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Amts- und Anzeigeblatt für den Bezirk des Amtsgerichts Eibenstock und dessen Umgebung : 08.12.1904
- Erscheinungsdatum
- 1904-12-08
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id426614763-190412085
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id426614763-19041208
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-426614763-19041208
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Amts- und Anzeigeblatt für den Bezirk des Amtsgerichts ...
-
Jahr
1904
-
Monat
1904-12
- Tag 1904-12-08
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Monat
1904-12
-
Jahr
1904
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gegenüber all den drohenden Verfolgungen hat Mitempfinden lassen, führt er un« den Leben-gang Pauli durch Recitaliv, Solo und Chor vor Augen. — Wir hören zunächst die schwere Anklage gegen Stephanu», hören die tobende Menge mit der wütenden Lotung: .Steiniget ihn!" — und sehen Paulus beiseite stehen mit dem pharlläischen Wohlbehagen über den Tod Stephani im Antlitze. Lin innig empfundener Chor, eine Betrachtung über den teligen Tod de« Gottergebenen, schließt diesen ersten Abschnitt. In Pauli Seele aber wird der VersoigungSgedanke zum Ver folgungswahn, der mit der Tat nicht länger zurückhallen kann. Daher schildert un« der nächste Abschnitt Paulus als den blinden Iehovaheiferer, der .mit Drohen und Morden wider die Jünger de» Herrn schnaubt", bis er in seiner im Oratorium mit tief inniger Zartheit dargestellten Berufung und Bekehrung und in der neuen Lebensaufgabe Pauli: .Mache dich auf und werde Licht!" — seinen Höhepunkt erreicht. Pauli Selbstprüfung in seiner nun folgenden Bußzeit aber klingt au» in den erhabenen Harmonien de» gewaltigen Chor»: .O, welch eine Tiefe de» Reichtums, der Weisheit und Erkenntnis Gotte» —", in dem sich der Stolze in Bewunderung beugt vor der neuen, in Christo verkörperten Gottesidee. — E» ist ein große» Unternehmen, mit ausschließlich heimischen Kräften ein solche» Werk zur Aufführung zu bringen. Hosten wir, daß ein volle« Gelingen den sauren Fleiß der UcbungSabende lohne! — Eibenstock. Die Vereinigung mehrerer Pakete zu einer Postpaketadrcsse ist für die Zeit vom 10. bi» 25. Dezember im inneren deutschen Verkehr nicht gestattet. Auch für den Auslandsverkehr ist dem Publikum zu empfehlen, wahrend dieser Zeit in seinem eigenen Interesse zu jedem Paket besondere Begleit papiere anzufertigen. — Leipzig, 4. Dezember. Im Kristallpalast - Theater läßt sich zurzeit ein Südamerikaner namens Papuß s.hcn, der acht Tage und acht Nachte in einer GlaSflafche verweilt, ohne irgendwelche feste und flüssige Nahrung zu sich zu nehmen. Diese» Behältnis ist, wie die „Lpz. Jll. Ztg." mitteill, I,s« in hoch und etwa 60 cm breit, bietet also einer Bewegung de« ein geschlossenen Wundermenschen den allergeringsten Spielraum. Papuß bedarf dem seltsamen Wesen seiner Experimente nach auch keiner besonderen Bequemlichkeit. Tagsüber in dem engen gläsernen Gelaß stehend, macht sich der Gefangene, dem infolge der räum lichen Beschränkung am Tage nur eine leise, vorsichtige Umdrehung, nacht« ein horizontale» Liegen in der umgekappten, am Kopfende mit Drahtganze übersponnenen, sorgfältig versiegelten gläsernen Kapsel gestaltet ist, zu einer fast regungslosen, mumienhaften Erscheinung. Am 26. -November begab sich Papuß nach Schluß der Variclcvorstellung de« Kristallpalast-Theater« angesichts einer Reihe medizinischer Autoritäten in