Orthoskiagraphische Photographie. 287 schnitte überdecken, dicht an die mit Vaseline eingefettete Glasplatte anschliessen und mit starken Gummibändern festgepresst werden. Man erhält auf diese Weise ein Gefäss, dessen äusserste Be- grenzungsflächen vollkommen planparallel sind, so dass die hindurch gehenden Strahlen nicht verschieden gebrochen werden. Man füllt diese Cuvette mit Pikrinsäure, die in Alkohol gelöst und mit Wasser verdünnt wird oder mit Kaliumbichromat (am besten in Wasser ge löst). Nach Erforderniss kann man diese Lösungen heller oder dunkler, d. h. dünner oder concentrirter machen. Diese Cuvette wird am besten vor dem Objektiv angebracht und zwar ist darauf zu achten, dass sie sich genau im rechten Winkel zur Objektivachse befindet. Je grösser die Distanz zwischen Objektiv und Visirscheibe, desto schwie riger ist es, selbst bei Anwendung dieser Cuvetten, deren Anschaf fungspreis ein sehr hoher ist, präciso Schärfe zu erzielen. Es bleibt in solchem Falle nichts anderes übrig, als das Objekt bei künst lichem (gelbem) Lichte aufzunehmen. Hierzu empfiehlt sich das elektrische Licht unter Vorschaltung einer Gelbscheibe oder eine Anzahl von Glühlichtlampen mit gelben Glaskugeln. Für kleinere Bilder empfehlen wir die Anwendung des bereits erwähnten gelbfarbigen Magnesiumblitzlichtes, von welchem später näher die Rede sein wird.*) c. Reproduktionen. Wie nothwendig es ist, Reproduktionen mittels orthoskiagraphi scher Platten zu machen, erhellt in überzeugendster Weise unter anderen aus den vergleichenden Aufnahmen, welche von dem bekannten Farbendrucke, nach der Hildebrandt’schen Aquarelle „Sonnenunter gang am Ganges“, hergestellt wurden. In diesem Bilde treten die von der untergehenden tiefrothen Sonne, welche sich im Wasser spiegelt, beleuchteten Wolken gelbroth aus dem dunkelblaugetönten Abendhimmel heraus. Es strahlt Alles in rothem, orangefarbigem und gelbem Lichte, während die dunkelgrünen Bäume sich in starkem Contraste von dem Lichtmeere abheben. Die gewöhnliche Brom silbergelatineplatte gab das Bild nicht nur nicht annähernd richtig, sondern sogar ganz falsch wieder. Hier erscheint die Sonne anstatt hell und leuchtend, als dunkler Körper angedeutet und die Wolken *) Dr. E. Albert verlegte bei seiner Collodion-Emulsion das gelbe Strahlen filter direkt in die Emulsion, inderWeise, dass er diese mit einem neutralen gelben Farbstoff, dem pikrinsaurem Ammon, versetzt, indem er den Ammoniaküberschuss der Eosinsilberlösung mit Pikrinsäure abstumpft. Auf diese Weise entfällt die An wendung einer Gelbscheibe. David und Scolik, Photogr. mit Bromsilber-Gelatine etc. II. 2. Auf. 19