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8S Von WÜrtemberg ist eine ganz gleichlautende Erklärung zu er- warten. * Am 14. 13. und 1«. Septbr. fand unter beispiellosem Andrange de- Publikums eine Berathung statt, die wohl bisher die inhaltsschwerste war, denn an ihr hing die Ent scheidung über den Frieden Europa's, über die Einheit Deutsch lands, über das Glück und den Wohlstand der Herzogthü- rner Schleswig-Holstein, über den Geist und die Richtung des künftigen ReichSnnuisteriums. — Am 16. erfolgte end lich die Abstimmung. Die von der Linken beantragte Tren nung der beiden Theile des MojoritätsamrageS ( i -, Nichtgeneh migung des Waffenstillstandes und 2., Fortsetzung deö Kriegs, sofern sich nicht Dänemark zu Friedensunterhandlungen mit der Ceutralgewalt versteht) ist mit 246 gegen 24.4 Stimmen verworfen worden. Die namentliche Abstimmung über den Antrag der Auöschußmehrheit selbst ward mit 238 gegen 237 Stimmen verworfen. Dieser Antrag der Mehrheit lautete: 1) Der malmeer Waffen stillstand vom 26. Aug. wlrd von der deutschen Natlvnalversammlung nicht genehmigt. — 2.) Das Reichsministerium wird aufgefordert, die Mr Fortsetzung des Krieg« erforderlichen Maßregeln zu ergreifen, sofern die dänische Regierung sich nicht bereitwillig finden sollte, die Friedens unterhandlunge» mit der Centralgewalt des deutschen BnndcSgaats so gleich zu eröffnen. Die Minderheit beantragte, die deutsche Nationalversammlung möge beschließe«: 'daß der Waffenstillstand vom 26. Aug. ihrerseits nicht weiter beanstandet werde; daß die Fricdensunterhandlungen mit Däne mark durch die provisorische Ceutralgewalt direct und unverzüglich zu eröffnen seien; sowie: daß sie nach Einsicht der Verhandlungen über "die Verhältnisse Deutschlands zu Schleswig, vom 2. April bis, zum 26 Aug. den Ausschuß für die Ceutralgewalt beauftrage, über das von der preußischen Regierung der provisorischen Ceutralgewalt gegenüber cinge- haltene Verfahren der Nationalversammlung zu berichten. — Die in No. 10 unter „Neueste Nachrichten", sowie in vie len andern Blättern gemeldete Zusammensetzung eines neuen Reichsministeriums Dahlmann hat sich nicht bestätigt, im Gegentheil sind alle Versuche, ein neues zu bilden, bisher ge scheitert. Der Neichsverweser hat nun den 2. Vicepräs. der National-Versammlung, v. Hermann aus München, damit beauf tragt. Nun erst, nachdem die Abstimmung unterm 16. erfolgt ist, wird die Herstellung eines neuen Ministeriums möglich sein. Ein junger katholischer Geistlicher in München predigte neu lich in sehr starken Worten gegen den Jesuitismus und erlaubte sich auch noch sonst Aeußcrungen, die auf der Kanzel einer Kirche nicht zulässig sind. Einige Geistliche eilten sofort auf die Kanzel, zogen den Prediger herab und rissen ihm seinen geist lichen Ornat vom Leibe, — ein Vorfall, der natürlich die größte Störung in der stark besuchten Kirche hervorrief, Die ses Ereigniß machte außerordentlichen Eindruck in der Stadt für und wider den Geistlichen. Und obgleich am 9. Septbr. ein öffentlicher Widerruf des Predigers (Caplan Weingärtner) erschienen war, deö jedoch einem erzwungenen Machwerke ganz ähnlich sieht, verbreitete sich doch das Gerücht, der Widerrufende befinde sich in geistlicher Haft. Eine ungeheure Menschenmenge versammelte sich und fast wäre cs zu Blutvergießen gekommen. In Ettlingen, im Badischen, fandam 11. Septbr. ein Kamps von Bürgern gegen Bürger Statt. Die Republikaner, von einer Volksversammlung in Ackern zurückkehrend, drangen gewaltsam in das Haus eines conservativ-constitutionellen Kauf manns, wobei es zu Tätlichkeiten kam. Aus dem Kampfe und Geschrei wurde ein Auflaus, jede Partei erhielt Zuwuchs, der Kampf entbrannte immer heftiger, und erst spät gelang es einem Führer der demokratischen Partei, ihm ein Ziel zu setzen. Ein Mann ist todt auf dem Platze