sein freiwillige« Gefängnis, da« an der einen Seile durch eine fcstvcrnntele Holzwcnd ver schlossen wurde. Nach einer eigenen, zu diesem Experiment vor bereitenden Spezialbehandlung, die sein Geheimnis ist, ließ Papuß, ehe er in die Flasche stieg, Körper und Gliedmaßen mit Binden au« breiten Leinwand- und Flancllstreisen fest, bandagengleich einschnüren, um nach der Ansicht de» hungernden Wundermenschen dadurch eine Herabminderung der Blutzirkulation und de« Stoff wechsels zu erzielen und den Folgeerscheinungen regungslosen Liegens, und Stehen«, wie sic sich in Krämpfen äußern, wirksam und nachhaltig zu begegnen. Papu» steht unter strenger Kontrolle. Nicht nur, daß sein gläserne« Quartier mit Schnuren umzogen und mit Siegeln versehen ist, auch Wächterdienst ist Tag und Nacht vorhanden, um jede Täuschung unmöglich zu machen. — Heute abend ist Papuß, nachdem festgestellt worden war, daß an der Flasche alle« in Ordnung geblieben, seiner gläsernen Zelle entstiegen. Er hat die Probe glänzend bestanden. Sein Zustand ist matt, ober zufriedenstellend. — Chemnitz, 5. Dezember. Im Kühlhausc de« hiesigen Schlacht- und VichhozcS verlor heute nachmittag gegen 4 Uhr ein 20jährigcr Fleischergehilse beim Aushängen eine« ausgeschlachteten Schöpse», etwa 3 Meter hoch auf einer Leiter stehend, da« Gleichgewicht und stürzte so unglücklich gegen einen Fleichhaken der gegenüber befindlichen Wand, daß er unterhalb de» rechten Schulterblattes an dem Haken hängen blieb. Der Verunglückte wurde sogleich von seinem Meister, der zugegen war, au» der gefährlichen Lage befreit und sodann nach Anlegung eine» Notverbande» mittels Krankenwagens in« Stadtkrankenhau» überführt. — Reichenbach i. V., 3. Dezember. Ein Buben- streich gemeinster Art wurde gestern im Etablissement »Kaiser hof", wo das hiesige Stadttheater seine Vorstellungen gibt, kurz vor Beginn der Aufführung entdeckt. Als die Thcaterseuerwehr ihren Posten bezog und noch den Vorschriften erst eine Prüfung der Schlauchleitungen vornahm, stellte sich heraus, daß da« gesamte vorhandene Schlauchmatcrial an verschiedenen Stellen durch Schnitte mittels eine« scharfen Messer» total unbrauchbar gemacht worden war. Außerdem war eine» der Anschlußventile vom Schlauche abgeschnitten und mitgenommen worden. — Schneeberg, ö. Dezember. Bei der am Toten sonntag für die kirchliche Versorgung der evangelischen Deutschen im Auslande gesammelte» Kirchcnkollckte wurde in den einzelnen Parochien der Ephorie Schneeberg eingelegt wie folgt: In Schnee berg 47,ri, Griesbach 7,s», Albcrnau 21,si, Aue St. Nikolai 81,s», Aue-Klösterlein-Zclle 16,«o, Beierfeld 20,ci, Bernsbach 24,«>, Beutha 3,so, Bockau 29,«s, Breitenbrunn 7,s«, CarlSseld I5,°», Cranrors 6,<« Eibenstock 74,«», Grünhain I2,o°, Strafanstalt Grünhain 2,°«, Grünstädtel 16.?», Hartenstein 14,»o, HundShübel 1 l,s-, Johanngeorgenstadt 10,««, Lauter 20,««, Lößnitz 44,»«, Markers bach 12,««, Neustädtel 32,«°, Neuwelt 22,i«, Oberpfannenstlel 6,««, Oberschlema 20,«-,, Niederschlema 17,«?, Raschau 9,-3, RilterSgrün 16,««, Schönheide 52,««, Schwarzenberg 45,«°, Sosa 13,««, Stützen grün 51,»°, Thierfeld 5,«», Wildbach Langenbach l9,»>, Zschorlau 29,7». In Summa: 840 Mark 70 Pfg. — Lößnitz, 5. Dezbr. Schwere» Unglück kam am Sonn abend abend über die Familie de« Gutsbesitzer» Emil Harnisch in Alberoda. Die Muller hatte den 6jährigen Sohn Waller nach dem Milchhause geschickt, um von dorther einen Topf Milch zu holen. In der herrschenden Finstern!