Volltext Seite (XML)
Ers cheint jeden Wochentag früh 9 Uhr. Inserate wer- dm bis Nachmittag« Z Uhr für die nüchst- erscheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und Tageölatt. Pchi« vierteljährlich 18 Ngr^ Inserate werben di« gespaltene Zeile oder deren Raum mit 5 k berechnet^ 53. Donnerstag, den 5. März. 1857. Tagesgeschlchte. Freiberg, 5. März. Die Nachricht von dem Brande des Waldschlößchen in Dresden, die wir leider nur in einem Theile der Auflage unseres Blattes bringen konnten, da selbiges beim Eintreffen der Kunde schon im Druck begriffen war, bestätigt sich. Das Feuer ist in der Malzdarre entstanden und hat bei leichtem Südostwinde in kurzer Zeit das große Häuserquadrat (die Restauration, das Brau- und Malzhaus und die von der Verwaltung benutzten Räume), sowie den neuern östlichen An chau, welcher mit dem Hauptgebäude durch einen offenen Gang in Verbindung stand, in Asche gelegt. Die mächtige Gluth hat alle Anstrengungen der Löschmannschaften vereitelt. Dresden, 3. März. Die Geschäfte während des mit heute endenden sogenannten Fastenmarktes werden im Allgemeinen von den Verkäufern nicht als besonders günstig bezeichnet, wenn auch vielleicht Einzelne, namentlich in Sommerartikeln, sich eines bessern Absatzes erfreuten. Was die neue Jahrmarktordnung, welche mit diesem Markt ins Leben getreten ist, anbelangt, so scheint sie bei den meisten der Verkäufer noch nicht den gewünsch ten Eindruck gemacht zu haben, indem das Auslcgen der Waa- ren von früh an, wozu nun Alle berechtigt und durch die Con- eurrenz gewissermaßen gezwungen sind, ihnen gegenwärtig noch wenig Nutzen bringt, da das Publikum, namentlich das länd liche, noch zu wenig daran gewöhnt ist, schon früh Morgens zum Einkäufe zu schreiten. Mit der Zeit wird sich das von selbst finden und die eingetretene Veränderung sich zum Vor theil der Verkäufer bewähren. Leipzig, 2. März. Bekanntlich befindet sich die hiesige Sternwarte auf dem Thurme der Pleißenburg. Wenn dieser Ort schon längst wie aus wissenschaftlichen, so auch aus Gesund heitsrücksichten als unzweckmäßig erkannt worden ist, so können wir jetzt aus glaubwürdiger Quelle mittheilen, daß das könig liche Ministerium des Cultus und öffentlichen Unterrichts den Bau einer neuen Sternwarte beschlossen hat. Es soll dieselbe in der Nähe des hiesigen Johanniölhales aufgeführt werden. Dieser Beschluß, mit welchem ohne Zweifel die vorwöchentliche Anwesenheit Sr. Exc. des Staatsministers v. Falkenstein und des Herrn Geheimenraths Hübel hier zusammenhing, hat nicht nur in den hiesigen wissenschaftlichen Kreisen die lebhafteste Freude erregt, sondern es wird derselbe auch bei allen auswär tigen Gelehrten und Freunden der Wissenschaft die gebührende Anerkennung und Würdigung finden. Chemnitz, 28. Febr. (D. A. Z.) Ein langer und heftiger Streit ist nunmehr durch eine Entscheidung der hohen Staats regierung beendet worden. Der soviel besprochenen Steinkohlen steuer ist, wie wir hofften, die Bestätigung versagt worden. Mußte man cs schon im voraus für unwahrscheinlich halten, daß eine Regierung, welche namentlich der Industrie ihre be sondere Aufmerksamkeit zuwendet, ihre Genehmigung dazu geben werde, daß ein einzelner, im Aufblühen begriffener Theil der selben enorm besteuert werde, damit ein anderer Theil recht wenig Steuern zu zahlen habe, so können wir nur beklagen, daß in Chemnitz, der Metropole deutscher Industrie, eine solche Steuer vorgeschlagen und bevorwortet werden konnte. — Am 26. Febr. fand im Gasthause zur Linde die statutarisch vorgeschriebene Generalversammlung der hiesigen Gemeinnützigen Baugesellschaft statt. Das Actiencapital der Gesellschaft besteht dermalen in 0435 Thlrn.; nämlich in 370 Actien ä 10 Thlr.!, 113 Actien « 50 Thlr. und in 20 blos zum Theil eingezahlten Actien. Für das Jahr 1856 sollen 3'/z Proc. Dividende gewährt werden. Es ist dies allerdings wenig, wenn man berechnet, daß diese Häuser 5'^ Proc. Micthertrag geben und daß Verwaltungs- spescn, Abgaben rc. nur 1 Proc. betrugen; aber einestheils ruhen noch über 1000 Thlr. Capital zinslos in vier Bauplätzen, einigen Giebelwänden und verschiedenem Baumaterial, anderntheils sind dadurch, daß die Bestätigung der Statuten erst Ende 1856 er folgte, nicht unbedeutende