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Amts- und Anzeigeblatt für den Bezirk des Amtsgerichts Eibenstock und dessen Umgebung : 25.08.1904
- Erscheinungsdatum
- 1904-08-25
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id426614763-190408259
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id426614763-19040825
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-426614763-19040825
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Amts- und Anzeigeblatt für den Bezirk des Amtsgerichts ...
-
Jahr
1904
-
Monat
1904-08
- Tag 1904-08-25
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Monat
1904-08
-
Jahr
1904
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aus die japanischen Seeleute, sondern auch mit Bezug auf die Landarmee darauf hinzuweisen, daß, wie e« scheint, in Europa eine völlige Unterschätzung oder Unkenntnis dieser körperlichen Leistungsfähigkeit Platz gegriffen hat. Eine Fachautorität, Pros, v. Baelz in Japan, hat bereit« im Jahre 1886 zwei leider zu wenig beachtete Monographien über den Körperbau und die körper liche Leistungsfähigkeit der Japaner veröffentlicht, in denen er diese Leistungsfähigkeit aus Grund seiner Erfahrungen und an der Hand von Beispielen ganz außerordentlich hoch und vor allen Dingen weit über den Durchschnitt der Leistungsfähigkeit der arischen Rassen stellt. Wer Japan besucht hat, wird sich daran erinnern, daß in den Hafenstädten die Ladekuli» mit dem Pikul Reis, d. h. einem Gewicht von 140 Pfb., so hantieren, wie bei un« die Maurer mit Ziegelsteinen; d. h. sie werfen sich die Pikul» auf eine Entfernung von 2 bi» 3 Fuß zu und halten diese Tätigkeit durchschnittlich 8 bi» 10 Stunden im Tage au». In Stein- und Erzbrüchen in den japanischen Ge birgen schleppen die Kuli» Lasten im Gewichte von drei Zentnern und mehr bergauf und bergab in einem fabelhaften Tempo. Die Abhärtung gegen klimatische Einflüsse ergibt sich von selbst au» der Lage Japan«, seinen meteorologischen Verhältnissen und der Hauptbeschäftigung seiner Bewohner, dem Reisbau. Der geistige Werl der japanischen Truppen zu Lande und zur See ist im gegenwärtigen Feldzug auch Europa bekannt geworden. Wissen hätte man können, daß die japanische Durchschnittsbildung sehr groß ist, und daß al« Grundlage der Erziehung die Vaterlands liebe einen Fond» bildet, der durch keine Mühen und Gefahren erschöpft wird. Die patriotische Opserwilligkeit der Gesamt bevölkerung steht außer Zweifel, und selbst, wenn diese sich er schöpfen sollte, so sind die natürlichen Hilfsquellen Japan« groß genug, um ihm Kredit zu verschaffen, umsomehr, al» unter allen Umständen, wie die» auch durch Berichte au» Japan selbst fort während bestätigt wird, nach dem Feldzuge ein bedeutende» Empor schnellen der Industrie und de» Verkehr» mit Sicherheit er wartet wird. (DreSdn. Journ.) Tagesgeschichte. — Deutschland. Der Kaiser traf am Sonntag früh 8 Uhr von Schloß WilhelmShöhe in Mainz ein. Zum Empfang hatten sich eingefunden: der Großherzog von Hessen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen sowie der Kronprinz von Griechenland. Auf dem Großen Sand fand zunächst ein Exer zieren de» Dragonerregiment» Nr. 24 statt, daran schloß sich ein Feuergefecht, bei welchem die 42. Jnfantericbrigadc vereinigt mit Kavallerie und Artillerie, einen Angriff auf einen Feind machte, der durch da» 88. Infanterie-Regiment mit Kavallerie und Ar tillerie dargestellt wurde. Nach dem Feuergefecht hielt der Kaiser Kritik