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Wöchcntliw erscheinen drei Nummern. Prännmerations Preis 22; Sgr. Tblr.) vierteliädrlich, 3 Tblr. für das ganze Jahr, ohne Er, Höhung, in allen Theilen der Preußischen Monarchie. Magazin für die Man pränumeritt auf diese« Beidlatt der ÄUg. Pr. Etaais- Zeitung in Berlin in der Expedition (Mohren - Sirase Nr. 34); in der Propin; so wie im AuSlande Lei drn WohUohI. P os, - Äemrern Literatur des Auslandes. > Berlin, Freitag den 5. Mai 1837. Afrika. Scenen aus dem Lager Add cl Kader'S. Bon drin Französischen Marine-Lieutenant Dcfrancc.°) Den 28. Oktober bekam Abd el Kader aus Marokko einen Brief, der ihm den Tod des Königs von Frankreich meldete; ich glaube, der Kaiser von Marokko meinte Karl X., während Add el Kader überzeug! war oder sehn wollte, daß von Ludwig Philipp die Rede sch. Aus der Stelle verbreitete er in seinem Lager das Gerücht, daß man den König der Franzosen ermordet hätte, daß der Bürgerkrieg i» Frankreich aus- gebrochen wäre, und daß die in Algier liegenden Truppen zurückgeruscn werden sollten. Diese Nachrichten erregten laute Freude und allgemeine Dcgciste- rung; die Araber lrascn alle Anordnungen, um den Abzug der Fran zösischen Armee glanzend zu feiern, und drei Tage lang sah man zu MaSkara und in dem Lager nichts als Feste und Vergnügungen. Jeden Morgen gaben die Kanonen der Stadt der ganzen Umgegend das Signal zu den Ergötzlichkcilc», welche diesen Tag staufinben und deren Glanz durch die Gegenwart des Sultans noch erhöht werden sollte. Manu und Weib, Alt und Jung sicömle von allen Seiten ins Lager, um dem. kleinen Manöver-Krieg beizuwobnen, welchen die Truppen drei Tage hinter einander zum Besten gaben. So ost die Reiter sich in Bewe gung setzten, uni diese Manöver auszuführen, holte mich der erste Schreiber des Sultans ab und sühne mich außerhalb des Lagers, wo wir drei bis vier Stunden hindurch die Wettrennen und die Schein gefechte der Araber mit ausabcu. Abd cl Kadcr thciltc seinc Kavallerie in zwki abgesonderte Hausen, von denen das erste Corps die Franzosen vorsiclltc, mit Westen und Hosen, aber ohne Haick's und Bernu'S; in dessen Reiben trat auch Abd cl Kadcr sclbst. Das zwciie Corps dagegen war die Partei der Araber und Halle Westen, Hosen, Haick's und Bernu'S. Die beiden Abheilungen stellten sich in ziemlich großen Entfernungen von einander aus. Abd cl Kader ließ zehn Reiter von der Französischen Partei zum Scharmuzircn ansgcbeu; die Araber schickten eben so viel von ihrer Seile. Die EScarmouchcurS beider Lager ritten zuerst Schrill vor Schrill, dann aber, je mehr sie sich einander nähcrlcn, beschlcumglen sie den Gang ihrer Pferde, bis sie in einer Räbe von 28 Schrill ihr Kriegs- geschrei: Ah, ab, ah! ausstießen und ihre Haick's und Bernu'S schül- telten; dann zikllcn sie auf ihre Gegner, feuerlen ihre Gewehre ab, enlblößlcn ihre Säbel und fochten zum Schein damit. Hierauf wurden von beiden Seilen zehn frische Ncilcr abgcschickl, welche sich ins Hand gemenge warfen und den vorigen Kamps wiederhollcn, während dic zwei ersten Häuflein jedes zu seiner Partei zurücksprengle. Zuweilen kämpf ten alle vierzig Reiter zusammen, bis die Schwächeren, von neuer Hülse abqelöst, steh im Galopp mit lautem Geschrei zurückzogen, wobei sic die Säbel