55,000 Fr.; Justiz - und Polizei- kosten der Eidgenossenschaft 24,060 Fr.; Ausstellung der eidge nössischen Truppen 3,465,000 Fr.; Auslagen der Cantone 1,200,000 Fr. Dabei sind die Verluste, die Handel und In dustrie erlitten, und die persönlichen Einbußen der Bevölkerung natürlich nicht in Anschlag gebracht. Pari-, 23. April. Nach den Mittheilungen eines Pariser Correspondenten giebt der „Nord" Folgendes als den Inhalt des von den vier Großmächten in der neuenburger Frage vor geschlagenen Arrangement«: Der König von Preußen soll we der auf den Titel: „Fürst von Neuenburg" verzichten, noch soll ihm derselbe ausdrücklich beigelegt werden, sondern es soll ihm freistehen, von demselben Gebrauch zu machen, wenn eS ihm passend erscheint. Die von der Schweiz zu zahlende Entschädi gungssumme soll auf eine Million festgesetzt werden. Von der vom Könige von Preußen geforderten Vertagung der Revision der neuenburger Verfassung hingegen soll abgesehen werden. Triest, 24. April. (Dr. I.) Nach aus Hongkong einge- troffen«« Nachrichten vom 15. März ist der englische Dampfer „Queen" auf dem Wege nach Makao von den Chinesen über fallen und der Capitän und die Mehrzahl der Mannschaft er mordet worden. AuS Neapel schreibt man der „Times", daß diesseits des Faro die Zahl der Gefangenen 7019 beträgt, darunter befinden sich 89 Galeeren-Sclaven, 377 politische Gefangene, 75 Geist liche, 6250, die zur Gefängnißhaft in Eisen verurtheilt sind, und 840 Bewohner des Ergastalo. Die Zahl der politischen Gefangenen darf nicht nach dieser Liste beurtheilt werden, da eine weit größere Anzahl Menschen, zum Theil noch unverur- theilt, im Kerker schmachten. Neuyork, 7. April. (Nat.-Z) Seit Anfang dieses Jahres hat sich eine förmliche Sündfluth europäischer Waaren nach un sern Einfuhrhäfen ergossen, und wenn sie auch in der neuesten Zeit ein wenig nachgelassen hat, so sieht man darin nur eine kurze Pause, der ein neue« Hochwasser folgen muß, sobald der neue Zolltarif in Kraft tritt, der durch bedeutende Reduktion aller Zollraten die Einfuhr bedeutend vermehren wird. Was daraus werden soll, das weiß der Himmel. Der kleinste Schul- knabe, der seine Regel-de-Tri versteht, muß ausrechnen können, daß dies auf die Dauer nicht so sortgehen kann, daß ein allge meiner Kladderadatsch früher oder später unvermeidlich ist; doch leichtsinnig und sanguinisch, wie die hiesige Geschäftswelt ist, verlacht sie alle Warnungen. Jeder glaubt, ehe es „losgeht", noch sein Schäfchen aufs Trockene bringen zu können. So schleppen denn die Importeure nach wie vor in einem Viertel jahre so viel Waaren ins Land, als die Ausfuhr eines ganzen Jahres beträgt; sie „pumpen" in Europa, der Großhändler pumpt bei ihnen, der Dötaillist auf dem Lande vom Großhänd ler, der Farmer vom Detaillisten, und so wird mit enthusiasti schem Eifer ein kolossales — Kartenhaus aufgebaut, das, wenn mcht schon eher, jedenfalls bei der ersten Mißernte zusammen stürzen muß. Und auf eine solche muß man sich nachgerade wieder gefaßt machen, nachdem wir 1855 eine gute und 1856 wenigstens eine gute Mittelernte gehabt. Die Vereinigten Staa ten benehmen sich in wirthschaftlicher Beziehung wie der leicht sinnigste „Bruder Studio", der schon zufrieden ist, so lange er noch Philister findet, die ihm borgen, und jeden trockenen Wech sel al« ein Papiergeld betrachtet, an dessen Einlösung ein An derer denken mag. Wenn bisher der Jahresabschluß mit Eu ropa eine Bilanz von 50 — 60 Millionen gegen uns ergab, schickten'wir dafür ganz einfach Schuldscheine, Aktien, Priori täten, Hypothekverlchreibungen u. dergl. hinüber; es war ja nur eine gewisse Quantität Papier, und für die Zinsen mußte schon Rath geschafft werden. Wie aber, wenn man drüben dieseS Papier nicht mehr haben mag? wenn Europa sich ein Beispiel an China nimmt und uns zuruft: „l'vrms: casü!" wenn dann unser BiSchen Baargeld stromwetse nach Europa fließt, unsere Banken keine Deckung und keinen Einlösungsfoph behalten; wenn sie in Massen zusammenstürzen — 1854 uns schon ein Vorspiel — und in ihrem Sturze Tausende, j, Hunderttausende großer und kleiner Geschäftsleute mit niedench ßen? „So wird eS kommen, eh' man's denkt", und die euro päischen Herren Exporteure, die diese Berichte lesen, mögen st» vorsehen, daß sie zeitig genug unter der Traufe wegkommen. Diesen guten Rath giebt ihnen Einer, der weder Stier noch Bär, weder Haussier noch Baissier, weder Importeur noch brikant, sondern ein unbefangener Beobachter Dessen ist, in den specifisch kommerziellen Berichten von hier allemal eigen« nach den besonder» Interessen der Berichterstatter zurecht gefärbt wird. Auch die Inhaber amerikanischer Aktien und sonstiger Effecten mögen sich bei Zetten vorsehen. Stadttheater