geblieben, zwei lebensge fährlich verwundet. Die Zahl der übrigen ebenfalls bedeutend Verletzten ist »och unbekannt. Am 7. Septbr. haben sich die Bewohner von Alt-Strelitz (Mecklenburg-Strelitz) und die Bauern aus der Umgegend- uu- zufrieden mit dem die Adeligen begünstigenden Wahlgesetz, mit Knütteln bewaffnet nach Neu-Strelitz begeben, um vom Groß- Herzog eine Abänderung des Wahlgesetzes und die Entlassung der Minister und Räche zu verlangen. Der von ihnen abge- sendeteN Deputation wurde zwar der Bescheid, daß eine so wichtige Angelegenheit einer länger» Berathung bedürfe, die Volksmenge begnügte sich jedoch damit nicht, zwang die Bür- gcrwehr, sich zurückzuziehen, und setzte ihre Forderungen durch. Der Großherzog versprach Abänderung des Wahlgesetzes. In Köln brach am 11. Abends zwischen Bürgern und Soldaten des 27 Regiments Streit aus, wobei diese Gebrauch von der blanken Waffe machten. Die Aufregung in der Stadt ist groß; die Bürgerschaft hat stürmisch verlangt, daß das Ba taillon, welches die Bürger auf der Straße angegriffen und verwundet und ehrbare Frauenzimmer mit der größten Rohheit angefallen habe, sofort aus der Stadt geschafft werden solle. — — won Beckerrath ist mit der Bildung eines neuen preuß. Ministeriums beschäftigt. — In Potsdam haben am 12. Sept. Abends unruhige Auftritte stattgefunden, indem von vie len Seiten des Volks versucht wurde, mehre inhaftirte Solda ten zu befreien.^ Als Truppen zur Herstellung der Ruhe an rückten, wurde ein Versuch zum Barricadenbau gemacht, wozu auch hier wieder ein geheimnißvoller Schuß das Zeichen gab. Der Versuch waxd indessen vereitelt; die Voltshaufen wurden zersprengt, viele Tumultuanten verhaftet, und nach 1 Uhr in der Nacht war die Ruhe wieder hergestellt. Auch aus Frankfurt a. O. berichtet man von schlimmen Conflicten unter dem dortigen Militär; cs habe die Waffen niedergelegt und wolle unter den bisherigen Officieren nicht mehr dienen. Bis 13. Sept. Mittag sind in Berlin als an der Cho lera -erkrankt 1093 Personen angemcldet; davon sind gestorben 657, genesen 123 lmd noch in Behandlung 313. — In den letzten Tagen bis zum 16. sind nur 85 Personen erkrankt. ES ist mithin die Krankheit im Abnehmen. Laut an der Börse aufliegender Meldung in Stettin haben Deputirtc der Vorsteher der Kaufmannschaft in Berlin die Zu sicherung erhalten, daß der Waffenstillstand von Seiten Preußens rrnter allen Umständen werde aufrecht er halten werden. General Wrangel sowohl, als der Major Wildenbruch und der Legationsrath Philippsborn seien bereits in diesem Sinne instruirt. Uebrigens stehe zu erwarten, daß die zwischen Frankfurt und Berlin entstandene Meinungsverschie denheit durch einen Beschluß der deutschen Nationalversammlung binnen kurzem ihre Ausgleichung finden werde und daß der von Preußen und Dänemark gebilligte Rücktritt des Grafen Moltke bereits die größten Schwierigkeiten gehoben habe. Am 14. Abend ist es in Naümburg zu schlimmen Auftritten gekommen. Es waren vön der revolutionären Partei die Bauern der Umgegend förmlich aufgeboten. Doch ist deren Zuzug durch das energische Auftreten unsers Land raths gehindert. Von den auf das Land geschickten Boten ist einer aufgefangen worden, und man wird sonach den Leitern auf die Spur kommen. In der Stadt, wo große Bewegung herrsch te, wurde nach dreimaligem Lrommelschlag und Verlesung des Aufruhrgcsetzcs der Markt zuerst durch Kolbenstößc und dann durch einen Bajonnettangriff gesäubert. Ein Soldat ist durch einen Dolchstich in den Arm verwundet; mehre Personen haben Bajonnettstiche erhalten. Während des Tumults wurde eine Scheune innerhalb der Stadt in Brand gesteckt, das Feuer aber binnen Kurzem gelöscht. Man erwartet Militärverstärkung aus Hall«. — In Hamburg haben einige Compagnieen der Bürgergarde offen di« Bande der DiSciplin zerrissen-, und um die bei den