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174 mit zufrieden geben, einen Tbeil de« Jahres dem Hunger aufgesetzt zu sevn; den» es sind immer mehr Arbeiter al» Arbeit da, und bei der Verpflichtung, dem Eigcnihümcr des Ackerstücks den größeren Theil des Ertrags abzuliescrn, bleiben ihm sehr ost zum Lob» fiir Zeil und Mühe kaum einige Maaß Kartoffeln übrig. Als Tagelöhner kann er sich höchstens zwei unp ein halb Shilling die Wache verdienen, also täglich ungefähr Pence (Zh Sgr.). Ein Pächter ist nicht viel glücklicher; auch er lebt von Kartoffeln und muß dem Gutsbesitzer alle übrige Produkle der Pacht abliescrn, mit denen er sogar ost nur erst einen Theil von seinem Pachtzins bezahlt Hal. Dieser traurige Zustgnd der Dinge wird >o lange fortdaucrn, als man das System der Nominal-Renien beibehaltm > wird, d. h. der Renten, welche den Betrag dessen, was der Pächter bezahlen kann, übersteigen. Wenn die Gutsbesitzer in Irland zum Pächter den ge schickteste», fleißigsten Menschen anssuchttn, uiid nicht den, welcher den höchsten Pachtzins liefert, und wenn sie diesen Zins ans eine» Werth festsetzlen, der von dem Ertrag des Bodens hinreichend bezahlt werden kann, dann würden sie auch nicht einen einzigen Shilling verliere», und es müßte sich dann, trotz der Behauptung ter Feinde Irlands, zeigen, wie die Wurzel aller Uebel, welche das Land drücken, nicht in einer Siadikalverdcrbniß des Volks-Eharaktcrs, sondern in einem Haupt- gebrcchcn seiner ganzen Social-Oekonomic liegt. (Schluß folgt.) Frankreich. Die Flucht Lubwig's XVI. nach VarenneS. Aus den Memoiren des Generals Lasavelle. (Schluß.) Die Königliche Familie war, ohne die geringste Drohung oder Kränkung erfahren zu haben, hinauf in ihre Gemächer gelangt. La- savellc begab sich unverwcilt zum Könige; er sand ihn ruhig freund lich, gefaßt, näherte sich ihm mit tiefer Rührung und lüßle ihm ehr furchtsvoll die Hand. „Sire", sprach Lafayette, „Ew. Majcstül kennen weine Anhänglichkeit an die Person meine« Königs, doch habe ich Ew. Majestät nie verschwiegen, wenn Sie je Ihre Sache von der Sache Les Volkes trennten, zu welcher Seite mein Gewissen mich würde stehen heißen." — „Allerdings", erwiederie der König, „Sie sind Ihren Grundsätzen treu geblieben; Jeder hält zu seiner Partei." Und nach einer kleinen Pause sprach er weiter: „So wäre ich denn wieder hier. Aufrichtig gesagt, Herr von Lasavenc, bisher Halle ich gcglaubl, nur hier i» Paris wäre das Eewirre und Gedränge von Leulm Ihrer Meinung um mich her, aber im übrigen Frankreich dächte man anders. Aus dieser Reise habe ich wohl erkanul, daß ich im Irrlhum war, und daß Sie wohl Ncchl haben mögen mit Ihrer Meinung von ganz Frankreich." — „Haben Ew. Mas", fragte Xasapene, „mir etwa« aus- zulragen?" — „Ei, Heer von Lasavelle", sagte der König lächelnd, „es kommt mir vor, ich stehe heule mehr zu Ihren Befehlen, als Sie zu den meinigen." Lafayette nahm von neuem das Wort und be- lbeuerte dem Könige mit der größten Wärme, wie er von jeher nicht« höher geachtet habe, »och ferner achten werde, als durch seine Hand lungen Sr. Majestät Zufriedenheit zu erwerben, wo es geschehen könnte ohne Verletzung seiner Pflichten gegen Freiheit, Volk und Vaterland. Er setzte dem Könige daraus das letzte Dekret der Rational-Versamm lung aus einander; ter König Hörle ihm geduldig zu und entließ ihn mit Güte. Einen schwereren Stand hatte Lafayette bei der Königin. Diese konnte ihr gereiztes Gemüth und ihre Abneigung gegen ihn nicht ganz verbergen. Es kam sogar (ob noch an demselben Abende oder am Morgen desselben Tages ist nicht zu ermitteln, letzteres jedoch wahr scheinlicher) im Beisevn des Königs zwischen Beiden zu einem etwas lebhaften Austritt. Es waren nämlich m den Reiscwagen der König lichen Familie mehrere Kassette» stehen geblieben, und die Königin weigerte sich durchaus, sic herausbringen zu lassen, ja, sie wollte La fayette die Schlüssel dazu aufnölhigcn. Vergebens stellte Lasavelle ihr vor, daß Niemand die Eröffnung ter Kassetten verlange, Niemand sie