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Aeußerung nicht einmal iderseitigen Verhältnissen i, indem er zugleich Her ¬ ne ganze Gemeinde Lem durch ein Ehrendenkmal eine Beleidigung sei: es je häufiger der Dienstbote, beizutragen. — Am 29. Dec. vor. meinde Niederschöna» ein seltenes TagkSlMhichle. Freiberg, 3. Jan. (Oeffentliche Gerichtsverhandlungen.) Die heute früh über die von Christiane Juliane Wolf aus Bur kersdorf und Christiane Friederike Reichelt aus Pfaffroda wie der Lie sie wegen Diebstahls zu S Monaten Arbeitshaus unter Schärfnng durch Entziehung der warmen Kost auf 90 Tage, beziehendlich zu Gefängnißstrafe in Dauer von drei Monaten und einer Woche verurtheilenden Erkenntnisse der Gerichtsämter Frauenstein und Sayda können wir, La sie kein Interesse boten, füglich mit Stillschweigen übergehen. Dagegen müssen wir über die dritte Verhandlung ausführlicher berichten, weil sie Veranlassung giebt, erstens, die Unfergerichte vor zu geneigter Annahme von Denunckationen der Dienstboten und Taglöhner gegen ihre Brotgeber zu warnen, u^d zweitens die letzter» da durch zu belehren, daß nicht jede Via der Dienstherrschaft oder dem Arbeitgeber gelassene Aeußeruns eine Beleidigung sei: es scheint dies um so wünschenswerther, je häufiger der Dienstbote, Arbeiter re. seine Stellung dem Brngeber gegenüber verkennt und sich durch dessen Gebahren beleülgt glaubt, wo cs sich nur um einen Vorhalt, zurechtweisender Tadel re. handelt. Die Haushälterin Pauline Dcntschebein ' mühle hatte das Vorkommen von licher Anblick zu sehen, daß dem Wo, bührt!" Geltung wird, und wenn einstimmig nachstrebr und sich selbst setzt, so können wir cs uns nicht bersten, nm der guten Sache willen, auch öffentlich einen BausteiiLu solchem Ehrentempel L. — Jsfeierte nämlich die Ge- chclfest; das 50jährkge Gutsbesitzer und das Äncckennungsfcst des zcüherigcn Gem^devorstankes und Rich ters Kühn für 18jährige treugcleistete Lenste als Gemeindevor stand. Als nämlich bet der vor Kurzsi statlgefundenen Neu Wahl der Gemeindebeamten Derselbe, njen vorgerückten Alters, Tadel re. handelt. Die in der Stadeschen Papier- Entwendungen von Eiern ^löhnerinnen ein- und aus zugehen hatten, bemerkt und endlich/üenselben, namentlich aber vorhob, daß demselben im vorliegenen Falle die Absicht, zu beleidigen, fehle. Der Vertheidigcr b mtragte demgemäß Straf freisprechung der Bezüchtigten und r den Fall, daß der Ge richtshof obige Ansicht nicht theilen sole, lediglich die Ertheilung eines Verweises. Die StaatSanwa chaft trat den Ansichten des Vertheidigers, soweit es sich darr, handelte, daß höchstens eine Beleidigung, nicht eine Verleumdung, vorliege, bei und der Gerichtshof verkündete nach seine Straffrcisprechung lautende Erkcnntm j- Ans Niederfchönau muß i Ihnen etwas recht Er hebendes und Beherzigcnswerthcs mit eilen: Es ist ein erfreu licher Anblick zu sehen, daß dem Wise: „Ehre, Lem Ehre ge- bcr durch minder subtile Auffassung :r von ihren Untergebenen wieder sie angebrachten Beschwerden crathen müßten, auslassend, griff er das erstinstanzliche Erkenntni zunächst umdeswillcn an, weil es Lie gerügte Aeußerung als eie bei weitem härter, als eine Beleidigung zu ahndende Berle ndung und nicht als jene angesehen habe, und weil in sothan Freiberg. Eine öffentliche terichtsverhandlung findet statt den 9. Januar Nachmittas 3 Uhr: Verhandlungs termin in der Untersuchung gegen Johann Traugott Zenker aus Zethau. ihr hiergegen eingewcndeten Einspficb bereits in schriftlicher Eingabe motivirt und führte heute n längerer Rede dieselbe noch weiter aus. Im Eingang sich kürzlich darüber, in^welch mißliche Stellung die Dieniihcrrscha en und sonstigen Brotgc- die Wiederannahme seines Amtes auss Bestimmteste ablehnte, wurde hier und da ein Wort des Bedauerns laut und die nur leise hingeworfene Bemerkung von einer öffentlichen Anerkennung fand sofort und allgemein