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„Was vermag ich über eine Frau, die sich selbst aufgiebt?" jammerte Susanne. „Stotze mich nicht zurück, Susanne, und überhäufe mich nicht mit Vorwürfen," flehte die Schlotzherrin. „Ich habe es schon ge. sagt, ich habe lange gekämpft, aber nun sind meine Kräfte erschöpft, die Last, die ich tragen mutz, ist zu schwer, als daß ich sie länger tragen könnte. Susanne, meine Wohlthäterin, mein Schutzengel! Die Gefahr kann sich jeden Moment erneuern, laß mich nicht allein! Susanne, er kann hierher kommen, Mira kann seine Vorstellungen, seine Drohungen erneuern, und wenn Du mir dann nicht beistehst, wie soll ich ihn dann abweisen? Ich liebe ihn ja!" „Was wagst Du zu sagen?" bebte Susanne hervor. »Ich sage, ich liebe ihn und nur ihn allein!" sagte die Schloß- Herrin ruhig und fest. Es wäre unmöglich, den Augenblick zu beschreiben, der dieser langen Unterredung folgte. Die beiden Frauen weinten und sprachen gegenseitig einige schnelle, unzusammenhängende Worte. Therese hatte ihre Aufregung zu lange unterdrückt, al« daß sie sich nicht bis zum Aeußersten gesteigert hätte und Susanne war, wie schon gesagt, in größerer Bekümmerniß als bei den wichtigsten Vorkommnissen ihres Lebens. Ihre gewöhnliche Standhaftigkeit und Kaltblütigkeit hatten sie verlassen; Theresens Leiden, ihre Kämpfe, die Aufrichtigkeit ihres Bekenntnisses und vielleicht irgend ein geheimer Grund, der in ihren Augen die junge Frau nicht so schuldig erscheinen ließ, hatten einen Moment lang die unbeugsame Strenge von Susannens Grundsätzen gemildert und sie hatte für die Schuldige nur noch Worte der größten Nachsicht und Güte. Endlich wurde Therese ruhiger und wie es immer geschieht nach dem Bekenntnisse einer großen Schuld, war sie ganz erstaunt über das, was sie gesagt. „Was wirst Du jetzt von mir denken?" rief Frau von Fliera und sie verbarg ihr Gesicht in den Händen. Susanne benutzte diesen Augenblick, um ihre eigene Fassung und nach und nach ihren gewöhnlichen Einfluß auf Therese wieder zu gewinnen. Sie ließ wieder ihre Vernunft zur Geltung kommen und ihre sanften Worte beruhigten Theresens verwirrte Seele almälig. „Meine Tochter," sagte sie endlich, „Dein größtes Unglück für den Augenblick ist, an Dir selbst zu verzweifeln. Vertraue auf Deine eigene Kraft und Du wirst Dein eigenes Herz bezwingen könne». Meinerseits werde ich Dich mit meinem Nathe, mit meiner Erfahrung und meiner Freundschaft unterstützen. Ach, wie viele Uebel wären Dir erspart worden, wenn man nicht auf den schrecklichen Gedanken gekommen wäre, uns zu trennen." „Danke, danke, meine liebe Susanne, mein Herz ist um Vieles erleichtert, seit ich mein trauriges Geheimniß in Deinen Busen nieder gelegt! Wie oft war ich schon auf dem Punkte hierher zu laufen, trotz des strengen Verbotes dessen, dessen Namen ich trage, um Dir Alle» zu sagen. Ich war sicher, bei Dir Trost und Muth zu finden." „Du mußt Vertrauen zu Gott und in Dich selbst haben, The rese; jedoch werde ich nachdenken über das, was Du mir vertraust und über die Mittel, Dich als Siegerin aus diesen Klippen kommen zu sehen. Bete Du einstweilen zu Gott; wer gelitten hat, wie ich, weiß, welche Kraft da» Gebet verleiht." „Ich werde es nicht vergessen, Susanne," entgegnete die Schloß herrin, „aber schon der Gedanke, daß Du über mich machst, daß Du für meine Ruhe und mein Glück sorgst, hat etwas ungemein Trost reiche» für mich. Wenn nur Mira nicht früher kommt und meine Einsamkeit unterbricht; denn wenn ich ihn sehe, bin ich verloren!" „Er wird nicht kommen, Therese, er wird es nicht wagen," sagte Susanne , in beruhigendem Tone. „Uebrigens ist er ein Ehren mann; es wird leicht sein, ihm zu beweisen, welche Feigheit es wäre, Ä)ich noch länger zu verfolgen. Nein, nein, er