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Wöchentlich erscheinen irei Niunmein. Prönumcraticnk- Preis 22; Cgr. (z Thlr.) vieettljührüch, 3 Tblr- für La» ganze Iahe, ohne Er höhung, in alte» Theilen der Premuschen ^Monarchie, für die Man xränumcriet auf diese« Beibtau der ÄUg. Pr. Staati- Zeirung in Berlin in der Expedition (Mohren - Straße Rr. 34); in der Provinz so wie im AuAanLe bei den Wohllibl. Post - Aemlcrn. Literatur des Auslandes. 74. Berlin, Mittwoch den 21. Inni 1837. Frankreich. Napolcon's Kommentare zu den Kriegen Cäsar'S.") So hochwichtig auch die Kriegs-Wissenschaft für dar Steigen und Fallen der Mensche» und Reiche scv» mag, so nimmt sie sich doch aus dem Papier für dar größere Publikum weniger anzieheud aus, als Ab, Handlungen über andere Gegenstände. Bon rein kriegswisseulchasilicher Seile aus betrachtet, wurden wir daher Uber vorliegende Schrift nicht gesprochen haben, oilcih sie bietet, ohne ihr Lerdienst zu erwägen, da, durch hohes Interesse, daß sie Betrachtungen von einem der größten Feldherren der neueren Zeit über den größten Feldherrn des Allenbume enthält. In diesem letzten Erzcugniß des Büßenden von St. Helena weht »och der Hauch jene- wunderbaren Geistes, der einst Europa in sich trug. Während er mit dem Blick eines Meisters in die Lage, die Grundsätze und die Geschicke Roms und seines Cäsars dringt, wirst cr oft Srirc,iblicke aus Frankreich und sich selbst. An Linsachheil und Unbefangenheit übertrifft dieses Diktat alle srüherc Diktate Napoleon «, die mehr berechnet waren, auf die Gcmülhcr der fernen tiefer Le» Ein druck ungefähr zu machen, welchen seine Proclamationen bei seinen Tapfere» bervorbrachle», und deren Gegenstände dem berühmten Bcur- thciler nicht alle so durch Berus nahe standen, nicht alle so vor Par teilichkeit geschützt waren, wie Cäsar und feine kriegerische Lausbah». Zu einer Zeit, wo das Unterschiebe» von Büchern so vielen lilc- rarischcu Spekulanten gelungen ist, darf es nicht ganz überfiüsstg er scheinen, etwa« über die Echtheit unserer Schrift zu fagen. Ler ehr liche, treue Marchand könnte durch seine» Name» allein schon eine volle Bürgschaft geben. Er wurde von feinem Herrn im Testamente von St. Helena vor viele» Anderen bedacht; »ichl Lurch Lie Legate, nicht Lurch das Vertrauen, mit welche», Legale für Andere i» seine treuen Hände gelegt wurden, sondern vielmehr durch die Erklärung des Testa tors, daß Marchand nicht bloß sein Diener, sondern auch sein Freund gewesen seh. Aber höre» wir lieber einen Augenblick ihn selbst in der Borrcdc sprechen: „Die handschriftlichen Diktate des Kaisers befinden sich im Be sitze de« Grasen Bertrand, und ihm verdanke ich auch die Möglich keit, die Bemerkungen über Cäsar« Kommentarien herauszugeben, welche er mir seit anderthalb Jahren überlassen Halle. La niein Dicnstberus mich beständig j» per Nähe meine« Kaiserlichen Herrn ließ, so ward mir ost die Ehre, ihm entweder vorzulescn, oder nachzuschrei- ben, wa« er mir diklirie Bei solcher Gelegenheit entstanden jene Be merkungen; säst immer in schlaflose» Nächten, wo cr jlt sagen pflegte, „daß wissenschaftliche Beschäftigung seine Leiden mildere rind ihm einige Blumen auf seinen Psad zum Grabe streue." Ich batte kein weitere« Recht an die Handschrift, als de» Umstand, daß ich sie geschrieben habe; aber auf mein Schreiben an de» Grasen Bertrand erhielt ick eine Antwort, wie ach sie von seiner Güte und Gewogenheit