Volltext Seite (XML)
überlassen bleibe Auch die Abgg Brejski (Pole). Treuenfels Zons.), Dr. Burrk Hardt (wirtsch. Vgg.) sprachen über Gesundheitsfragen. Abg. Frank (Ztr.! forderte Schutzmaßregeln gegen die Mückenplage. Abg. Dr. Junck (natl.) fragte nach dem Stande der Re form des Patentgesetzes. Abg Müller Meiningen Ifreis., forderte eine internationale Vereinbarung zum Patentrecht. Eine Ermäßignug der Patentprüfungsge bühren lehnte Staatssekretär Delbrück ab, weil dünn noch mehr unnütze Patente eingereicht werden würden. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurden einzelne Spezialtitel und sodann der Gesamt-Etat bewilligt. Sonnabend I I Uhr: Marineetat und Etat für Kiaut- schon Schluß nach 7 Uhr. Liichsischcr Landtag. u. Dresden, 4. März. Erste Kammer. Präsident Dr. Gras Vitzthum von Eckstädt eröff net die Sitzung um 12 Uhr Punkt l der Tagesord nung: Vortrag aus der Registrande und Beschlüsse auf die Eingänge, veranlaßt keine Debatte. Zu Punkt 2 berichtet im Auftrage der zweiten Deputation Ober bürgermeister Dr. Dittrich und beantragt, Kapitel ' 10, Braunkohlenwerk zu Leipnitz, nach der Vorlage zu bewilligen, was geschieht. Ebenso werden unter Punkt ' 3 nach dem Bericht von Dr. von Frege-Weltzi e n die Etatkapitel 81, Bauverwaltereiem, 82, Albrechtsburg in Meißen, 84, allgemeine technische Zwecke, 85, recht- , liehe Verteidigung der staatlichen Gerechtsame, 86, un vorhergesehene Ausgaben, und 87, Jmmobiliar-Brand Versicherungsbeiträge, nach der Vorlage bewilligt. Wei ter bewilligt das Haus unter Punkt 4 auf Grund eines Berichts vom Wivkl. Geh. Rat Dr. Mehnert die in Titel 27 des außerordentlichen Etats gefordertem 127 MO Mark zur Versorgung des Hauptbahnhofes Chemnitz und des Rangierbahnhofes Chemnitz-Hilbers- dorf mit Lokomotiv-Spe-isewasser. Den Rest der Ta gesordnung bilden einige Rechenschaftssachen, die man in Uebereinstimmung mit der 2. Kammer durch nach trägliche Genehmigung der Etatüberschreitungen er ledigt, sowie mehrere private Petitionen, von denen man drei für unzulässig erklärt, und die des Militär invaliden Walter Knauth in Zwickau um Gewährung einer jährlichen Rente aus Staatsmitteln nach einem Bericht des Kammerherrn von Boxberg aus sich be ruhen läßt. Nächste Sitzung Donnerstag, 10. März, 12 Uhr Tagesordnung: Schlußberatung zu Dekret Nr. 21, Novelle zum Gerichtskostengesetz, sowie zu Dekret Nr. 13, Nadelarbeitslehrerinnengesetz, Etatkapitel 95, Seminare, 98, sonstige Kultuszwecke, 47, Gendarmerie anstalt, 48, Polizeidirektion Dresden, Rechenschaftssa chen und Petitionen. Zweite Kammer. . Präsident Dr. Bogel er öffnet die Sitzung um 9 Uhr 35 Minuten. Unter Punkt 1 werden nach einem Referat des Abg. Linke (foz.) die Etatüberschreitungen bei Kapitel 94, Gymnasien, Real gymnasien und Realschulen, mit 9000 Mark 74 Pfg. und 420 Mark außeretatmäßige Ausgaben nachträglich genehmigt. Abg. Dr. Seyfert (natl.) kommt hierbei auf den gestern vom Grafen Schönburg in der Ersten Kammer erwähnten Artikel der „Schulpraxis" zu spre chen., der Stellen enthalte, wodurch sich möglicherweise Katholiken verletzt fühlen könnten. Er gestehe zu, daß der Artikel durch ein Versehen ohne sein Wissen in das Blatt gekommen sei, möchte sich aber dagegen vcrwäh»- ren, daß damit die Auffassung verbunden werde, als wenn der Artikel in der Absicht, auszuhetzen, geschrie ben worden sei. Es sei vielmehr Ausgabe der Schule und also auch der Lehrer, die Kinder zur wahren To leranz zu erziehen. Unter Punkt 2 erkennt das Haus nach einem Bericht des