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Wöchentlich erscheinen drei Nummern. Prcmmneranons- Preis 22z Sgr. (j Th!r.) ' vierteljährlich, 3 Thlr. sür Las ganze Jahr, ohne Er höhung, in, auen Theilen der Preußischen Monarchie. Magazin für die Man vranumerirl aus diese» Rciblau der AUg. Pr. Ltaais- Jcinmg in Berlin in der Erpedilicn (Mohren-Slrake Nr. 34): in des Proein; so wie im Ausland« bei den Wohllddl. Poff-Aemrern. Literatur des Auslandes. 60 Berlin, Freitag den Ist. Mai 1837 A u si r a l i e n. Die Missionen in der Südsee. Nach Job« B. Williams.") Die erste thälige Anregung zu dem Lecsuche, Prediger des Evan geliums inner die Wilds« der Südsce-Inscln auezuscnden, ging haupl- sächlich von einer frommen Englischen Dame, Lady Huntington, und von deren Kaplan, l)r. Havels, aus. Der Eiser sür die Sache ter Religion aus Llabcui, aus den Marquesas- und Frcundschasts-Inseln stieg dalb zu einer solchen Höbe, daß man ein Schiff kaufte, mit allem Nothwendigen reichlich ausrüstelc und es mit 23 Misstonaircn nach der Süds« fandte. Sic ballen den Auftrag, das Werk ter Bekehrung auf jenen drei Inselgruppen zu gleicher Zeit anzufangen, und von ibrem Eifer, ihrem uniernebmeuden Geiste versprach man sich die glän zendsten Ersolgc. Leiter aber batten weder die AuSgcsendeten, noch die Aussender einen Begriff von den Mitteln und Wegen, die hier allein zum Ziele sübreu lonnien. Diese Manner kamen nach der Südset, ebne die Sprache, Lie Religion, die Sitten, die Lebensart der Ei»ge- dornen im mindesten zu kennen. Wären diese ersten Missionaire mit einigem gesunden Menschenverstände zu Werke gegangen, so würden sie etliche Eingcborne der Inseln mil nach England genommen, dieselben im Ebristcnlbume unterrichtet und erzogen und in Begleitung dieser Gebülsen ihre Reise und ihr Werk wieder angeireten haben. So aber blieb die ganze Expedition eine wabrc geistliche Donquixoliadc, wobei man alle Mittel menschlicher Klugheit verschmähte und auf lauter Wunder zu rechnen schien; bei dieser Unbesorglbcit um Alles, was den Erfolg einer Unternehmung sichern kann, bei diesem gänzlichen Mangel an Vorbereitung, wäre ein Missionsprojekl »ach dem Monde eben so gut denkbar, als eines nach Otaheiti und den Sandwich« - Inseln. Der Erfolg war von der Art, wie jeder Vernünftige vorausschcn mußte. Aus den Marquesas - Inseln schlug die Mission gleich anfangs fehl; aus Tonaalabu sanden die meisten Missionaricn ibren Tod, und eine Reihe von unglücklichen Ereignissen und Verlusten zwang die Europäer, diesen Posten auszugeben. Nicht viel besser ging es der Ab- Iheilung, die sich aus yiaheiii niedergelassen; den Meisten wurde bei Zeiten um ibr Leben bang, und sic flohen nach Neu-Süd-Wales. Kurz, »ach drei oder vier Jahren war von der ganzen glänzenden Ex pedition auch nicht eine Spur übrig. Derselbe Mangel an Ueberlegung und Geschick bat auch in neuerer Zeil bei manchen Mission«-Unternch- murgen obgewaltet, und dann war auch der Au«gang eben so kläglich. Bon jener ersten Sendung waren einige Männer, die ihren Posten nicht verlassen wollten, auf Otaheiti zurückgeblieben, aber leider dewic- fen dieselben sich zur Erlernung der Bolksspracke und zur Auffassung des Volks-EkarakicrS nicht in besonderem Grade geschickt, und ihre jahrelangen Bemühungen trugen durchaus keine Fruch,. Von dem Verstände, womit sic zu Werke