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Schneider des Verbandsbezirks der Schneider-Corporationen Sachsens, der sächsischen Herzogthümer und Thüringens verbundenen Verbands- AuSstellung von Lehrlingsarbeilen sind aus Ansuchen des Verbandes Seitens des Curatoriums der Müller-Gunkel-Stiftung zur Preisver- theilung für gute Lehrlingsarbeiten aus der Casse genannter Stiftung 400 Mark verwilligt morden; es sind 11 verschiedene Geldprämien festgesetzt, der erste Preis in Höhe von 100 Mark und außerdem gelangen zehn Anerkennungs-Diplome zur Vertheilung; die Geld prämien werde» je in einem auf den Namen des Prämiirten lautenden Sparkasseubuche angelegt und so überreicht. Wie nach den bis jetzt eingegangenen Anmeldungen zu erwarten steht, wird die Betheiligung von Lehrlingen innerhalb des Verbandes an besagter Ausstellung eine überaus zahlreiche. Zu gastlicher Aufnahme und Beherbergung der Congreßtheilnehmer in unserm Gebirgsstädtchen sind von der hiesigen Einwohnerschaft bisher bereits gegen 200 Freiquartiere dem Fest- Comitä zur Verfügung gestellt morden. — Sayda, 27. Juli. Bei dem am gestrigen Abend in hiesiger Gegend aufgetroffenen schweren Gemitter hat iin nahegelegenen Kleinneuschönbcrg der Blitz in eine dem Wirthschaftsbesitzer Hartwig gehörige Scheune eingeschlagen und gezündet; letztere ist mitsammt den in ihr verwahrt gewesenen diesjährigen Futtervorräthen in kurzer Zeit vollständig niedergebrannt. — Heute Vormittags ist der Wirth schaftsbesitzer David Kaden hier von seinem sonst lammfrommen Pferde bei Gelegenheit eines dasselbe überkommenden Kolikansalles dermaßen vorn an den Hals geschlagen worden, daß an seinem Auf kommen gezweifelt wird. — Am 3. August d. I. werden im Werdauer Walde und zwar im Neudecker Forstrevier Gefechts-Schicß-Nebungen von Seiten der sächsischen Infanterie stattfinden. — Riesa. Wie manchmal das Zusammentreffen von eigen- thümlichen Umständen Unglück bringend in's menschliche Leben ein- greist, das mußte vor einigen Tagen die Familie des hiesigen Töpfer meisters Schumann in lciderregender Weise erfahren. Der Geselle hatte, um den Kindern seines Meisters eine Freude zu bereiten, ein paar Körbchen aus Thon gemacht und dieselben in die Röhre der Sommermaschine zum Trocknen gestellt. Hierauf war das sechsjährige Mädchen des Sch., dem der Geselle die Körbchen vorher gezeigt, in die Küche gegangen, und dort auf den vor der Osenthür stehenden Kohlenkasten gestiegen, uni sich die Körbchen in der Röhre anzusehen. Dabei hatten die Kleider des Kindes an der glühenden Ofenthür Feuer gefangen, und obwohl dasselbe von der herzugeeilteu Mutter bald darauf vollständig gelöscht worden war, hatte das Kind doch drei Tage darauf an den erlittenen Brandwunden sterben müssen. So hatte hier eine lobenswerthe Absicht ein Menschenleben zum Opfer gefordert; denn hätte der Geselle die Körbchen nicht gemacht, so wäre das Unglück nicht geschehen. — Rötha, 24. Juli. In der „Nat.-Z." wird daran erinnert, daß vor zwei Jahren die Agitation gegen die Civilehe von der Mecklenburgischen Ritterschaft ausging und in Sachsen sich Aehnliches, ausgehend vom Kammerherrn v. Friesen auf Rötha, sich dem anschloß. Einen ähnlichen Weg scheint eine neuere Agitation, die unter ob waltenden Umständen, gewiß nicht leicht genommen werden darf, machen zu wollen. Die conservativen „Röthaer Nachrichten", welche dem Kammerherrn v. Friesen-Rötha nahestehen, bringen soeben einen Artikel, welcher zu erneuter Agitation in dieser Sache auffordert. Nachdem zunächst darauf hingewiesen ist, daß abermals von Mecklen burg, von Geh. Legationsrath a. D. von Oertzen-Leppin auf der kirchlichen Conferenz für Mecklenburg-Strelitz, die Anregung ausge gangen ist zu einem Petitionssturm gegen die Civilehe für die nächste Reichstagssession, wird betont, daß der Reichskanzler „stch iviederholt als prinzipieller Gegner der Civilehe bekannt hat". — Zittau, 26. Juli. In einer Eisengießerei eines Nachbar ortes sollte am Dienstag ein größeres Guß vorgenommen werden. Stück auf Stück wanderte in die flüssige rothglühende Masse. Plötzlich eine furchtbare Detonation, die Arbeiter sorgten schleunigst für ihre Sicherheit. Unter den alten Eisenstücken hatte sich eine Granate be funden, deren Verderben bringender Inhalt noch nicht gänzlich un schädlich gemacht worden war. Kaum war sie mit der Gußmaffe in Berührung gekommen, als auch die Explosion erfolgte. Schaden ist keiner angerichtet worden, die Arbeiter kamen mit dem bloßen Schreck davon. — An der Obst- und Gartenbauschule zu Bautzen findet vom 16. bis incl. 20. September 1883 der dritte Kursus über technische Verwerthung des Obstes statt. Täglich werden zwei bis drei Vor träge abgehalten, welche sich auf die chemischen Bestandtheile des Obstes, das Conserviren der Früchte, die Bereitung von Fruchtsäften, das Dörren des Obstes und das Abdampfen von Gemüsen, die Obst weinbereitung und die Behandlung des Obstweines, die Bereitung von Obstbranntwein und die Verwerthung der Obstrückstände erstrecken. Die Vorträge haben die Herren Professor vr. Heiden, Vorstand der agrikulturchemischen Versuchsstation Pommritz, O. Lämmerhirt, Geschäftsführer des Landesobstbauvereins zu Dresden, Gartenbau- lehrer Braunbart, sowie Landwirthschaftslehrer Manskopf und vr. Krüger und der Director der Anstalt, Beugger, übernommen. Von Apparaten werden zur Verwendung stehen: die Lucas'sche Waeder- dörre, der Wünsche'sche Lusttrockenapparat, der Reynold'sche Abdampf apparat, ein Mußbereitungsapparat, die neue Obstmühle und Obst presse von Gebr. Bloesch-Ueberlingen, die Reynold'sche und Beck'sche Schälmaschine, die neuesten Apparate zur Untersuchung von Obstsäften auf Zucker und Säure, ein Brenuapparat mit transportabler Feuer ung rc. Ausführliche Programme sind durch die Direction der An stalt kostenfrei zu beziehen. — Am vergangenen Dienstag verstarb in Bad Neuenahr, wo er um seiner Gesundheitsumstände willen Aufenthalt genommen, der kgl. sächs. Oberst z. D. Herr P. A. Schlick, ein vor dem Feinde im französiMen Kriege invalid gewordener vorzüglicher Offizier der sächsischm Armee, welcher namentlich als technisch hochbegabter und daher vorzüglich geschätzter Armee-Inspizient der Hand- und nament lich der Feuerwaffen sich außerordentliche Verdienste, selbst noch nach Austritt aus der aktiven Armee, erworben hat. Seine vorzügliche Qualität bekunden u. A. die zahlreichen Orden und Ehrenzeichen, welche ihm verliehen wurden. — Die Abgeordneten des deutschen Turntags verhandelten in Eisenach über den Antrag: „der deutsche Turntag wolle beschließen, Schritte zu thun, daß den gut und allseitig ausgebildeten Turnern die aktive Militärzeit auf zwei Jahre verkürzt werde." Das Ergebniß war, daß der Reichstag gebeten werde, beim Kriegsministerium eine entsprechende Bestimmung zu veranlassen, die zugleich den Nachweis der Turnfertigkeit beim Heereseintritt der Einjährig-Freiwilligen fordern soll. politische Aundschau. Deutschland. Die Anwesenheit des österreichischen Ministers des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, in Gastein, und sein Empfang durch Kaiser Wilhelm wird allseitig mit der demnächst stattfindenden Begegnung zwischen unserm Kaiser und dem österreichischen Herrscher in Verbindung gebracht, zu welcher Kalnoky die einleitenden Schritte treffen soll. Letzterer wurde vom Kaiser Wilhelm durch die Ver leihung des Schwarzen Adlerordens ausgezeichnet. — Wie die „Pol. Corr." zu berichten weiß, würde die Zusammenkunft beider Mo narchen nicht in Gastein, sondern in Ischl statlfinden, wo Kaiser Wilhelm am 7. Augrist eintrifft. Die in der Presse jüngst aufgetauchte Frage der Uebertragung der