Die erste Aufführung des Requiems in der vollständigen Fassung veranstaltete Baron Gottfried von Swieten am 2. Januar 1793 zugunsten von Mozarts Witwe. Der Auftrag geber - offenbar ohne Kenntnis davon - ließ das Werk unter der von ihm von vornherein vorgesehenen Ankün digung „Requiem composto del Conte Wallsegg" 1793 am 14. Dezember in der Wiener Neustadt und 1794 am 14. Februar in der Kirche zu Maria Schutz am Semmering musizieren. gesamten Vokalpart vom „Introitus“ bis zum „Hostias“ mit zum Teil beziffertem Baß sowie die ersten sechs Takte des „Lacrimosa“-Chors. Voll ständig instrumentiert hatte er selbst nur den „Introitus“, für die weiteren Teile waren von ihm wichtige Anhaltspunkte skizziert worden. Am 10. Dezember 1791 fand in der Wiener Hof pfarrkirche St. Michael eine Seelenmesse für den verstorbenen Mozart statt, bei der der Introitus und das schnell von Franz Jacob Freystädtler mit einem Instrumentalpart versehene „Kyrie“ aufge führt worden sind. Ob Süßmayr tatsächlich die verschiedenen Teile „völlig neu“ komponierte oder - was zu vermu ten ist - Skizzen-Material Mozarts (und in wel chem Umfange) einbeziehen konnte, wird so lan ge das eigentliche Rätsel des Requiems bleiben, solange keines der offenbar verlorengegangenen Notizblätter bzw. Zettelchen auftaucht, die auf Mozarts Schreibpult gelegen haben sollen und die Süßmayr bei der Vervollständigung des Wer kes geholfen haben könnten. Daß solche existiert haben müssen, darauf deutet zumindest hin, daß Mozart das Anfangsmotiv des „Benedictus“ be reits 1784 in das Übungsbuch einer Schülerin ein getragen hatte und daß zwischen Skizzen zur „Zauberflöte“ auch Gedanken zum „Rex tremen- dae“, zum „Recordare“ und zu einer Fuge in d- Moll (wahrscheinlich Abschluß des „Lacrimosa“) stehen. Obwohl noch Brahms über Süßmayrs Arbeit schrieb: „Er hat die Anlage Mozarts sorgsam ko piert und sie mit so viel Fleiß wie Pietät ergänzt“, hat es doch seit der Erstausgabe im Jahre 1800 immer wieder große Kritik gegeben. Schon in der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ vom I. Ok tober 1801 wurde „die zum Theil sehr fehlerhaf te Instrumentalbegleitung“ beanstandet. Richard Strauss äußerte in einem Brief an seine Eltern, er wolle „aus der furchtbar putzigen Instrumen tation einiges herausstreichen". Auch Bruno Wal ter unternahm „Schritte zu einer Revision der