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Ich er verschweig ikt nur, neulich s Sie war in ihrem Morgenllei-, wieder gar so schön. Denn sie auch öffentlich immer im Landesfchnttte ging, so trug kl, doch zu Hause -leider nach eigener Phantastischer Erfindung, und Vater Erasmus, einst ein Kenner weiblicher Schönheit und nicht der letzt«, der sie an keiner Tochter aner kannte, wurde nun vollends schalkhaft, indem er sagte: »Nun — nun, du Narr, er wird nicht ausbletben, aber wenn er kommt — ein ganz, auserlesener Bräutigam mich es sein, sonst lasse ich dich nicht von hinnen — ein ganz ungeheurer Prinz von einem Bräutigam mutz es sein.' »Wenn ich aber nicht gern, nicht recht gern fortgehe/ rrwiderte sie treuherzig — „nicht wahr, Vater, so soll mich keiner aus der schönen Fichtau fortbringens* Und wie sie hierbei so die bewutztlos schbnen Augen gegen den Vater richtete, so rieselte es ihm, der ohnedies närrisch äber fle war, wie von lächerlichem Stolze und von lächerlicher Freude durch die Glieder und er platzte loS: „Das soll er auch nicht — sa, ich sage dir, wenn du nicht ein Glück machst, -atz du ordentlich danach zitterst, so darfst du nicht au- dem dause — ein Glück mutzt du machen, datz die ganze Fichtau die Hände prsammenschlägt* Neber Annas Gesicht floß bei diesen Worten ein Purpur, so tief und schön, wie der der Rosen in ihrer Hand; zwei reine zentnerschwere Augenlider lagen tief herabgesenlt und sie ginn augenblicklich in den Garten zurück. Dort trat fle vor einen Flkederstrauch, schnitt aber nicht« ab, sondern stand davor -lickte ihn blotz an — oben im Gemache stand einer und drückte Ich 8ie Hand an seine Stirn nur die zwei arglosen alten Männer standen auf der Gasse und plauderten fort. „Ihr habt da eine gottlose hoffärtig« Rebe getan, EraS- -nu»,* sagte der Boten-Simon, „wenn Ihr Eurer Tochter ein o vermessener Glück erzwingen wollt, datz es über alle Menschs ichkeit hinauSgeht, so seht zu, datz Euch Gott nicht mit hrem Unglück strafe»* „Nun. eS ist nicht so arg, gemeint,* fiel ihm der Fichtauer Wirt in die Rebe, „wenn es nur ein tüchtiger Mann ist, kein so Haselant, wie der Stadtschreiber, mit dem der Schmied prahlt, sondern ein franker Biedermann, der feine Geschäfte rasch wegtut, schön und jung und freundlich ist und die Anna rin wenig hätschelt, wie ske'S gewohnt ist. Ein paar Pfennige nutz er haben und dann legt sie daS ihrige dazu; denn mein inzigeS Kind geht nicht leer auS der Grünen Fichtau — und wrdient sie eS denn nicht? Sagt, Simon, ist sie nicht ein Ding, datz eS ordentlich eine Schande ist. datz ich ihr Vater bin? — Nur meinen Kopf hat sie nicht; sie geht zuviel aut Faselet und Zeugs — daS hat fle von der Mutter* „Ja, sa,* sagte Simon, „fle ist absonderlich geworden; ich wze fle schon seit einem Jahr nicht mehr, aber ich glaube nrmer, Ihr habt fle vermessen über ihren Stand erzogen.* „DaS soll fle auch,* erwiderte der Witt, „sie soll über ihren Stand, „darum tat fle noch keinen Schritt in die Schenkstube und darf in der Wirtschaft nichts anrühren — und damit istS gut. Ich mutz jetzt zu dem Wagen schauen. Lebt wohl.* „Der ist numnehro auch ein Narr,* sagte der Boten- Simon, indem er dem Abtretenden nachsah und seine Pfeife fortrauchte. ES hatten fich mittlerweile mehrere jener Gebirgswegen auf der Gasse der Grünen Fichtau eingefunden, in denen die wohlhabendere Klasse an Sonn- und Feiertagen zur Kirche zu fahren pflegtet Auch von Fußgängern hatte sich einige« hingesellt. Da die Gebirgsbewohner zerstreut mit ihren Gehösttn in den Bergen fitzen, da die GebirgSkirchwege ost meilenlang find, so hat sich die Sitte gebildet, ein wenig bei der Grünen Fichtau anzuhalten, um