Abg. Schönfeld kons.i in Uebereinstimmung mit der Ersten Kammer die Richtig keit der vom Landtagsausschuß zur Verwaltung der Staatsschulden auf die Jähre 1906 und >907 abgelegten Rechnungen an, und zwar einstimmig und ohne Debatte. Den Rest der Tagesordnung bilden Eisenbahnsachen. Zu Punkt 3 und 4 berichtet für die Finanzdeputativn ll Abg. Reut sch (kons.) und beantragt, zu 3.: Die Pe titionen der Gemeinderäte zu Eibau, Neugersdorf und Ebersbach sowie des Stadtrats und der Stadtverord nieten zu Zittau um zweigleisigen Ausbau der Bischofs werda Zittauer Staatseisenbahn zurzeit auf sich be ruhen zu lassen. Zu 4.: Die Petition der Gemeinden Ober und Niederfriedersdvrf, soweit sie sich auf Er richtung eines Personenhaltepunkts in Niederfrieoers- dorf bezieht, der Regierung zur Kenntnisnahme zu überweisen, im übrigen ans sich beruhen zu lassen. Beide Anträge werden nach kurzer Lokaldebatte, an der sich beteiligen die Abgg Schwager (freist), Riem (soz.), Finanzminister Dr. von Rüger, Abg. Linke (soz.), Ministerialdirektor Geh. Rat von Seydewitz, angenommen, und zwar der Antrag zu 3. gegen 6 Stimmen, der zu 4. einstimmig. Unter Punkt 5 und 6 werden dann nach Referaten der Abgg. Heymann (kons.) und Mehnert (soz.) die in Titel 9 und Ti tel 37 des außerordentlichen Etats geforderten Sum men von 640000 Mark und für Umgestaltung der Ver kehrsstellen Deuben und Hainsberg, sowie viergleisigen Ausbau zwischen Pötschappel und Station 1>6 VW (7. Rate , bczw. 460 000 Mk für Herstellung einer voll spurigen Nebenbahn von Limbach nach Oberfrohna be willigt. Die Petition des Stadtrats und der Stadt verordneten zu Freiberg und Gen. wegen Erbauung einer Eisenbahn von Freiberg nach Hainichen wird nach einem Referat des Abg. Nitzschka (natl.) der Re gicrung zur Kenntnisnahme überwiesen Nächste < Sitzung: Dienstag, 8. März, 10 Uhr Tagesordnung: Rechenschastssachen, Anträge Clauß auf Vermehrung der Wahlkreise zum Landeskulturrat, Schönfeld auf Wiedereinführung des Abrufens der Eisenbahnzüge auf allen Stationen, und Dr. Spieß und Gen. auf Gewäh rung von Darlehen an gewerbliche Genossenschaften. BemWc Nachrichten. — Sich s e l b st d e S D opp el m ord s beschul digt. Der Fürsorgezögling Otto Zukow-ki in Berlin hat sich selbst, wie der .L. N." meldet, auf einem im Hofe des Polizeipräsidiums gefundenen Zettel beschuldigt, bei Stub benkammer auf Rügen in räuberischer Absicht ein Ehepaar ermordet zu haben. Er wurde jetzt ermittelt und gibt zu, den Zettel geschrieben zu haben, um nicht mehr in die Für sorgeanstalt zurückgebracht zu werden, sondern dafür lieber ins Gefängnis zu kommen. Wegen seines Alters hätte er nur zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden können. — Eine Jubiläumsausstellung in Mün chen. Aus Anlaß des 90. Geburtstages des Prinzrcgenren soll im nächsten Jahre eine Jubiläumsausstellung für In dustrie, Kunst nnd Handwerk Bayerns statlfinden. — Zu Gefängnisstrafe verurteilte Gym nasiasten. Die Strafkammer in Gnesen Hal drei Gym nasiasten, die die Aufgaben für die Abiturientenprüfung dem Direktor durch Einbruch entwendet hatten, wegen Hausfrie densbruch und Entwendung von Formularen von Prüfungs themen zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt. — Verschüttete Bergleute. Im Salzbergwerk unweit Ischl wurden nachts zwei Bergleute verschüttet. Einer ist tot, der andere wurde tätlich verletzt. — Der Prozeß einer gräflichen Mörderin. Zu dem Mordprozeß gegen die Gräfin TarnowSka, der be kanntlich Freitag begonnen, hatten über 1000 italienische