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Wöchentlich erscheinen drei Nummern. Pränumkraiious- PreiS 22j Sgr. (- Th'.r.) viertciiäbrlich, 3 Thir. snr das ganze Jahr, ahne Er höhung, in allen Theilen ter Preußischen Monarchie. Magazin für die Man rrönumcrirt auf diese« Beiblatt der Lllg. Pr. Traar«. Zeitung in Berlin in der Exvednion (Mohren-Tiraße Nr. 34); in der Provinz so wie im Auslande bei den Wobllökl. Post-Aemrern. Literatur des Auslandes. 103 Berlin/ Montag den 28. August 1837 England. Die wichtigsten Erscheinungen der Englischen Literatur im Jahre 1831). An vopnlairen Schriften des historischen Zache« sind im Laufe de« Jahre« 1836 zwei oder drei bemeitcuswerlhc erschienen; wir nennen zuerst die „Geschichte von China", die zur Edinburger 0->l>inot ftihrar^, und die „Geschichte von Rnsjland", die zu k>r. Lardner'« dlnc)oloz>a,uliu gehört. Jene erstere ist mit großer Sorgfalt und Vollständigkeit abge sagt und lehrt nicht bloß historische Begebenheiten, sondern auch den Zustand des Wolke«, die Gesellschaft und Verfassung, die Natnr de« Landes und die Erzeugnisse de« Boden« in sehr vielen anziehenden Details kennen. Von der „Geschichte von Ruhland" kann man wohl sagen, sie wird hier eigentlich zum crstenmalc dem Englischen Publikum dargcbolrn; denn das allere und bisher einzige Wert über diesen Ge genstand, von Tooke, ist voller llnnchiigkeiicn, die e« auch der nach» sichtigste» Kritik unmöglich machen, da« Buch zu empfehlen. Die „Geschichle ter Reformation", von Siedlung, Hal den Fehler der Breite und Weitschweifigkeit, gewährt aber eine sehr umfassende und vollstän dige, auch wvblqrordneie Uedersicht der welthistorischen Begebenheiten, die mit dem Auftreten des Protestantismus zusammenhängcn; Leser, die nicht gelehrte Kenntnisse oder nicht Muhe genug besitzen, die Quellen selbst nachznschlagcn, werden sich in dem genannten Buche mit Nutzen Raives erholcn. Dem „Leben des Schwarzen Prinzen", von Jame«, gebülwt eine bedeutende Stelle unter den Erzeugnissen der neuesten Literatur; e« ist eine sehr fleissige, ans gründliche Forschungen gestützte Arbeit, dec nur mehr Klarheit in der Anlage und Darstellung zu wün schen wäre. Wer sich mit klassischen Studien besaht, wird sich vielleicht freuen, Earr's „Handbuch der Römischen Alterthümer" kennen zu ler nen; man merkt e« aber diesem Buche, gleich vielen anderen über den selben Gegenstand, zu deutlich an, dah dec Verfasser sehr ost nicht au« de» Quellen, sondern aus dem Lchrbuchc von Adam schöpft. Sehr ver dienstlich, aber, als Uebcrsetzung aus dem Deutschen, eigentlich nicht der Englischen Literatur angchörend, ist „das öffentliche und häusliche Leben der Griechen", von Hase. — Zn die Zeitgeschichte schlägt Admiral Kapier'« „Bericht über den Krieg in Portugal" ein; die Schrift ist in mehr al« einer Hinsicht merkwürdig und eigenlhümlich, ausgezeichnet namentlich turch Freimuth und seemännische Derbheit, durch höchst lebendige und neue Detail-Schilderungen, endlich durch knrzgefaßlc, nüchterne Gedrängtheit, — w-.hrlich eine seltene Eigenschaft bei einem tapferen Kriegsmännc, der seine eigenen Thaten zu erzählen und sich obendrein über Undank für geleistete Dienste zu beklagen Hai. Wir geben zur Literatur der Reisen über. Die Zahl der Englischen Touristen, die sich in Europa, in ter Levante, Amerika, Ost- und Westindien, ja in der ganzen Well Umsehen und dann ihre Reisen be schreiben, ist schon Legion und wird