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hielt dafür das Portemonnaie des Conditors mit 5 Mark. Daraus zärtlicher Abschied; der Conditor ging und nimmer kehrte er wieder. Der Geschädigte, der zu spät erkannte, das; er betrogen war, machte nachmals Anzeige bei der Polizei, die den Schwindler nunmehr eifrig verfolgt. — Am 30. August Mittag I Uhr brach in Pfaffen Hain ein Schadenfeuer aus, welchem die Scheunen der Gutsbesitzer Lasch und Fritzsche zum Opfer sielen. Leider verunglückte der Gutsbes. Hasel in Niederdorf (stellvertr. Nohrführer) beim Laschen durch den cin- stürzenden Blitzableiter; schwer verletzt mußte derselbe safart von der Brandstelle getragen werden. — Werdau, 2. Septbr. Heute Nachmittag wurde der Spinner L. von hier, der die Pferde eines in der Nähe des Bahnüberganges des Zwickauer Geleises haltenden Frachtgeschirres am Zügel hielt, als diese durch irgend einen Zufall scheuten, niedergeworfcn und derart überfahren, daß man stündlich das Ableben des Bedauerns- werthen erwartet. — Plauen, 1. Septbr. Ueber die Firma I. G. Nogel und Sohn, Pianofortefabrik, die am Mittwoch einen ihrer Theil- Haber durch Selbstmord verloren hat, ist nunmehr das Concursver- fahren verhängt worden. Der traurige Schritt hat somit seine Er klärung gefunden. — In Mittweida hat der Verein der Schankwirthe beschlossen, wie bisher nur 0,5 Litergläser zu gebrauchen. — Gelen au. Unser Dorf war am 26. August der Schauplatz einer ernsten Feierlichkeit; es wurde das Denkmal enthüllt, welches die Erinnerung an die bei der Wassersinth im vorigen Jahre daselbst verunglückten Feuerwehrmänner wachzuhalten bestimmt ist. Die Weih rede hielt der Ortspfarrer Pastor Dr. Fritzsche. Das Denkmal, sagte er u. A., sei ein Merkstein wehmüthiger Erinnerung, ein Zeichen inniger Liebe und Dankbarkeit, eine Mahnung, jederzeit zum Ab scheiden gerüstet zu sein. — ,1. Sayda, 4. September. Am 1. d. M. Abends ist im nahegelegenen Georgensdorf in der dasigen Liebscher'schen Holz schleiferei ein daselbst beschäftigter Arbeiter in; gehenden Zeuge mit der rechten Hand unter eine Walze gerathen und dadurch ihm die Hand vollständig abgerissen morden. Kurz zuvor verunglückte in selbiger Schleiferei ein anderer Arbeiter dadurch, daß er zufolge vor zeitigen Abspringens von dem von ihm benutzten Fahrstuhle mit den Beinen unter denselben gerieth, wobei ihm die Beine zerquetscht wurden. — Auch hierorts ist der vorgestrige Tag als Sedautag aus gezeichnet worden; insbesondere hatte Vormittags in der Stadtkirche Seiten des hiesigen Militärvereines Kirchenparade statt; darnach er folgte Umzug durch die reichbeflaggte Stadt und feierliche Bekränz ung des Kriegerdenkmales. — In der Nacht zu gestern haben im benachbarten Dorfe Pfaffroda ruchlose Hände die auf einer von dem dasigen Gutsbesitzer August Richter für jährlich 75 Mark erpachteten Wiese stehenden Heuschober sämmtlich mit Petroleum übergossen; allem Vermuthen liegt ein gemeiner Racheakt vor. — Zum Viehmarkt in Lorenzkirchen, welcher am 29. Aug. abgehalten wurde, waren 1500 Stück Vferde und Rindvieh zum Verkauf aufgetrieben. Verkauft wurde wenig. Die Preise waren durchgehends hohe. politische Aundschau. Deutschland. Kaiser Wilhelm empfing am Montag Vor mittag den Besuch des Prinzen Georg von Sachsen, welcher sich alsdann in Begleitung des sächsischen Kriegsministers^ General der Cavallerie von Fabrice, zu den Cavallerie-Uebungen nach Biesenthal begab. Am Nachmittag des genannten Tages sand beim Kaiser Diner zu Ehren des Prinzen Georg statt, an welchem mehrere Generäle theilnahmen. — Der Berliner Hof hat vom 3. bis 10. September Trauer für den französischen Prätendenten Grafen Cham bord angelegt. Am vergangenen Sonnabend ist die viertägige außerordentliche Sommersession des Reichstages wieder geschlossen