schwangen und ihre Gewehre abfcuerten. Manchmal entfernten sich auch einige Reiter ganz vom Schlachtfeldc, rillen weil in die Ebene vor, als ob sie den Feind vcrsolglcn, und wenn sic gcnug galoppirl halten, kehrten beide Parlcicn in ihre Reihen zurück. Zu gewisse» Zeilen bcmcrklc man auf einmal in beiden Lagern die größte Verwir rung: das war ein allgemeines, dichtes Handgemenge; die Bcrnu's flat terten, bit Säbel blitzten, eine Pulverwolke bedeckte die Kämpfenden, deren wülhendcs Schlachtgeschrei sich fortwährend vernehmen ließ. Plötz lich schlagen die Trommeln ans beiden Seilen den Rückzug: die An führer stellen die Ordnung wieder her, die Reiler schenken ihren Pfer den einige Minulen Ruhe, und dann fangen die Angriffe, die Galoppa- den, dke Gefechte und die Evolutionen wieder von vorn an. Diese Manöver cndiglcn natürlich jedesmal mit der Niederlage der Franzosen. Sobald Abd el Kader es für Zeit hielt, die Ucbungcn zu schließen, stürzte er sich mitten i»S Handgemenge hinein; da faßten zwei Araber den Zaum seines Pferdes und führten ihn, den gefangenen Sul tan, mit'Begeisterung und SiegSgeschrei in sei» Zell zurück. Dann fchwenkle Abd el Kadcr sein Pferd, nahm die Stellung eines Siegers, und indem er einen stolzen Blick auf dic Barbaren warf, welche von seinem rillerlichen Aussehen und seiner kriegerischen Haltung ganz ent zückt waren, ließ er sei» Pferd sich bäumen und aus die Hinter füße stellen. -) AuS Len Berichten der politischen Blatter werden stch die Leser erin nern, dal« von den beiden in die Gefangenschaft Abd el Äadcr's geratenen Offizieren DM'ancc und Meurice der Erstere nach langen Leiden ranzionirt wurde und nach Frankreich zuructkehrte, wo er so eben unter dem Titel: > r- l-ei-nuuier« a'4K(i-el-k-ger, eine Geschichte seiner Gefangenschaft her ausgegeben hat So oft Abd cl ,Kader vor mir vorbeirill, halte er dic kleine Eilel- keil, sein Pferd einige Schwenkungen und Paraden machen zu lassens es war allerdings ein prächtiges Thier, das laut wiehernd den Boden mit feinen Hufen durchwühlte und sich mit Stolz und Anmulb unter der geschickten Hand seines Herrn bewegte, dessen selbstgefälliges Lächeln mich zu fragen schien: „Nicht wahr, ich bin ein hübscher Reiler?" Daraus mußte ich bei mir selber antworten: „Du wärest vielleicht nickt! so zierlich, mein lieber Herr Emir, wenn Du auf einem Englischen Sattel säßest," Das letzte Mal nuschle sich die Infanterie unlcr dic Kavalleric; da aber das Fußvolk mitten unter den Pferden nicht recht an seinem Platze war, so lief dasselbe schnell, in zwei Haufen gecheckt, stch hinter ein Gebüsch zu verstecken, nachdem cs noch eine Menge Flintenschüsse abgcfeucrl hatte. Kaum aber war Abd cl Kader Kriegsgefangener ge worden, so Hollen sie dic Reilcrci wieder ein und kehrlen unler Triumph- geschrci ins Lager zurück. Eben hallen die Manöver geendigt, lind gedankenvoll suchte ich mein Zelt wieder auf, Ich war weit entfernt, den Nachrichten, welche Abd cl Kader im Lager und unter den Stämmen verbreitet hatte, Glauben zu schenken; ich dachte an das Schauspiel, welchem ich seil drri Tagen beigewohnt hatte, als mich die Stimme Ben-Faka's aus meiner Träumerei erweckte. „Es ist ein Gefecht bei Tlemcceu geliefert worden", sprach er; „die Anhänger des Propheten haben die Franzosen