in Freiberg. Fieiberg, den 27. April »N. Gestern ging Wolffohns „Nur eine Seele" hier zum ersten»«! über die Brctcr. Ein Zeit- und Sittengcmälde nennt es der Bep fasser, und ein solches ist es im vollen Sinne des Wortes. Die fest einfache Fabel bewahrheitet aufs Neue das Wort Göthes: Greif mir hinein ins volle Menschenleben, wo ihr es packt, da ist es interessant! Ein junges Mädchen, (Helene) die Tochter eines leibeigenen Baum, ist im Hause einer sentimentalen Gräfin, (Rajew) der die schöne Mmßh- lichkeit bis auf den Herzbeutel gedrungen, erzogen worden. Hier lmt sic ein junger Edelmann (Alexander Wolinsky) kennen, der in Am- rika sich entjuchtct und mit der Idee der freien Menschenwürde erfüllt hat. Er liebt sie und wirbt um ihre Gegenliebe, die ihr Herz ihm nicht versagen kann, doch die sie, eingedenk ihrer Herkunft und der allgemeinen Denkart seiner Kaste, verhehlen zu müssen glaubt. Hlenh- zcitig erweckt ihre Liebenswürdigkeit die niedrige Leidenschaft de« Ad jutanten Numin, eines gemeinen russischen Rous, wie sie auch manche Armeen der westlichen Civilisation aufzuwcisen haben. Helene aber weist seine Angriffe mit edlem Stolz zurück. Das schützt sie aber nicht vor dem Haste der Generalin Bajaroff, welche cs bei ihrer Schwe ster, der Gräfin, leicht dahin bringt, ihre Pflegebefohlene an ihren eigentlichen Herrn, den Fürsten Michel, einen Vollblut-Moskowiter, auözulicferu, der sie durch ihren eigenen Vater zurückholen läßt. Sie hat genug von der Verderbtheit der vornehmen Welt gesehen, um ihr mit Freuden zu entsagen, ja ihr ewigen Haß zu schwören und die vornehmen Gewänder »end das Piano mit der Bauerntracht und dm Grabeschcit zu vertauschen. Sic will ihren alten Vater pflegen und in dunkler Niedrigkeit fromm und ehrbar dahin leben. Doch bei einem Feste, das der Fürst seinen Gutsnachbarn giebt, wird sie aus ihm Dunkelheit herauögeriffen in den Glanz der Gesellschaft. Sie soll singen vor ihr — so will es der Fürst. Aber sie weigert sich; sie will das Heiligste und Edelste, >vas sie besitzt, nicht dieser prosanm Welt preisgcben. Der Fürst stutzt, lacht, wird schließlich zornig, daß ein Geschöpf, das nichts ist als eine Seele — nach russischen Begrif fen ja nur eine Sache — einen eigenen Willen haben will, und will sie mit Gewalt zwingen, seinen Willen zu erfüllen, da tritt AleM- I der Wolinsky dazwischen und rettet sie vor Beschimpfung. Es komm! I deswegen zwar zu einem Bruch zwischen den beiden Gutsnachban, I der aber durch die Vermittelung Anatols, des Neffen vom Fürste« I und gesinnuugsverwandten Freundes von Alexander, soweit auige- I glichen wird, daß der Fürst dem Letzteren die arme Helene eigenthümliih I überlassen will, wenn diese selbst einwilligt, ihm als Dirne — am I zugehören. Alexander überredet sie, ihm als Braut zu folgen - I sie willigt von seiner treuen und edlen Liebe überwunden, beinah« I ein — aber als der Fürst darauf besteht, nur unter der Lr- I dingung sie zu entlassen, daß sie dem Geliebten als dessen leibeiaem I Dirne folge; erklärt sie zu bleiben, was sie ist. Sie bleibt. Da I Fürst, um sie recht zu demüthigen, will sie bald darauf an ein'« I Bauer vcrhcirathcn, den Bräutigam einer andern, dem er mir nicht«, la I nichts befiehlt, die geliebte Braut zu verlassen und Helene au« sein" I Hand zu nehmen, die man vom Sterbebette ihres Vater« Huba I holt. Da tritt abermals Alexander dazwischen, die Schwerte I drängte mit bewaffneter Hand freizumachcn. Aber da« I FiicdenSbrnch, er wird verhaftet, glücklicherweise durch einen Beamte«- I der nicht ohne alles menschliche Gefühl ist. An dieses appM I Alexander bevor er sich gefangen giebt und erlangt, daß der Bea«a I Helenen in seinen Schutz nimmt. Die Sache kommt nun vor denGouw' I ncur, der sie streng untersucht. Helene empfängt über der eben ent- I seclten Leiche ihre« Vaters den Freibrief für sich und den Vater, z«° I gleich aber auch die Nachricht von Alexanders Gefängniß und sein" I Verurthcilung nach Sibirien. WaS kann sie anders thun, al« !" I dem Geliebten gehen und sein Loos theilen? Sie sucht ihn im I Kerker auf und verkündet ihm ihren Entschluß — er bekämpft ih« I aber umsonst. Doch wie sie sich ihm auf Tod und Leben zu 8ig>" I giebt, kommt die Botschaft seiner Freisprechung und die Liebenden« bleiben, I der Unte Alt diese ihn men Bü sicher ge steigende, maß au« eine dun Lei! stattfand («lexand sein Spi Bedeut»» als Hele Organes Aufgabe Eichenw- eine« ech Haft hog Auch F richtig t Rumin Mühe, ' von dies mor uni wie ein Nur He der Reg nichts a dem im Do zuhastig- Aufführ LlaatS v U hiesige Laß er beintlei nicht b sein, b jkichen Un Esse; I, amteS mir, Lenwe Carl diese» zum > Effect von st dem < Bran Baar st dem ' «erste Grur an d- und c L