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Amts- M AnzeiBlalt für de« «bsnnemrnt oiertelj. 1 M. 20 Ps. einschließl. der .Jllustr. Unterhaltungsbl." o. der Humor. Beilage »Seifen blasen' in der Expedition, bei unfern Boten sowie bei allen Reichspostanstalten. Wrk des Amtsgerichts Eibenstock und dessen Umgebung. Erscheint wöchentlich drei Mal und zwar Dienstag, Donnerstag u. Sonn abend. JnsertionSpreiS: die Neinspaltige Zeile 12 Pf. Im amtlichen Teile die gespaltene Zeile 30 Pf. SS. Donnerstag, den 25. Februar Verantwortlicher Redakteur, Drucker und Verleger: Emil Hannebohn in Eibenstock. — - -^7—^—— LI. Jahrgang. a-—-- > Nr. IttS der Schankstättenverbotsliste ist zu streichen. Ttadtrat Eibenstock, den 24. Februar 1904, Hesse. M. Oeffentliche Borbilderfammlung Eibenstock. Die Auswechslung der SammlungsgegenstSndc zeigt hierdurch an Eibenstock, 24. Februar 1904. Tagesgeschichte. — Deutschland. Die Miltelmcerreise de« Kaiser» wird mit wachsender Bestimmtheit angekündigt. Die Ausführung ist in da» Belieben de» Monarchen gestellt. Po litische Absichten liegen der Reise nicht zu Grunde, politische Hin dernisse nicht tm Wege. E» handelt sich lediglich um eine Erholung-reife. Nachdem sich der Kaiser im November und Dezember für den Aufenthalt in freier Luft viele Beschränkungen auferlegen, nachdem er im Januar und Februar mannigfachen Pflichten der Repräsentation genügen mußte, ist e« durchaus ver ständlich und dem in seiner Pflichterfüllung so gewissenhaften Monarchen von jedem zu gönnen, daß er für einige Wochen unter einem milden Himmelrstrich Erholung sucht und hoffentlich auch findet. — Berlin, 22. Februar. Gouverneur Leut wein meldet unter heutigem Datum, daß in dem Telegramm vom 17. Fe bruar über da» Gefecht der Kompagnie Fischet insofern ein Irr tum vorgekommen ist, al» nicht der Scesoldat Henze au« OeSdorf, sondern der Seesoldat Haanse au» Sachsendorf in Sachsen schwer verwundet worden ist. — Berlin, 23. Februar. Vom Gouverneur Lcutwein sind folgende zwei Telegramme von heute cingegangen: Die gegenwärtige Kriegslage ist folgende: Die Ostabteilung unter Glasenapp marschiert über Gobabi» gegen den Häuptling Tjotjo und sperrt die Grenze. Die Hauptabteilung sammelt sich bei Okahandja und beschränkt sich bi« zum Eintreffen der Verstärk ungen auf kleinere Vorstöße gegen den anscheinend bei Otjoson- gati und Waierberg in abwartender Stellung befindlichen Feind. Die Westabtcilung unter Estorfs geht aus Outjo vor und ent waffnet den Oinarurustamm. Vom Süden ve« Schutzgebiete» befinden sich eine Kompagnie und eine Gebirgsbatterie im An marsch. Zum Schutze de« Süden» bleiben eine Kompagnie und zwei Geschütze zurück. — Da» zweite Telegramm lautet: Line Abteilung unter Oberleutnant Schultze erbeutete am 8. d. Mt«. in einem Gefecht südlich von Tsumana» 300 Stück Großvieh und 400 Stück Kleinvieh. Der Feind hatte 10 Tote, dierseii« keine Verluste. Am 2. Februar haben Owambo« de» Kapitän» Nechale den Polizeiposten von Amatoni angegriffen, sind aber mit einem Ver lust von 60 Toten geschlagen worden. Der Posten wurde später eingezogen. Die Owambo« de« Kapitän« Kambond« sind bisher friedlich. Estorfs hat Verbindung mit Outjo hergestellt. — In diesem Jahre sollen da« Gardekorp« und da» 9. Armcekorp« Kaisermanöver abhalten. — Nach der im»Arbeitersrcund" veröffentlichten .Ehren tafel deutscher Arbeitgeber" de« Dre»dener Bibliothekar« Peter Schmidt sind im Jahre 1903 an freiwilligen außerordent lichen Spenden für Angestellte, Arbeiter unv allgemeine Volks wohlfahrt zu verzeichnen gewesen 71082 84b Mk., welche sich au« 1647 Einzelspenden zusammensetzen, von denen 927 mit 53036594 Mark auf Private, b6b mit 12 466841 Mark auf Aktiengesellschaften und lbb mit b 679 410 Mark auf Banken entfallen. Preußen figuriert mit 35 150 124 