ab, worauf eine Parade stattfand. — Berlin, 22. August. General v. Trotha meldet: Der Feind ist mit starken Teilen aus dem Rückmarsch über Linie Omeihci—Okahitua—Okosongo (am Omuramba-u-Omatako) nach Südosten auf Otjekongo-Otjomaso. Estorfs folgt von Ombuja- Ratanga, Mühlenfel«, der am 10. Vleh Erindi-Endcka nördlich Okosongoho nahm, über Orutiwa. Deimling' geht in zwei Ko lonnen über Otjire und Otjikururume auf Owikokorero, um dem Feind den Weg nach Westen zu verlegen. Hauptmann Heyde- breck verhindert mit der 5. Kompagnie de« 2. Regiment» ein Aus weichen de» Gegners aus Epukiro. Winkler brachte bei Olje- kongo feindlichen Banden Verluste bei und erbeutete zahlreiche« Vieh, er deckt den Etappenort Otjosondu. Nach Gefangenen aussage sind am 1l. die Großleute Banjo und Mutate gefallen. Beim Gefecht von Mühlenfel« am 19. hatten die Herero erheb liche Verluste. Da» Hauptquartier war am 21. August in Otjire. — Berlin, 23. August. Der .Berliner Lokalanzeiger" berichtet au« Okawimimbika: Hauptmann Franke nahm am 20. August einige Herero» gefangen, die auSsagtcn, bei Hamakari hätten Mamboleute gegen die Deutschen gefochten. Die Häupt linge Mutate und Banjo seien gefallen. Ein Teil der Herero«, auch Samuel, sei südöstlich nach Otjikongo gegangen. Major von Mühlenfel« nahm am 19. August die Wasserstelle Erindi- Endela mit vielem Vieh nach kurzem Kampfe ein. Die Gesecht«- krast de« Feinde« scheint gebrochen zu sein. Da« Detachement Winkler stieß vor einigen Tagen nördlich von Otjosondu auf einen sehr überlegenen Hererohaufen und brachte ihm zahlreiche Verluste bei. Alle Abteilungen folgen dem Feinde zur Umfassung der Flanke. Da« Hauptquartier geht zunächst nach Owikokorero. — Rußland. Die Gerüchte, nach denen der Mörder Plehwe« Sasonow gestorben sei, werden au« amtlicher Quelle für unrichtig erklärt, Sasonow sei nicht gestorben, sondern befinde sich in voller Genesung. — Vom russisch-japanischen Krieg. Auf dem Kriegsschauplatz hält die Spannung an. Die Japaner bestürmen Port Arthur, ohne e« zu Falle zu bringen. Der Kampf der Wladiwostok Kreuzer mit dem Geschwader Kamimura«, bei dem die Japaner 170 Geschütze gegen 70 russische hatten, muß nach einer Schilderung der .Nowoje Wrcmja" al» der hartnäckigste und blutigste von allen Seeschlachten seit Bestehen der Panzer flotten überhaupt bezeichnet werden. Petersburg, 22. August. Ein Telegramm de« General leutnant» Ljapunow an den Kaiser von gestern, da« um I Uhr 10 Minuten nacht» abgesandt worden ist, lautet: Soeben meldet der Truppenchef von Korssakow (Hafen auf Sachalin) tele graphisch, daß der Feind heute seit 7 Uhr früh Korssakow bom bardiert. Bi- jetzt sind einige Häuser beschädigt worden. — Ein zweite«, um 4 Uhr 3 Min. früh abgesandie» Telegramm de« Generalleutnant« Ljapunow von gestern besagt: Wie der Chef der Truppen in Korssakow in Ergänzung seiner eisten Meldung telegraphiert, wurde ein feindliche« Schiff in Korssakow am Ho rizont gesichtet. Gegen 6 Uhr morgen» näherte e» sich bi» auf ungefähr 7 Werst der Küste und bombardierte Korssakow. E» fuhr fort, bi» 8'/, Uhr morgens zu feuern, ging daraus langsam in See und wurde nicht mehr gesehen. Die durch die feindlichen Geschosse in der Stadt angerichteten Beschädigungen sind unbe deutend. Niemand ist gelötet oder verwundet worden. Pari«, 23. August. »Echo de Pari»" meldet au» Petersburg: Admiral Alexejew berichtet in seinem Rapport an den Zaren, daß sich die Verluste in dem Seegefecht vom 10. d. M. aus 