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Ers cheint jeden Wochentag früh S UHr. Inserate wer den bi« Nachmittags Z Uhr für die nächst- erscheinende Nummer angenommen. 41. vvl . Freiberger Anzeiger UNd gespaltene Zeile oder , deren Raum mit 8 L Tageblatt. ! Donnerstag, den L» Februar. 1857. Ueber die Rindviehraeen, ihre Milchergiebig keit und zweckmäßigste Fütterung. Von v. Schterstedt in Halle. (Schluß.) Das Holländer Rindvieh ist dem Oldenburger sehr ähnlich an Farbe und Statur, obgleich viel kleiner. Eine Eigenheit des Holländer Viehes ist es, daß bei schwarzbunter Farbe die Beine gewöhnlich weiß auslaufen, so daß Huf und Fessel weiß sind. Genügsam und ebenfalls an moorige Weiden gewöhnt, befindet sich die Holländer Kuh bei unserm Futter sehr wohl, ist in der Regel länger nutzbar als friesisches Vieh, steht aber im Milchertrage diesem nach. Ich halte für unsere norddeutschen Ebenen diese beiden zu letzt angeführten Racen am tauglichsten, sowohl bei Stallfütterung, als auch auf der Weide. Beide brauchen sich nicht an eine so total veränderte Fütterung zu gewöhnen, als das Schweizervieh und kommen in besseres, als das gewohnte Futter. Die früher sehr beliebte Kreuzung des schweizer und Hol länder Viehes ist jetzt nur noch wenig in Praxis, allein es hat sich in der Altmark ein solcher Bastardschlag erhalten, der dem kleineren Wirth als sehr nutzbar und sehr genügsam besonders zu empfehlen ist. Auf den Viehmärkten der kleinen Altmärker Städte kauft man diese Kühe billig, welche oft so gut milchen, als Racevieh. Dagegen ist das Kaufen aus den großen Heer- dcn der holländischen, friesischen und oldenburger Händler, welche halbjährlich in unsere Gegenden kommen, mit großer Vorsicht vorzunchmen, da auf der langen Reise und bei dem raschen Treiben dieser Händler einzelne Stücke immer übertrieben wer den. Gerade diese Uebertriebenen zeigen aber bis zur letzten Minute in der Regel die meiste Munterkeit und verlocken dadurch zum Ankauf. Selbst den kleinern Wirthen ist es ja möglich, wenn sich mehrere verbinden, um das benöthigte Vieh zusammen treiben zu lassen, ihren Bedarf selbst von dem großen Hildesheimer Herbstmarkt zu holen, wo man die Auswahl unter vielen Hun dert trächtiger Fersen hat. Richtet man es so ein, daß man einen Tag vor dem Markte in Hildesheim ankömmt und besucht dann die Wiesen vor der Stadt, wo die Heerden bereits lagern, so bat man eine prächtige Augenweide für den Landwirth und die beste Gelegenheit, seine Wahl zu treffen. Ich habe dort stets das Paar Fersen sechs Louisd'or billiger gekauft, als man sie hier vom Viehhändler erlangt und die Unkosten bis in meinen Stall im Herzogthum Anhalt betrugen höchstens fünf Thaler pro Stück. Von den gewöhnlichen Landracen muß jetzt jeder rationelle, große oder kleine Landwirth abgehen. Seit Ausführung der Separationen reducirt sich in vielen Gegenden das Nutzvieh auf den Kuhstall und es thut deshalb sehr Noth, allgemein den Rindviehschlag zu veredeln. Unter den vielfachen Versuchen zeichnet sich auch der aus, englische und schottländer Kühe in der Provinz Pommern einzuführen, allein es ist dies nur noch mit wenigen Thieren und vor kurzer Zeit geschehen, so daß sich bestimmte Erfahrun gen darüber noch nicht veröffentlichen lassen. Ueber die zweckmäßigste Fultermethode in Wkrthschaften ohne große technische Branchen habe ich vielfache Versuche' ge macht. Der Hauptgrundsatz dabei ist, daß man niemals mehr Vieh hält, als man unter allen Umständen gut durch den läng sten Winter bringen kann; ferner, daß man