sich zu sehen, zu besprechen und etwa ein kleines zweites Frühstück zu halten. So war es auch heute. Sowohl au!f der Gasse al» auch in der Stube waren Gespräche, und Boten-Simon war bald von mehreren Truppen umstanden, wo er bald mit diesem, bald mit jenem ein weniges redete. Das Zimmer des Naturforschers im oberen Stockwerke erglänzte indes freundlich von den Strahlen des Morgen» und sein Schimmer siel auf die allerlei Stufen und Steine, die umherlagen und traurig funkelten, oder auf Kräuterletchen, deren dürre und spröde Gerippe die wohltuende Helle und Wärme nicht mehr empfanden, die durch die Fenster herein wallte und die ihnen einst auf ihren freien Bergen so herrlich war; der Mann aber ging zwischen diesen Sachen aus und nieder und sann nach. Da war er vor wenig Wochen in ein schönes Tal voll grüner Pflanzen und freundlichen Gesteins gekommen — auch ein schmuckes Mädchen hatte er gefunden und wie war denn nun alles? Die Lage waren so linde, so schmeichlerisch und so unschuldig über seinem Haupte weggrgangen. Keiner brachte etwas Neue», in keinem ist etwas geworden — fle heischte nicht, fle forderte nicht, fle hasst, nicht und wenn er sie nun so stille, so firmend, so brütend stehen sah: da war in ihm ein solches ütbrrmatz von Neigung und Erbarmen, daß er sich nicht zu helfen wußte. Er hätte sich alle Adern Ellen lassen, wen? « nur ihr, nur ihr Linderung und Glück zu bringen vermocht hätte. Gr wäre gern an da» Fenster getreten, um htnabzusehen, aber er getraut« sich nicht; denn er fürchtete sich, dcch st« noch immer am Flieder stehen und sinnen möchte. Nachdenklich blieS er vor seinen Pflanzen und Steinen stillstehen und dachte: „v du sütze«, unerforschte» Märchen der Natur, wie habe ich dich immer und so lange in Steinen und Blumen gesucht und zuletzt in einem Menscheicherzen gefunden! O du schöne», dunkle», unbewutzte» Herz, wie will ich dich lieben! ^ynd ihr Blüten dieses Herzens, ihr unschuldigen, beschämten, hilflosen Blicke,mit welcher Freud« drück' ich euch in mein« Seel«!* Sv dachte er oben; unten aber rief die Stimme des wieder auf di« Gasse gekommenen Vater«: „Ei, da hast du ja einen gewaltigen Pack von Blumen und Kraut au» dem Gatten geplündert und trägst dich damit, wie unser Pflanzenmann, wenn er da» Gras von unfern Bergen schleppt.' Der Wanderer trat an» Fenster. »Es ist nur, Vater,* sagte Anna, »weil ich Thrtnen einen recht vollen Strautz mit in die Stadt bringen will, weil fie in dem großen, widerwärtigen steinernen Hmrs« kein« Blumen haben. Und wie rnan fie in «inen Strautz ordnet, datz es M» fei, tzche ich von ms<M Gast« -«lernt, dm Mehr von Blumen versteht als wir alle zusammen im ganzen Fichten« Tale. Es ist auch «in wunderbares Lebe« nr ihnen, hat er gesagt und ich glaube es — und gewiß hab« fie noch recht liebe, kleine Seelen dazu. Er weiß schon, warum er sich so mit ihnen ickgtbt.* »Ja, ja, ja, ja, Leben und Seelen mrd Satze«,* erwidert« de« Wirt, „steh nur zu, daß du einmal mit deinem Kirchen anzüge fettig wirst; pünktlich nach ein« halbe« Stunde wird abgefahren.* Anna ging ins Haus und nur dem feine» Ohre Heinrichs war ihr leichter Tritt auf der Treppe vernchmltch wie fie die Blumen auf ihr Zimmer trug. Nach einer halben Stunde waren wirklich wie voraus- gesagt, die schlaitten, glänzenden Füchse des Fichtauer Wirtes jeder an seinen Wagen gespannt, aber auch die Weib«, wie vorauszusehen, nicht fertig. Erasmus ging in einem feinen, fast städtischen SonntagSrock unruhig -in und her. Boten- Simon hatte nach einem riesenlangen Stock gegriffen, um sein« Kirchenwanderung zu beginnen: denn der Schecke mußt« an Sonntagen die herkömmliche Ruhe haben» Auch andere Wagen