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DER BRAKTEATENFUND VON PUSCHWITZ 1942 Von Walther Haupt Fundgeschichte : Ende Oktober 1942 zeigten Schüler in Bautzen einzelne Brakteaten in der Klasse herum. Durch deren Mitschüler erfuhr der zuständige Vertrauensmann für Bodenaltertümer davon, sicherte die Stücke und stellte ihre Herkunft fest. Es trat einmal der seltene Fall ein, daß der Fund vor Zerstreuung bewahrt blieb; der Pusch witzer Bürgermeister brachte den Fund aufs Landratsamt, und einige Tage später kam auch noch ein Rest herzu. Es wurde festgestellt, daß ein Einwohner aus Puschwitz bei Neschwitz im Kreise Bautzen in der Gemeindesandgrube des Puschwitzer Ortsteiles Wetro auf Höhe 191,8 im Flurstück 247 Sand abgefahren hatte. Dabei brach ein Stück der unterhöhlten Sandwand ab und ein kugelförmiges Tongefäß rollte heraus; dieses, eine sogenannte „böhmische Flasche“ von rund 14 cm Höhe und Breite mit einem Inhalt von reich lich 1000 ccm, also mehr als einem Liter, war mit dicht übereinandergeschichteten Brakteaten, die in kurzen Rollen geordnet waren, bis an den Rand gefüllt. Verbleib: Von den Münzen des Fundes gingen die Unika Nr. 1 und 5 sowie Belegstücke der übrigen Nummern in den Besitz des Staatlichen Münzkabinetts in Dresden über. Die übrige Fundmasse, darunter das Einzelstück Nr. 10, hat geschlossen das Stadt museum Bautzen erworben. Umfang: Der Fund besteht aus 1433 Brakteaten im Gewicht von 1162 Gramm, das sind nach altem Gewicht reichlich 4%2 Prager Mark. Er enthält 14 verschiedene Gepräge. Sieben der Prägungen, darunter drei Einzelstücke, sind bisher unbekannt. Vier Arten kommen je einmal vor, drei weitere Arten sind je zweimal vorhanden. Die Anzahl von 10, 20 und 23 Stück tritt bei drei weiteren Prägungen auf. Die Hauptmasse von 1367 Stück umfaßt nur vier Gepräge in Mengen von mehr als 100, ja über 300 und 600 Stück. Erhaltung: Der Fund zeigt ein Bild, wie es nicht leicht ein Brakteatenfund wieder bieten wird. Die Münzen sind von herrlichster Erhaltung. Man könnte von Stempelfrische und Prägeglanz sprechen, soweit dieser Ausdruck bei Brakteaten angebracht ist. Ein ein ziges Stück macht eine Ausnahme, das mit einem anderen durch Grünspan „ver backen“ war. Es hatte an der Gefäßwand einem Riß gegenüber gelegen; eingedrungenc Spuren von Bodenfeuchtigkeit haben die Grünspanbildung hervorgerufen. Alle anderen Münzen blieben vor jedem Angriff der Atmosphärilien bewahrt; nennens werte Mengen von Bodenfeuchtigkeit können in das Gefäß nicht eingedrungen sein. Zu dem Schutz, den das Gefäß bot, trat die günstige Lage der Vergrabungsstelle auf einer Hügelkuppe hinzu, am günstigsten aber wirkt die Bodenart des Untergrunds, der Sandboden der Oberlausitzer Heide, in dem jede Feuchtigkeit rasch versickert, so daß der Münztopf immer im Trocknen stand und die Münzen so erhalten blieben, wie sie vor 800 Jahren unter die Erdoberfläche gelangt waren. Natürlich hat auch der verhältnismäßig kräftige Schrötling der frühen Brakteaten des 12. Jahrhunderts seinen Anteil an der guten Erhaltung, der sich auch dann der Beschädigung wider setzt hätte, wenn die Münzen beim Einbringen in das Gefäß mehr strapaziert worden wären, als es geschehen ist.