« konnte der Knabe nicht sehen, daß die Jauchengrube nicht vollständig zugedeckt war und er fiel hinein. Al« nach langem Warten die Ellern nach dem sortgeschickten Knaben suchten, sanden sie ihn endlich tot in der Jauchengrube. — Johanngeorgenstadt, 4. Dezember. Nachdem in den letzten fünf Jahren bei den Stadtverordneten wahlen stet« die Lifte de» sozialdemokratischen Verein» für volkstümliche Wahlen gesiegt hatte, siegten am 2. Dezember die im Bürgerverein vereinigten Ordnungsparteien mit ollen 6 Kandidaten, wcnngletch mit geringer Mehrheit. Von 608 Bürgern gaben 494 ihre Stimme ab. Die Mehrheit im Stadt- gemeindcrate belaßen in den letzten Jahren die Sozialiemokraten. — Bautzen, 5. Dezember. Da« bei Gelegenheit von Polterabendfeiern althergebrachte und namentlich von der Jugend gern geübte Scherbenwerfen nahm hier gestern abend in der Moritzstraße für einen der Beteiligten einen sehr schlimmen Ausgang. Einen, im 14. Lebentjahre stehenden Knaben, dem Sohne eine» Eisenbahnangestellten, sprang ein Scherbensplitler in da» eine Auge wobei dasselbe so schwer verletzt wurde, daß die Sehkraft für immer verloren sein dürste. — Zittau, 5. Dezember. Am Sonnabend, den 3. Dezember feierten hier da» Jubiläum ihrer diamantenen Hochzeit Herr Johann Karl August Klemt und Johanne Klemt geb. Wehner. Der Bräutigam ist 88 Jahre, die Braut 79 Jahre alt. Der Stadtrat übersandte mit einem schriftlichen Glückwunsch ein größere« Geldgeschenk. — Um drei Stimmen! Im Wahlkreise Schwerin- WiSmar hat der nationalliberaie Kandidat Büsing den Konser vativen Ur. Dade mit einer Mehrheit von drei Stimmen ge schlagen. Aehnlich lagen die Verhältnisse jüngst bei den Stadt- verordnelenwohlen in Crimmitschau, wo die Sozialdemokraten mit ganzen sechs Stimmen gegen die Ordnungsparteien gesiegt hatten. Diese Ergebnisse sinv außerordentlich lehrreich. Wie oft kann man von einem Wahlberechtigten die Meinung hören, aus seine Stimme komme e« nicht an. Hier ist der Beweis vor liegend, daß jede einzelne Stimme wertvoll und keine einzige un entbehrlich ist. In dieser Hinsicht sind die Worte, die Theodor Körner, bevor er in den Freiheitskrieg zog, an seinen Vaier schrieb, sehr beherzigenswert. Sie lauten: „Ich weiß wohl, daß ich den Ausschlag nicht geben würde; aber wenn jeder so denkt, dann muß das Ganze untergchen." Kin Hetreuer. »Meine Bayern greifen bei Tagesanbruch den Marktflecken BazeilleS an. Dadurch werden die um Sedan versammelten Franzosen solange festgehalten, bis e« dem anderen Korps der MaaSarmce und der dritten deutschen Armee möglich ist, sic von Osten und von Westen her zu umfassen und entweder nach Belgien zu drängen oder vielleicht sogar ganz zu umzingeln und zur völligen Uebergabc zu zwingen." So ähnlich lautete der Befehl de» Bayerngcneral» von der Tann in der Nacht vom 31. August zum 1. September 1870. Dann ging« lo». Wie Gespenster, lautlos, geheimnisvll, brachen Jäger und Infanteristen lange vor Sonnenaufgang aus ihren Biwaks auf; wie Gcistererschcinungen standen oben auf den Höhen von Rcmilly Artilleristen stumm bei den schußbereiten Geschützen; wie Heere de« wilden Jäger« hielten angriffslüsterne Kavallerieregimenter in den Tälern de« Argonncngcbirge« dicht südlich der Maa«. Ucbcr dem Allen wölbte sich zuerst noch ein klarer Sternen himmel. Bald aber stiegen au« den Talniederungen der Maa« und des ChiörS dichte Nebel auf. Da verschwand auch das geringe Licht, welche» die glitzernden Sterne verbreitet hatten; stockdunkel lag die Nacht über dem ganzen