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LS-Freiberaer Anzeiger dm bis Nachmittags z Uhr für die nächst- U!iv erscheinende Nummer angenommen. Tageblatt. Preis vierteljährlich 15 Ngr. Inserate werden die gespalten« Zeile oder deren Raum mit 5 k berechnet.' 42. Freitag, den 2«. Februar. 1857. TageslMhichte. Freiberg. Oeffentliche Gerichtsverhandlungen finden statt den 26. Februar Vormittags 9 Uhr: Hauptverhandlung in der Untersuchung gegen Heinrich Theodor Löhnert auS Wingendorf wegen Betrugs durch Fälschung. Nachmittags 3 Uhr: Haupt verhandlung in der Untersuchung gegen Christiane Caroline verehel. Uhlemann in Freiberg, wegen Partiererei. Freiberg, den 19. Febr. (Oeffentliche Gerichtsverhand lungen.) Der Umstand, daß der zeithcrige Einsender der Be richte iiber die vor dem hiesigen Königl. Bezirksgerichte abge- haltencn Gerichtsverhandlungen sich das Referat nur in wich tigeren Sachen vorbehalten hat, wird entschuldigen, daß der Bericht iiber die Hauptvcrhandlung in der Untersuchung wider die Keßlerschen Eheleute erst jetzt eingesandt und nur nach Len zufällig mitgetheilten Notizen verfaßt werden konnte. Der hie sige Kurzwaarenhändler Keßler und dessen Ehefrau waren der Widersetzlichkeit beschuldigt und es war nach Anstellung Ler er forderlich geschienenen polizeilichen Recherchen, auch erfolgter Abgabe der Acten wegen Leö gedachten Vergehens dem Antrag der Staatsanwaltschaft zufolge vom Bezirksgericht die unmit telbare Vorladung der gedachten Eheleute beschlossen worden. Mit einer, beim Freiberger Publikum noch nicht bemerkten sel tenen Thcilnahme hatte eine ungemein zahlreiche Zuhörerschaft bei der am 6. l. M. stattgcfundenen Hauptverhandlnng Ler mehrstündigen Verhandlung bcigcwohnt, und Das, sowie die große Meinungsverschiedenheit, die sich nach Publikation des Urthels bemerkbar gemacht hat, rechtfertigt ein näheres Einge hen auf Lie Sache. Der bei hiesiger Stadtpolizeibchörde er statteten Anzeige zufolge war der Nachtwächter Dittrich im De- ecmber 1856 nach Mitternacht in Ler Vorstadt Neusorge einen Mann mit einer Hocke auf dem Rücken und eine Frau mit einem Kober gewahr worden und hatte auf seinen Anruf, was sie da hat te», von Ersterem die Antwort erhalten, „darnach habe er einen Dreck zu fragen, er würde ihm eins in die Fresse hineinhauen, wenn er herankäme". Darauf hin war der Nachtwächter an die Leute herangctretcn, Ler Mann, in dem Jener Len obenge nannten Keßler erkannt, hat den Wächter gefaßt, zu Boden ge worfen, die Frau hatte denselben bei den Haaren gezogen und mit der Hand auf den Kopf geschlagen. Dann war ein Frem der, der Sattlergesclle Brand, wie sich ergab, herbeigekommen und hatte die Drei aus einander gebracht. Die Keßlerschen Eheleute, vor hiesiger Polizeibehörde darüber constituirt, hatten die angezeigten Redensarten und Thätlichkeitcn geleugnet, dage- i gen dem Nachtwächter beigemcssen, daß derselbe Keßler gefaßt und nicdergcworfen, und die verehel. Keßler Beide nur dadurch aus einander zu bringen gesucht habe, daß sie Dittrichs Arm erfaßt. Der Zeuge Brand endlich hatte von dem Vorfall nichts gesehen, nur den Lärm gehört und Dittrichen deshalb zur Rede .gesetzt, auch die Streitenden auö einander gerissen. Mit ziem licher Gewandtheit benahm sich der Angeklagte im Laufe der Verhandlung; er stellte ebensowohl in Abrede, der angezeigten Worte sich bedient, als auch Dietrichen bei der Brust gepackt und nicdergeworfen zu haben, blieb auch im Uebrigen bei seinen an Polizeistclle erstatteten Angaben, hob insbesondere hervor, daß, nachdem er desselben Tages von dem Jahrmarkt in Sayda ! gekommen, er wohl schwerlich Lust gehabt haben würde, sich noch in eine solche Balgerei einzulassen, und wollte, was aller dings nicht recht glaublich erschien, den Nachtwächter in der Person Les Dietrich nicht erkannt, namentlich nicht gewußt ha ben, daß Dietrich Nachtwächter in dem von ihm bewohnten Districte sei. Dagegen gab die Ehefrau des Angeklagten zu, daß sie den Mann als Wächter erkannt, und ihren Mann vom Wächter dadurch, daß sie ihn am Arme erfaßt, wegzuziehen ge sucht habe. Ohne auf Las Weitere noch einzugehen, bemerkt man nur, daß die Cönfrontationen zu keinem Ziele führten; der Angeklagte führte seine Vertheidigung selbst. Nach Wiedereintritt LeS Gerichtshofs erfolgte Verkündi gung deS Erkenntnisses, welches sich dahin aussprach, daß die Keßlerschen Eheleute, — weil die richterliche Ueberzeugung, daß Keßler Dittrichen mit Thätlichkeitcn bedroht, sich auch demselben unter Anwendung von Gewalt widersetzt habe, durch Dittrichs eidliche Aussagen, deren Glaubwürdigkeit durch den Gesammt- eindruck der Beweisaufnahme und der hierbei zur Anschauung gelangten Persönlichkeit des Angeschuldigten einer uzid deS Zeugen Dittrich anderer Seits außer allen, Zweifel gesetzt worden, voll ständig begründet worden, hiernächst die Angeschuldigte, verehel.