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Freiveraer Anzeiger deu bis Nachmittags 3 Uhr für die nächst- UN0 / erscheinende Nummer angenommen. Tageblatt. Preis vierteljährlich^ Inserate werden" die gespaltene Zeile' oder deren Raum mit S berechnet. 18. Freitag, den 23. Januar. 1857. Tages^eschichte. Freiberg. Oeffentliche Gerichtsverhandlungen finden statt den 27. Januar. Vormittags 9 Uhr: Hauptverhandlung in der Untersuchung gegen Carl Heinrich Güldner und Carl Au gust Schmidt wegen Unterschlagung und Partiererei. Nachmit tags 3 Uhr: Verhandlungstermin in der Untersuchung gegen Johann Gottfried Dietrich in Schönfeld wegen Beleidigung. Berlin, 20. Jan. Der Ministerpräsident Frhr. v. Man teuffel machte dem Abgeordnetenhause folgende Mittheilung: „ Meine Herren! Als die gegenwärtige Session des Land tags eröffnet wurde, haben des Königs Majestät am Schluß der Thronrede den Fall zu bezeichnen geruht, in welchem Aller- höchstdicselben die Wehrkraft des Landes für diejenigen Ereig nisse aufzubieten entschlossen seien, welche sich in Neuenburg zu getragen. Wir waren willens, vorbereitet und im Stande, für Lie Rechte des Königs mit den Waffen einzutrcten. Aber Liese Nothwendigkeit liegt jetzt nicht mehr vor. Wir haben nunmehr Kunde, daß die in Neuenburg in Haft gehaltenen Unterthanen des Königs bedingungslos auf freien Fuß gesetzt sind. Es wird jetzt also möglich sein, die neuenburgischen Verhältnisse im Wege einer Conferenz mit den Großmächten zu ordnen. Wenn schon ich mich auf Liese Bemerkung beschränken muß, so habe ich doch nicht unterlassen'wollen, dem hohen Hause von dieser Sachlage hiermit Kenntniß zu geben." — Die N. Pr. Ztg. ist vom Grafen Wartcnsleben aus Carow ersucht worden, folgendes Anerbieten zu veröffentlichen: „Da unter Len tapfern, nun in Freiheit gesetzten königlich gesinnten Neuenburgern, welche ihr Vaterland bis nach ausge tragener Sache verlassen sollen, doch vielleicht Manche sich fin den könnten, Lenen augenblicklich oder bis dahin eine Zufluchts stätte fehlt, ich aber durch einen meinem Urältervatcr dem Feld marschall Grafen Wartcnsleben 1722 für ihn selbst und seine Nachkommen ertheilten Bürgerbrief mich deshalb zu den kö niglich gesinnten Bürgern Ncufchatels zähle, so glaube ich auch vorzugsweise die Pflicht zu haben, meinen gleichgesinnten Mit bürgern daselbst, die dessen bedürftig sein könnten, auf meinen hiesigen Besitzungen eine Zufluchtsstätte anbielen zu müssen, und bitte diese mir sinncöverwandtcn Ehrenmänner, von diesem Anerbieten zu meiner Genugthuung Gebrauch zu machen und sich an die unterzeichnete Adresse wenden zu wollen. Carow, Lei Genthin (Provinz Sachsen p. Magdeburg). Graf War tensleben, königl. Major a. D- und Kammerherr." Von München wird der Zeitung „Deutschland" geschrie ben: Zu einer neulichen theatralischen Vorstellung beim Grafen Bassenheim, wobei auch eine sehr hohe Person zugegen war, sollten mehre Hofschauspieler zugezogen werden. Der Herr Hof- theaterintenLam Dingelstedt aber hatte zur gleichen Stunde Theaterprobe angekündigt. Als nun hingeschickt wurde, Din gelstedt möge die Betreffenden entlassen, soll Dingelstedt auf die , Ler Frage: wer herschickc? cntgegengehaltene Antwort: „Se. Maj. der König Ludwig", geantwortet haben: „Wenn sonst Niemand, dann bleiben sie da!" Erst auf ausdrücklichen Befehl Ihrer Majestät der Königin Marie hatte Dingelstedt es gewährt. Als nun ein Paar Tage, nachher Dingelstedt dem greisen Könige begegnet sei und seine Reverenz habe erzeigen wollen, habe König Ludwig abwehrend geäußert: „Dingelstedt behalten Sic den Hut auf, cs ist ja nur dcr König Ludwig!" Kassel, 18. Jan. Die der Stadt gehörigen Gebäude, Las Hallcngebäude am Königsplatz und die Kaserne vor dem KönigSthor, sind auch noch einer Durchsuchung nach Waffen unterworfen worden. In letztcrm hat man denn auch ganz natürlich eine Partie Säbel, Hirschfänger mit und ohne Kup pel und Porteöpöes, sowie Patrontaschen vorgefunden, da die städtische Behörde Liese Gegenstände, welche Eigenthum der Stadt waren, im Frühjahr 1852 neben den Momirungsstücken von den Bürgergardistcn, gegen Quittung, abholen ließ und sie irgendwo nicderlegen mußte, während bei der Entwaffnung der Dürgerwehr die