nicht ander« erwartete. Er gestaltete mir jeden beliebigen Gebrauch Ler Hand schrift und behielt sich m,r vor, hier und da Stelle» durch gelegentliche Aeußerungen de« Kaisers zu brleuchtcn. Meine Ausgabe hierbei ist, La« Werk ganz so, wie ich « »»« dem Munde des Kaiser« habe, zu veröffentlichen, ohne mir die geringste Acndcrung zu erlauben. Ueber die Tiefe der Gedanken in dem Bliche mögen die mit der Wissenschaft Vertraute,' richten; ich überliefere sie getreu Ler Nachwelt." Lie Offenheit dieser Sprache und der Charakter der beiden Pfleger de« „Patienten"") sind aber zum Beweise der Echtheit kaum nöihig, wenn man aus Gedanken und Stil der Schrift steht. Nur Napoleon kann so den Cäsar studirl haben. Hier ist nicht die Kritik eine« Schul- gelebnen, der seinen ganzen Scharfsinn,auf das todie Wort, auf die alieribümliche Farbe des Textes verwendet; diese sind vielmehr Aanj vernachlässig, weil der Verfasser seine» Autor wahrscheinlich in einer Französische» Uedersetzung gelesen Hal; aber kein Klassiker bat je einen geistvollere,, Kommentator gesunden. Napoleon « erstaunliche Auffassung topographischer Verhältnisse, sein Scharfblick beim Ausstichen de« Zu sammenhanges zwischen Bedingungen und Erfolg, so wie viele ausfallende '1 ?r«viü a-R pix-rr-vi lle a Oe-ar, par biapoteo» , evrit " I'Itv <tv 8t. Nvtene «ous la -Note« t-kmverour, par » UarcNmM; auiri Uv ptuaier» traamviita -aöau« et auttieuNnu^ et orve ss'uu ptau Ü Lzirea u,l lieaüiu orixmal. I8ZK. -- Ueber dieses interessante Werk batten wir nocb keine Gelegen beit, zu berichten. Wir geben daher nachträglich diese Bemerkungen nach dem letzten Hefte der »rUbm a»a rnrA«» ") „Patient" iss der Name, welchen man an, den Vor,chlag Bertrand« in dem amtlichen Briefwechsel ;w,f»-n de» Franzosen und Engländern au, St. Helena Napoleon beilegte, da dieser „Kaiser" beiße,, wollte, Hudson Lowe aber nicht anders al« „General" sprechen und schreiben lagen wollte. Aehiilichkeiten zwischen ihm und dem Besieger dec Römischen Welt in ihrem Charakter und ihrer Laufbahn berechtigen ih», wie keine» Ankeren, die Tdaleu und die Politik Cäsar « zu würdigen. Napoleon und Cäsar habe» Beide größere Machtvollkommenheit erlangt, haben Beide größere Machtvollkommenheit mißbraucht, als ir gend ein aus den, Throne nicht geborener Herrscher. Beide haben die verfassungsmäßigen Gewalten, denen sie durch Großthaten gedient hat ten, vernichtet; Beide» stellten sich scheinbar an die Spitze der popu« lauen Bewegung, üblen dagegen i» Wirklichkeit eine Alleinherrschaft ohne Verantwortlichkeit. Wa« ihren persönlichen Charakter und Len Stil drr von ihnen hinterlasse,ic» Werke betrifft, so weichen sic sehr von einander ab. Cäsar batte mebr Vertrauen zu den Mensche,, und mebr Freunde; Napoleon balle mehr Verachlung gegen das Menschcn- geschlechl und dagegen auch eine größere Zahl ergebener Kreaturen. Die Kommentarien Cäsar'« haben sür die Nachwelt denselben Reiz, de» seine seinen Sille» für sei»e Zeilgenoffcn ballen; der Bombast Napo leons flallerl hingegen wie eine flimmernde Hülle um feine Gedanken und verbirgt ihre wahre Bedeulung. Stine Gclrcuen betrachteten diese Hülle wie den Manlel Le« Elia«, dem Lie Wunderlbäligkeil von Goll verliehen seh; seine Feinde hingegen als den Deckmantel der Unwissen heit, de« Verbrechens und des Laster«. Doch der Lod und St. Helena baden die Hülle gelüstet, zum unendlich verbesserten Ruse des Verbüll- lcn. Lie