Gefilde um Sedan. Was dröhnt dort unten am Flusse so dumpf, so unheimlich? Da« sind die Schläge der Pioniere. Sic arbeiten mit strohum wundenen Werkzeugen. Darum vernahm man ihre angestrengte Tätigkeit nicht weithin. Nur wer ganz nahe an der Maas auf den nassen Wiesen stand, der hörte etwa» von dem mysteriösen Treiben. Der mußt aber: »Es sind Freunde. Unsere Pioniere schlagen dort Brücken. Ueber diese wollen wir hinüber, gegen die Franzosen, gegen den Feind." Niemand von den Vorposten der Armee Mac Mahon» merkte etwas von diesem Brückenschlag; niemand erkannte c«, daß im Nebel sich lange Infanteriekolonnen über die soeben vollendeten breiten Brücken schoben; niemand von den sorglosen Franzosen ahnte etwas von dem furchtbaren Wetter, das gleich darauf über sie losbrechen sollte. Die hellblauen Gespenster, voraus altbayrische Jäger mit grünen Krägcn, schoben sich langsam, vorsichtig in nordwestlicher Richtung vorwärts. Kein Laut wurde hörbar. Bald mußte man auf BazeilleS und damit auf den Gegner stoßen. Dann drohte auS allen Fenstern, hinter Mauern hervor, aus den Gärten und Parks den ungedeckt heranschleichenden Bayern tausendfacher Tod. Da» wußte jeder der Braven. Aber keiner blieb trotzcem zurück, keiner stockte nur im Anmarsch, obwohl die Offiziere im Nebel und in der Dunkelheit ihre Leute nicht übersehen konnten. So ties steckt eben in deutschen Soldaten die Liebe zu Fürst und Vaterland und die echte Pflichttreue, daß jeder auch in der gefährlichsten Lage seine Pflicht erfüllt, gleich gültig ob man ihn überwachen kann oder nicht. »Sind wir denn noch nicht bei BazeilleS?" Da« dachten sic nur, denn c» durste ja keine Silbe ge sprochen werden. Sßt! — Man stockt. Man halte Tritte ver nommen. Wa» war da«? Niemand weiß e«. Ein Winken von Mann zu Mann, und Alle« schleicht wieder vorwärt». Plötzlich schallt» laut und scharf durch den Nebel: „Hui vivo?" Kaum war dieser Ruf eine« französischen Posten erklungen, da krachte ein Heller Schlag durch die Dunkelheit, ein Blitz leuchtete einen Moment auf, dann warf ein braver Jäger die Arme in die Luft, und stumm ohne SchmerzcnSlaut — noch jetzt be folgte er den Befehl zu schweigen — brach er zusammen und sank tot in da« taubedccktc Gra». Gleich darauf folgten andere Schüsse; alle französischen Vorposten waren alarmiert; die Schlacht begann. Nun hatte e« keinen Zweck mehr zu schweigen; jetzt war man ja doch verraten. Da brauste e» los, hundert- und tausendfach: Hurrah, hurrah, hurrah," und wie eine durch den Föhn vom Berge gelöste Lawine stürzte e» drauf, von recht«, von link«, von allen Seiten. Im Nu drangen die Bayern in BazeilleS ein und stürmten in den verödeten Straßen vor. Mit einem Male fiel der Nebel. Hell und klar leuchtete die Sonne; deutlich erkannte man jede« Hau», jede Mauer, und da fing da» wilde Morden an. Die Franzosen hatten nämlich alle Gebäude dicht besetzt, die Türen und Eingänge aber verrammelt. Nun befanden sich die Bayern ungedeckt auf den Straßen, ihre Gegner aber in den sicheren Häusern und in der Kirche. Bald riß da» französische Feuer breite Lücken in die bayrischen Bataillone, und trotz aller Mühe gelang e» nicht, die vorsichtigen Feinde durch Schüsse au» ihren Hinterhalten zu vertreiben. »So geht'» nicht, Jäger! Wir müssen Hau» für Hau» mit stürmender Hand erobern. Mir nach auf jene» große Tor. Schlagt e» mit den Kolben ein, und dann draus mit dem Bajonett solange sich noch einer wehrt und nicht um Pardon bittet." Auf diese und ähnliche Weise wurden