gingen, kann man sich daraus einen Begriff machen, daß si« cs für ihr erste« und noibwcndigste« Geschäft hielten, die Insulaner Englisch zu lehren -7- als könnte sich jemals ein ganzes Bolk von einem halben Dutzend Fremder dahin bringen lassen, seine Muttersprache mit einer fremden, schwierigen und künstliche» zu vertauschen. „Sechzehn Jabre hindurch", so klagt der Verfasser, „war, , ungeachtet des unermüdlichsten Eifers, dcr beständigen Reisen, per frommen und dringenden Predigten und Ermahnungen, lechzehn Jahre hindurch wac die aufopfernde Hingebung dieser gottseligen Männer um sonst; Keiner fragte. Keiner kümmerte sich m» di- neue Botschaft, keine einzige Bekehrung fand statt." Kein Wunder, wenn auch die Weni- gen,' die so lange mutbig ausgebalten, endlich der Arbeit auf dem un- fruchibarc» Acker überdrüssig wurden. Die Direktoren der Anstalt in London waren sehr geneigt, die ganze Unternehmung auszugeben. Doch entschloß man sich, noch einen Bersuch zu machen; die Misflonarien wurden aufgcsorderl und mit Mitteln versehen, sich wieder aus ihren Posten zu begeben. Zn Ler Zwischenzeit war übrigen« ein Ereigniß ««getreten, welche« der Aufnahme des Evangeliums" bei diesem Völk- cken die Bahn brach. Zwei Eingeborne aus Tongatabu, welche im Dienste der Missionsprediger gestanden, bewahrten eine liebevolle Erin nerung, sev es an die »c»e Lehre, sev cs an die Person ihrer Lehrer. Die Beiden riesen sich Gedächlniß zurück, was sie aus dem Munde der weisen Fremden gehört; sic dachten darüber nach, sie beteten zu- *) Vergl. dessen so eben erschienene interessante Schrift- 4 »»eratir« ok >n>«-ionarx outervrirl!.'- >» Mo 8<nut» I-Ianä»; evttb «ome reinarlc- vpoa Mo »oMrol Mxtoi? ot m<! islanö-, orixill, Isttkuotcev, traMeiou» an« U8LK08 of tbe uMokitouM. — h-omiou I8Z7 sammeu, sic nahmen mit einander das Abendmahl; kurz, sic wurden selbst zu Bekenner» der Religion der Liebe und «mahnten ihre Lands leute zu gleichem Bckenntniß. Dies war recht eigentlich der Kern für die weitere Verbreitung des Ebristenthums, der Ecnlralpunkt sür die gewaltige Revolution, die in der ganzen Inselwelt dcr Suds« vorgc- gangen ist. Einige Missionaire sanden sich gleich wieder cin, sobald sie von dieser unverhofften Sinneswendung Kunde bekamen: und als man nun das Evangelium vollends in der Volkssprache predigte, da er staunten sie selbst über den glänzenden Erfolg, der überall ihr Wirten krönte. „Bon La an bis auf den heutigen Tag sind unsere Bemühun gen zu einer Reihe segensreicher Erfolge geworden; ein Eiland nach dem anderen, eine Inselgruppe nach der anderen Hal das Evangelium empfangen, und heute wüßten wir aus einen Umkreis von 200V Engi. Meilen um Otaheiti keinen Archipel, kein einigermaßen bedeutendes Eiland namhaft zg machen, wohin Lie frohe Botschaft dcs Heils nicht gedrungen wär«" Herr William«, ist seil 1817 in der Misste» thätig; und zwar wurde er zuerst nach Raialea gesendet, welches die größte und zugleich mittelst-belegene unter den Frcundschasts-Inseln ist. Da aber diese Insel schon ost von reisenden Misstonaircn bcschriebcn wordcn, so gebt Herr Williams über seinen dortigen Auscnthalt kurz hinweg und giebt statt dessen eine» ausführlicheren Bericht, wie das Evangelium zuerst, nach zwei anderen Inselgruppen gebracht worden, nämlich nach Len Hervey- und nach den Samoa- oder Schiffer-Inseln. Der