noch täglich größer. Natürlich haben nur die allerwenigsten unter diesen Reiseberichte» Anspruch auf dauernde Wichtigkeit, und da sind denn besonders auszuzcichncn: Davis' Reise nach China, Strang'« Reise durch Deutschland und Laing's Reise in Norwegen; alle drei in hohem Grade lehrreich, voll neuer Ausschlüsse für Länder- und Völkerkunde, für Politik, Social-Oekvnomie und Gc- schichle. Solche Reisen machen dem Scharfsinn, der Beobachtungs gabe, dem tiefen und richtigen Unheil der Reisenden Ehre und dem Leser wahre« Vergnügen. Davi« kann sür unsere Kcnntniß von China al« eine der ersten Autoritäten gelten. Er studirt den Charakter und die Gewohnheiten de« Volkes; er schildert Situationen und Zustände mit augenfälliger Treue; seine Sorgfalt übersieht auch das Klrinste nicht; die Darstellung ist löblicher Weise schlicht und einfach. Davis gehört nicht zu den Genilcmen, die einen oder zwei Tage aus dem Markie zu Canlon nmbcrschlendcrn, allensall« einmal bei einem Hong- Kausmann zu Gaste sitzen und dann mit prahlender Miene un« Euro päern die Geheimnisse eines Landes verkünden wollen, da« von seinen Oberen enger bewacht gehalten wird, als der Serail de« Großiürkcn. Davis ist inj, Chinesen umgegangen von Angesicht zu Angesicht; er ist in da« Land lief cingedrungen, sogar über die Gränzc hinaus, bi« wo hin sein Ebinesischer Paß ihm Erlanbniß und Schutz gewährte; er bat Zeit und Gelegenheit gehabt, eine Menge iniercssanien Stoffes für sein Werk zu sawmrln, und hat sie fleißig benutzt. — Strang'« „Deutsch land" ist ri» Blich voll gründlicher Gelehrsamkeit und Kritik, da« den Deutschen VolkS-Lbarakicr von allen Seilen her beleuchtet und in seinen Zügen darstellt; da« Urihcil t«s Verfassers ist nie leichtsinnig ausge sprochen, sondern auf aufmerksame, ja mühsame Beobachtung gegründet; doch ist Schwcrsälligkrit nicht vermieden und die Ordnung nicht dir beste. Beide übertrifft Laing in seiner „Norwegischen Reise", die in jeder Hinsicht trefflich und ein wahres Muster ist, wie man reisen und Reisen beschreiben soll. Man kann sagen, vor dem Erscheinen diese« Buche« war jenes Land, seine Verfassung, seine Production, seine Ver waltungs- und politischen Formen, und der treffliche Charakter, die schlichte und kräftige Sitte des Volk«, in England so gut wie gar nicht bekannt. Laing Hal aus dieses Alles aufmerksam gemacht, seiner Beob achtung ist nicht« entgangen, und die Bündigkeit seiner Betrachtungs weise, der Helle weftausschaucndc Verstand, womit er die Zustände Und ihre Folgen aussaßt, sichert ihm einen hohen und dauernden Rns. Wir gehen kurz über eine ganze Reihe anderer Rciscbcschreibmigen weg, die wir gar nicht anführcn dürsten, wenn cs uns nicht eben darum zu lbun wäre, die Leser mit der Waarc bekannt zu machen, die den Englischen Literatur-Markl füllt und überfüllt. Da ist zuerst das viel- berufene Buch der Mr«. Trollope, „Paris und die Pariser", lauter un erträgliche Affcetalion und unechte Appretur; die „Erinnerungen au« Amerika" von derselben Verfasserin langen eben so wenig; sie Hal da« Land vornehm angegafft, ohne alle Wärme und wahres Interesse. Bei den „AuSfiügcn in die Schweiz" errege nur da« Eine Verwunderung, Laß man Cooper'« Namen vor einem Buche voll so abgedroschener und zehnmal wicdcrgekäulcr Sachen findet. Die „Fahrten und Launen" von Willis enthalten lauter frivole«, seichte« Geschwätz; da« Skizzcnbuch von Gregor ist leicht und gefällig geschrieben, aber