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02-Abendausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 02.01.1905
- Titel
- 02-Abendausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1905-01-02
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19050102026
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1905010202
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1905010202
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1905
-
Monat
1905-01
- Tag 1905-01-02
-
Monat
1905-01
-
Jahr
1905
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Montag, 2. Jarruar 1905. halten In seinem Vortrag über da- „schlafende Berlin" prophe- zeit« er für da» kommende Jahr einen Krieg mit England, er erklärte dann, er sei alt-gesprochener Sozialist und sorderte seine roten Brüder auf, gegen die reichen Juden eine kleine Revolution zu veranstalten und sich die Taschen mit ihrem Geld« zu füllen. * Oldenburg, 1. Januar. Der letzten Nummer des „Residenzbolen" ist zu entnehmen: Bier mann, welcher sich schon 3 Monat 1 Woche in Haft befindet, hatte den Antrag auf Haftenlafsung gestellt. Das Gerich gab ihm auf eine Anfrage, weshalb die Ant wort nicht einträfe, den Bescheid, daß das Gesuch weiter gegeben sei. Indessen gab das Gericht nicht an, an wen das Gesuch weitergegeben ist. Man vermutet aber, an das Reichsgericht, weil B. bekanntlich oldenbur- gische Richter in der Gesamtheit abgelehnt hat. — Der Termin in der Beleidigungsklage des Rechtsanwalts Wisser (Rechtsbeistand des Ministers Ruhstrat) gegen Biermann findet am 14. Januar statt. * AuS Jena schreibt'man der „T. R": Zu den An griffen, welche das Verbot des Farbentrageus seitens konfessioneller S tu d e n t e n -V er b i n d u n g e n der Universität Jena eingetragen hat, wird oft die Sache so dar gestellt, als würden hier katholische Verbindungen schlechthin unterdrückt. Das ist durchaus nicht derFall, vielmehr besteht hier nachAblegung derFarben die katholische VerbindungSugambria unangefochten weiter. Ihre Ideale zu pflegen wird hier keiner Richtung verwehrt, ein Farbentragen einer exklusiv konfessionellen Verbindung hatte aber lediglich einen demon strativen Charakter, und gegen einen solchen spricht nicht nur daS Interesse des akademischen Friedens, sondern viel leicht mehr noch das Interesse der Religion selbst, wenigstens nach der Empfindung solcher, denen es bei der Religion um Religion und nicht um politische Macht zu tun ist. — Uebribens hat der ultramontane Ansturm Jena bis jetzt nicht im Mlndesten geschadet, vielmehr war die Frequenz während der beiden letzten Semester größer als je seit dem 18. Jahr hundert; so wird denn Jena Wohl auch die weiteren An griffe glücklich aushalten und eine Hochburg geistiger Freiheit bleiben. * Thorn, 1. Januar. Hier fand gestern in der Angelegen heit der russischen Auswanderer unter dem Vorsitze eine« Geheimrats aus dem Ministerium des Innern eine Konferenz von Landräten der Grenzkreise und Bürger meistern der Grenzstädte statt. Es wurde über eine Reform der Auswanbererkontrollstationen und über eine einheitliche Handhabung der Ausweisung von russischen Staatsangehörigen beraten. Huslana. Frankreich. * Tod de- Kardinals