wird nicht kommen! Verbanne diesen Gedanken, der nur Deine Angst erhöht . . . Aber entschuldige, daß ich Dich aufmerksam mache, daß wir uns trennen wüsten; unser Gespräch war lang und eine zu lange Abwesenheit könnte da« Mißtrauen Deines Gatten erregen . . . Verwische aus Deinem Gesichte die Spuren Deiner Thränen und sei freundlich, damit er nicht« von den heftigen GemüthSbewegungen merkt, die Du beute überstanden; er würde sonst aufmerksam werden und uns am Ende verbieten, uns ferner zu sehen, und da« darf nicht sein; wir müssen uns im Gegentheile recht oft sprechen." — (Fortsetzung folgt.) ? - " ' - - ,. Vermischtes. * Ein Cirrespondent der „Köln. Ztg.", der die von der Wassers noth betroffenen Gegenden besucht hat, erzählt, die größte Noth herrsche im Bezirke Frankenthal (Pfalz) und in den Kreisen Bens heim und Grobgerau. Die im Bezirke Frankenthal eingestürzten Häuser werden auf 2000 angegeben. Wie ergreifend die Noth ist, zeigt eine Schilderung über einen Besuch in Hofheim bei Worms: „Im Rathhause war der obere Stock voller Menschen; Männer, Weiber und Kinder streckten die Arme aus den Fenstem nach den dargereichten Lebensmitteln. Da« Portal der Kirche stand gedrängt voller Männer; wir machten uns Bahn und drangen in da« Innere. An dem Altäre waren die Kerzen angezündet wie bei feierlichem Abendgottesdienste und verbreiteten em magisches Licht durch den weiten Raum, nur da« Altarbild war hell erleuchtet. Vor dem Altäre wogten die dunklen Köpfe von Pferden, die auf der Estrude standen, über da« unentwirrbare Chao« iin Schiff der Kirche. Der ganze untere Raum der Kirche stand voller Vieh, Rücken an Rücken aneinander gelehnt. Dazwischen drängten sich Männer. Wir stiegen Vie Treppe hinauf nach der Emporbühne. Da saßen auf den Bänken in langen Reihen die Weiber mit den kleinsten Kindern im Arme, die größeren vor ihnen auf der Erde, oft den müden Kopf im Schooße der Mutter. Alle saßen still und lautlos, kein Ausdruck des Schreckens oder der Verzweiflung, dumpf sahen sie ihrem Schick sale entgegen. Wir stiegen wieder in unseren Nachen und fuhren ab. In einem Hause, wo unter dem Dache 30. Personen zusammen saßen, verlangte man nach Petroleum, Lampen hätten sie, aber kein Steinöl für die lange Nacht; wir konnten nicht Helsen. Ein Weib rief aus einem Dachfenster nach Milch, sie habe ein kleines Kind bei sich und keine Nahrung für dasselbe. — Bei Oppau in der Pfalz wurde in den Fluthen vor einigen Tagen von der Mannschaft eines eben an- sahrenden Kahnes eine Wiege mit einem lebenden, etwa 6 Monate alten und heftig meinenden Kinde aus den Wellen aufgefangen und im Nachen geborgen, während der Leichnam der Mutter fest mit den erkalteten Händen an der Wiege angeklammert war. — In Friesen heim sind dreizehn Personen ertrunken; unter den letzteren war eine Familie von Mann, Frau und mehreren Kindern, die sich vor den von Minute zu Minute wachsenden Wogen auf das Dach gerettet hatten, das Haus aber brach zusammen und Alles verschwand in den Wogen. Nach Mittheilungen aus Ludwigshafen beträgt die Zahl der in dortiger Umgegend Ertrunkenen außer den 30, welche der Rhein bei Oppau verschlang, 21, darunter ein Bahnwärter mit Frau und 6 Kindern. Die Ortschaften Oppau, Edigheim, Mörsch, Boben- heim, Roxheim und Studernheim sind als untergegangen zu be trachten, ein Haus nach dem andern stürzt zusammen. * Wie eine Petroleumlampe behandelt werden muß, scheint vielen Hausfrauen und Dienstmädchen noch immer nicht gehörig be kannt zu sein, da man leider noch immer häufig von Lampen - Ex plosionen, oft mit recht schrecklichem Ausgange, hört und liest. Im Allgemeinen kann man sagen, daß jede Explosion einer Petroleum lampe auf Mangel an Sauberkeit, besonders des Brenners, und falsche Behandlung der