Mk.; Berlin mit 9 840 933 Mark. Seit 1898, mit welchem Jahr die Statistik begonnen hat, sind über 362'/, Mill. Mk., also täglich mindesten» 170000 Mk., für derartige Wohlfahrt»zwecke flüssig gemacht worden. Der Betrag der Spenden ist jede» Jahr gestiegen, in »en Jahren 1900—1902 um jährlich 20 Mill Mk.; da« Ge samtergebnis für 1903 ist dagegen gegen da« Vorjahr um mehr al« 12 Mill. Mk. zurückgeblieben. Mit einer gewissen Regel mäßigkeit zu erwartende Millionenspenden können aber wieder über Nacht ein Hinausschnellen bewirken. - Da« Haager Schiedsgericht hat eine wichtige Entscheidung in der venezolanischen Frage getrcffcn, indem e« für Recht erkannte, daß den drei Blockademächten Deutschland, England und Italien da« Vorzugsrecht auf 30 v. H. der Zölle von La Guahra und Puerto Cabello zustehe. Jede Partei wird die Kosten, die ihr au« dem Verfahren entstanden sind, tragen und mit den anderen Parteien zu gleichen Teilen die Kosten de» Schied«gericht« übernehmen. Die Vereinigten Staaten werden beauftragt, den Schiedsspruch binnen drei Menaten zu vollziehen. ' — Rußland. Petersburg, 22. Februar. Die Er nennung de« Krleg«minister» Kuropatkin zum Oberbefehls haber der gegen die Japaner operierenden mandschurischen Armee ruft einen wahren Jubel unter der Residenzbevölkerung und in der Presse hervor. Lange wurde diese Ernennung ersehnt, schließ lich wollte man schon die Hoffnung auszeben. Wie ein Alb lag e« aus allen Kreisen, daß dort, wo jetzt die größte Gefahr droht, kein Mann von hervorragender Bedeutung an der Spitze stehen tollte. Kuropatkin genießt -l« Militär da» größte Ansehen, viel mehr denn al« Verwaltungschef. Er halte oft Gelegenheit, sich im Feld« hervorragend au»zuzeichnen. »Kuropatkin ist vom Zaren ernannt — haben Sie e« gehört?" Diese Phrase wieder holt sich hier tausendmal. »Jetzt sollen die Japaner kommen!" — Vom russisch-japanischen Krieg. Langsam und schleppend spielen sich seit den ersten Schlägen vor Port Arthur und Tschemulpo die Kriegsereignisse ab. Die gewaltigen Entfernungen, welche die LandstreitkrLfte der beiden Gegner zurück zulegen haben, ehe sie in größeren Massen zum Zusammenstoß ge langen können, und die Rückständigkeit der russischen Mobilmachung erklären diese Erscheinung zur Genüge. — Ucber die Kriegslage in Ostasien wird von militärischer Seile in dem neuesten Beiheft zur »Marine-Rund schau" ein interessanter Ueberblick gegeben. Teils in der Natur aller vorbereitenden Kriegsoperationen, teils in den besonders verwickelten Verhältnissen de» zu Wasser und zu Lande sehr ausgedehnten Kriegsschauplatzes ist cS begründet, daß es unmöglich ist, sich schon jetzt über den wirklichen Stand der Dinge ein klare« Bild zu machen. Dazu kommt, daß begreiflicher Weise von beiden kriegführenden Parteien mit Nachrichten gekargt wird, um die von den Streitkräften eingenommenen Positionen nicht zu deutlich erkennbar werden zu lassen. Nicht ausgeschlossen ist auch, daß hier und da zur Irreführung des Gegner» absichtlich unrichtige Informationen in die Welt hinausgesandt werden. E» ist daher In der Bewertung de» Nachrichtenstofsc» große Vorsicht geboten. — Welch ernsten Charakter man diesem Kriege auch in Japan beilegt, geht daraus hervor, daß selbst ein japanisches Blatt, die »Osaka Asahi", vor einer leichten Auffassung de« Krieges warnt. Ein Krieg gegen Rußland sei etwa« ganz andere», al» der Krieg gegen China. Der letzte Pfennig und der letzte Tropfen Blut müßten daran gesetzt werden. Da» Blatt ist offen genug, aus zusprechen, daß der Krieg ein Rassenkrieg ist und eine neue Epoche in der Größe der mongolischen Rasse eröffnen soll, indem c« sagt: »Wenn wir alle« daran setzen, dann werden wir in der Lage sein, eine neue denkwürdige Epoche in der Geschichte unserer Rasse und der Ausdehnung unserer Macht