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Wöchentlich erscheinen drei Nummern. Pränumeration«- Prei« 22; Sgr. (j ^hlr.) nlerteliodrlud, 3 Tdlr. siir da« ganze Jahr, ohne Er höhung, in alten Theilen der Preußischen Monarchie. Magazin für die Man pranumerirt aus diese« Beidlatt der Allg. Pr. Staat«- Zeitung in Berlin in ter Expedition (Mohren - Straße Nr. 34); in der Provinz so wie im Auilande bei den WchUödl. Posl - Jennern. Literatur des Auslandes. 13. Berlin, Montag den 3V. Januar 1837. Frankreich. Alt-Französische Etikette. Au« den Memoiren der Marquise von Erequy. Die Memoiren der Marquise von Crcquy, die c« al« ein besonde- rcs Glück ihre« Lebens ausab, baß Ludwig XIV. ihr in ihrer srühcsten Fugend mit ausncdmcndcr Zärtlichkeit die Hand geküßt habe"), und in einer Anmerkung zu dieser Stelle auch erzählt, daß ihr Bonaparte im Fahre XI. ter Französischen Republik die gleiche Ehre erwiesen habe, enthalten viele einzelne Züge von Jiuercsse aus dem langen Zeiträume von 1710—IMO, den die Verfasserin schildert. Im Ganzen ader scheint doch die Wichtigkeit dieser sieben Bande in Lcutschlaiib zu hoch ange schlagen zu sevn, was namentlich von Redaktoren emzelner Zcilschrislcn ausgtgangcn ist, die immer neue Nahrung für ihr lcsehungiiges Publikum haben müsse». Ein zweckmäßig angelegter Auszng würde kaum zwei kleine Bände füllen, denn selbst die angenehme Schwatzhaftigkeit der Herzogin von Abrantes, welche trotz der großen Bändezahl ihrer Me moiren viele Leser lange bei denselben sestgehalle» hat, fehlt der Marquise von Erequy, die mitunter eben so langweilig ist, als ein großer Theil dec Zeit war, welche sie geschildert bau Zn diese Kategorie gehört nun der größte Theil der Regierung Ludwig s XV. Die vielen genealogischen Erörterungen über die Brc- teuil's, Tallcvranb's, Rohan «, Noailles', TrcmouiUe's, über den Haupl- stamm und die verschiedenen Ncbcnästc des Ereguvsche» Hauses, die durchaus sieisc und ccremomösc Haltung der Verfasserin, die eigentlich nie jung gewesen zu sevn scheint, ihre preewse Frömmigkeit, die Ge- schichun von Carlonchc und Eagliostro, die Verdammung Voltaire s und seines Atheismus, das Einerlei des HoicS zu Versailles — alles die« zusammengenommen, vervollständigt nur da« unersccuiichc Bild jenes langweiligen Lebens am Hose Ludwig s XV. Es ist sehr begreiflich, daß die Etikette des genannten HofcS und das Ccrcmoniel einen bedeu tenden Thcil de« Buches cmnimmt; aber, nach unserem Dafürhalten, nicht zum Votthcil desselben. Denn diese Alt-Französische Etikette, deren Begründer Ludwig XIV. war und die für da« ganze übrige Europa von Wichtigkeit gewesen ist, erscheint hier in ihrem Ucbergangs- punkic aus dem Glanze eines durch äußere Siege und Eroberungen verherrlichten Rcgcntcnlebeus in die Alltäglichkeit seines Nachfolgers, dem bloß körverlichc Schönheit und die Gewohnheit, sich von einem Bourbonischcn Fürsten beherrschen zu lassen, bei seinen Untcrthancn den Namrn de« Vielgeliebten verschalst» konnten. Den neuen Geist srcilich, der sich nehm und unter den Formen der alten Etikette entwickelte, und den unter un« neuerdings