und ausländische Journalisten die Erlaubnis nachgesucht, den Verhandlungen beiwohnen zu dürfen. Der Vorsitzende hat jedoch nur 24 Pressevertretern den Eintritt gestattet. Die an geklagte Gräfin wurde von Journalisten interviewt und er klärte, sie sei kampfbereit. Die Gräfin raucht fortgesetzt Zigaretten. Die beiden Mitangeklagten Naumoff und Prillu- kost sind ebenfalls sehr ruhig Die Mutter Les ermordeten Grafen Komarowski hat eine Entschädigungsklage eingereicht. — Zu d e m Ju w e l e n d i e b st a h l auf Schloß ArenfelS bei Hönnigen wird mitgeleilt, daß nur kleinere Preti osen, wie einige alte Taschenuhren, Siegelringe, goldene und silberne Kästchen und kleine Bilder mit Goldrahmen, ge stohlen wurden. Der Schmuck der Gräfin Westerholt und andere hervorragende W.rtgegenstände waren in diebes- und feuersicheren Banktresors aufbewahrt. — Selbstmordversuch eines Gesandt- schaftsattachvs. Aus einem in voller Fahrt' befindli chen Eisenbahnzuge stürzte sich auf der Strecke Brieg Grott- kau unweit der Station Lindenruh ein elegant gekleideter Passagier. Ein im selben Abteil mitreisender Herr brachte durch Ziehen der Notleine den Zug sofort zum Stehen. Beim Abfahren der Strecke wurde der Abgestürzte mit unbedeuten den Verletzungen neben den Gleisen liegend aufgefunden, wo er eben dabei war, sich mit einem spitzen Stein die Pulsader zu durchschneiden. Er wurde in das Kreiskrankenhaus ge bracht und verbunden. Dort stellte sich heraus, daß der Le bensmüde ein bei der preußischen Gesandlschaft in München tätiger Attache sei, der im Begriff war, sich zur Herstellung seiner zerrütteten Nerven nach einem Sanatorium in Ziegen hals zu begeben. Der Bedauernswerte wurde später der Krankenabteilung der Provinzial-Heil- und Pflcgeanstalt in Brieg überwiesen Zur Allensteiner Eh e t r ag ö d i e. Auf Ersuchen der Allensteiner Staatsanwaltschaft ist die Witwe des von dem Hauptmann von Gäben erschossenen Majors von Schönebeck, jetzt verheiratete Weber, am Donnerstag verhaftet worden. Zum FallHofr-ichter. Neuerdings ist inan auf eine ganz andere Spur in der Zyankali-Affäre ge kommen. In Agram wurde eine serbische Hochstaple rin verhaftet, die verdächtig ist, die Gift-Attentate ver übt zu haben. Aus Wien wird nun wieder gemeldet, daß die Vernehmung der Gattin des Oberleutnants Hofrichter zu ungnnsten des der Zyankalimordversuche angeklagten Offiziers ausgefallen ist. Zwischen den Aussagen der Frau und denen Hofrichters ergaben sich bei wichtigen Punkten unvereinbare Widersprüche Der Hauptgewinn der Eharlottenburger Wohlfahrtslotterie in Höhe von 50000 Mark erhielt eine blutarme Arbeiterfamilie mit 6 Kindern in Mün- sterbusch. -- Da ist Fortuna 'mal vernünftig gewesen. Die Fu r ch t v o r d c r S ch u l e. Es gibt viele Eltern, welche ihren der Schule entgegenwachsenden Kindern bei Ungehorsam und anderen Unarten sagen: „Warte nur! Wenn du in die Schule kommst, da geht es aus einem anderen Tone!" Wenn solche und ähn liche Drohungen auch ihren nächsten Zweck, die Kinder zur Ordnung zurückzubringen, selten verfehlen, so sind sie doch durchaus verwerflich. Denn derartige Ein schüchterungen benehmen dem Kinde die Lust zur Schule, die Freude am zukünftigen Lernen, welche in jedem normalen Kinde vorhanden ist, denn Kindergemüter lassen sich durch Neues leicht fesseln. Außerdem aber, und das ist noch schlimmer, verliert die Kindesseele das Vertrauen zum Lehrer, und dieses ist zu einem erfolgreichen Unterricht unbedingt erforderlich. So mö gen denn die Eltern nicht durch