in die Flucht ge schlagen und viel Gesangenc gemacht, welche jeden Augenblick vor den Sultan geführt werden sollen. Du wirst Dich also in einer zahlreiche ren Gesellschaft befinden." — „So lange ich hier bin", antwortete ich, „habe ich Gelegenheit genug gehabt, alle eure List und Lügen kennen zu lernen. Du erzählst mir, die Franzose» scve» geschlagen worden, und dic Araber hätten Tlcmeccn erobert. Eriunerst Du Dich noch, Bcn- Faka, als wir in Tckcdcmta lagen, wie Du mir eines Morgens für ganz sicher erzähltest, daß Achmed, der Bev von Konstantine, Bona einge nommen hätte? Damals bat die Kanone auf der Rcdontc von Teke- dcmta mit ihrer schwachen, heiseren Stimme eincn ganzen Tag lang den glänzenden Sieg besungen, welchen ein Bcrbüudcttr Deines Sultans davongelragcn haben sollte. Nun sprich, wer kommandirt in Bona, der Bey von Konstantine oder ein Französischer General? Du wirst sagen, daß man Dich getäuscht habe; das ist freilich die beste Antwort, dic Du gebe» kannst. Gestern bist Du getäuscht worden, da man Dir er zählte, daß der Sultan der Franzosen ermordet worden wäre; beute läßt Du Dich wieder täuschen, wenn man Dir schreibt, daß Tlcmecen in die Gewalt der Araber gefallen ist." „Du wirst bald sebcn, Cbristenbund, wer von uns Beiden Recht Hal; die Gefangenen müssen gleich "kommen." Ich ging wieder zu mcincm Gefährlen Meurice; cs war noch nicht besser mil ihm, vielmehr verschlimmcrle stch sein Zustand von Tage zu Tage. Ich suchlc seine wunden Glieder zu erwärmen, indem ich sie fortwährend rieb und seine gcfrornen Füße umfaßt hielt. Um die Hef tigkeit seiner Kopfschmerze» zu lindern und das gereizte Blut, welches ihm nach dem Kopf gestiegen war, zu stillen, benetzte ich meine Hände mit Wasser und legte sie so auf seinc brennende Stirn. Noch war ich ganz in diese Beschäftigungen verlieft, als Ben-Faka mit lriumpbiren- der Miene ins Zell trat. „Komm", sagte cr„ „die Araber haben dem Sultan die christlichen Gefangenen von Tlemccen geschickt." Ohne ihm zu antworten, eilte ich ans dem Zelle und sah zwei unglückliche Soldalen vor mir, säst nackt, obne Schuhe, in einem unbeschreiblichen Elend;, die Cbaou'S trieben sie mit Stockschlägcn vor sich hes, wie ein Fleischer seine müden Ochsen ins Schlachthaus. Während man Abd el Kader von ihrer Ankunft benachrichtigte, wollte ich mich ihnen nähern und sie fragen, ward aber von den Chaou'S schnell bei Seile gestoßen und bemerkte noch im Weggehen, wie die Zwei in das Zelt des Sultans traten. Gerade als ich Meu rice Alles erzählte, wurden die beiden Gefangenen von Ben-Faka in unser Zelt, geführt; er gab Jedem von ihnen eincn Haick. Ich machte ihnen ein Zeichen, sich «ns zu nähern, und richtete einige Fragen an sie: „Woher kommt Ihr?" — „Bon Tlemccen." — „Wie heißt Ihr und zu welchem Regiment gehört Ihr?" — „Ich beiße Bourgeois", antwortete mir der Erste, „und bin ein ehemaliger Soldat vom Ilten Regiment; mein Kamerad heißt Fleury und gehörte zum Wstcn Regi ment. Wir waren Beide in dem Bataillon von Tlemccen." — „ES bat also eine Schlacht gegeben?" — „Keinesweges, Herr Lieutenant (ich batte ibnen schon gesagt, wer wir wären), die Sache verbal! stch so: Die Beduinen schloffen schon feit langer Zeil die Stadl ein; man sagl, der Appetil komml über dem Effen; mag seyn, aber wenn man