Worte, welche Lem gefesselten Prometheus aus St. Helena entströme», und die Zeugnisse seines dortigen Lebens verherrliche» ihn weit mehr, als die stolze» Phrasen seiner Kaiserlichen Bülletins und die schmeichlerische» Anreden eine« verworsenen Bellari'« und eine« im Glück sklavischen, im Unglück treulosen Senat«. Napoleon such! es anschaulich zu machen, daß Cäsar durchaus volkstbümlich war und bei der Masse der Römischen Bürger allgemeine Shmpalhie sand, Laß Po»,pejus Liese Popularität Les Casar nicht ein- sehe» wollte und durch diesen Jrrthum allein seine Niederlage und den Untergang dec Republik herbeisührlc. Wegen der ungünstigen Slim- mung der Plebejer in Rom und Italien konnte sich Pompejus nicht in Rom behaupten, und doch hätte der Krieg einen anderen AuSganz haben könne», wäre cr in diesem Mittelpunkt der Macht geblieben. „Pompejus", sagt Napoleon, „bat die Neigung des Volkes nicht ge kannt; die Meinung der Patrizier und Senatoren, welche Cäsar haßte« und große Worte sprachen, führten ihn irre; das Volk batte eine un überwindliche Zuneigung für Cäsar. Die sechs Spanische» Legionen bauen sich mit Pompejus j„ wenigen Wochen vereinigen können, hätte er sie zu Kartbagena, Valencia und Tarragona einschiffcn und zu Neapel oder Ostia landen lassen. Rom hätte rc behaupten müssen, hier hätte er seine ganze Macht vereinigen sollen. E« ist »othwendiz, Truppen bejsammcuzubalten, damit sie durch den Anblick der Stärke ibrer Partei Mulb bekommen, der Sache ergebener werden, sich gegen seitig aufmuniern und treu bleiben." Die lange Rube der beide» Heere vor der Schlacht bei PharsaluL und die Ungleichheit der Strciterzahl in derselben gebe» Napoleon Veranlassung zu folgenden treffenden Bemerkungen über Lie alte Krieg«, Methode überhaupt. „Die Römer verdanken ihre fortwährende» Kriegserfolge der von ihncn nie vernachlässigten Sitte, sich jeden Abend hinter ein verschanz tes Lager zurückzuziebä» und niemals eine Schlacht zu wagen, ohne ein solche« im Rücken zu haben znm Schutze Le« Gepäckes, der Vorräche und Ler Verwundeten. Bei der Art der damaligen Kriegswaffen waren diese Lager nicht nur gegen den Angriff einer gleichen, sondern auch einer überlegenen Streitmacht gedeckt. Marin« trotzt im Lager den LGsällen der Kimbern und Teutonen, bi« der günstige Augenblick zu einem vollstän digen Siege erscheint. Warum habe,, nun die Feldherren der »eueren Zeit eine mi> so glücklichen Resultaten verbundene kluge Maxime ver lassen s Weil die Angriffswaffe jetzt eine ganz andere ist. Mil der Makedonischen Pike erobert Alexander Asien, mit dem kurzen Schwert erobert der Legionair die damals bekannte Welt; die Hauplwaffc der neueren Zeit ist da« Wursgcschoß. Gegen die Kugel giebr e« keinen Schild; dieser, so wie Panzer und Küraß, sind al« nutzlos erkannt und aufgegcbe» wor den. Ei» einziger Soldat kann in einer Viertelstunde mit seiner Flinte sechzig Feinde tödten oder verwunden. Unter solche» Umständen könnte jetzt ein verschanzte« Lager von allen Seilen Überflüge», beschösse,, und vernichtet werde», während man bei de» Alte» immer Mann gegen Man» dem Feinde die Spitze bielcn konnte. Au« diesem Unterschiede der Waffcnarl läßt sich auch das Mißverhältnis; der Verluste beider Armeen erkläre». Cäsar soll bei Pbarsalu« 200 Mann verloren baden, wäbreiid sein unglücklicher Feind 15,000 eingcbüßt haben soll. Da« Ge schütz n»d die Flinte lichten die Reihen der Sieger und der Besiegten in