5 Offiziere und 350 Mann tot und 20 Offiziere und 300 Mann verwunde« belaufen. Wie darselbe Blatt Weiler berichtet, ist der in den Hafen von Saigon eingelauscne russische Kreuzer .Diana" stark beschädigt. Pari«, 23. August. Wie au» Petersburg gemeldet wird, «ersuchten in der Nach« zum Sonntag japanische Torpedo boote in den Jnnenhafen von Port Arthur einzudringen, doch wurden sie durch heftige« Feuer von den Batterien der Landbesesligungen daran verhindert. General Stössel befahl in dessen den noch anwesenden ruisistben Krieg«>ck>iffen, in Anbetracht der dringenden Gefahr den Hafen zu verlassen. Man erwartet daher in Peter«burg baldigst die Nachricht von einem neuen großen Seekampf vor Port Arthur. Locale und sächsische Nachrichten. — Eibenstock, 24. August. Die Vorstellungen de» Zirkus Rohal erfreuen sich fortgesetzt der Gunst de» Pub likum«, welche sie auch mit Recht verdienen, denn die Leistungen sind wirklich großartige und können sich den Darbietungen groß städtischer Unternehmen getrost zur Seite stellen. Wir glauben un« einer weiteren Empfehlung enthalten zu können, da wir nur schon Gesagte» wiederholen müßten. Die heutige Nachmittag«- sowie die beiden letzten Abendvorstellungen dürften sicher wieder ein »volle« Hau»" bringen. — Schönheide. Am Montag nachmittag gegen b Uhr ertönte Feuersignal. An der Hauptstraße stand ein dem Schmicdemeister Mchlhorn gehörige» Wohnhaus in Flammen. Dasselbe halte früher dem Nähfaktor und Fuhrwerksbesitzer E. Lenk gehört. Der jetzige Besitzer hatte La» Gebäude stattlich Her richten lassen und ca. 2000 Mk. verbaut, wohnte aber selbst nicht in demselben. Leider find 2 Mieter, der Putzermeister Robert Unger und der Gießer L. Morgner, ersterer im .Roten Hof", letzterer aus dem SchadlichSberg erst kürzlich abgebrannt. Die beiden andern Kalamitosen sind der Schwiegersohn Morgner«, der Bürsten- sabrikarbeiter Seidel und der Invalid F. Kunzmann. Die Habe der vom Unglück heimgcsuchten wurde den Flammen entrissen. Der Besitzer ist schwer geschädigt. Da» Feuer war unter dem Dache auf bi» jetzt unerklärliche Weise entstanden. — Dresden, 20. August. Da» amtliche .Dresdner Journal" schreibt: In der »Neuen Vogtländischen Zeitung" und hieran anschließend in verschiedenen anderen Zeitungen ist die Nachricht verbreitet worden, daß die Eltern eine», in dem Ge fecht am Waterberg gefallenen, vormalig sächsischen Offizier», die Mitteilung vom Tode ihre« Sohne» bi» zum Abend de« 17. August nicht auf offiziellem Wege, sondern lediglich durch die Presse erhalten haben. Wir sind nun ermächtigt zu erklären, daß nach angestell ten Erörterungen die Nachricht von dem Tode de« Leutnant Lep- low sofort nach dem Eingang au» Berlin Len Ellern durch da» 133. Infanterie-Regiment am 16. d. M. nachmittag» telegraphisch übermittelt worden ist. — Dresden, 22. August. Den tiefsten Wasserstand seit 1811 zeigt jetzt der Pegel an der AugustuSbrücke zu Dresden: 230 Zentimeter unter Null. Da» größte Hochwasser im September 1890 stieg fast 7 Meter über da« jetzige Niveau, bi» 4 Meter 40 Zentimeter über Null. Welch ein Unterschied gegen da damalige Bild. Damals wälzte sich die ungeheuere Flut in voller Breite durch alle 1b Bogen der AugustuSbrücke, jetzt schlüpft sic durch zwei Bogen und läßt da» Steingeröll al» weile Inseln und Landzungen hervortreten. In Vorstadt Cotta, stromabwärts vom Zentralpunkt de« Verkehr», sind schon seit Wochen die gefürchteten .Hungerstcine" hervorgetreten, flache