Miethzinsreste entstanden, da gegen säumige Zahler nicht eher gerichtlich eingeschritten werden konnte. — Das Unternehmen der hiesigen Lagerbierbrauerei ist vollständig gesichert. Gestern schon mußte nach Leipzig telegraphirt werden, um die etwa noch vorhandenen Actien zurückzurufen, und heute Nachmittag sind alle vorhandenen begeben. Dem Prospect ent nehmen wir Folgendes: Das Actiencapital ist auf 250,000 Thlr. in 2500 Actien ä 100 Thlr. bestimmt. Von diesen 2500 Actien sollen aber vorderhand nur 2000 Aktien ausgegeben, die übrigen 500 Actien aber später nur für den Fall emittirt werden, daß der Umfang des Unternehmens eine Verstärkung des Betriebs kapitals nöthig mache. Die vier Begründer haben bereits daS zu einer großen Brauerei äußerst günstig gelegene Rittergut Schloßvorwerk Chemnitz, 10 Minuten von Chemnitz entfernt, mit hinreichend tauchlichem Wasser, einer von geräumigen Gar tenanlagen umgebenen Restauration, sehr geeigneten Plätzen zu großen Kellern rc., sowie über 200 Scheffel Areal an Feldern, Wiesen und Waldung für 56,000 Thlr. angekauft, und erhalten außer obiger Kaufssumme noch 50 Stück als volleingezahlt zu betrachtende Actien für ihre Bemühungen und Abtretung ihrer Rechte an dem Rittergute Schloßvorwerk Chemniß. Die Namen der vier Begründer F. G. Gehrenbeck, Louis Benndorf, Robert Winkler und Advocat Kölz erwecken das mit Recht nicht un bedeutende Vertrauen zu dem Unternehmen selbst. Dieselben haben bei Entwerfung der Pläne, Riffe, Bau- und Kostenan schläge einen möglichst großen Maßstab ins Auge gefaßt, da eine spätere Erweiterung der Gebäude und Keller mehrfache Schattenseiten nicht verkennen läßt. Die Anlage ist demnach dergestalt projectirt, daß die jährliche Erzeugung von mindestens 50,000 Eimern thunlich erscheint. In Zwickau, welche Stadt in ihren kirchlichen und an dern öffentlichen Gebäuden eine große Anzahl mehr oder minder werthvoller mittelalterlicher Bild- und Schnitzwerke, Epitaphien, Gefäße, Waffen, Panzer rc. aufbewahrt, welche zeither zum Theil wenig beachtet worden sind und bei unvortheilhafter Auf stellung einem nicht zu fernen gänzlichen Berderbniß anheim gefallen sein würden, hat sich in diesen Tagen nach dem Vor gänge anderer Städte Sachsens ein Alterthumsvercin gebildet zu dem Zweck, alle diese Erinnerungen der Vorzeit zu sammeln, zu reinigen, zu ordnen und zweckmäßig aufzustellen, hierdurch aber zugleich die Bildung einer Art historischen MuseumS der Stadt Zwickau anzubahnen. Als passende Aufbewahrungsorte sind für die kirchlichen Alterthümer die sogenannte Götzenkam mer der Marienkirche, für die profanen die Rüstkammer deS Rathhauses erkannt worden und soll unter zu erbittender Mit hülfe der betreffenden Behörden aus Mitteln des freilich noch ziemlich schwachen Vereins zunächst die Götzenkammer de« Zwecken desselben entsprechend eingerichtet werden. Als Vor stand des Vereins ist der um das Zustandekommen desselben wesentlich verdiente Gymnasiallehrer Rector Rüdiger, langjähri ges Mitglied des sächsischen Alterthumsvereins, als Stellvertre ter desselben 0r. Herzog, ein tiefer Kenner der Geschichte und Verfasser der „Chronik von Zwickau", gewählt werden. In Mittel-Sohland bei Schirgiswalde ist der 3 Jahr 4 Monate alte Knabe des Webers Wolf im Garten bewußtlos aufgefunden worden und bald darauf verschieden. Allem Ver- muthen nach ist dieses Kind, wie eine Wunde an der Wange zeigte, von einer Gans gebissen worden und der Schreck hat einen Schlagfluß herbeigeführt. (C. Z.) Magdeburg, 28. Februar. Der vormalige Landwehr lieutenant Ztcpel aus Halberstadt, in die Bewegungen deS Jah res 1848 verwickelt, dann flüchtig geworden und im Laufe deS verflossenen Sommers in Dresden verhaftet, ist vom Kriegsge richt zu siebenjähriger Festungshaft verurtheilt worden, hat je doch heute die Untersuchungshaft, in der er sich vorläufig noch befand, verlassen, nachdem die Strafe durch die Gnade Sr. Mas. unter der Bedingung erlassen worden ist, daß Ziepel die preu ßischen Staaten fortan und für immer meide. Wien, 1. März. Se. k. k. apostolische Majestät haben mit der allerhöchsten Entschließung vom 27. Januar l. I. die von dem Ministerium des Innern im Einvernehmen mit dem Armee-Obercommando beantragten Grundzüge für die Abhaltung