Lampe zurückzuführen ist. In einem voll ständig geführten Haushalte werden die Lampen bei Tage in Stand gesetzt, am besten des Morgens, wenn beim Lüsten der Zimmer der etwa beim Aufziehen entstandene Petroleumgeruch gleich mit abziehen kann. Beim Aufgieße» muß zugleich der Docht von Schnuppe und ebenso der Brenner von innen und außen am Rande haftenden Kohle gereinigt werden. Am gefährlichsten ist es hierbei, Kohle in den Brenner fallen und darin liegen zu lassen, denn diese poröse Kohle lockt die Flamme an, stinkt, glüht, erhitzt die Dochtplatte des Bassins, macht dieses nach und nach mit heiß und giebt so dem Petroleum einen Hitzegrad, bei dem es bald explodiren muß. Hierauf wird leider in so vielen Haushaltungen nicht geachtet. Fast wenn es dunkel geworden ist, wird nach Petroleum geschickt und die Lampe dann im Finstern beim Scheine einer offenen Kerze oder gar nur eines flackernden Schnittholzes in Stand gesetzt, so daß auf das Reinigen derselben gar keine Zeit und Sorgfalt verwendet werden kann. Die Schnuppe des Dochte» wird höchstens mit dem Streich holze beim Anzünden etwas abrasirt, die Krümchen derselben fallen in den Brenner und in einigen Tagen hat sich dort ein solcher Vor rath von Dochtkohle angesammelt, daß er der Lampe und ihrer Um gebung gefährlich werden muß. Wer seine Lampe bei Tage mit Ruhe und Sorgfalt in Stand seht und nicht damit wartet, bis sie gebraucht werden soll, der wird eine Explosion nie erleben oder zu befürchten haben. Gefährlich ist es auch, während des Brennens der Lampe aufzugießen, weil das ssch aus Bassin und Flasche erhebende Petroleum - Naphta sehr leicht Feuer fängt. — Wem das Brennen seiner Lampe verdächtig vorkommt, was sich besonders durch Zucken und Flackern der Lampe kundgiebt, der sollte sie sofort ausblasen, oder am besten durch einen fest auf den Cylinder gehaltenen Gegen stand, also durch Hemmung des Luftzuges zum Ausgehen nöthigen. Bemerkt er dann abermals innerhalb des Brenners kleine gelbe oder blaue Flämmchen, so ist Gefahr im Verzüge, besonders wenn Brenner und Bassin schon merklich heiß geworden sind. Man stelle die Lampe dann schnell in ein tiefes Gefäß und fülle dieses bis an den Bassin mit kaltem Wasser, damit letzteres sich abkühlt und die glimmende Kohle erlöscht. Alsdann muß die Lampe erst gründlich gereinigt werden, wenn sie ohne Gefahr gebraucht werden soll. * (Das schwere Räthsel.) „Meine Herren," sagte ein ältlicher Stammgast in einem Gasthause, „ich habe eine leere Tasche und doch etwas darin; was ist das?" — Als Niemand das Räthsel lösen konnte, kehrte er die Taschen um und sagte: „Seh'n Sie, ^s ist ein Loch darin." Kirchennachrichteu von Zwönitz Sonntag Septuagesima, den 21. Januar, predigt Vormittag Herr?. Clauß über Joh. 2, 23 -25. Früh 8 Uhr hält Herr Diac. Böthig Beichte und im Anschluß deren Com- munion, Nachmittag derselbe Missionsstunde. Kirchennachrichten der Parochie Niederzwönitz auf das Jahr 1882. Geburten: 112, (ebensoviel wie 1881), 56 Knaben und 56 Mädchen, darunter 2 Zwillingspaare, 4 todtgeborne und 10 unehel. Aufgebote: 32 Paare. Trauungen: 24 (a. 1881: 23). Confirmanden: 40, (gegen 51 a. I88l). Beerdigungen: 66, (101 a. 1881), 44 auf dem Gottesacker St. Joh., 22 auf dem GotteSacker St. Blas., darunter 43 Kinder, 2 Jünglinge, 3 Jung frauen, 4 Ehemänner, 4 Ehefrauen, 5 Wittwer, 4 Wittwen und I ledige Frauensperson. Communicanten: 1457 incl. 16 Hauscommunionen (gegen 1337 incl. 19 Hauscommunionen a. 1881). Communionen: vom. 8«ptuag., den 21. Januar, früh >/,9 Uhr, Sonnabend, den 10. Februar, Mittags 12 Uhr und Bußtag, den 23. Februar, früh '/,S Uhr. Glockenweihe: Montag, den 22. Januar, früh io Uhr. Glockenvrrdigt: vom. 8eiag., den 28. Januar, früh 9 Uhr zu St. Joh. und Nachmittags 2 Uhr zu St. Blas.