verlangen werde. „Sie müssen die Schlüssel nehmen", sagte die Kö nigin und legte sie ihm auf den Hut. Lasavelle dal inständigst um Enlschuldigung, daß er sie mit der Eilte belästigen müsse, die Schlüssel wieder zu Händen zu nehme»; er erklärte ein für allemal, sic nicht an- rührcn zu wollcn. Die Königin sprach mit sichtlichem Verdruß: „Mag seyn; ich werde schon Leute finden, die nicht so übcrdclikat sind, wie Sie, Herr von Lafayette." Sie irrte sich, es ließ sich Niemand dazu finden, es bat kein Mensch auch nur ein Blatt vom Inhalte der Kasset ten untersuch,. Doch äußerte die Königin wenige Stunden später im Gespräche gegen Montmorin, daß sie über Lafayeltc's Benehmen nicht zu klagen habe. Noch unangenehmer war dem Letztere» folgender Vorfall. Der König hatte sich in sein Kabinet zurückgezogen, mehrere Briese geschrie ben und gab sie einem Bolen zu besorgen; der Bole kam mil den Briesen zu Lafayette und wollte ib» erst um Erlaubniß fragen. La fayette aber wollte durchaus nicht al« der Wächter der Königlichen Familie i» dieser Art angesehen seyn. Aus ehrender Rücksicht für seinen Charakter und sein Verbältniß znm Könige, batte die Nalional- Bersammlung in ihrem letzte» Dekrete es absichtlich vermicdcn, ihn, den General-Kommandaiiten, direkt und persönlich mit der Hulb und Hast für die Königliche Familie zu beauftragen; diese Verantwortlichkeit wurde den Naiional-Gardcn überwiesen, welche im Innern des Schlosse« die Wache bezogen, und Lasavelle konnlc dergestalt von seinen Besug- niffen als Konimandanl »ich« in dem Maße, wie er wobl gewünlchl balle, zur Erleichlerung der etwa« strengen Aufsichl Gebrauch machen. Er ließ es sich angelegen seyn, zu den Wachen im Schlosse nur solche Personen zu beordern, die der Köniz gern sehen mochte, Keinen, dessen Gegenwart verletzend für die Königliche Familie seyn konnte. Der Wortlaut de« letzten Dekrete« der National-Versammlung, worin für alle Mitglieder der Königlichen Familie eine gucfle z-ortiouliero an- geordnet war, wurde von vielen Personen tabin ausgetcgt, daß man sie von einander treunen und einzeln bewachen müssc. Mehrere Dcpulirte der National-Versammlung tadelten Lasavelle darüber, daß er da«. De- krel nicht in diesem Sinne vollzogen. „Es ist mein Grundsatz", crwie- derte dieser, „so osl eine Vorschrift der Strenge ans zweierlei Weise ausgelcgt werden kann, jedesmal die mildere für die richtige zu ballen." Einige Lage späler wohnte Lafayette einer Zusammenkunft dreier Aus schüsse der National-Versammlung bei — es war der Ausschuß sür die diplomatischen, sür die Versassungs-Angelegenheiten und sür die Kor respondenz mil den Behörden — und schlug den Herren etliche Erleich terungen vor, dir in den Anordnungen in Betreff der Königlichen Fa milie statlfinden konnten; die Aenderung betraf nur kleine, geringfü gige Umstände, doch verlangte man, er sollte seine Vorschläge specifici- ren, um sie von dec Vcrzammlung genehmigen zu lassen. „Nein", sagte Lafayette, „wenn man so bedenklich ist, so nehme ich Alles auf mich allein; besser daß ich, als daß die Natioual-Versammlung ein Un recht zu vcraittwonen habe." Gleich am Tage nach der Ankunft de« König« ernauule die Ver sammlung, dem dritten Artikel ihre« Dekrets vom 23. Juni gemäß, drei ihrer Mitglieder, die Herren von Andrä, Tronchet und Duport, nm die mündlichen Aussagen de« König« und der Königin entgegenzu- uehmcn. Diese Herren gingen nicht bloß mil der größten Ehrerbietung, sondern auch mil der zartesten Schonung und dem freundlichsten Wohl wollen hierbei zu Werke; es wurde den erlauchten Personen jede Verle genheit erspart; ja die drei Kommissarien ergriffen mil Freuden nueu sich darbicicndcn Vorwand, ihre Unterredung mil ter Königin aus tc» folgenden Tag auszusetzcn — die Königin ließ ihnen nämlich, als sie sich meldeten, sagen, sic scy im Bade — damit sie Zeil behielte, ihre Aussagen mil denen, welche der König bereits gcthan, in Einklang zn setzen. In dem Hofstaate der Königlichen Familie wurde nichts qcaudcrl; aber der mililairische Dienst