worden. Die Re sultate dieser kürzesten aller Reichstagssessionen lassen sich folgender maßen zusammenfassen: Der Hauptgegenstand der Verhandlungen, der deutsch-spanische Handelsvertrag, ist nebst der vielangefochtenen Spritclausel, wonach russischer, in Hamburg rectisicirter Sprit bei der Einführung in Spanien Zollvergünstigungen nicht genießt, fast einstimmig angenommen worden; ferner genehmigte der Reichstag den vom Abgeordneten von Kardorff gestellten Antrag auf Verall gemeinerung der Zollermäßigungen, sowie den Antrag Braun, die Indemnität für die Verfasiungsverletzung, als welche sich die provi sorische, ohne Sanction des Parlaments erfolgte Inkraftsetzung der Vertragsbestimmungen qualificirte, in einem besonderen Paragraphen des Entwurfs auszusprechen und endlich ertheilte der Reichstag noch der internationalen Convention bezüglich der Nordseefischerei seine Zustimmung. — Dank der Bereitwilligkeit, mit welcher die Ncichs- boten dem an sie ergangenen Appell zur außerordentlichen Session Folge leisteten, ist es gelungen, dieselbe in kürzester Frist zu Ende zu führen Und ihr auch einen harmonischen Abschluß zu geben. Die Regelung der Handelsbeziehungen mit Spanien ist nunmehr auf eine völlig sichere Rechtsgrundlage gestellt und der deutsche Handel, die deutsche Industrie können sich jetzt in vollem Umfange die Vortheile nutzbar machen, welche ihnen aus den Bestimmungen des Vertrags erwachsen. Die Sedanfeier ist in diesem Jahre an vielen Orlen Deutsch lands und namentlich in den größeren Städten besonders glänzend und unter reger Theilnahme der Bevölkerung begangen worden. Es Mag hierzu der Umstand, daß das Sedanfest diesmal auf einen Sonntag siel, das Seinige bcigetragen haben, trotzdem ist aber mit Gennglhuung zu constatiren, daß der patriotische Sinn in unserem Volke im Lause der Jahre nichts an seiner Frische und Lebhaftigkeit eingebüßt hat und so wird es hoffentlich immer bleibe». — Leider bat die Sedanfeier in der Neichshauptstadt durch die erschütternde Steglitzer Eisenbahncatastrophe einen recht traurige» Abschluß er halten. Ani Sonntag Abend zwischen 9 und 10 Ühr hatte sich auf dem Bahnhofe Steglitz bei Berlin eine große Menschenmenge ange sammelt, welche den einige Minuten vor 9 Uhr von Potsdam in Steglitz einlreffenden Personenzng zur Rückfahrt nach Berlin benutzen wollte. Letzterer war noch nicht zum Stillstehen gebracht, als die Menge unter Durchbrechung der Barrieren von der falschen Seite auf ihn losstürmte. In diesem Augenblicke brauste von Berlin ein Courierzug heran, mitten durch die Menschenmenge, welche sich auf dem für ihn reservirten Geleise drängte, hindurchfahrend. 18 Frauen, 17 Männer und 5 Kinder waren auf der Stelle todt, 5 Personen wurden schwer verwundet, während sich die Zahl der Leichtver letzten noch gar nicht hat seststellen lassen. Die Untersuchung ist im vollsten Gange, doch scheint das Eine schon festzustehe», daß sich die Perrons des Steglitzer Bahnhofes in Anbetracht der täglich durch- passirenden Züge und des großen Sonvtagsverkehrs als viel zu klein erwiesen haben. Der Oberpräsident von Posen hat die für kommenden Sonntag von den polnischen Kreisen Brombergs anläßlich der Sobieski-Feier geplante Theater-Vorstellung untersagt. Oesterreich-Ungarn. In dem »ngarisch-croatischen Natio nalitäten- und Principienstreit haben die Croate» vorläufig de» Kürzer» gezogen. Die am Sonntag in Wien stattgefundene gemein same Minister Conferenz hat einhellig die Beschlüsse des ungarischen Ministeriums genehmigt und die gesammte Eivil- und Militär-Ver waltung Croatiens dem commandirenden General Namberg über tragen; dem Vernehmen nach haben die Beschlüsse des gemeinsamen Ministerraths bereits die kaiserliche Sanction erhalten. Croatien ist also unter Militärdiktatur gestellt worden und dies dürfte