Langenieux. Aus Reims wird depeschiert, daß der Kardinal Langönieux gestorben ist. Er hat durch feine regierungsfeindliche Haltung bei Beginn des Konfliktes zwischen Negierung und Vatikan mehrfach von sich reden gemacht. * Bertcoux nn» die Freimaurer. Der nationalistische Deputierte Puzlieri-Conti teilte, wie gemeldet wirb, dem Kriegsminister mit, daß er ihn über das Rundschreiben inter pellieren werde, in welchem der radikale Deputierte Laferre, der Präsident des Ordensrates der Freimaurerloge Grand Orient unter Berufung auf den Kriegsministcr die Offiziere auffordert, dem Freimaurerorden beizutreten. Belgien. * Leopold des Zweite» NcujahrSgcdanken. Beim Empfang der Abordnungen der staatlichen Körperschaften hielt, wie das „Bureau Reuter" meldet, der König gestern eine Ansprache, in der er u. a. darauf hinwies, daß dieses Jahr, das 75. Jahr deS Bestehens Belgiens, durch glänzende Feste gefeiert werden würde. Er führte aus, ein Land sei niemals klein, wenn es vom Meere bespült werke. „Wir sind", fuhr der König fort, „am Beginn der großen, die Schiedsgerichts! rage betreffenden Be wegung, sowie derjenigen einer friedlichen und ireunvfchasi- lichen Regelung der großen politischen Streitigkeiten." Belgien stehe außerhalb des politischen Wettbewerbs, aber eS iönne eine große Rolle spielen Dank des Fleißes und der Intelligenz seiner Bewohner. Der König führte sodann das große deutsche Reich an, das „unter dem Impuls eines er lauchten Herrschers, des Erben einer glorreichen Dynastie" stehe. Deutschland besitze gegenwärtig eine der ersten Flotten der Welt und Belgien, obgleich eS nur klein sei, tönne hoffen, auch bei sich derartige Früchte eines auf opfernden Patriotismus zu sehen. Rußland. * Die erste Sitzung des russischen Ministerkomitees. Wie aus Petersburg gemeldet wird, findet die Er öffnungssitzung am Dienstag statt; nach etwa acht Wcchen soll das Resultat der Beratungen dem Zaren unterbreitet werden können. Das Komitee trägt seinen Namen zu Unrecht, da die Ressortminister nur einen Teil des Per sonalbestandes dieser Körperschaft ausmachen. Von den Gliedern des Kaiserhauses gehören zum Komitee die fünf Großfürsten Michail Alexandrowitsch, Wladimir Alexan- drowitsch, Oberbefehlshaber der Garden und des Peters- burger Militärbezirks, Alexius Alexandrowitsch, General, admiral, Michail Nikolajewitsch, Präsident des Reichs rats, und Alexander Michailowitsch, Hauptchef der Handelsschiffahrt und der Häfen. Präsident ist der Staatssekretär ebne Portefeuille Julius Witte, der als solcher kein Stimmrecht im Komitee hat. Weitere Komiteemitglieder sind: der Staatssekretär Graf Solski, Staatssekretär Frisch, Admiral Tschichatschow, Staats, iekretär Gerhardt, Oberprokureur des orthodoxen Synods Pobjedonoffzew, General Graf Protassow-Bach- metjew, der Chef der Reichskontrolle General Lobko, der Staatssekretär Baron Uexküll von Gyldenbandt, endlich die Minister des kaiserlichen Hauses, des Krieges, der Marine, des Innern, der Finanzen, der Landwirtschaft, der Justiz, des Aeußcrcn, dos Unterrichts. Geschäfts- führer des Komitees ist der Staatssekretär Baron Nolde. Die Minister nehmen demnach nur neun Plätze ein. Von den übrigen Würdenträgern stammen mehrere