viele Gebäude erstürmt. Drinnen entstand ein schauriges Ringen, Mann gegen Mann, Brust an Brust, Auge in Auge. Da wurde zu Säbel und Messer gegriffen und wem die Waffen entfallen waren, der suchte mit Fäusten und Zähnen noch einen Gegner zu erwürgen oder zu zerfleischen. Durch die zahlreichen dabei doch abgegebenen Schüsse gerieten aber viele Häuser in Brand. Niemand wehrte der Flamme ihren Weg. Da griff sie in rasender Schnelle um sich. Die wütenden Kämpfer merkten die« erst ost zu spät. Al» sie gezwungen durch Hitze und Rauch von einander lo»ließen, hatte ihnen da» Feuer schon den Rückzug versperrt. Sie wollten sich in Hintere Zimmer retten. Auch von dort schlugen ihnen die Flammen entgegen. Plötzlich stürzte da« Dach ein. Ein Sprühregen von leuchtenden Funken zischte gegen den Himmel empor, dicker Qualm drang in die Höhe, und darunter war Alle« begraben, Freund und Feind. In der von Douzy her in Bazaille« einmündenden Straße drang der Fähnrich Wachter mit seinen Jägern vor. »Um die Ecke herum, dann entgehen wir dem Flankenfeuer von jenem Hofe." — Er rannte vorau»; die Jäger folgten; man erreichte die Ecke, und jetzt befand man sich — erst recht in größter Gefahr. Au« einem Schlößchen gegenüber krachte e» ununterbrochen herau«, obwohl da« obere Stockwerk de« Gebäude» schon in Hellen Flammen stand. Ein braver Jäger nach dem anderen sank in seinem Blute zur Erde. »Wir müssen da» Tor cinschlagen und da« untere Stock werk von den Franzosen säubern. Freiwillige mir nach! Hin über über die Straße! Hurrah hurrah." Alle folgten. Wie ein Wirbelwind sauste die kleine Jäger schaar auf da« Tor lo«. Zwei blieben unterwegs liegen. Sie waren gestürzt. Aber nicht über Steine. Nein, über da« in« deutsche Herz gedrungene welsche Blei. Die anderen kamen hinüber. Dort waren sie etwa- sicherer, weil die Franzosen au» Angst vor den bayrischen Geschossen nicht wagten, sich au» den Fenstern herau-zubeugcn. „Bravo, Riedel, da« giebt au»!" Der gewandte Bursche, ein Schmied au» dem bayrischen Hochgebirge, hatte einen großen Pflasterstein au»ge- rissen, und mit diesem schlug er auf da» Torschloß lo». Andere Jäger halfen mit dem Kolben. Jetzt gab der Verschluß nach, da« Tor öffnete sich, die Jäger stürmten hinein. — Eine Salve der französischen Marine-Infanteristen, welche hier kämpften, empfing sie. Fünf tapfere Jäger brachen zu sammen. Wachter aber blieb al» wie durch ein Wunder ver schont. So laut er konnte schrie er: „Drauf auf die Kerl», ehe sic wieder laden können." Da mit sprang er selbst vor und hieb mit seinem Säbel den ihm enigegentretenden Offizier so über die Faust, daß dieser so fort seine Waffe fallen ließ, den blutenden Stumps hoch hielt und um Pardon bat. Hinter dem Fähnrich nach stürmten seine Jäger drauf. Bald hatten die bayrischen Bajonette den letzten Widerstand gebrochen, neun Franzosen lagen erschlagen im Hof raum, der übrigen ergaben sich al» Gefangene. (Fortsetzung folgt.) Mitteilungen des Aöuigl. Standesamts Eibenstock vom 30. November bis mit 6. Dezember 1904. Aufgebote: u. hiesige: 75) Der Bäcker Anton Müller hier mit der Marie Frieda Nestmann hier. 7«) Der Friseur Paul Max Müller hier mit der Stickerin Anna Clara Edel hier. b. auswärtige: Vakat. Eheschließungen: Vakat. Geburtsfälle: 341) Ella Martha, T. des Maurers Adalbert Hög hier. 342) Hans Richard, S. des Maschinenstickers Ernst Gustav Lenk hier. 343) Gretchen Marianne, T. des StickmaschinenbesitzerS Carl Friedrich Leistner hier. 344) Ilse Marie, T. des