einzelnen Mitglieder derselben Hur' verpflichtet worden waren, die im Dienst gebrauchte Schießwaffe resp. Ca- vallerie und Officiercorps die blanke Waffe an das Zeughaus abzuliefern. Die vorgefundenen Waffen, sowie einige schwarz» roth-goldene Fahnen, welche im Jahre 1848 bei Festlichkeiten gebraucht oder auf städtischen Gebäuden gestanden, wurden vom Militär abgeholt und ins Zeughaus gebracht. Darmstadt, 16. Januar. Den Ständen ist folgende Proposition wegen einer Apanage der beiden Neffen des Groß herzogs zugegangen: „Die durchlauchtigsten Söhne Sr. großh. Hoheit des Prin zen Karl, Se. großh. Hoheit der Prinz Ludwig, geboren am 12. Sept. 1837, und Se. großh. Hoheit der Prinz Heinrich, geboren am 28. Nov. 1838, haben nunmehr das achtzehnte Lebensjahr überschritten. Ihre großh. Hoheiten befinden sich bekanntlich nicht im Besitz eines zu einer standesgemäßen fürst lichen Existenz ausreichenden eignen Vermögens. Auch haben Höchstdieselben, da sie nicht Söhne eines regierenden Herrn sind, nicht ohne Weiteres einen rechtlichen Anspruch auf den Betrag der den Letzter« gebührenden vereinbarten Apanage. Es bedarf aber keines Nachweises, daß es den Interessen und Wünschen des Landes ebenso sehr als denjenigen des großherzoglicheu Hauses entspricht, wenn Ihren großh. Hoheiten, den Prinzen Ludwig und Heinrich nunmehr die Mittel zu einer einigermaßen standesgemäßen Existenz gesichert werden. Se. k. Hoh. Ler Groß herzog haben deshalb ihrem Ministerium des großherzoglichen Hauses befohlen, den Ständen die Proposition zu machen, dqß einem jeden ihrer Herren Neffen, den Prinzen Ludwig und. Heinrich, vom 1. Januar 1857 an die Summe von jährlich 18,000 Fl. als Apanage bewilligt werde. Der Weser-Zeitung schreibt man aus Bremen: Wie wir erfahren, hat die hiesige Polizei am 17. Jan. Abends einen jungen Mann in Hast genommen, welcher verdächtig ist, un weit Loccum einen Reisegefährten erschlagen und dann beraubt zu haben, und der dieserhalb von der Staatsanwaltschaft zu Nienburg steckbrieflich verfolgt wurde. Man soll noch Blutspü-s ren an seinen Kleidern und in seinem Besitz eine Uhr gefunden haben, welche er wahrscheinlich dem Erschlagenen abgenommen hat. Noch nicht völlig 22 Jahre alt, soll er schon früher die Verbrecherlaufbahn betreten haben und mehrfach bestraft sein. Er ist bereits durch zwei hiesige Polizeibeamten nach Nienburg abgeführt und wird ohne Zweifel wegen Raubmordes vor LaS Schwurgericht gestellt werden. Paris, 19. Januar. (K. Z.) Feruk Kahn, der außeror dentliche Botschafter des Schahs von Persien beim Kaiser der Franzosen, ist gestern Abend um 7 Uhr in Paris angekommen. Der Empfang des Gesandten war sehr einfach. Ein Beamter des Ministeriums des Aeußern und einige Eisenbahnbeamte be grüßten ihn allein am Bahnhofe, da er sein Jncognito zu be wahren wünschte. Man hatte zuerst geglaubt, daß Feruk Kahn Abends um 11 Uhr ankommen würde. Derselbe verließ aber unterwegs auf der ersten Station nach Lyon den Zug, in wel chem er sich mit seinem ganzen Gefolge befand, und begab sich mit 15 Personen seiner Suite vermittelst eines besondern Zuges nach Paris. Seine übrigen Begleiter kamen erst um 11 Uhr an. Feruk Kahn stieg in einem Hotel der Rue-Montaigne Nr. 46 (Champs-Elysees) ab. Dort wohnt auch sein ganzes Ge folge, bestehend aus zwei Rächen, Mirza-Zeman Kahn und Mirza-Maleolm Kahn; zwei Dragomans, Mirza-Beza und Mohamed-Ali-Aga; zwei Secretairen, Neriman Kahn und Mirza- Aali-Ncgui; aus einem ersten und zweiten Schriftsteller, Mirza- Ebol-Gaffem Kahn und Mirza-Hussein; aus zwei Student««, der Medicin, Mirza Hussein und Mirza Reza; aus einem Pro fessor des königlichen Collegiums von Teheran, Toquetti, und, zwanzig Bedienten. Dcr Minister des Aeußern hatte Wagen nach dem Bahnhofe geschickt, um den Gesandten und sein Ge folge nach ihrem Hotel zu bringen. Sechs prächtige schwarze Pferde, von denen vier für die Kaiserin bestimmt sind, trafen mit dem Gesandten ein. Feruk Kahn ist eilt Mann von 40 Jahren. Er ist sehr groß. Sein Gesicht ist gebräunt und seine Augen und sein Bart sind ganz schwarz. Er trug die astracha- nische Mütze und eine mit Pelz besetzte seidene Pelisse. Die Diener des Gesandten trugen die persische Nationaltracht.