cinzuleiten." — Die »Time«" meldet au» Weihaiwei: Die Japaner Iran»Porliercn ein Armeekorps, au« drei Divisionen bestehend, nach Korea. Die zwölfte Division wird jetzt verschifft und die Gardedivision soll ihr folgen. OveralionSbasi» ist zur Zeit Tsche mulpo. Die auSgeschifften Regimenter gehen dann über Söul nach Norden. Kleine Detachement» sind bereit» nach Norden vorgeschoben, um Fouragemagazine zu errichten. Man erwartet den allgemeinen Vormarsch auf Phjoengjang demnächst. — In Tokio ist einer englischen Meldung zufolge bekannt gegeben worden, mehrere hundert russische Jäger seien in Kasan (Korea) eingetroffen, einzelne hätten bereit» den Tschjöng- Fluß bei Tschjöngjang überschritten und den Telegraphen nördlich von Andschu abgeschnittcn. Zur Sache liegen folgende Meldungen vor: Ncw - U 0 rk, 22. Februar. Nach einer Meldung au« Nagasaki vom heutigen Tage hat da« russische Wladiwostok- Geschwader die Absicht gehabt, Hakodate zu bombardieren, ist aber durch Schneefall in der Tsugaru Straße daran gehindert worden. Die Bewohner der Stadt Wladiwostok sind aufgefordert worden, wegen Mangel» an Lebensmitteln die Stadt zu verlassen. Niutschwang, 22. Februar. Der Statthalter Alexejew und der Generalstab haben ihr Standquartier nunmehr in Char din ausgeschlagen. London, 23. Februar. „Daüh Telegraph" meldet aus Nagasaki von gestern, da« japanische Geschwader habe vor Port Arthur vier russische Torpedojäger weggenom- men und die Mannschaft gefangen. Die Japaner hätten sich russischer Signale bedient. Tokio, 23. Februar. Hier ist die Meldung von einem neuen Gefecht vor Port Arthur eingegangen, da« am Sonnabend, 20. Februar, stattgefunden hat. Einzelheiten darüber sind jedoch noch nicht bekannt. Washington, 23. Februar. Rußland beschuldigte in einer Note an die Mächte Japan der Verletzung de« Völker recht« bei Port Arthur und Tschemulpo. Locale und sächsische Nachrichten. — Eibenstock, 24. Februar. Al« Musikdirektor hie siger Stadt ist Herr Kapellmeister Hönicke au« Lippstadt gewählt worden, der auch den AnstcllungSverlrag unterzeichnet und Kaution hinterlegt hat. Der Antritt erfolgt den 16. September 1904. Herr Hönicke bringt seine Kapelle, die den Sommer über noch in Herrenalb zu spielen hat, mit, übernimmt aber auch die Ocsersche. — Bei dieser Mitteilung wollen wir nicht verfehlen, unsere« verstorbenen Musikdirektor« Oeser mit warmer Anerkennung für seine Treue zu unserer Stadt, der er seine Pflichten ebenso wie dem Staate immer in höchst achten«werter Weise erfüllt hat, zu gedenken und ein »Ruhe sanft" in die Ewigkeit nachzurufen. Am 22. November 1856 meldete sich Herr Stadtmusiku» Gustav Oeser -u« Roßwein beim Herrn Rathmann Hevmann al« Bewerber um die Itadtmusikvirektorstelle. Am 9. Dezember 1856 legte er im großen Saale von Siegels Hotel Probe ab. Au» dem RatS- protokolle vom N. Dezember 18u6 geht hervor, daß der Stadlrat in den Herren Bürgermeister Funck, Rathmann Hcymann und Rathmann Unger mit den Sachverständigen Herrn Pastor Mehr, Herrn Kantor Keil und Herrn Lehrer Meißner festgestellt haben, daß Herr Oeser sich al« ein in jeder Beziehung geschickter Mu siker vargestellt habe, und seine Befähigung zur Direktion eine« Musikchors nicht bezweifelt werden könne, daß übrigen» auch die zahlreiche Zuhörerschaft bei der Probe nur eine Stimme der Zu friedenheit gewesen sei. Man wählte ihn deshalb unter Gehalt fixierung auf 220 Thaler. Die Erwartungen, welche man auf die Tüchtigkeit Herrn Oeser« gesetzt, haben nicht betrogen. Jeder, der ihn in seiner gesunden Zeit gekannt hat, weiß auch, welch tüchtiger Musiker und Dirigent er war und welche Anerkennung mit Fug und Recht seine Leistungen damals allgemein erfuhren. Nun ruht er nach einem von Krankheit verfolgten mühevollen Leben ; wir aber haben wieder einen hochachtbaren