warteten noch ein wenig, um sich dem Auge anzuschlteßen. Der Schmied saß im lächerlichen Putze da und hätte eine flammend rote Decke auf den Wagensttz gebreitet und auf da» Geschirr de» Pferde» gesteckt, um den Stadtschreiber würdig zu emp fangen. Luch der Wandere, stand schon in seinem schönen Gewände da, datz er ordentlich, wie der vernünftigste Mensch m<chah, stehe, da erschien endlich auch Anna und di« Mutter auf der Gartentreppe herabschreitend. Die Mutter, eine sehr schöne Frau mittlerer Jahre, mit GefichtSzügen, deren Ausdruck weit über ihrem Stande zu sein schien, war in dem gewöhnlichen EonntagSanzug der wohl habenden Gebirgsbewohner, obwohl alle» an ihr von besserem Stvffe und feineren: Schnitte war; denn ErasmuS liebte es, die Früchte seiner guten Wirtschaft an den Seinigen zu zeigen. Anna war gekleidet wie die Mädchen des Tale», aber wie man fie so über die Gasse sittsam dem Wagen zuschreiten sa sa hätte man geschworen, fie sei au» einem ganz anderen Lande und trage einen Anzug, den fie sich erfunden, well fie in demselben am schönsten sei. Ohnedies find die Fichtauer Trachten die malerischsten im ganzen Gebirge. Da sie an Heinrich vorüberkam, überzog ein feine» tiefe» Rot ihre Wan gen und ihres versprechens eingedenk, richtete fie ihre schönen Augen voll treuherziger Liebe auf ihn, so datz jeder, nur ihr Vater nicht, hätte erkennen müssen, was hier walte, wenn fit überhaupt Augen dafür gehabt Hütten. Der Naturforscher nötigte au» Gutherzigkeit den Boten- Simon Au sich auf den Wagen, welcher aber nur sehr zögerrch und mißtrauisch folgte und sichtbar mit dem Plane umging sich der Zügel zu bemächtigen, sobald sich irgend etwa» ver dächtiges ereigne — aber zum Erstaunen de» Witte» und der andern fuhr der Wanderer vor ihren Lugen so geschickt von der Gasse weg und so rasch der Stetnwand entlang, datz dem Vater Erasmus daS Herz im Leibe lacht«, wie er seinen Fuchs so taktficher dahintanzen sah und daß er ordentlich ein« Hoch achtung für seinen Gast zu fassen begann. Zunächst folgt« er selber mit Anna und der Mutter, dann der Schmied and dann die andern. Als man den langen schmalen romantischen Gebirgsweg neben der Pernitz zurückgelegt hatte und eben um den letzten Hügelkamm der Fichtau herumbog, wo dem Reisenden plötzlich ein breites Tal und der schlanke spitze Turm von Priglttz ent- oegensteigt, fuhr ein rascher Wagen an fie heran, in welchem der Stadtschreiber mit seiner jungen Gattin sah, um di« Kirch fahrer zu bewillkommnen. „Sei gegrüßt, Heinrich,* hatte er gesagt, „du teuerster aller Vagabunden, sei gegrüßt!* „Gott grüß, dich, Robert,* antwortete der andere, »das ist ein köstliches Tal, diese Fichtau!* „Habe ich e» dir nicht gesagt,* entgegnete Robert, „habe ich es dir nicht gesagt, alz. du immer nicht kommen wolltest?' Sie hatten sich au» den Wagen hinüber die Hände ge reicht. Indessen war aber Lhrine von ihrem Sitze hinab gesprungen und Anna auch von dem ihrigen, und fie berzten sich auf offener Straße, als wollten fie fich totdrücken. Thrtnr war in der Tat eine „schneeweiße" Thrine; den ihr Kleid trug ganz und gar untadelig diese Farbe und da» Frauen häubchen um da» junge schöne Angesicht war dem jchneeigsten glänzendsten Mittagswölkchen de» Hochsommers vergleichbar. St« drückte Anna von sich, da fie denn in so kurzer Zett gar so schön geworden sei — freilich konnte fie nicht ahne«, ans welch knospendem Boden diese Schönheit so schnell aufgosprotzt war. Anna langte den mächtigen Blumenknäuel, den fie im ersten Schreck weggeworsen hatte, au» dem Wagen und drang ihn Thrine auf. „Du mutzt ihn zu Hause auflösen,* sagt« fie; „denn die armen Stengel find von den Fäden fast wund gedrückt, was ihnen sehr schadet; dann mutzt du alles geordnet in dein« Blumenbecher stellen.