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Das Geburtshaus von Wilhelm Lusch iu dem Dörfchen wiesendahl i» Hannover. dem nur etwas große Ohren störend zur Seite standen. Er wandte sich sofort an die junge Dame und fragte, ob er die Ehre habe, das /Fräu lein von Gildenhardt vor sich zu sehen. Rose bejahte und lud zum Sitzen ein. Als Fräulein Reinbeck eine Viertelstunde später erschien, hatte Rose die Stelle ange nommen und versprochen, am 2. Januar pünktlich in Berlin zu erscheine». Herr Weidenmacher empfahl sich sehr bald, nachdem er noch die Photographieen von Frau und Kinder vorgelegt hatte. „Meine Frau ist eine geborene Reich müller aus Frankfurt, gnädiges Fräulein, eine sehr angesehene Familie dort, gnädiges Fräulein, — große Fabriken, Weingüter am Rhein, — mein Schwager Reichmüller ist Hauptmann bei den fünfzigsten Dragonern in ," er nannte ein reichsländisches Garnisonstädtchen, „die jüngste Schwester meiner Frau — eine blendende Schönheit, gnädiges Fräulein, fast an Sie erinnernd, nur brünett, sehr brünett — ist an dien Ritt meister von Dernefeld verheiratet, — kennen gnädiges Fräulein die von Dernefeld? Nicht? Schade . . . alter Schwertadel!" Die Hieinlmchrr Gildenhardts. Dvrtfctznng.l Loman von Ul aria Lorenz iNachdnick verboten.) Da war denn ein reicher Konsul Dr. Weidenmacher, der für feine beiden Töchter Melide und Alice eine Gouvernante suchte, die zugleich seiner Frau etwas zur Hand gehen sollte bei der großen, in ihrem Hause gepflogenen Geselligkeit! darum mußte das Fräulein von tadellosen Manieren und womöglich mit klingendem Namen versehen sein. Das Honorar war auf neunzig Mark pro Monat festge setzt, sollte aber eventuell steigen, wenn das Fräulein der Fa milie zusage. Rose meldete sich, und zwei Tage später, als sie gerade mit ihrer geliebten Reinbeck gemütlich beim Mittagessen saß, erschien Dürten mit einer Visitenkarte: „Eberhard Weiden macher, Konsul und Direktor der Kolonialbank, Berlin Wü, Achenbachstraße 120." Rose verfärbte sich. „Komm bald nach, Reinchen!" bat sie und ging über den Flur in den Salon. Vor Leonorens lebensgroßem Bilde, das die Mutter im letzten Jahre in Florenz noch hatte malen lassen, stand ein eleganter Mann. Als er die leisen Schritte hörte, wendete er sich hastig um, aber doch mit einer Grazie und Sicherheit, die sofort den Mann von Welt und Rose schwieg, ihr ging's riesig durch und durch, — in einem Kreise, wo solche Leu te das große Wort führten, wie dieser Konsul, heimisch wer den, das widerstrebte ihr noch, — aber das Gehalt, — Berlin, — das endlich der Hei mat nnd dem Heim weh entfliehen reizte sie, und so blieb sie fest und ivar entschlos sen, die Stelle anzu nehmen. Der BrifF den sie in dieser Sache an den Vater schrei ben mußte, tvar ihr das Schwerste an der ganzen Angele genheit. Rerckssnwalt vr. Lveigert wurde zum Ober - Reichsauwalt der oberste Vertreter der 5tnatsanwaltschaft beim Reichsgericht) ernannt. Aber sonderbarerweise ging auch das ganz glatt. Sie hatte in schlichten Worten dem Regierungsrat ihr Vorhaben, guter Erziehung erken nen ließ. Er war ein stattlicher Herr, etwa vierzigjäh rig, groß, nicht schlank, auch nicht zur Fülle ge neigt, gutes Ebenmaß im Körper und Glie dern; was Rose beson ders gleich ins Auge fiel, waren die tadellos bekleideten, sehr schma len, langen Hände und Füße. Dos dunkle Gesicht, mit den ruhigen, brau nen Augen, der stark gebogenen Nase und dem von seidenweichem Bart umdeckteu Mund hatte den orientalischen Schnitt feiner Vorfah ren nicht ganz verloren, aber es war ein kluges und vornehmes Gesicht, Lum Marokkokrieg: Transport eines jranzösischen LusenSchnellfeuergeschützes znin Hort Gambetta in Oran,