Fel»platten inmitten der Stcinwüste am breiten Ufer. Die Schisfahrt ruht seit Anfang August. Die schmucken Dampfer der „Sächsisch-Böhmischen" liegen in ganzen Geschwadern am Tcrassenufcr vor Anker. Sonst ein Stürmen und Drängen von Menschen, die auf bequemer Luftfahrt Kühlung aus dem Wasser suchten oder geschäftliche Fahrten unternahmen. Jetzt ist aller Verkehr erstorben. Die Fahrzeuge liegen abgetakelt, untätig im Sonnenbrand und man stützt den Riesenleib mit langen Stangen, damit der Rumpf nicht auf dem Steingeröll umkippt, denn da» dürftige Restlein Wasser steht hier nur 40 Zentimeter hoch und 50 bi« 54 sind nötig, um da« Schiff schwimmend zu tragen. Recht übel sind die Bäder dran. In den günstig gelegenen reicht da« feuchte Element selbst Kindern kaum bi» zur Brust. Andere liegen schon lange außer Betrieb aus dem Steingeröll. An einzelnen Stellen, die nur der Schiffer kenn«, hat freilich der Strudel Löcher gegraben, die auch jetzt noch 2 Meter tief sind. Ja, an der AugustuSbrücke unter halb de« zweiten Pfeiler« von Altstadt ist sogar ein Strudel von etwa 7 Meter. — Königstein, 19. August. Am I. Oktober hört die bisherige Festung Königstein auf, GarnisonSorl zu sein. Den militärischen Dienst wird alsdann nur noch ein Wachlkommando in Stärke von 60 Mann versehen, da« abwechselnd von den In fanterie-Garnisonen Kamenz, Bautzen oder Zittau gestellt wird. Da« auf der Festung befindliche neue Unterosfiziergebäude und die Räume de« FestungSlazarelt« will man, dem Vernehmen nach, in ein Erholungsheim sür Militär« umwandeln. — Aue, 20. August. Ein rechter Tunichtgut ist der elf Jahre alte Schulknabc H. au« Dreihannßen, der sich dieser Tage in auffälliger Weise in hiesiger Stadt umherlrieb und Obst und Leckereien und dergl. kaufte. Bei seiner Festnahme wurden bei ihm zwei Geldbörsen mit nicht unbeträchtlichem Inhalte ge funden. Die eine Börse wollte er in Aue gefunden haben, die andere aber hatte er bei einem Lößnitzer GeschäslSmanne gestohlen. Aus Vorhalt hat er noch zugegeben, vor einiger Zeit einem Löß nitzer Kaufmanne gegen 11 M. entwendet zu haben. — Aue, 22. August. Eine Roheit sondergleichen beging in der Nacht zum 20. d«. Ml», ein hier in Arbeit stehender Stanzer au« Eslarn in Bayern, der auf dem Tanzsaale »Zum Bürger garten" hier, woselbst ein Tanzvergnügen de« Arbeiterpersonal« der Blechichmidt'schen Wäschcfabrik statlfand, seine daran Teil nehmende Geliebte, die Plätterin G. von hier, au» Aerger darüber, daß sie einmal mit einem Anderen getanzt hatte, mit seinem Spazierstock dreimal mit solcher Wucht an den Kopf schlug, daß da» Mädchen laut schreiend zusammcnbrach und bewußtlos vom Saale und nach Hause getragen werden mußte. Später ordnete der hinzugezogene Arzt ihre Uebersührung in» Krankenhau« an, da sie eine schwere Gehirnerschütterung davongetragen hat, deren Folgen noch garnichl abzusehen sind. Der Täter wurde in Hast genommen. Da« verletzte Mädchen hatte auch am folgenden Tage da» Bewußtsein noch nicht wieder erlangt. — Bockau, 22. August. Geldmännel haben vor einigen Tagen in unserem Orte wieder einmal versucht, ein Opfer in ihre plumpe Falle zu locken. Ein hiesiger Handelsmann wurde am vergangenen Dienstag von einem etwa 30 Jahre alten Un bekannten auf offener Straße in unserem Ort angesprochen uns ihm erzählt, wie man leicht und schnell zu Reichtum gelangen könne. Für 3 echte Hundertmarkscheine soll er sür tausend Mark ganz täuschend nachgemachte Kassenscheine erhalten, die selbst