voller Gemeinplätze. Slicell's „Amerikaner in England" wird vielleicht demjenigen etwas Neue« sagen, der noch nicht weiß, daß die Londoner Straßen Gas-Bc- leuchtung haben, und daß die Londoner Hotel« sehr komfortabel, aber auch sehr lhcuer sind. Desselben Verfasser« „zweite Reise nach Spa nien" ist etwa« besser; aber Spanien ist auch ein Land, wo c« keine Ea«-Beleuchtung und säst gar keine Wirlbshänsrr zieht; wer davon erzählt, muß un« also wohl oder übel etwa« Neues sagen. — „Des weißen Manne« Grab" ist von einem Herrn Rankin vermntblich bloß in der Absicht geschrieben, nm ter Welt zu beweisen, daß Sierra Leone der gesündeste Aufenthaltsort ist, den es auf dec Well geben kann; der Versaffer Hai die Reise dahin seiner Gesundheit wegen gemacht, und da« ist da« einzig Merkwürdige in dein ganzen langen Buche. — „Madrid im Jahre 183»" enthält gar nicht üble Schilderungen Spa nischer Sillen und Charaklcrzüze, aber au der unbändigen Wcitschwei- figkcit merki man, daß der Verfasser ein Büchcrmacher von Profession ist. — „Griechenland", von Sir Granville Temple, ist ein recht behag liche«, elegante« Buch, wie man von einem Gentleman crwarlen kann, der zu seinem Vergnügen reist und dann am gemächlichen, häuslichen Heerte seine klassischen Erinnerungen auszeichncl. — „Die Täufer in Amerika" ist in der Hauptsache ein Bericht über eine nach Amerika ge gangene Mission zum Zwecke einer zu stislcntcn Vereinigung zwischen den Englischen und Amerikanischen Anabaptisten und gicbl nebrnbci viele inlercffanlc Detail« über da« Schisma der Amerikanischen Staaten wegen der Sklavcn-Frage. — „Slreisercicn in Belgien" enthalten eben Nicht«, wa« sich nicht auch bei Slreisercicn in Regent-Slrect oder irgend cincr andere» Londoner Slraßc sagen und denken ließc. — „Der Kontinent im Jahre I83H" ist eine durchaus lückenhafte, oberflächliche Compilation. — „Ein Sommer in Spanien" Hal herzlich wenig zu bc- doulcn. Irgend eine überschwängliche Lady Hal die „Abcnd-Ünierbal- lungen aus der Reise" j» gezierter poetischer Prosa geschrieben. — Für so viel winzige, unbedeutende Produkte entschädigt un« der ungcmci» interessante, wcrthvolle „Bericht über Capftain Back'« EnldcckungSrcisc in« nördliche Eismeer"; ter Verfasser, Herr King, bal die Expedition al« Wundarzt und Naturforscher begleitet. — Den Reisenden empfehlen wir schließlich das in demselben Jahre crschicncnc „Handbuch für den Kontinent", als einen brauchbaren, zuverlässigen und fast zu jeder Auskunft bereiten Führer. Unter ter beliebten Bezeichnung „vermischte Schriften" wollen wir eine Anzahl Bucher zusammenfaffe», die sich sonst unler keiner Rubrik gehörig unierbringrn lassen. Von der Arl ist z. B. Henrv Bulwer's „Monarchie dcr Mittelklassen", wo der Versaffer sich mehrere Bände hindurch quält, etwas zu beweisen, wa« klar wie ter Tag ist und sich mit gesundem Menschenverstand auf ein paar Seilen sagcn ließe. — Die „flüchtigen Zeichnungcn au« dem Hanse dcr Lord«" und „Babel, die Hauptstadt" find mil großer Begierde gclcscn worden, wimmeln abcr von groben Jrrlhümerii und zum Theil abflchllichcn Entstellungen; der Verfasser, dessen Name Grand ist, ein ehemaliger Schnellschreibec sür die Time«, ihm ter Sprache nichi miudcr, als der Wahrhcit Gewalt an» — Ebe» so große« Aufsrhcn Hal Herr Honan durch seine» Bericht über „die Hoshallnug und Armee des Don Carlo«" crregl; abcr seine Darstelliing dcr gegenwärligen Ercignisse des Spanischen Bürgerkriegr«