Eisenbahnen der Einzelstaaten, speciell Preußens, an das Reich giebt jetzt auch der „Nordd. Allg. Ztg." Veranlassung zu einer Be merkung. Das officiöse Blatt schreibt, daß es ihm nicht klar sei, warum jetzt so viel von dem Neichseisenbahnproject die Rede sei und verweist hierbei auf die vom Eisenbahnminister seinerzeit iin Abgeordnetenhause gelegentlich der Berathung der ersten Verstaat lichungsvorlage gehaltenen Rede. Herr Maybach betonte in der selben, daß die Verwirklichung des Neichseisenbahnprojectes bei den „übrigen verbündeten Regierungen" noch keinen großen Anklang ge funden habe, woraus man wohl entnehmen kann, daß wenigstens von einer Uebertragung der Eisenbahnen der Mittelstaaten an das Reich noch keine Rede ist. Inwieweit die preußische Regierung dem Neichseisenbahnprojecte geneigt ist, geht weder aus der Maybach- schen Rede noch aus den Auslassungen der „N. A- Z" klar hervor, doch scheint es, daß man in Berlin geneigt ist, diese Angelegenheit vorläufig auf sich beruhen zu lassen. Der Kaiser hat die Ernennung des Regierungspräsidenten von Hagenieister in Düsseldorf zum Ober-Präsidenten der Provinz West falen in Gastein vollzogen. Die alljährlich stattfinbende Generalversammlung der deutschen Katholiken wird in diesem Jahre nach einer Mittheilung der „Ger mania" voraussichtlich ausfallen. Ursprünglich sollte dieselbe in Neiße stattfinden, indessen fanden sich hier unüberwindliche locale Schwierigkeiten vor und andere Städte lehnten es angeblich wegen der Kürze der für die Vorbereitungen bleibenden Zeit ab, die Ver sammlung in ihren Mauern zu sehen. Im Uebrigen liegt die An nahme nahe, daß den Leitern des Centrums die Sache wegen der eigenthümlichen kirchenpolitischen Situation in diesem Jahre unbe quem erschien. Die „Germania" begründet ihr Bedauern über das Unterbleiben der diesjährigen Generalversammlung mit folgenden selbstgefälligen Worten: „Es wäre von Werth gewesen, vor der Lutherfeier den Protestanten noch einmal zu zeigen, wie man con- fesstonelle Versammlungen und Feste in vollster Friedlichkeit feiern kann und soll, indem man sich mit der eigenen Vervollkommnung und nicht mit der Kritik der Nachbarn befaßt." Sehr schön gesagt, nur ist von dieser Moral in der Praxis noch wenig zu spüren. Eine neue Warnung für Auswanderer! Nach Posen sind vor Kurzem zahlreiche Auswanderer aus Amerika zurückgekehrt, um ihre alte Beschäftigung aufzunehmen. Sie klagen über bittere Erfahr ungen und Enttäuschungen und warnen namentlich Mittellose vor der Auswanderung, da solche Auswanderer unbarmherzig auSge« beutet würden. Das rapide Umsichgreifen der Cholera in Egypten ist für die europäischen Regierungen eine ernste Mahnung, nichts zu unterlassen, um den gefürchteten Gast von den Küsten Europas fern zu halten. Glücklicherweise haben sich die Meldungen von dem angeblichen Auf treten der Cholera auf den Balearen, in Marseille, Genua und Neapel als unbegründet erwiesen, trotzdem dürfen die Regierungen in ihren Gegenmaßregeln nicht lässig werden. Von der preußischen Regierung ist bekanntlich u. A. auch die DeSinficirung aller aus choleraverdächtigen Gegenden kommenden Schiffe angeordnet worden und ist die betreffende Verordnung den Provinzialbehörden mit der ausdrücklichen Weisung zugegangen, dieselbe schleunigst und nach haltigst zur Ausführung zu bringen. Als Desinfektionsmittel wird Sublimat angeordnet, da sich die Wirkung des Chlorzinks als unzu reichend erwiesen hat. Oesterreich-Ungarn. Das Finale im Mordproceß von Tisza - Eszlar hat begonnen. Ani Freitag wurden die Plaidoyers mit einer längeren Rede des Staatsanwalts Szeiffert eröffnet, an deren Schluß Letzterer erklärte, daß er die Angeklagten für unschuldig halte und deshalb die völlige Freisprechung der Angeklagten bean trage. Es ist wiederum eine der Sonderbarkeiten, an denen das im