den lebhaftesten Anklang, und da hierbei zugleich bekannt wurde, daß der Vater Damm nun 50 Jahre Gutsbesitzer sei, so beschloß man die Feier eines Doppelfestcs, wie es in Nachstehendem beschrieben ist. Nach dem in aller Stille die Vorbereitungen getroffen waren, versam melte sich bei weitem der größte Theil aller Männer und Frauew auf der Schule, um von hier aus im geordneten Zuge, ein Musikchcr an der Spitze, welches schon am Morgen den beiden Ehrenpersonen, den auögeschiedenen und den neueingetretenen Gemeindebeamten ein Morgenständchen gebracht, angeführt von dem Geistlichen und dem Lehrer des Orts, zuerst den Gutsbe^ sitzer Damm und dann den Gemeindevorstand und Richter Kühn zu einem Festmahle im Gasthofe, nachdem jeder von ihnen durch eine kurze, herzliche Ansprache des Geistlichen zum Mitzuge aufgcfordert worden war, abzuholen. Schon dieser Fcstzug zeigte durch die große Anzahl der Theilnehmer, daß die kleinen Spaltungen, die bei der Neuwahl, wie gewöhnlich überall, so auch hier, entstanden waren, keinen liefern Riß in das schöne Band der Eintracht, das diese Gemeinde seit vielen Jahren umschlungen, gemacht hatten, weit mehr aber zeigte dies die allgemeine Fröhlichkeit bei dem Feste selbst. Im Gast* Hofe ««gekommen, wendete sich der Ortsgeistliche zunächst an de» Vater Damm und sprach sich in längerer Rede über die Bedeutung solchen Tages für ihn und für Alle aus, worauf sich der Lehrer an den abgehenden Gemeindevorstand wendete, die Schwierigkeit dieses Amtes in so großer Gemeinde hervorhob und dabei erwähnte, welche Verdienste, die auch allgemeine An erkennung finden, sich Derselbe erworben. Nachdem sich eben falls der Lehrer nun noch an den neuen Gemeindevorstand ge wendet, war der allgemeinen Heiterkeit Raum gegeben, die in zahllosen Toasten sich Luft machte. Nach dem Festmahle folgte wie gewöhnlich ein Tänzchen. Höchst zufrieden, doch innig be wegt von Ler Bedeutung solchen Festes, kehrte Jeder in seine stille Klause heim. Wie wenig werden oft die beschwerlichen Mühwaltungen öffentlicher Gemeindebeamten anerkannt! Möge auch dieses Beispiel zur Nachahmung dienen! * Zwickau. Dem Prorector des Gymnasiums zu Zwickau, Herrn I^io. tbool. vr pliil. F. A. Heinichen, ist durch ein vom 23. December v. I. erlassenes Decret des hohen Cultusmini» stcrit für seine bewährte Amtsführung wie wissenschaftliche Tüch tigkeit, der Titel eines Professors beigelegt worden. Dresden. Die vom Staatsminister 0r. v. Zschinsky über dessen Gesundheitszustand neuerdings in Dresden ringe-, gangenen Nachrichten lauten erfreulicherweise fortwährend sehr befriedigend. Derselbe hat nach dem Dresdner Jourual dieser Tage Vevay verlassen, um sich nach dem südlichen Frankreich zu begeben. - Die Dresdner Dorfzeitung schreibt: Die Verhaftung des früher« Gerichtsassessors und Landwehrlieutenants Ziepet, der sich 1850 der Einkleidung der Landwehr widersetzte, flüchtig wurde und nach Australien ging, wo er sich ansässig gemacht hat, ist Gegenstand von Reklamationen der englischen Regierung geworden. Herr Ziepel, obgleich noch nicht englischer Unterthan, reiste doch als solcher und mit einem englischen Paß. Er be trat die preußische Grenze auch nicht, sondern erwartete in Dres den seine Mutter und seine Braut, um Beide mit nach Austra lien zu nehmen, wurde jedoch in Dresden erkannt, festgenom- men und nach Preußen geschickt. Man bedauert allgemein de« Gefangenen, Ler nach Magdeburg gebracht worden ist, wo ihm Ler Proceß vor dem Militärgericht gemacht wird. Man hofft, daß sein Dchtcksal durch die Gnade des Königs eine günstige Wendung nehmen wird. Leipzig. Obgleich man sich «m Voraus von der dies maligen Neujahrsmesse wenig versprochen hatte, so ist dieselbe doch in ihren bisherigen Resultaten gegen diese Erwartung noch mehr zurückgeblieben. Von fremden Einkäufern sind, außer schwacher deutscher Kundschaft, einigen wenigen aus der Moldau