möglichst gleichmä ßig immer bei gleicher Fütterung bleibt, da jeder Wechsel den gleichmäßigen Milchertrag, wenn auch nur auf wenige Tage, stört- Kleeheu, Zuckerrüben, Kohlrüben und r o h e Kartoffeln ha ben nach meiner Erfahrung den höchsten Milchertrag gewährt. Namentlich aber wirkt die rohe Kartoffel auf die Milch und äußert sich, wenn man sie als Stampffutter zu gleichen Theilen mit Rüben mengt und genügend Stroh und Heu dazu schnei den läßt, in keiner Weise nachtheilig auf die Gesundheit des Viehes oder auf den Fettgehalt der Milch. Ueberall, wo die Rübe nicht wächst, kann man sich getrost der rohen Kartoffel bedienen, wird in solchen Gegenden viel Heu damit sparen und bei einiger Vorsicht auch jede Gefahr vermeiden. Ich habe Jahre lang pro Stück täglich hrei preußische Metzen rohe Kar toffeln vom Herbste bis zum ersten Kleeschnitt füttern lassen und nur gute Resultate dadurch gewonnen. Allerdings habe ich dir Vorsicht dabei gebraucht, das Vieh während der Keimzeit der Kartoffeln, etwa vom 1. März bis 1. Mai, sehr genau zu be obachten, um dasjenige Stück, welches in dieser Zeit vom Fleische oder von der Milch abfiel, für den Mästestall auszurangkren. Bei genügendem Stampffutter mit Heu, oder Grummet und Stroh gemischt, reicht aber Stroh auf die Raufe vollkommen aus. Bedauerlich iss es, wenn man noch in so vielen kleinern Wirthschaften das Heu und den Grummet, oder gar Klerheu in Massen auf die Raufe stecken sieht. Wenigstens sollte man da, wo es die Verhältnisse der Wirthschaft gestatten, Heu und Klee dem Nindviehe zu reichen, dies immer im geschnittenen Zustande dem Stampffutter beimengen. , , Der Inhalt des Wäschtroges muß sich nun überall nach den Kräften der Wirthschaft modificiren, aber je besser der Trank ist, um desto mehr wird sich der Milcheimer füllen, und namentlich, wenn das kurze Futter heiß angemengt werden kann. In Summa bleibt das alte Sprichwort wahr, daß jede Kuh durch das Maul milcht! Tagesgeschlchte. Berlin, 16. Febr. (D. A. Z.) In der neuenburger An gelegenheit gicbt es nichts Neues. Die von Preußen an die Schweiz gestellten Bedingungen zerfallen in fünf Abtheilungen: 1) der König von Preußen behält sich und seinen Nachkommen das Recht vor, den Titel ,, Fürst von Neuenburg und Gräf von Valcngiu" zu führen, sowie aus den Schlössern Neuenburg und Valengin die preußische Fahne aufzuziehen; 2) die früher» Staatsdomänen gehen mit Ausnahme derer, welche bereits vor 1848 für öffentliche Zwecke benutzt wurden, in des Königs Pri- vatbcsitz über; 3) alle milden Stiftungen werden vom Bundes» rathe garantirt; Dasselbe wird 4) rücksichtlich Ler Sicherheit der Personen und des Vermögens der gegenwärtig ausgewanderttn Royalisten und 5) rücksichtlich der Rechte der Bourgeoisie- ver langt. Die Schweiz hat sich nicht direct gegen die Annahme dieser Punkte erklärt, doch will sie die Domänen nicht als Pri» valbesitz des Fürsten gelten lassen, und findet die Wiederherstel lung der Bourgeoisie mit der gegenwärtigen demokratischen Ver fassung des Cantons unverträglich, die Royalisten aber auch ohne besondere Garantie schon durch die Landcsgesetze hinläng lich geschützt. Auch soll aus der Titelfrage kein politischer An spruch hergeleitet werden dürfen. Eine vorläufige Einigung zwischen der Schweiz und Preußen ist bis jetzt nicht erzielt, doch ist über alle Punkte eine Einigung eingeleitet bis auf die Domänenfrage und die Rechte der Bourgeoisie. Mit diesen beiden Punkten wird sich daher die Conferenz vorzugsweise zu beschäftigen haben. Die Eröffnung derselben wird damit be-