- Keßler, nach ihren Geständnissen in Verbindung mit den Ditt- richschen Aussagen ebenfalls für überführt anzusehcn sei, daß sie sich an dem Nachtwächter Dittrich bei Lem Handgemenge in Ler Absicht, ihren Mann zu befreien, in mehrfacher Weise thät- lich vergriffen habe und nun, soviel die rechtliche Beurtheilung des Vergehens anlange, dasselbe als Widersetzlichkeit im Sinne des Art. 142 des Str.-G.-B. anzusehen sei, zumal auf das Vor, geben der Angeschuldigten, daß ihnen die Eigenschaft DittrichS als Nachtwächter unbekannt gewesen, unter den obwaltende» Umständen keinen Glauben verdiene, — und zwar Keßler mit 4, die verehel. Keßler mit 1 Monat Gefängniß zu bestrafen. Die Sensation, die das Erkenntniß unter dem Publicum her vorbrachte, war sehr deutlich bemerkbar. — Die am 13. Februar stattgefundene Hauptvcrhandlung be traf nichts als Diebstähle. 10 Stück, von dem aus Niederschöna gebürtigen, hier wohnhaften Handelsmann Carl Gottlob Böhme verübt. Der Fall war einfach, allenthalben Geständniß und die Strafe Arbeitshaus in Dauer von Einem Jahr 8 Monat 1 Woche. Ein Seitenstück zu der am 6. gehaltenen Hauptverhandlung kam am 17. dieses Mon. zur Verhandlung. Auch ein Stadt kind, der Bergarbeiter Carl Julius Rötzschke von hier, jetzt in Zwickau, hatte sich gegen die öffentliche Autorität widersetzt und einen Polizeiofficianten gröblich beleidigt. Die vorgeladenen i Zeugen wurden, da der Angeklagte in der Hauptsache Alles ein- ! gestanden hatte, sofort wieder entlassen; Schade war es, daß hinsichtlich der Excesse der Polizeiofficianten bet der Jnhaftirung Nötzschkes — wie Rötzschke vorgab und von Seiten der Offi- cianten im Laufe der Voruntersuchung theilweise gestanden wor den — nicht weitere Erörterungen und zfvär jedenfalls, weil kein Antrag Nötzschkes vorlag, angestellt wurden. Rötzschke ward zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt. Chemnitz, 14. Febr. Einen tiefen Eindruck machte auf alle Anwesende die öffentliche Gerichtsverhandlung, welche ge stern hier stattfanL. Ein Mann von 31 Jähren, Glied einer geachteten wackern Kaufmannsfamilie, der sorgfältig erzogen, mit sehr gutem Schulunterricht versehen, in Augsburg herange bildet und mit einem vortrefflichen Zeugniß über eine elfjährige Führung entlassen wurde, der dann höchst ehrenwerthe Stellun gen in Wien und an andern Orten eingenommen hat, auch hier in Chemnitz eine Stelle erhielt, um welche ihn mancher, den gebildeten Ständen angehöriger Beamter, welcher der Ver sorger einer starken Familie ist, beneiden mochte; ein Mann, der in den angesehensten Familien der Stadt freundliche Auf nahme gesunden und durch sein sicheres Auftreten eine gewisse Geltung erlangt hatte — der Handlungscommis Hyrenbach aus Lindau, >var beschuldigt und geständig der Unterschlagung im Gcsammtbetrage von 234 Thlr. 15 Ngr., womit auch Fälschung der Bücher als Fortsetzung concurrirt. Leichtsinnige Genuß sucht, Großthucrei und Verschwendung hatten ihn zum Verbre cher gemacht. Das Urtheil lautete auf ein Jahr acht Monate Arbeitshaus. Prag, 16. Febr. (D. A. Z.) Wieder eine Eisenbahnron- cession in und für Böhmen! Das bereits vor längerer Zett zusammengctretene Comitö zur Führung einer, Eisenbahn von Tcplitz nach Karlsbad, bestehend aus dem Fürsten Lobkowitz, Graf Oswald Thun, I. B. v. Riedl und der Dessauer Bank, hat heute die Concession zu den Vorarbeiten für diese Eisen bahnstrecke erhalten. Die Bahn wird sich an eine von Eger nach Karlsbad laufende Zweigbahn der Böhmtsch-Bairischen-Ei- scnbahn, deren vor einigen Tagen erfolgte Concessionirung be reits gemeldet wurde, anschließen. An der Rentabilität der Teplitz-Karlöbader Bahn kann Niemand zweifeln; denn abgesehen von dem Fremdenverkehr auf dem Wege nach Karlsbad, das