noch aus der Epoche Nikolaus' I., alle aber ge- stören auch der Regierunqszeit Alexanders III. an. Es ist daher nicht verwunderlich, daß, wie der „Schles. Ztg." geschrieben wird, selbst Ssuworin, der in der „Nowoje Wremja" noch vor zehn Tagen eine Verfassung forderte und in dem Ukas den „Frühling" erblickte, jetzt das Ge Leipziger Tageblatt. ständniS macht, dieses Komitee werde ohne Hinzuziehung von Ständevertretern die vom Kaiser ihm zugedachte Aufgabe nicht zu lösen vermögen. * Die Exzesse gegen die Semstwoabgeordneten von Tambow. Im Gouvernementssemstwo kamen, wie aus Lxrmbow gemeldet wird, die vor einigen Tagen gegen Deputierte verübten tätlichen Beleidigungen zur Sprache. Mehrere Redner behaupteten, daß die Ausschreitungen zu einen« ganz bestimmten Zwecke vorbereitet worden seien und die Polizei untätig zugesehen habe. Der Vorgang sei das Resultat davon, daß die Polizei das für die ersten Sitzungen des Semstwo zugelassene Publikum ausgewählt habe. Es wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, an den Minister des Innern ein Telegramm zu senden, in dem die Untätigkeit der Polizei betont und darauf hingewiesen wird, daß bei dieser Lage das Semstwo nicht imstande sei, seine Aufgaben zu erfüllen. Der Minister wird weiter ersucht, Maßnahmen zur Sicherheit der Deputierten und des Publikums, sowie eine gerichtliche Untersuchung über die Haltung der Polizei anzuordnen. Marokko. * Gegen Pie Agencc HavaS. Der Spezialkorrefpondent des „Matin" berichtet aus Tanger, man dürfe nicht glauben, daß bereits alle Schwierigkeiten überwunden seien. Frank reich müsse seine ganze energische Haltung auch weiterhin beobachten, da durch das geringste Nachlassen die errungenen Vorteile verloren gehen würden. Es sei sogar möglich, daß Frankreich sich mit der bisherigen Situation nicht be gnügen werde und vor der Abreise des französischen Gesandten von Tanger nach Fe; weitere Forderungen stellen werde. Australien. * Tie Besetzung der Tongainseln durch die Eng länder. Nach neueren Meldungen aus Sydney ist die tongaische Staatskasse angeblich leer und die Europäer sollen allgemeine englische Verwaltung erhoffen. Die nach den Fidschiinseln deportierten Minister wer- den als politische Gefangene behandelt. Uebrigens sind die früher völlig unabhängigen Tongainseln schon durch den deutsch . englischen Vertrag voin 8. No vember 1899 der britischen Interessensphäre einverleibt worden. Für Deutschland hat, wie die „Köln. Ztg." be richtet, das Schicksal des ehemaligen Musterstaates der Slldsec insofern ein besonderes geschichtliches Interesse, als der alte, 1893 verstorbene König Georg sehnlichst eine deutsche Schutzherrschaft wünschte und sie auch in aller Form erbeten hat, freilich zu einer Zeit, als das amtliche Deutschland n och nichtsvon Kolo nien und Kolonialpvlitik wissen wollte. Der erwähnte König Georg, der 1797, also in demselben Jahre wie der alte Kaiser Wilhelm, geboren war, diese«« aber um volle fünf Jahre überlebt hat,-war insofern eine höchst eigenartige Erscheinung, als er unter reger eigener Anteilnahme den Uebergang seines etwa 30 000 Köpfe zählende«« Volkes von urwüchsigen« Heidentum zu völli- ger Christianisierung und verhältnismäßig