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Erl chcint jeden Wochentag früh 9 Uhr. Inserate wer den bis Nachmittags 3 Mr fiir die nächst erscheinende Nummer angenommen. Freiberger Anzeiger und Tageblatt. ' Preis vierteljährlich 15 NM. Inserate werden di« gespaltene Zeile oder deren Raum mit 5 5p berechnet. 27. Dienstag, den 3. Februar. 18Z7. j , , . .-—7 TagkSlMhichte. Dresden, 31. Jan. (Dr. I.) Mit dem heutigen Tage ist der Entwurf einer Gewerbeordnung für dasKö-f nigreich Sachsen zur Ausgabe für das Publikum fertig ge- - worden. Mit allerhöchster Genehmigung bat das Ministerium . des Innern diesen Entwurf in der Gestalt, wie er aus seinen i Berathungen hcrvorgegangen ist und wie er zunächst dem Gut- achten des Staatöralhs über die adoptirten Grundsätze unter worfen werden soll, bevor er in Gemäßheit dieses Gutachtens s anderweit berathcn und den Ständen vorgclegt wird, drucken lassen und der Meinhold'schen Hofbuchdruckerci in Verlag ge- geben, woselbst dieser Entwurf für Jedermann zu haben ist. Denn eS schien in jeder Beziehung zweckmäßig, vor endlicher Feststellung des Gesetzes über diese alle bürgerlichen Kreise so tief berührende Umgestaltung der Formen des Gewerbebetriebes auch die Stimmen der Betheiligten zu hören, um dieselben, so weit sie durch Sachkenntniß und Objektivität sich als der Be rücksichtigung werth darstellen, bei der weitern Bearbeitung be nutzen zu können. Der Entwurf, wie er vorliegt, erscheint nach Obigem keineswegs äußerlich genau in der Gestalt, welche künf tig das Gesetz tragen wird. Es kam darauf an, die Grund- § sätze der neuen Gewerbeordnung dem Urtheile zu unterwerfen. Eine blose Zusammenstellung mehr oder weniger allgemeiner und abstrakt klingender Sätze hätte diesen Zweck, wenigstens bei den praktischen Gewerbtreibenden, sicherlich verfehlt. Denn man kann die Tragweite solcher Sätze nur an den Folgen mes sen, welche sie auf die Einzelnheiten der Gewcrbcvcrfaffung und des Gewerbebetriebes äußern. Daher mußte, und zwar häufig s unter Aufnahme von Dingen, welche einst nicht ins Gesetz selbst ! ausgenommen, sondern der Verordnung überlassen werden kön- ! nen, eine vollständige Zusammenstellung aller irgend wichtigen Bestimmungen gegeben werden, nach denen sich künftig unser Gewcrbelcben regeln soll. Darauf, wie viele dieser Bestimmun gen im Einzelnen ausgedrückt sind, ob die eine besser in die Verordnung, Lie andere in Las Gesetz gehöre, kommt cs jetzt nicht an, sondern darauf, ein vollständiges Bild des künftigen Zustandes, wie man sich ihn gedacht hat, zu geben und ein Urtheil über Las System möglich zu machen. Es ist daher auch zu wünschen, daß die Kritik sich von einem, dermalen noch verfrühten Aufstcchen von Einzelnheiten der Fassung, des Aus drucks und der Anordnung ab- und dem Wesentlichen, der Dis kussion der Grundsätze allein zuwendcn möge. Dresden. Die Anfertigung neuer königl. sächsischer Kasse nbillets ist nunmehr soweit vorgeschritten, daß mit Ausgabe derselben an Stelle der seitherigen, in den Jahren 1840, 1843, 1846 und 1848 emittirten Kassenbillets begonnen werden kann. Im Ganzen werden 9 Mill. Thlr. neuer Kassenbillets ausgegeben; davon 7 Mill, als Emissionsquantum an die Stelle der zeitherigen in Umlaufe gewesenen Kassenbillels und 2 Mill. Thlr. als ein zunächst der Staatsschuldenkasse abzugcbendes > Neservequantum. Das Gesammtquantum der neuen Billets wird in folgenden Appointgattungen bestehen: 2,500,000 Stück Icktt. ä. ä 1 Tblr; 400000 Stück I^itt. ». » 5 Thlr.; 150,OM Stück Icktt. c:. ä 10 Thlr; 75,000 Stück Icktt. v. ä 20 Thlr. und 30,OM Stück Imtt. k. ä 50 Thlr. Mil Ausgabe der neuen Billets wird bei der Finanzhauplkasse am 2. Febr. 1857 der Anfang gemacht werden. Der Umtausch der zeitherigen Kassenbillels wird am 1 Juli 1857 beginnen und bis mit 30. Juni 1858 dauern. Die Größe der neuen Appoints wächst mit der sie repräsentircnden Summe. Die Farbe betreffend, so ist Las Papier bei den Appoints zu 1, 10 und 50 Thlrn. bläulich Weiß, bei den zu 5 und 20 Thlrn. lichtgelb. Als Wasserzeichen dcS.Papiercü haben sämmtliche Appointgattungen am obcrn Rande die Buchstaben li 8. 1^. L hell in einer Vignette. Das Nähere enthält die im Dresdner Journal vom 30. Jan. und in der Leipziger Zeitung vom 30. Jan. abgedruckte Verordnung LeS Finanzministeriums vom 26. Jan. 1857. Aus Gebesee bei Erfurt berichtet die Magdeburger Zei tung unterm 27. Jan: „Ein schweres Unglück hat gestern den hiesigen Amtmann Hindersinn, Pächter des v. Brücken'schefi Ritterguts betroffen. Än dem genannt?