Z. W. Zinkcisen j» seinen Hauplzügen tref fend kargeste»! bal°°), scheint die alle Fran von Ercquv — wenigstens in den ersten Bänden ihres Werkes nicht gcahnei zu haben. Man glaube übrigens nicht, daß wir den steifen Fornien der Eti kette ihren Nutzen abiprechen wollen. Wir loben sic im Gegentbeil, weil sic dem Leben der Großen etwas Würdevolles und Feierliches ge ben und Anderen Ehrfurcht Anstößen, die zugleich cS anerkennen müssen, daß auch Hobe Personen unverbrüchliche Gesetze des Anstande« über sich annehmc» und denselben ibren Willen unlerordnc». Ost ist freilich mit diesen Forme» ein bloße» Spiel getrieben worden, und übertriebene Aiisorterungtii habe» gerade die Fürstliche Hoheit i» den Ange» der Menge herabgesetzt, wo sic doch bestimmt waren, dieselbe zu crböben. Via» dciikc an die Etikette beim Aiikleidcu einer Königin von Frank reich, an die Königlichen Prinzess!,men von Frankreich, die nie allein eine Treppe hinunter oder heraus gehen dursten, an da« Fest de« Sticsel- auszicbeus (stschnllom'»>) des alten Ludwig s XV., an die Schilde rungen der Herzogin von Abrantes vom Spanischen und Portugiesischen Hose, wo noch am 21. Marz >834 Lord Howard de Walden s Auf- ireik» i» Stieseln das höchste Mißfallen erregte und Ferdinand VII. erst in de» letzte» Jahren seine« Leben« zugab, daß auf den Königlichen Landsitzen, »ich, aber im Palast zu Madrid, weile Beinkleider getragen werben diirftcii. Und welchen Eindruck mußte cs aus die im Jahre 1780 ohnehin schon gegen de» Hof Ludwig « XVI. cingenommcnen Reichs- siändc machen, als ihre T>cpulaliou zu Mcudon vor de» tobten Körper de« in, Juni biescs Jahres gestorbenen Sohns Lubwig's XVI. geführt 'n "' dürsten^ ol^ic,Zii^ ^c»>i >a u-äant-ei« NnU aüneement et kle maniteuie «a v„i«mS, gui tut realer I» P I p. 1.^ ") Zn Naumn'S histor Taschenbuch s. IM S ZSli-ZSü. S. «08 n wurde und ler Ober-Eeremonieii-Meister sie bem tobten Prinzen an- mcltele: ssiunseiAneur, vuilä uns elöznitalion «los öials-Zönöranx. °) Liese Präsentation sübrt un« aus die Stellen ber Frais von Erequy zurück, welche gerate über die Präsentation am Hofe und da« Recht zu derselben sich verbreiten. „Man konnte einst", schreibt sie (d. h. zur Zeit Ludwig'« XkV.j, „am Hose nicht vorgestellt werden, wenn man nicht im Besitz eines ererbten hoben Ranges sich besand, oder Aeltern balle, die vom Könige enlwedcr wegen ihrer Armier oder durch die Gunst und das Wohlwollen desselben mit einer bcsonbercn Bertranlich- keil beehr! waren. Aber nachdem der Französische Adel so sehr herab- gekoMmen war, wolllc Jedermann der Quelle der Gnade sich nähern, und die Gesuche, um rorgcstelll zu werden, wurden so häufig, so allge mein und tast immer so lächerlich, baß man Mille! ergreifen mußle, um sie zu beschränken und eine feste Siegel einzusührcn." ") Man muß zur Erklärung biescs Ausfalls wissen, daß Frau von Ercquv sich zu einer Zeil, die jedoch von ihr nicht genau bestimmt ist (wie denn die chronologischen Angaben meisten« ganz weggelaffen sind), höchlich beleidigt fand, baß ein Ebelmann aus Anjou, Lejeune bc la Fuzonniöre, es gewagt halte, sich ben