hoher Kultur mit durchlebt hat. Die englisch-wesleyanischen Missio- narc, die 1822 auf Tonga gelandet waren, hatten den« nicht besonders fleißigen, aber äußerst bildungsfähigen Völkchen recht gute staatliche Einrichtungen zu geben ge- wußt. Die Folge war. Laß der Missionar W. Baker, der den« König am längsten als Berater zur Seite gestanden hat, 1890 auf Befehl -er englischen Regierung und zwar anscheinend deshalb ansgewiesen wurde. Tor alte König Georg bat nicht «nehr die Zeit erlebt, in der sich nach langen Wirren das Schicksal der drei am längsten un abhängig gebliebenen Südsee-Königreiche Hawaii, Samoa und Tonga entschied. Ta die amerikanischen Interessen sich nicht über Samoa hinaus erstreckten, konnte Tonga bloß zwischen England und Deutschland strittig sein, deren Handel dort auch heute noch allein «naßgebend ist. Der jetzt 30jährige König Georg II. hat von jeher weit mehr als sein Großvater und Vorgänger unter englischem Einfluß gestanden, was ihm wohl insofern zu gute kommen wird, als die völlige Ein- verleibung -es Landes durch England kaum zu seinen Lebzeiten erfolgen dürfte. Leiprigrr Ungelegendriten. Leipzig, 2. Januar. * «ine Netngewinnsteuer kan» von auswärts wohnen den Personen ohne ministeriellen Dispens nicht erhoben werden. In einem Leiziger Vororte hatte der Besitzer eines größeren Areals, der mit demselben spekuliert, jedoch seinen Wohnsitz in einer benachbarten Gemeinde hat, zwei Bauplätze zum Preise von 4657 und 13 735 ver kauft. Vom Verkäufer wurde hierauf seitens der Gemeinde in der die Bauplätze liegen, die Entrichtung einer Rein gewinnsteuer im Betrage von 350 gefordert. Der Verkäufer legte hiergegen Rekurs ein, der aber von der RekurS- instanz abgewiesen wurde. Auf erhobene Anfechtungs klage entschied daS Oberverwaltungsgericht, daß die Gemeinde- den Kläger, da er kein Gemeindemitglied war, nicht zu Entrichtung einer Reingewinnsteuer heranziehen konnte. Durch die Revidierte Landgemeindeordnung sei der Kreis derjenigen Personen, die zu Gemeindeanlagen herangezogen werden können, bestimmt begrenzt. Nach § 18 Abs. 1. könne daS Einkommen aus einem Gewerbebetriebe (und um ein solches handelt es sich hier zweifellos) nur dort für die Besteuerung in Anspruch genommen werden, wo die gewerbliche Niederlassung bestehe. Nun gestatte zwar § 18 Abs. 2 Ausnahmen von dieser Regel, allein diese bedürften in allen Fällen der besonderen Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde. Ein ent sprechender DiSpen« war jedoch bei der Aufsichtsbehörde nicht eingeholt worden und so konnte auch dem Verkäufer, der seine gewerbliche Niederlassung nicht im Orte hat, eine Rein gewinnsteuer nicht abverlangt werden. * Die Stlvcsterfeier, die der Verein für Innere Mission am Sonnabend im großen Saale des VereinSdauleS veranstaltet batte, war sehr stark belucht. Die Herren Pastoren Jacobi und Schumann, sowie Hilfsgeistlicher Herr Zierold sprachen über das Wort der Offenbarung 1, 4: „Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, und der da war. und der da kommt!" Allgemeine und Sologesänge, Cborvorträge und Deklamationen gestalteten den Abend zu einem abwechslungsreichen. Mit Gebet wurde da- neue Jahr begrübt. * Albert-Theater (Stadt Nürnberg). Da« Gastspiel de« Tegernseer Bauerntheater« beweist täglich durch den guten Besuch und die sorgfältige Auswahl der Stücke seine Anziehungskraft. Am 1. Januar gelangte „Der Dorf pfarrer", Bauerukomödie in 3Akten von Maximilian Schmidt, zur Ausführung. Schon der Titel läßt erraten, daß eS sich um die Freuden und Leiden eines Pfarrers handelt. Der Seelsorger der Gemeinde soll nicht nur für das seelische Leben seiner Pfarrkinber sorgen, er muß auch all die kleinen Nichtigkeiten und Zerwürfnisse de« ehelichen Lebens ordnen, auseinandergegangene Liebschaften wieder ein renken, salomonische Urteile in EhescheidungSaaträgen fällen und noch vieles andere. Aber er tut eS gern und immer wieder, wenn eS ihm manchmal zu viel wird. Namentlich «nit dem Friedl hat er viel zu tun, der bei seinen zwei „Gspusi" nicht weiß, nach welcher Seite er sich wenden soll. Die Corona, der eine Schatz, tritt jedoch freiwillig zurück, als sie erfährt, daß die Kathrein, Tochter deS Kirchenpflegers Stolzen- bauer, für ihr Kind den Namen deS Vaters haben muß, und Friedl bereitet alles zur Hochzeit vor. Kurz vor der Hoch zeit ist im Dorfe großes Haberseldtreiben, und Kathrein, von Gewissensbissen geplagt, gesteht dem Pfarrer, daß sie am Friedl Unrecht getan. Der wirkliche Vater sei heimgekehrt und wolle sie als seine Frau haben. Es kostet den Friedl einen schweren Kampf, sich in diese neue Wcnduug zu fügen, aber seine kernige Natur überwindet auch solche Schmerzen. Er hat ja nun noch seinen andern Schatz, die Corona, und es wird nicht lange dauern, da kann der Verspruch geschehen. Der Pfarrer hat schließlich alles in Ordnung gebracht, auch dem alten Stelzenbauern noch den Standpunkt klar gemacht und als ihm, dem Pfarrer,vom Bürgermeister die nötige Summe für denNeubau einer Kirche in Anerkennung seines Auftretens beim Haber feldtreiben überreicht wird, schließt er mit den Worten: Die Eintracht zwischen Priester und Volk ist das beste Gut. — Die einzelnen schauspielerischen Leistungen des Ensembles waren wieder sehr anerkennenswert, teilweise sogar vor züglich. Der Fuchs Fritz schuf mit seinem Pfarrer eine prachtvolle Flgur, die durch echte Herzenstöne und gesunden Humor Alle für sich gefangen nahm. Eine ausgezeichnete Cbarakterleistung bot Rieder Sepp mit seinen« Stelzenbauer. Die Kathrein der Wender Anna war mitunter nicht herb genug, doch im Spiel mit dein Friedl d§S Vogl Franz das echte GebirgSkind. Sehr gut war ferner das Schindlbauerpaar (Hertl Edi und Winkelmaier Fanny), daS sich ewig zankt und im Grunde doch gegenseitig lieb hat. Der Meßlergrrgl deS Glas Lonni könnte manchem unserer Schauspieler ein Vorbild sein; die übrigen kleinen Rollen waren in guten Händen und daS volle Haus kargte durchaus nicht mit dem Beifall. * Kindersegen. Ein seltenes Ereignis konnte der Standes- beamte des Leipziger Standesamts I am 1. Januar 1905 registrieren: Die Geburt von Drillingen. Sonach dürfte auf ein gutes Äinderjahr zu rechnen sein. * Selbstmord- und Unfallstatistik. Im vergangenen Monat waren im hiesigen Stadtgebiet 16 Selbstmorde, 7 Selbstmord versuche und 8 Unglücksfälle mit tätlichem Ausgange zu verzeichnen. Es schieden freiwillig aus dem Leben 13 