Kaufmann- Karl Herman Müller hier. 34K) Doris, T. deS Buchbinders HanS Georg Staab hier. Sterbesälle: 190) Der Privatier Carl Edwin Siegel hier, 78 I. 6 M. 25 T. 191) Lisbeth Marianne, unehel. T. der AuSschneiderin Frieda Helene Penzel hier, 12 T. Mrchennachrichte» ans SL-n-eide. Freitag, den 9. Dezember 1904, abends '/^9 Uhr: AdventsgotteSdienst. Herr Pastor Wolf. »»LL-8VLÄ« Neueste Nachrichten. (Wolff'» Telegraphischer Bureau.) — Glauchau, 6. Dezember. Bei der heute staltgesundenen Slavtverordnetenwahl siegte, dem „Glauchauer Tage blatt" zufolge, die Liste der vereinigten Ordnung-Parteien. Die von der Sozialdemokratie ausgestellten Gegenkandidaten brachten eS nur aus ein Drittel der abgegebenen Stimmen. — Berlin, 7. Dezember. Vorau»sichtlich wird im Par lament am Donnerstag die Sitzung wegen de» katholischen Feiertage« ausfallen. Am Freitag oder Sonnabend erwartet man den Eingang der Handelsverträge mit Aus nahme desjenigen mit Oesterreich-Ungarn, sodaß unter dieser Vor aussetzung am Montag die Verhandlungen über die Handel»- verträgc im Reichstage beginnen können. — Stettin, 6. Dezember. In PruSdorf in Pommern wurde der entsprungene dreifache Raubmörder Schulz au« HermSdorf festgenommen. — Fraustadt, 6. Dezember. Da» Kriegsgericht der 9. Division in Glogau verurteilte den Major Zimmermann, der über die Schicßleistungen der 1. Kompanie de» 58. Infanterie regiment» in Fraustadt falsche Meldungen erstattet und Dienst gegenstände beseitigt hatte, zu 7 Monaten Gefängnis. Ein Mit angeklagter Unteroffizier wurde zu 8 Tagen Arrest verurteilt. Leutnant Dräger von derselben Kompanie erhielt wegen Miß handlung Untergebener 14 Tage Stubenarrest. — Luxemburg, 6. Dezember. Eine neugebildete Aktien gesellschaft beabsichtigt die Errichtung großer Spielsäle in Luxemburg wie sie in Monte Carlo bestehen. Die Angelegenheit wird den Gemeindcrat, sowie die Kammer de« Großherzogtum» in der nächsten Sitzung beschäftigen. — Petersburg, 6. Dezember. Die russische Regier ung kaufte für 60 Millionen Rubel Kriegsschiffe in Argen tinien und Chile. — Tokio, 6. Dezember. (Meldung de» „Reuterschen Bureau»".) Einem amtlichen Berichtau« dem Hauptquartier derBelagerung»armee vor Port Arthur zufolge scheinen die Japaner die Eroberung de» 203 Meter-Hügel» au-nützen zu wollen, indem sie dort Schiffsgeschütze ausstellen, deren Feuer es den russischen Schiffen unmöglich machen wird, sich länger unter dem Schutze de« Fort« Paiyuschan zu halten. Unter dem 3. d. M. wird au» dem Hauptquartier gemeldet: Unsere Schiff»gcschütze beschießen die feindlichen Schiffe. »Pobjeda" wurde 6 mal getroffen, ein Schiff von ter Klasse „Retwisan" 8 mal, 16 weitere Schüsse trafen andere Schiffe. Weiter wird vom 5. d. M. gemeldet: Unsere Schüsse trafen „Pobjeda" 7 mal, „Poltawa" und „Retwisan" je II mal. Heute nachmittag fielen japanische Schüsse in ein feindliche» Magazin südlich «on Paiyu schan, wodurch eine heftige Explosion hervorgerufen wurde. E« entstand ein Brand, welcher mehrere Stunden dauerte. Am selben Tage schossen wir au» großen Kanonen auf die feindlichen Schiffe und trafen „Persevich" 2 mal und zwei andere Schiffe der „Poltawa'-Klasse ebensall« 2 mal, welche eine Stunde lang heftig brannten. Die Bewegungen gegen da» Fort Sungschuschan und die östlich davon gelegenen Fort» wurden während der Nacht, sowie am folgenden Tage fortgesetzt. Am 4. Dezember wurden bei Erlungichan zwei 36 Millimeter-Geschütze genommen.
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