Namen, den Titel und da« Wappen der Familie Erequv in Folge alter Ansprüche anzueigne». Dit Marquise bot Alle« geqrn ihn auf, aber die heraldischen Untersuchungen des Hos-Geukalogc» Eherin lieferten kein für sie günstige« Resultat, bis endlich ibr Sohn, der Marquis vo» Ercquv, die Sachc beim Par lamente zu Paris anhängig machte und nach einem vierjährigen RechlS- streilc den Prozeß gewann, wobmch dem Grasen von Ercquv dem Jüngeren anbcsohien ward, diesen Namen und da« Wappen der Familie abzulegcn. Nachdem sich also die Marquise wciiläufiig über ta« Edikt de« König« Ludwig s XV. (unstreitig ist das vom 17. April 1780 gemeint), wonach nur solche Adelige bas Recht haben sollten, am Hofe vorgestellt zu werbe», bic ihre» Atel dis zum Jahre 1400 hincmsfübren könnten, ausgesprochen unb bedauert bat, baß ber König mit persönlichen Aus nahmen zu freigebig gewesen sch, sahn sie (zi. 120) in folgender Wkise fön: „Heutzutage ist die Eeremomc der Präsentatio» für die Männer sehr einfach. Der erste Kannnerberr vom Dienste nennt sie dem Könige, indem ec die Bescheinigung ihres Akels nach bcm Zeugnisse de« Herr» Ebcri» hinzusügt. Seine Majestät neigt larauf etwas bas Haupt und sagt ihnen einige Worte über ibrc Aelter», wen» sie bie Ebre gehabt baden, dem Könige bekannt gewesen zu sevn. Dann folge» die so Prä- semirle» bem Könige aus die Jagd und dürfen in den Königlichen Equipagen Platz nehme» (manlm stame los <urossos <Iu rai). Ist dies nun geschehe», so darf man am Hofe erscheine», wcnn man will." (Schluß solgl.) Hccucn aus Frankreich im März 1815. Ich weiß nicht, ob c« allen Lemm so gebt; was mich betrifft, so bekenne ich: Alles, was auf Napoleon Bezug hat, jeder einzelne Um stand, jede Erläuterung über die Zeil, wo er mit seiner mächtigen Per sönlichkeit allein de» historischen Schauplatz aussülllc, jeder Beitrag zu seiner Eharaklrristik interesstrt mich aus« höchste, und meine Wißbegier wird nimmer müde. Man glaube nicht etwa, baß ich den Kaiser liebe; mit Nichte»! Ich gehöre z» der große» Zahl derjenige», die e« tief empfinden, wie viel Böses er Frankreich gelbem hat, die noch viel tiefer empfinden, wie viel Gute« er baue ihun können und nicht getban hat. Die Ordnung Hal er wiederhergcstellt, ja, aber im Interesse seiner deSpctischeii Gewalt. „Dreifache« Erz umvanzcrle die Brust, Darunter schlug kein menschlich suhlend Herz!" Er gehört zu dc» über die Welt gesandten EotteSgeißeln; Keiner hat Menschenrecht u»b Mem'chc»würbc verwegener mißhandelt, Keiner hat sie so kallblülig mi> Füße» getreu«. Das sind meine Gesinnungen al« Patriot; dagegen bekenne ich frei, alle Neigung und Liebe, die eine historische Gestalt bcm Künstler abgewinnc» kann, die habe ich ihm verdientermaßen zugewcudcl. Die Persönlichkeit de« Kaiser« ist die mächtigste, bic imponirendste, dic erhabenste und anziehendste, die in neueren Zeile» ausgelrelc»; die Züge seine« A»llitze«, mit dem Stempel der großarligstrn Originalität gezeichnet, bewäUigen den Geist i" an- bächligcr Anschauung durch die Erümcrima an die mächtigen Thaten, Moutaaistard «>»<<>>-- a- >» b'-aarv. 'N. II p ZS "1 P Ul p. ,21