männliche und 3 weibliche Personen, von denen sich 7 erhängten, 4 erschossen, 3 ertränkten, 1 absiürzte und 1 von einem Eisenbahnzug überfahren ließ. 2 Personen versuchten sich zu vergiften, 1 zu erhängen, 1 zu ertränken, 2 durch Abstürzen und 1 durch Ueberfahrenlassen von einem Eisenbahnzug das Leben zu nehmen. Ein 50 Jahre alter Handelsmann fand bei einem Stubenbrand den Tod durch Ersticken; ein 1 Jahr altes Kind fiel in der elter lichen Wohnung von einem Tische und verstarb; eine 64 Jabre alte Witwe und ein 27 Jahre alter Kutscher wurden von Geschirren überfahren: ein 46 Jahre alter Buchbindereiarbeiter und ein Bau meister kamen beim Abspringen von Straßenbahnwagen zu Falle; ein 19 Jahre alter Klempner stürzte von einem Neubau ab und ein Maurerpolier verunglückte bei einer Gasexplosion. Sämtliche Personen erlagen den erlittenen Verletzungen. Im Monat November waren 16 Selbstmorde, 5 Selbstmordversuche und 5 Un- glückSsälle mit tätlichem Verlause zu verzeichnen. * Vandalismus. Ein in der Breitenfelder Straße in Gohlis angebrachter Feuermelder ist in vergangener Nacht zertrümmert worden. Der dazu gehörige Schlüssel wurde gestohlen. Der Täter ist bislang noch unbekannt. * Mutmaßlicher Selbstmord. Am Pleißenufer nahe der Kettenbrücke wurden gestern ein schwarzer Damen umhang, ein Paar schwarze Handschuhe und ein Regen schirm aufgefunden. Da Fußspuren im Schnee bis ans Wasser führen, dürfte an der fraglichen Stelle eine Frau den Tod im Wasser gesucht und gefunden haben. * Feuerbericht. Ein geringfügiges Schadenfeuer, entstanden durch Explosion einer brennenden Petroleum lampe, fand gestern abend in einer Wchnung der Elsa- straße in Reudnitz statt. Es wurde von den Haus bewohnern schnell gelöscht. * Lalizelbeekcht. Freiwillig stellte sich der Polizei jener 23 Jahre alte Expe- dient, von dem bereits berichtet wurde, daß er die Ersparnisse zweier Dienstmädchen in Höhe von etwa 1200 die sie ihm anvertraut hatten, unterschlagen hatte. Von dem Geld^ war nichts mehr vorhanden. Hine Hochstaplerin. In verschiedenen hiesigen besseren Hotels und Privatwohnungen logierte sich unter Beilegung eines adeligen Namens ein angebliches Gesellschaftsfräulein aus Godesberg a. Rh. ein unv wußte durch gewandtes und sicheres Auftreten Kredit zu erlangen. Dte Schwindlerin ist jedoch, ohne dte ausgelaufenen Schulden zu begleichen, verschwunden und konnte bis jetzt nicht fest genommen werden. Gestohlen wurde aus einer Werkstatt in der Schreberstraße ein Fahrrad, Marke „Adler" Nr. 183 496, im Werte von 130 ^l; aus einer Wohnung in der Sidonienstraße eine silberne Damen- Remontoiruhr mit silberner großgliedriger Kette. Der Hintere Deckel der Uhr stellt eine Muschel dar; innerhalb der letzten 3 Wochen am Töpferplatz 127 Stück gußeiserne Einsriedigungssäulen im Werte von 250 Auf die Wiedererlangung der Säulen ist eine Belohnung von 25 au-gesetzt; in der Nacht zum 31. v. M. auS einem Grundstück am Schlrußiger Weg eine Hündin, Dobermann - Pinscher, schwarz, mit braunen Abzeichen, auf den Namen Cilly hörend, 100 wert; mittels Taschcndiebstahls in einem Lokal in der inneren Stadt ein Portemonnaie mit 80 darunter ein Fünfzigmarkschein von einer Unbekannten, 24—26 Jahre