Ein Zeugnis glühender Vaterlands- und Heimatliebe, Musik, durchtränkt von volks tümlichen Melodien und Rhythmen — das ist B e d r i c h Smetanas Suite von sechs sinfonischen Dichtungen, die er unter dem Titel „Mä Vlast“ (,,Mein Vaterland“) zusammengefaßt hat. Smetana hat damit ein Zeugnis nationaler Kunst geschaffen, das vollgültig neben seiner komischen Oper ,,Die verkaufte Braut“ steht. Der kleinen Orchesterpartitur (Eulenburg) ist eine kurze Erläuterung voraus geschickt, die einen Auszug darstellt aus den Programmen, die V. Zeleny entworfen hat und die vom Komponisten selbst beglaubigt wurden. Wir stellen unserer Betrachtung der einzelnen Teile jeweils diese gekürzte Erläuterung voran. 1. Vysehrad Die Harfe des Sängers Lumir erklang auf dem stolzen Vy Sehrad, dem Sitz der böhmischen Fürsten und Könige. Die Burg erstrahlte in Ruhm und Glanz. Wilde Kämpfe kamen, und mit ihnen verblaßte die Pracht des VySehrad. Wie ein Echo ertönt über ihm der längst verklungene Gesang Lumirs. Die Harfe des Sängers Lumir erklingt und daraus entwickelt sich als erster Hauptgedanke ein Thema, das die Verkörpe rung von ,,Ruhm und Glanz“ der Burg ist. Diesem Largo maestoso folgt ein Allegro vivo ma non agitato, das die ,,wilden Kämpfe“ schildert. Das Thema der Burg erscheint in mancherlei Umbildungen, wir erleben den Fall von Vy§ehrad und hören im Duogesang der beiden Klari netten eine erschütternde Klage (zweifellos Niederschlag eines Volksliedes). Noch einmal erklingt im Abgesang das Thema der stolzen Burg, von der die Harfe des Sängers wehmütig Kunde gibt. 2. Die Moldau Aus zwei Quellen entspringt sie, plätschert munter im Gestein und glitzert in der Sonne. Sie wird breiter, ihre Ufer hallen von Jagdfanfaren und ländlichen Tänzen wider. — Mondschein, Nymphenreigen.— Sie gelangt zu den St.-Johannes-Stromschnellen, an deren Felsen ihre Wellen zu schäumendem Gischt zerspritzen. Von dort strömt sie breit hin gegen Prag, wo sie der altehrwürdige VySehrad begrüßt.