« Tage wurde auS der Fabrik desselben Spiritus verladen, wobei er gegen Abend njit einem Verwalter und seinem Kutscher (Namens Koch) in einen der Keller ging, worin der Spiritus lagert. Hier kommt die Flamme der mitgenommenen Laterne, welche der Verwalter trggt, mit Spiritusdünstcu in Berührung und sofort schlägt eine skgrze Flamme empor, welche bald auf einer andern Seite weltye Nahrung erhält. Der Verwalter wirft im Schreck die Latern.e fort und eilt hinaus, ihm folgt der Kutscher; Ersterer mit einer leichten Brandwunde. Der Amtmann Hindersinn dagegen ist nicht so glücklich, alsbald die Thür zu finden, errreicht jedpch eins der Kellerlöcher, aus welchem er um Hilfe ruft, aber auch die Flamme herausschlägt. Der Kutscher Koch hat den Much herbeizueilen, und zieht seinen Brotherrn brennend heraus, worauf er ihn sofort in ein Jauchenloch taucht und den Brand löscht. Es ist Hoffnung vorhanden, daß Beide am Leben erhalten wer den, da ärztliche Hilfe gleich zur Stelle war, obgleich namerü- lich Hindersinn schwer darniederliegt. Des Brandes ist man nach großer Anstrengung Herr geworden." Man schreibt aus Naumburg a. d. S. vom 25. Jan.: „Es macht sich nach verschiedenen Seiten hin seit einer Woche in der Stadl und Umgegend eine gewaltige Unsicherheit geltend, die sich hier und da bis zu der Angst steigert, die Hohlwege und Spaziergänge am Walde und durch denselben zu betretest. Man spricht von mehren Raubanfällen und Verwundungen, die in den Gegenden nach Mittag und Abend vorgtkommen sind, und zwar gegen das schwache wie starke Geschlecht. Zwar siizd die zur Ausführung des Raubes vollführten Verwundungen nicht lebensgefährlich, aber sie haben doch, abgesehen vom Schreck, Schmerzen in Menge und längere Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Nach den übereinstimmenden Angaben über den die Gegend un sicher machenden Wegelagerer scheint es eine und dieselbe Per son zu sein, die je nach Umständen bald da-, bald dorthin schweift, aber alle Mal nur anr Tage Wandernden auflauert, die Geld und Uhr zu besitzen das Ansehen haben. Bisjetzt ist es noch nicht gelungen, des Frechen habhaft zu werden. Aus Mailand, vom 26. Januar, wird der „Alla. Z." berichtet: Die ganze Stadt Mailand war freiwillig (ohne irgend eine direkte oder indirekte Aufforderung) mit Blitzesschnelle schon gestern Abend aufs Festlichste beleuchtet. Die Straßen, dse Kaffee- und Gasthäuser waren überfüllt. Uebcrall herrschte der größte Jubel. Verschiedene Gruppen junger Leute durchzogen singeyd die Straßen. Man vernahm lauter echt österreichische Lieder mit dem oft wiederholten Refrain: „Treue unserm Kaiser!" (keäeltä »I oostra Imporatore!) Was aber auf dem Hofburgplatze vor ging, ist durchaus unbeschreiblich. Bis auf Len Domplatz.wa ren Menschen jeden Geschlechts, Alters, Standes, Ranges Vicht aneinander gepreßt, die in Einem fort in die Hände klatschten, weiße Tücher schwenkten und aus voller Kehle Vivat riefen und andere freudige Akklamationen ausstießen. Gegen 9 Uhr fuhren die Majestäten ins Theater. Nun entstand ein neuer grenzenloser Enthusiasmus. Die Majestäten fuhren, wie ge wöhnlich, ganz ohne Bedeckung und diesmal auch ohne Bor- rciter, in dem vom Fabrikanten Sala verfertigten schönen Glas-, galawagen zweispännig in'S Theater. Ein Wunder, West« dieses Meisterwerk moderner Wagenfabrikation unbeschädigt blieb, denn daS Volk hängte sich überall an, und da es durch aus nicht gestattet werden wollte, die Pferde umzuspannen, so führte das Volk die Pferde und begleitete massenhaft »tyter d?n herzlichsten und lautesten Vivatrufen die Majestäten bis zur Scala. Als der Kaiser und seine Gemahlin in der Mittlern großen Hofloge erschienen, gegen den Schluß des zweiten Actes von Verdi's „Trovatore", erhob sich ein wahrhaft beispielloser donnernder Jubelruf. Alles stand auf; Alles, gegen me Hof loge gewendet, schien sich die Hände wund zu klatschen und hei ser rufen zu wollen. Eine so umfassende, durch Nichts be schränkte Amnestie muß jedenfalls auch als ein politischer Akt von größter Tragweite betrachtet werden. Eine halbe Million österreichische Bayonnete mehr in Italien könnte bei Weitem