alt, inittelgroß, mit schmalem Gesicht und dunklem Haar; von einem Neubau in der Möckernscheu Straße in Gohlis ein Wassermesser; aus einem Lokal in der Wind- mühlenstraße ein Winterüberzieher von schwarzem glatten Stoff, im Futter ein Monogramm L. L. Der Dieb ließ einen völlig abgetragenen Ucbcrzieber von dunkelblauem rauhen Stoff zurück^ ein goldener Ring, breiter Reif mit einem Brillant und der In schrift 1. VV. Weihnachten 1889; einem 8jährigen Mädchen von einem Unbekannten, der sich am Königsplatz zu ihr gesellt hatte, ein Zwanzigmarkslück. Bei einer Festlichkeit in einem Hotel in der inneren Stadt während der Sylvesternacht ist ein Schmuckstück zu einem Collier ein längliches, spitzzulaufendes Blatt darstellend, verloren wordeu Das Blatt besteht au» einem tiesdunklrn Onyx, der in der Mitte mit einem Brillanten verziert ist. An der oberen Seite befindet sich eine goldene Schleife «nit Ring, beide mit kleinen Brillanten besetzt. Der Wert beträgt ca. 1000 Auf die Wiedererlangung des Schmuckstückes ist eine Belohnung von 50 .^l ausgesetzt. Str. S. 99. Jahrg. Sette S. 8PSN. Fuhballspsrt. Da» Wettspiel „Lipsia" — „Olympia" konnte asftsrn nicht zum AuStrag gebracht werden, da die „Olympia"-Mann schaft nicht angetreten war. Die Schneedecke und der scharfe kalte Wind waren hindernd dazwischen getreten und aus diesem Grunde waren auch die meisten der übrigen Spiele verschoben worden. Im Gesellschaftsspiel schlug der Leipziger Ballspielklub IV den Fußballklub „Sturrn„ mit 4:0. „Sportfreunde" II schlug „Brirannia" I mit 5:3. „Britan- nia" II erhrelt gegen „Lipsia" II L Punkte. Einig« Gruppen von Fußballspielern ILten trotz der Kälte längere Zeit vor den Goals, ein weit größerer Teil huldigte aber dem Eissport. Auf der Sportplatz-EiSbabn herrschte ein überaus reges Leben, ebenso auf den beiden Bahnen am Mückcnschlößchen. Die Eis- decken der Teiche waren noch nicht stark genug, um den Sport auf ihnen auSüben zu können. Araftfahrrvefen. — Das deutsche Ausscheidungsfahren für da» Gordan- Vennet-Neunen wird auf der vom Frrtherrn v. Brandenstein im Vorjahre gewählten Strecke in Schleswig-Holstein abgehalten. Diese Strecke eignet sich für den beabsichtigten Zweck be- sonders gut. Sie führt um das Bockstädter Lager herum und ist etwa 60 üm lang. Die Straßen sind breit und in gutem Zustand. Stard und Ziel befinden sich am Lübscher Brunnen, ein Kilometer oberhalb Itzehoe. Welche Firmen an dem Ausscheidungsrennen teilnehmen werben, läßt sich noch nicht sagen, da der Nenuungsschluß erst am 15. Januar erfolgt. Mit den Vor arbeiten wurden Grat v. Sier storpff, Freiherr v. Branden- stein und Assessor Dr. Lew in-Stölping. * Ter Tentsche Automobil-Klud veranstaltet im Frühjahr und Herbst Automobil.Bahnrennen auf der Rennbahn zu Westend bei Berlin. . - Kehle Depesche« und JernsprechmeLdungen. . Port Arthur kapituliert! Tokio, 2. Januar. (Nachmittag- 1 Uhr.) Es verlautet, die Feindseligkeiten in Port Arthur sind heute eingestellt wordeu. Die russischen und japanischen Befehlshaber beraten nachmittags die Uebergabebedingungen. Nachmittags S Uhr. In einem Briefe an General Nogi erklärt Stöffel, daß jeder Widerstand jetzt unnütz sei. Der Mikado sprach in einem Telegramm