Hervey-Archipel ist Len Europäern fast gar nicht bekannt ge wesen, bevor Herr Williams mit seine» Gefährten sich daselbst nicdcr- Ueß. Er besteht aus sieben Inseln: Mauki, Rarotonga, Mitiaro, Atiu, Mangaia, Attulaki und Hervev, von welcher letzteren die ganze Gruppe den Namen fuhrt; die fünf letztgenannten sind schon von Eook, die zwei erstgenannten erst von den Missionaricn enlbcckt. Die Bevölke rung des Archipels beläuft sich auf 16,000 Köpfe und gehört jur kupferfarbenen Race. Der Leser erinnere sich nämlich, daß die Austra lische Inselwelt, vom Hinlerindischen Archipel dis wcil hinaus in die Süds«, von Len Molukken bis zu den Marquesas-Inseln, von zwei Hauplracen bewohnt wird: nämlich von der kupsersarbrnen, die mehr den Oste» einnimmt, und von der schwarzen Race der Austral-Neger, die auf der westlichen Hälfte dieses Insel-WelttbeilS, auf Neu-Hollaud, Neu-Guinea, Nen-Irland, Neu-Britannien, Neu-Kaledonien, den neuen Hebriden u. s. w. zu Hause ist. Die kupfcrsarbene Race bekundet sich durch ihren Körperbau und ihre Gesichtsbildung als Malayisch, und es läßt sich wobl nicht zweifeln, daß sie mit der Malavischen Bevölkerung der Halbinsel Malakka und der großen Hinlerindischen Eilande von einerlei Abstammung sind; dafür zeugt auch die Sprachvcrwandschafl. ES scheint sogar, als sey diese Australische Inselwelt das geographische und historische Mittelglied zwischen dem östlichen Asien und dem westli chen Amerika. Seitdem die Sprache der allen Peruaner bekannler worden ist, — vor zwölf oder fünfzehn Jahren bat man nämlich einen Theil des neuen Testaments, die vier Evangelien, für die dortigen In- dianerstamme ins Peruanische übersetzt — stellt sich durch Vergleichung eine auffallende Acbnlichkeit dieser Sprache mit dem Malayiscbcn her aus. Hier scheint also der Schlüssel zu dem bisher für unauslösiich gehaltenen Problem von Ler Abstammung der Amerikanischen Urvölkcr zu liegen. Es bliebe nur zu wünschen, daß auch in Betreff LeS räth- selhaslen Volkes der alten Mexikaner ein ähnlicher Ausschluß uns ,u Stallen käme. Herr Williams, bei dem man überhaupt, in Betreff dieses Gegen standes, reichlichere Belehrung findet, als bei allen seinen Vorgängern im Berufe, führt, außer der Aehnlichkeit dcs Körperbaues, Ler Geflchts- bildung und de« Charakters im Allgemeinen, noch viele Umstände zum Beweise des Asiatischen Ursprunges dieser Insulaner an: „Dahin gehört z. B. die auffallende Uebereinstimmung der Begriffe, welche man in Indien durch das Wort Kaste, auf den Südsec-Inseln durch Tabu an- dculet. Die Meinungen, die Boruribeile und dtt: Behandlung, welche die Weiber sich gefallen lassen müssen, find in Bengalen und auf Len Polynesischen Inseln ziemlich Lieselben, so z. B. der Aberglaube, daß die Weiber gewisse Früchte gar nicht oder nickst in Gegenwart von Männern essen dürfen, der unmenschliche Gebrauch, daß man die Wei der beim Lcichenbegängniß ihrer Ehemänner opfert. Beiden Volksstäm- me» ist es eigen, ihre Kranken mit Ler größten Sorglosigkeit, ja Grau samkeit zu behandeln. Eine Menge and«« Cercmonien, Gebräuche, sogar Spiele der Insulaner, stammen offenbar aus Indien. Das ent scheidendste Argument ist aber die Aehnlichkeit, die fast völlige Gleich heit j» dcr Sprache Ler Malaycn und der kupferfarbenen Australier. Eine große Anzahl Malayisch« Wörter findet sich in allen Suds«-