* „Gott zum Trutze Herr Schwiegervater,* hatte Roder» dem Schmied zugeruftn, „nach dem Gottesdienst fahren wir all« zusammen in die lustige Fichtau.* „Schön Dank, Herr Sohn, schön Dank,* entgegnete de, Schmied und indessen hatte fich wieder alle» zur Weiterfahtt eingerichtet. Anna saß wieder Lei Vater und Mutter, ÜHriire bet dem Gatten und Heinrich fuhr bereit» mit Boten-Simon so rasch den talführenden Weg gegen Priglttz ab, datz dessen tzutfedern flatterten und der Gem-batt sanft«. Man kam vor Robert» Haus« an, wo immer die Wagen de» Schmiede» und de» Wirte» warten mußten; «an ordnete fich die Kleider, wechselte einige Worte und ging dann in di« Kirche Nach dem Gottesdienst war, wie gewöhnlich, -ei Robert ein Glas «ein. Thrine und Anna liefen durch alle Zimmer und verweilten hauptsächlich in der Hintern Stube -et T-rt- ne» kleinem Kinde. „Wie es gar so lieb und schön und un vernünftig ist,* sagte Anna, indem fie die kleinen unbewußten Züge de» Kinde» streichelte. Der Schmied saß indessen vom in der PrunkstuLe im Ehrenstuhl, Anna» Mutter bekam süßes Gebäck, TraSmu« macht« beim Priglttzer Wirt drüben et« Geschäft ab und die Freunde Heinrich und Robert beredeten sich angelegentlich einige Minuten in einer Fenstervettiofuna, als ob fie «inen Plan ins rein« brächten. Dann traten sie zu dm andern. Vater Erasmus kam auch Thrine hatte fich anaekletdet, von dem Kinde Abschied gmonnnen — end nun ftchr ellB der Erfin« Ficht« M Aochchtm- Die Rarreirbirvg. Erzählung von Adalbert Stifter. t». »Net«, sagt es lieber nicht, ich verriet« es vielleicht doch, und ich glaube ja ohnedies an Euch — und sagt es nur einst dem Vater, daß es gewiß wird, daß ich Euer Weib werd« — es fist ohnedies schon start genug, mpst^ daß ich Euch so gut bim — — ich es sogar dem Phy lax in» Ohr gesagt: ich lieb' ihn von Herzen, von Herzen, von Herzen aber der Thrine darf ich xS doch morgen sagen?* „Wenn du mich liebst . . .* „Nein, ich sage ihr auch nichts. Wen« Ihr nur nicht zu lange auSbletbt, werd' ich es schon überdauern.*' „O du schöne», naturgetreue» Herz, wie werb' ich dich verdienen können?* sagte er nach einer Weile, in der er sich gesammelt hatte. Seine Stimme war gerührt, und wenn seine Augen nicht t» Schatt« gewchm Win«, so hätte fie (eher können, wie zwei Tränen t» dieselben getreten waren. Sie aber sah e» nicht, und da fie wegen seine» Schweigen» meinte, e» sei ein Schmerz tn ihm. so nahm fie seine Han- in ihre beiden und hielt fie fest und her^ich. Und wie fie so saßen und schwiegen, und wie um fle auch die ganze glänzend« Nacht schwieg —- und Minute nach Mi- nute verging ohne daß das Herz es wußte: da krähte hell und klar der Hahn, die Trompete des Morgen», der Herold, der da sagt, datz Mitternacht vorüber mrd ein neuer Tag anbrtcht — — Anna sprang arrk: »Um Gotte» willen, seht, der Mond steht so tief, datz er in den Laubeingang scheint, und die Lust wird Heller — ich muß zurück in» Hau» — haltet mich nicht aus — und lebt recht wsbl.* Er stand auch auf; „Nur noch eine Minute, Anna, noch ein« Sekunde — nur diesen Kuß so — — aber du sagst sa schon wieder: Ihr.' „Nun: du — so l«be wohl, lieber, teurer Mann, und komme doch recht bald und sage das Wort zum Vater. * „Und die Tage, die ich bleibe — kommst du noch einmal zur Laube, Anna?* „Nein, Heinrich, e» ist nicht recht; ich will Euch unter Tag» in dieser Zeit recht freundlich anblicken, wenn auch der Vater scheel fleht, aber kommen kann ich nicht mehr, es ist doch nicht recht. Sagt nur bald das Dort, dann -in ich ja immer bei Tuch, Lag und Nacht.