unüberlegtes Reden den Männern ihr Amt erschweren, welche ihr ganzes Leven den Kindern anderer Leute widmen. Vielmehr sollte man jetzt vor Ostern den zukünftigen A-B-C- Schützen erzählen, ;wie schön es in der Schule sei, was man da für hübsche Bilder ansehe, Lieder lerne usw. So wird den Kindern, Eltern und Lehrern ihre Pflicht erleichtert. Die Milliarden st iftung des Oelkö- nigs. Die Wohltätigkeitsstistungen Rockefellers wer den ein Kapital von 1200 Millionen Mark repräsen tieren. Das ist genau der Wert der Standard-Oil- Arust-Aktien, die sich im Besitze der Familie Rockefel- ler befinden. Der Zinsertrag wird auf achtzig Mil- ' lionen Mark berechnet, und diese Summe soll alljähr lich im Interesse der ganzen Menschheit ohne Unterschied der Rasse ober Religion verausgabt werden. John Rockefeller jun. hat das Direktorat oes Standard-Oil Trust niedergelegt und sich zugleich aus allen anderen Geschäften zurückgezogen, um sich lediglich der neuen Rockefeller-Gründung seines Vaters widmen zu können. Ein Rat von Sachverständigen auf dem Gebiete der Wohltätigkeit steht ihm -abei zur Seite. Der junge Rockefeller zählt jetzt 30 Jahre und gilt als ein uner müdlicher und absolut verläßlicher Geschäftsmann. Mag man die Mittel, mit denen er sein Vermögen erworben hat, nicht als einwandfrei betrachten, ein großzügiger sozialer Gedanke kennzeichnet doch diese und ähnliche amerikanische Stiftungen. Der Stifter fühlt sich we niger als Besitzer seiner Reichtümer, denn als ihr Verwalter, der für .ihre Verwendung der Allgemeinheit Rechenschaft schuldig ist. In dieser praktischen Orga nisation werden die Millionen des Amerikaners für die Menschheit reiche Früchte tragen. Tanzrekorde und Rekordtänze. 34 Stunden hintereinander zu tanzen — das ist wohl eine Rekordleistung im Tanzen, die so leicht nicht über troffen werden kann Diese Leistung hat jüngst auf einer polnischen Hochzeit in St. Louis die Braut voll bracht, ohne dazwischen irgend welche nennenswerte Pausen zu machen. Der Name der tamzbegeisterten Polin, der der Nachwelt natürlich wicht verloren gehen darf, ist Zapowa. Sie begann an einem Mittwoch um 9 Uhr morgens zu tanzen und am Donnerstag abend um 7 Uhr waren alle Hochzeitsgäste sozusagen totgetanzt: sie selbst aber hätte gern noch weiter ge tanzt. Vor drei Jahren soll, wie eine englische Wo chenschrift behauptet, ein italienischer Tänzer diese Leist tung noch übertroffen haben, der eine Belohnung von 800 Mark demjenigen aussetzte, der länger tanzen könne als er. Doch war die Bedingung hieran geknüpft, daß ununterbrochen getanzt werden sollte. Fünf Be werber traten auf den Tanzplan. Sie glaubten mit dem schwächlich ausseihenden Italiener leicht fertig zu werden. Es zeigte sich jedoch, daß er ihnen allen weit überlegen war; er tanzte volle 14 Stunden hindurch ohne Pause, und zwar stündlich 18 Walzer. In Paris sollen übrigens Tanzwettbewerbe nicht zu den Selten heiten gehören. Kürzlich sollen dort 80 Paare zu est nem Tanzwettbewerb angetreten sein, bei dem der Be sitzer eines Ballokals 100 Francs ausgesetzt hatte. Den Preis gewann ein Paar für einen Tanz, der „nur drei Viertelstunden" anhielt. Hierbei war nämlich nicht die Dauer, sondern die graziöseste Ausführung des Tanzes ausschlaggebend. Bei einem anderen franzö sischen Wettwalzen traten 12 Paare an. Hiervon tanz ten nach 6 Stunden nur noch zwei Paare, und nach tll/z Stunden hatte das eine Paar hiervon aufgegebeiy so daß das andere aufhören konnte und den Preis' einstrich Wilde Kamele in Europa. Der