an General Nogi hohe Anerkennung für Stöffel aus und wies Nogi an, der Besatzung Port Arthurs alle Ehren zu erweisen. * Wien, 2. Januar. Ministerpräsident v. Gautsch leistete heute vormittag den Eid in die Hände des Kaisers. * Belgrad, 2. Januar. Gestern nachmittag artete eine von einem unbekannten Ausschuß einverufene oppositionelle Versammlung in. einen Tumult aus. Unter Pfeifen und Johlen nahm die Mühr. heit der Teilnehmer Stellung gegen die Einberufer und bedrohte sie tätlich. (B. L.-A.) Am NenjahrStag wurden aufgeboteu: NikolaMrche. 1) W. P. Lindner, Schriftsetzer in L.-Neustadt, mit «. L. Hedlich, Schuhmacher» hier Tochter. 2) M. E. Leonhardt. Telegraphen-Mechamker hier, mit F. E. I. JahnSnnlller, Fabrikarbeiters in Auerhcnnmer Tochter. Matthäikirche. 1)T. W Krüger, Maschinenmeister in Itzehoe, mit T. T. Wendisch, Bürstenmachermeister» hier hinter!. Tochter. 2) K. H. Schumann, HandlungSgehülfe hier «nit E. A. Werner, Barbiers hier Tochter. 8> P. R. Kunghardt, Uhrgehäuse macher hier, mir M. E. Pilz, Bergmann» in Grotzstcrdteln hinterl. Tochter. 4) P. E. C. Kunigcun, Lagerhalter hier, mit F. M. Haferkorn hier. - - PeterSkirche. 1) W. O. I. Hagemcmn, Gärtner hier, mit M. E. Arneth, Fabrikarbeiters in L.-Plagwitz Tochter. 2) O. E. Friedrich, Schlosser hier, mit I. A. L. Krause, DroschüenbesitzerS in 2- Anger-Crottendorf hinterl. Tochter. 3) W. A. O. Brandt, Drechslermeister in Bautzen, mit E. W. 2. verw. gew. Küchler und Straube, geb. Bose, hier. Lutherkirche. 1) L. Noßck, Kaufmann in München, mit M. L. I. Planck. Stellmachermeisterz in Böhlitz-Ehrenberg Tochter. 2) F. P. Rottleb, Schneider hier, mit M. A. B. Elbe, Bahnassistenten» in Gießen hinterl. Tochter. Michaeli-kirche. G. M. Biedermann, Bautechniker hier, mit 2. 2. Kamp mann, Krempelmeisters hier Tochter. AndreaSkirche. 1) F. P. Stephan, Postbote hier, mit E. 2. S. Nötiger hier. 2) R. C. Döbnert, Assessor hier, mit G. CH. Grützner, Kaufmanns in Stadt Ilm hinterl. Tochter. Meteorologische Beobachtungen »nk cker In I-elprlir. Hübe: 119 Ilster aber ckvm Heer«. Unrimum cker Temperatur — — 1,8", Llmimum — — 12". Uödv cker XieckerseblSxo — OH mm. Leit cker Nvobuekrunx »Lrom r«t. PN«ra>o- Coli«.^r. S»l»üv« l>'«no0- tlxksit»/. Mn<t> riodtULL a. »llsioNt. 31. Oes. ad. 8 0. 754,0 — 6,5 100 S beiter 1. Iso. vm. 8 » 763,6 — 11,5 97 2 lclor om. 2 - 766,3 - 8,4 Iw I devölLt Chefredakteur: Adolf Schiebt. Verantwortliche Redakteure: Für deutsche Politik Dr. Friedrich Purlih, für auswärtige Politik Paul W«egler, für sächsische Angelci^iheiten Rudolf Szallie», für Feuilleton Paul Zschorllch, für Musik Heinrich Zoellner, für Sport Juliu» Haarfeld. Sämtlich in Leipzig. — Für den Inseratenteil verantwortlich Emil Ab«»t. Gautzsch-Leipz'g. Die vorliegende Nummer umfaßt 10 Seiten. GM- llLmwUIvüo Lollfokttoiis- llllä Illotäorstollv Lll llllä llllivr LlllkLlltsprvk -GM I-inrs L ke-ssskoff, fielimsekl 3, psft. u. klsgen. To- uv4 Vericnuk von Llkeoteu ltir «itmtltebe Nöroen ru «euluutenteo veckluUnnxeu. UUSsvtUONl IVKdreock cker Nörovorelt cklreete telvpbovloeb« VerdtockauU mit cker Lerlloor Nöroe. Vertreter Mr IZblpÄK 24 VrtmmLlseds 8tr. 24. 3013.
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