Bürger ver loren, dessen Persönlichkeit in unserem kleinen Gemeinwesen etwa« bedeutete. Friede seiner Asche! II—e. — Eibenstock. E» dürste unsere am Verkehr mit Nord amerika beteiligten Leser interessieren, daß auf der im Jahre 1903 in London abgehaltenen Internationalen Telegraphenkonsercnz ein Uebercinkommc» getroffen worden ist, daß bei Orten gleichen Namen«, zür die zur Unterscheidung notwendigen näheren Be zeichnungen, z. B. Angabe de» Staates, de» Bezirkes :c., nur noch ein Wort berechnet wird, auch wenn die Zusätze aus 2 und mehr Worten bestehe», und zwar erstreckt sich dieses Ueberein- kommcn vorläufig auf die Bereinigten Staaten und Britisch- Nordamerika. E» zählt z. B. PiltSburg Pa., oder Morristown N.I, nur noch als ein Wort. — E« dürfte sich aber empfehlen, bei Aufgabe derartiger Telegramme sich vorher nach der genauen postalischen Ortsbezeichnung beim Postamt zu erkundigen. — Eibenstock ist zum Sprcchvcrkchr mit Naumburg (Saale) zugelassen worden. — Schönbeide. Am Dienstag hielt der hiesige Erzge- birgSzweigverein im Rathause seine Generalversammlung ab. Laut Bericht besteht derselbe zur Zeit au» 78 Mitgliedern und 5 Ehrenmitgliedern. Die Bibliothek umfaßt 26 Nummern. Ver kauft wurden im verflossenen Vereinsjahr 100 Spezialkarten und 11476 Postkarten. Der Prinz Georg-Turm aus dem Kuhbcrge wurde besucht von 5302 Erwachsenen, 1350 Kindern, 26 Schulen mit 1048 Kindern, 14 Ferienkolonien mit 668 Kindern. Zur Deckung der Kosten de» Blockhause», die sich aus 3422 Mk. be laufen, macht sich eine Anleihe von 600 Mk. notwendig. Da» 25jährige Stiftungsfest soll den 15. April durch eine außerordent liche Feier resp. Familienfest begangen werden. Al» Geschenk sind dem Verein durch Herrn Kaufmann Friedrich in Carlsseld 25 Stück CommerSbücher überwiesen worden, die an dem Abende ihre Weihe fanden. Bemerkt sei hier noch, daß der Verein noch andere Zuwendungen erhallen hat. — Dresden, 23. Februar. Die Zweite Kammer nahm nach längerer Debatte den Antrag Rüder-Andrä-Rudelt und Ge nossen an, die Aushebung von 8 19 de« Ergänzungssteuergesetze» betreffend, gegen die Stimmen der konservativen Landwirte Steiger und Leipoldt. E» soll also künftig da» landwirtschaftliche Be triebskapital von der Vermögenssteuer nicht mehr befreit sein. — Cheinnitz, 23. Februar. Wie da« »Chemn. Tagebl." au» zuverlässiger Quelle erfährt, hat der de« Morde« an seinem Vater verdächtige, in hiesiger König!. Gefangenenanstalt befind liche 22jährigc Johanne« Alexander Schubert ein Geständnis dahin abgelegt, daß er seinen Vater mit der Rodehacke erschla gen habe. — Zwickau. Der in Nr. 15 d. Bl. enthaltene, einer auswärtigen Zeitung entstammende Bericht über den durch den Unteroffizier Vogel der 11. Kompagnie de» 133. Infanterie regiment« h.rvorgerufenen Vorfall ist insofern nicht zutreffend, als darin behauptet wird, Vogel leide an einer langwierigen Krankheit und befinde sich z. Zt. al» Gefangener im Garnison lazarett. Wie da» Kommando genannten Regiment» mitteilt, ist der Unteroffizier Vogel zur Beobachtung im Garnisonlazarctt untergebracht worden, wo er z. Zt. wegen Bronchialkatarrh be handelt wird. Von einer langwierigen Krankheit, welche der Grund zum Selbstmord sein soll, ist dem Regiment nicht« be kannt. — Die» zur Richtigstellung. — Annaberg, 22. Februar. Auf Wiesaer Flur in der 'Nähe von Streckewalde wurde am Sonnabend vormittag im Walde eine Frauensperson tot aufgefunden. In der Toten, die völlig unbekleidet ivar, wurde die seit Donnerstag mittag vermißte, in Wiesenbad in Arbeit gewesene 16jährige Fabrikarbeiterin Flora Schreiber au» Mauersberg erkannt. Die Gendarmerie hat sich sofort an den Fundort begeben, um die Leiche aufzuheben. Nähere» über den Fall, insbesondere ob etwa ein Mord vorliegt, ist noch nicht bekannt. Die Tote wurde in