in jedem Bankgeschäft in Zahlung genommen würden. Scheinbar ging der Handelsmann auf ein so »einträgliche» Geschäft" ein und wurde derselbe zum Zwecke der Aushändigung der versprochenen Tausend Mark am vergangenen Sonntage gegen Abend nach JägerSgrün bestellt, woselbst die Auszahlung erfolgen sollte. Al der Handelsmann zur vereinbarten Zeit in JägerSgrün eintras, wurde er in eineni Gasthose bereit» von dem neugewonnenen .Freunde" sehnlichst erwartet. Doch auch die Gendarmerie hatte von der Sache Wind bekommen und zwei Gendarmc waren al- angebliche Touristen au» der schönen Pleißesladt ebenfalls auf der Bildfläche erschienen. Mit Eintritt der Dunkelheit wurde dem Handel«manne von seinem Geschäft»freund durch Winke zu verstehen gegeben, daß er sich mit hinaus in» Freie verfügen möge, um dort La« Geld von einer dritten Person in Empfang zu nehmen. Auf der Dorsstraße waren die Verhandlungen baldigst soweit gediehen, sodaß e« sich nur noch um di« Bezahlung der drei echten Blauflügel handelte und schon wähnten sich die beiden Schwindler im Besitze derselben. Doch e» sollte ander» kommen. Die beiden Touristen waren dem Kleeblatte gefolgt und in dem Augenblicke, al» die Gauner glaubten, ihr Opfer eben rupfen zu können, wurde einer derselben festgchalten, während e» leider dem andern, dem die Sache doch etwa« brenzlich geworden sein mochte, gelang, eiligst die Flucht nach dem nahen Walde zu ergreifen und in der Dunkelheit zu verschwinden. Nach dem Gemeindeamte abgcführt, entpuppte sich der Festgenommene al» der Metall arbeiter und Instrumentenmacher Fr. au» Brunndöbra. In seinem Besitze fand sich ein echter Hundertmarkschein, der zweifel»ohne schon wiederholt, wie auch hier, al» Lockmittel gedient hat, während unser Handelsmann nunmehr glücklicher Besitzer von 1000 Mk. in Reichsbanknoten, wenn auch sehr zweifelhafter Natur, war, denn bei näherer Besichtigung der Kaffenscheine stellte e« sich natürlich wieder heraus, daß diese nur .Blüten" waren und die ganze Geschichte auf plumpem Schwindel beruhte. Zu seinem Glück war unser Handelsmann vorsichtig genug gewesen, seine guten Blauflügcl nicht au« der Hand zu geben, sodaß er vor Schaden bewahrt blieb. Der festgcnommene Schwindler wurde dem Kgl. Amtsgerichte in Auerbach übergeben. Wie wir weiter hören, soll man auch dem entflohenen Gauner bereit« aus der Spur sein. — Der »Einzclkelch" wird auch da« sächsische Lande«- Mcdizinal-Kollegium beschäftigen. Der ärztliche Bezirkrverein Frei berg hat an diese Körperschaft den Antrag gestellt, da» evangelische LanbeSkonsiftorium zu ersuchen, die Einführung de« Einzelkelchc« bei der Abendmahlrfeier au» hygienischen und ästhetischen Gründen zu verfügen. Uebertragungen von Krankheiten seien jetzt sehr leicht möglich. Der ärztliche Kreisverein für die Kreishauptmannschaft Dresden hat dem Anträge zugestimmt. Der ZSörsenkönig. Roman von Karl Ed. Klopfer. (IS. Fortsetzung.) Schlosserlude griff nochmal» in den aufgebrochcnen Tresor, um sich zu überzeugen, daß er wirklich leer war, und nachdem John noch darselbe getan, schickten sie sich an, den Rückzug anzutreten. Die Einbrecher begaben sich aus demselben Weg, den sie ge kommen waren, wieder in den Keller hinab. Dort war ihnen bi» zum Anbruch der tiefen Nacht eine allerdings nicht freiwillig gewählte Rast beschicken, denn eher durften sie sich nicht in den Hof wagen. Ueberhaupt war da» Nachspiel ihrer ,Geschäst«tätigkcit" in diesem Hause: da« Ausharren bi« zum Morgen, wo