* Noch einmal, aus die Spitzen ihrer Zehen gestellt, empfing fie seinen Kutz. „Lebe wohl,* sagte er, „du innig sütze» Herz — gute Nacht * „Gute Nacht,* sagte fie und verschwand im Schatten beS Laubes. Er war allein. Frischer, gleichsam dem Morgen zu, rauschten die Wasser der Pernitz, und die Blätter der Zw«ige begannen fich in einem kurzen Nachmitternachtslüftchen zu rühren. Der Wan derer ging aber tiefer in den Tarten zurück, schwang fich über die Einfriedigung und schritt über den mondhellen Wiesen hügel dem Walde zu, als sei es ihm nicht möglich, in diesem Augenblicke feine Schlafftelle zu suchen. Die glänzende Nacht stille blieb von nun an ungestört, «nd nichts rührte fich, als unten die emsig rieselnden Wasser und oben die Spitzen der flimmernden Sterne. Da« graue Schloß. Er war ein Klingeln und Läuten und ein freudige» Brül len und Meckern durcheinander, als am andern Tage die Morgensonne aufging, die Bergtäler rauchten und die Herde wieder zu den Triften hinanstieg. Aber der Hirt Gregor ging nicht mit, sondern er stand in steifem Sonntagsputze auf der Gasse und sonnte fich; nur der graue Hund in seinem ewigen WerktagSwamse und der Hirtensohn begleiteten die Herde — der eine freudig sein Halsband schüttelnd, der andere rüstig das Bündel Steigeisen und daS Trtesbeil (Alpenstock) schulternd, die einzigen zwei Wesen, die heute arbeiten mutz ten; denn alle» andere ging der Feier und Ruhe nach. Auch der alte Boten-Simon stand schon mit einem glänzenden Ge sichte, von dem er den zollangen Wochenbatt geschoren, und mit noch glänzenderer Jacke auf der Tasse da und schaute herum, recht behaglich die Wonne des einzigen Ruhetages der Woche fühlend, an dem er sonst nirgends hin mutzte als in die Kirche^ waS er sehr gerne und immer mit vieler Salbung tat: Di, Pfeife dampfte bereits und auf dem Hute hatte er ein ganze» Gebüsch von TebirgSfedern stecken, neben dem riesen haften Fächer eine» GemSLarte». Die warme Sonntags sonne stand bereit» am Himmel «nd warf eine freudenreiche Strahlenmenge tn da» Tal. An den Bergen blitzte der Tau und die Pernitz rollte lauter Gold und Silber durch die Fel sen. I« allen Häusern rührte und rüstete es sich sonntäglich, und die Waldhöhen standen in einem wahren Lauffeuer von Singen und Schreien der Vögel. Oben im Stockwerke der Srünen Fichtau Sjffnet, fich ein Fenster, mrd das Antlitz de» Wanderers blickte heran», die Haar« von -er freundliche» Stirn zurkckstreisend und die Augen nach Himmel und Wetter richtend. Beide» war ge nügend befunden und er wollte eben wieder zurücktreten, al» auch Vater EroSmu« auS dem Hause schritt, zunächst an seinem Leibe schon die schimmernde Sonntag-wäsche und die Sonntagskleider tragend, darüber aber «och die DmktagS- sacke geworfen und -ie Alltagskappe auf. „Guten Morgen, Simon,* rief er, „guten Morgen! Ein schöner Tag da» — da» find Tage zur Flachrblütk* „Blüht bereits wie ei« -laue» Meer, i« Asang draußen,* sagte Simon. „Ich habe ihm den händigen Fuchs in die Gabel zu lpaunen bekohlen,* redete hierauf -er Witt durch -ie Tür des GassengSrtchenS hinein; „denn er ist gelassener al» -er andere — aber ich sage -ir, Anna, datz du dich nicht etwa verleiten Mt. wenn er d'ch einkadet, mit ihm zu fahren; der FabelhanS wflrke dich samt sich in einen Graben. Fadtt mit mir, wer weitz, wie bald ohnehin einer kommt, der dich auf immer und ewig davonkührt.* Anna, die im Gärtchen Roten und anderes zum Sonn» taq-pude schnitt, wurde in diesem Augenblick unter der Gar tentür sichtbar und die braunen Augen gegen den Vater er» heSend, sagt« fie: „Et, er wir- mich nicht ei «laden nut der and«« wird «iÄ nicht kommen, liGer Wat«.* Llnterhaltungsveilsge s.'.'».?.'-' Nr. 4 Sonniss, Lea S1. Ianrrar ISS«