Herzog von Orleans hat jüngst in Spanien ein sehr seltenes Jagdvergnügen genossen, di« Jagd aus wilde Kamele. Mit diesen einzigen wilden Kamelen aus europäischem Boden hat es, wie der „Gaulois" erfährt, folgende Bewandnis: Bor etwa dreißig Jahren kam der Be sitzer der Halbinsel Coto Dona Anna an der Mündung des Guadalquivir, eines beinahe rings von Wasser um flossenen, sehr wildreichen Jagdgebietes, auf den selt samen Einfall, dort ein Paar aus Afrika bezogene Ka mele auszusetzen. Den Kamelen scheint das Klima, sehr gut zugesagt zu haben, denn sie Haben sich seitdem sehr vermehrt, zumal keines von den wertvollen Tieren er legt werden durste (auch der Herzog von Orleans hat keines töten dürfen). Heute sollen es bereits über 40 sein. Vor einiger Zeit sind die wilden Kamele üb rigens in den Besitz der Gräfin von Paris überge- gangen, die sie nach ihrem benachbarten Besitztum« Villamanrique hat schaffen lassen. Die Kamel« haben sich aber mit diesem Ortwechsel durchaus nicht einver standen gezeigt; sie kehren mit tätlicher Sicherheit, so oft man sie nach Villamanrique schafft, wieder nach ihrer Heimat, dem Coto Dona Anna zurück. Der zerbrechliche Meusch. Es gibt in London einen Menschen, der, um nicht jeden Augenblick das Leben zu riskieren, sich in einer Glasglocke ein schließen und in dieser Glocke sich ganz ruhig verhalten müßte, da ihm nicht die geringste Bewegung gestattet; ist. Das merkwürdige Individuum, verbringt sein gan zes Leben in einem Krankenhausbett. Die Aerzte und die Krankenwärter nähern sich ihm nur unter den größ ten Vorsichtsmaßregeln, da der unglückliche Mensch bei irgend einer ungeschickten Berührung in Stücke gehen könnte. Er ist nämlich im buchstäblichen Sinne des Wortes ein zerbrechlicher Mensch Wenn er geht, darf er weder d'ie Knie beugen, noch die Arme bewegen: ein Fall würde ihm geradezu verhängnisvoll werden., Der zerbrechliche Mensch ist ein armer Teufel, abgv- magert, groß, Mt knochigem, kränklich aussehenden» Gesicht: er leidet an einer seihr selten vorkommendeNi Krankheit, die ihn zu einer Art Porzellanfigur macht. Er heißt Museook, ist 35 Jahre alt und leidet an der furchtbaren Krankheit, die die Aerzte „N^ositis Osti- kieans (Muskelverknöcherung) nennen, seit sieben Jah ren Seit sieben Jähren verwandeln sich seine Mus keln nach und nach in Knochen. Er kann gehen, aber nicht sich setzen: er muß sich sehr anstrengey, wenn er den Kopf nach rechts oder nach links wenden will Man kennt den Knochenmenschen in allen Lon doner Krankenhäusern, wo die älteren Aerzte ihn ihren jüngeren Kollegen «als ein interessantes Studienobjekt zeigen. Zum Glück für ihn hat er bei seiner merk würdigen Krankheit nicht viel zu leiden, so daß er die Sache von der philosophischen Seite nimmt und sich nur so wenig wie möglich bewegt. Er raucht wie ein Schornstein vom Morgen bis zum Abend und liegt den ganzen Tag auf dem Rücken im Bett. Wenn er aufzustehen wünscht, lassen ihn die Krankenwärter lang sam bis zum Rande des Bettes gleiten; dann heben sie den steifen Körper senkrecht in die Höhe, bis die Füße den Boden berühren. Darauf gibt man ihms einen Stock in die Hand, und der zerbrechliche Mensch geht, aber nur in grader Linie; wenn er sich nach rechts oder links wenden will, muß ihn ein Kranken wärter recht umständlich nach der gewünschten Rich tung hinlenken. Die Hut mode unserer Tage hat schon einmal, gegen Ende des 16. Jahrhunderts, eine Vor gängerin mit ähnlichen Auswüchsen erlebt. Sie er regte das Mißfallen des Satirikers Johann Michael