auch das einzige durchgreifende Mittel sein, um den in diesem Lande herrschen den anarchischen Zuständen ein Ende zu machen; daß diese noch an dauern, beweist die Nachricht, daß in Krapina in der Nacht vonk 31. August zum I. September 2000 croalische Bauer» das Gemeiiide- und Steueramt stürmten. Hoffentlich ist auch General Namberg der geeignete Mann, Ruhe und Ordnung in Croatien wiederherzustellen. — Kronprinzessin Stefanie ist am Sonntag von einer Tochter glück lich entbunden worden, deren Taufe bereits am Mittwoch den 5. September im Schloß Laxenburg stattgefuiiden hat. — Am Montag hat in der Klosterkirche Castagnavizza in Görz die feierliche Bei setzung der Leiche des Grafen Chambord stattgefunden. Deni Trauer acte wohnten der Fürst Thurn und Taxis, als Vertreter des Kaisers von Oesterreich, Deputationen der Royalisten ans Frankreich, zahl reiche Geistliche, der Großherzog von Toscana, die Civil- und Militär behörden m s. w. bei. Nachdem der Fürst-Erzbischof unter Assistenz mehrerer Geistlicher die Absolution ertheilt hatte, wurde der Sarg unter dem Geleite der Kirchensürsten und der übrigen hohen Herr schaften zur Gruft gebracht. Frankreich. Im Lager der französischen Royalisten ist ein ernster Zwiespalt ausgebrochen, nachdem sich zu Görz kaum die Gruft über den letzten der bourbonischen Prätendenten geschlossen hat. Die eigentliche Veranlassung hierzu lag in der Anordnung der Gräfin Chambord, daß bei den Leichenfeierlichkeiten in Görz ein näherer Anverwandter (welcher?) des Grafen Chambord seinen Platz noch vor den orleanistischen Prinzen haben sollte. Diese Verfügung hat bei den in Frohsdorf emgetroffenen Prinzen von Orleans derartig verstimmt, daß sie es nicht einmal über sich gewinne» konnten, den sterblichen Ueberresten Heinrich V. in Görz die letzte Ehre zu er weisen. Ohne Görz zu berühren, haben die Prinzen von Orleans, an ihrer Spitze der Graf von Paris, von Wien aus die Heimreise nach Frankreich angetreten und somit zwischen Orleanisten und Legi timisten einen aclatanten Bruch herbeigeführt. Der gerade nicht von großem Taktgefühl zeugende Schritt der orleanistischen Prinzen wird, wie es scheint, von Seiten der Legitimisten wie der Orleanisten Resolutionen und Manifestationen zur Folge haben, die jedenfalls einen eigenthümlichen Nachklang zu den Görzer Leichenfeierlichkeiten bilden. Indessen neigt sich die größere Anzahl der Anhänger des französischen Königtbumes anscheinend den Orleans zu; wie aus Görz gemeldet wird, hielten die Royalisten mehrere Versammlungen ab und sandten dann eine Adresse an den Grafen von Paris ab, in welcher sie denselben als Haupt des Hauses Frankreich anerkennen. An die Gräfin Chambord wurde keine Adresse gerichtet. Spanien. Zwischen der spanischen und der französischen Ne gierung ist das vollständigste Einvernehmen wiederhergestellt worden, nachdem die Beziehungen zwischen Madrid und Paris durch die eigenthümliche Haltung der französischen Behörden gegenüber dem panischen Aufstand getrübt worden waren. Bezüglich Zorilla's, deS xir Zeit in Genf weilenden Führers der spanischen Radikalen, ist ür den Fall seiner versuchten Rückkehr nach Frankreich ein Uebcr- einkommen zwischen den Cabineten von Madrid und Paris getroffen. England. In Glasgow, der Hauptstadt Schottlands, sind dieser Tage 9 Irländer wegen Theilnahme an der im Januar d. I. erfolgten Sprengung des Glasgower Gasometers und. anderer Dynamit-Exceffe verhaftet worden. Man betrachtet diesen Vorfall nur als den Vorläufer weiterer Verhaftungen von Feniern, die in London und Liverpool erfolgen sollen, wo in den letzten Wochen eine ganze Anzahl verdächtiger Personen gelandet ist. — Die „Pall Mall Gazette" bringt anläßlich des Sedanfestes einen Artikel, der in dem Satze, gipfelt, daß Deutschland die einzige Macht sei, die