innerhalb des Schlosses und der Umgebung desselben wurde natürlich auf ganz anderen Fuß gesetzt: hinfort nahm der General-Kommandant die Parole nicht msbr vom Könige, sondern gab sie selber. Auch von der Gartenseite waren alle Eingänge und Alleen gesperrt. Lafayette halte den König und die Königin gebeten, ihm eine Liste der Personen zu überreichen, denen man den Zutritt in« Schloß eröffnet zu sehen wimsche. Diese Liste fiel sehr zahlreich au« und bestand zum bei weitem größten Theile aus Personen, deren Feind schaft gegen die Revolution kein Geheimniß war. Den wachthabenden Offizieren der National-Garde war ein Saal im Schlosse, zwischen der gewöhnlichen 8uIIe «Gs zur,los und den Wohngemächer» der König lichen Familie, eingcräumt. Fremde konnlc» nichl zu ihr gelangt», ohne diese Wachen zu passiren. Lie Personell der Königlichen Familie je doch konnten ohne solchen Zwang durch innere Thüren und Gänge zu einander gelangen. Z» dieser Lage blieb Alle« bi« zum September, und al« der König nach Beschwörung dcr Constitution wieder völlig in Freiheit gesetzt wor den, gab er den Offizieren der National-Garde, welche diese Zeit über die Wache im Innern dcö Schlosses versehen ballen, seine Zufrieden heit mit ihrem Belragcn zu erkennen. Einer von diesen Herre», der Bataillons-Chef Euingelo, hat ei» Jahr später, am Ik>. August I7S2, bei der Vertheidigung des König« seinen Tod gesunden. Man Hal über die Behandlung, welche der Königlichen Familie damals widerfahren seyn soll, grobe Lügen und Verleumdungen ver breitet. Lei einigem Nachsuchen würden sich vielleicht Lafayette'« In structionen au die Offiziere und die Rapporte dcr Letzteren »och ganz oder zum Theil ausfinden lassen. Ma» inuß, um gerecht zu urlhcilcn, die Befehle, welche von Lafayette auSginze», nichl mit dem verwechsln, wa« die National-Gardisten, bei der auf ihnen lastenden Verantwort» lichkeit und bei der allgemein herrschenden Unruhe, manchmal um ihrer selbst und um der Sicherheit de« Königs Wille» tbun zu müssen glaub ten. Man darf auch nicht verschweigen, daß der König und die Königin wobl Manches lhalen, um ihre» Zustand minder erträglich erscheinen zu lassen, al« es sich in Wabrbcil verhielt. Al« z. B. die drei Kom missorien der National-Versammlung, Andrä, Tronchet und Duport, am 27. Juni bei der Königin erschienen, ließ diese (Tronchet berichtet den Umstand) für die drei Herre» Lehnicffel, für sich selbst nur einen cmfachen Stuhl biusetze». Wird man deshalb sagen, die Natioual- Versammlung habe diese« erniedrigende Ceremoniell vorgeschricbeu? Ei» andermal ließ die Königin gar den wachthabende» Offizier in ibr Schlaf gemach rufen, damit er sich mit eigenen Augen überzeuge, sie scv nicht entflohen, sondern noch j» Bell. — Plan muß auch die befländigo Unruhe in Anschlag bringe», die während dieser Monate im ganze» Volke herrschte: der Verdacht ruble keinen Augenblick, alle Parteien regten sich, und die drei Haupisaclionen, die jakobinische, die orleani- siische und die aristokratische, trieben um die Welle zum Ausrubr, weil der Ausrubr ihren Zwecken diente. Alle Augeudtickc hieß es, der König scy fort, oder er woll^ fort; manchmal ging da« Gerücht gkgen La- faycile, er wolle zur Flucht Helsen, und der Dcpulirte Sillery, eine Kreatur des Herzogs von Orleans, enlblöcete sich nichl, jh„ darauf bi» beim belreffendeii Ausschüsse der National-Versammlung zn dcnuncireu. Fast jede Nach! wurden die wachthabenden Offiziere durch dergleichen Berichte und Allarm aufgcschreckl, und sic waren daher im Interesse der Königlichen Familie nicht minder, al« in ihrem eigene», zu strengen Borsichts-Maßregkln gcnöihigt. Auch die Personen, die al« Mitwisser und Mitanstifter de« Flucht- plane«, oder al« Begleiter der Königlichen Familie aus ihrer Reise, ge fänglich tingezogen und zu Verhör genommen wurden — auch diese balle» durchaus nicht über unglimpsliche Vedandlung klagen, viel «her wohl die Schonung, womit man gegen sie verfuhr, zu loben. Mehrere Offiziere, die ganz absichtslos, «ad ohne das Geringste zn