sie all dem geöffneten Tor schlüpfen konnten, mit mehr Gefahr verbunden, al« da« vollbrachte »Tagewerk" im Banklokal selbst. Snoward begrüßte c« hinterher al» eine glückliche Eingebung, daß er am Montag früh schon bei der Eröffnung der Bureau anwesend war und noch vor seinem getreuen Diener sein Kabinett betrat. Er wollte eben keinen Augenblick zögern, die Geschäfte zu erledigen, die er am SamStag wegen seiner Verlobung ver säumt hatte. Er hatte kaum die Schwelle überschritten, als ihm schon die Unordnung unter den Möbeln auffiel. Beim Gang zum Schreibtisch stolperte er über die Ausschnitte der Kassen wände, die aus dem Boden lagen. Er rief nach Licht, ungehalten, daß der Diener ihm überhaupt nicht sogleich mit einem solchen gefolgt war. »Entschuldigen Sie, Herr . . ." stotterte dieser, »aber da habe ich draußen eben gesehen — ich weiß nicht, wa« da« be deuten soll — am Ende einen Einbruch — die Mauer unter der Wendeltreppe ist ausgebrochen — und wahrhaftig! Sehen Sie daher!" Er leuchtete mit der Lampe zur eisernen Kasse, die mit ihrer klaffenden Bresche an der Seite keinen Zweifel darüber zulicß, wa« geschehen war. »Ein Einbruch, wirklich!" rief der Amerikaner rasch hinzu- tretenv, während Gärtner die Lampe auf den Schreibtisch setzte und zum Fenster eilte, um die Jalousien aufzuziehcn. Snoward Holle seine Schlüffe! au« der Tasche, schloß die Kassentür auf, dann den Tresor und überzeugte sich mit einem Blick davon, wa« fehlte: die beiden Geldjchüsseln — ja, dort lagen sie leer auf dem Teppich! Dann da« Portefeuille und die kleine Eiscnkassettc. Sein ledergelbc« Gesicht wurde mit einem Mal aschfahl. Mil einer Behendigkeit, die man ihm sonst nicht zugelraut hätte, wandte er sich den Gegenständen zu, jdie am Boden zerstreut lagen, durchwühlte den Haufen Papiere und murmelte einen grimmigen Fluch zwischen den Zähnen, al« er nicht sand wa« er suchte. »Da« Kästchen — der Gauner hat'» mitgenommen!" ent schlüpfte e« ihm halblaut. Gärtner kam vom Fenster zurück, noch immer fassungslos über da» schreckliche Ereigni». »Ich hole die Polizei! Man muß sofort nachforschcn". »Lassen Sie dar bleiben!" unterbrach ihn Snoward scharf, sich gebieterisch ausrichtend; er halte die kalte Ruhe schon wieder gewonnen. »Aber da» ist ja . . . hat man denn nicht» gestohlen und geraubt?" »Ein paar Hundert Mark; Kleinigkeit! Wa« liegt daran!" Gärtner schlug sich an die Stirn. »Ha! Ich habe einen Verdacht. Erinnern Sie sich noch jene« Bettler«, ich glaube, e» war ein Neger, der sich bei Ihnen al» Kapitän Murle oder so ähnlich melden ließ?" »Was ist mit dem?" »Ich habe den Kerl in der letzten Zeit öfter um» Hau streichen sehen, einmal habe ich ihn sogar im Hofe getroffen, al« ob er sich vor mir verbergen wollte. Ich will mich hängen lassen, wenn der Strolch da nicht die Hand im Spiele hat!" »Hm! Da» könnte wohl sein", sagte Snoward nachdenklich, wobei sich seine Miene ein wenig aufhciterte. »Nun also: da hätten wir ja gleich eine Spur. Da könnte e» der Behörde doch nicht schwer fallen . . ." »Nein, sage ich, ich will keine Anzeige, und Sie werden die Güte haben, überhaupt durchaus reinen Mund über die ganze Angelegenheit zu hallen, selbst meinem Personal gegenüber! Ich mag nicht, daß über die Sache etwa» bekannt wird. E» ist für ein Geschäft nicht dienlich, wenn sich dergleichen herumspricht. Wir stellen dann einstweilen den Ofenschirm vor die elngebrochene Kaffenwand, bi« ich mir einen neuen Geldschrank verschafft habe". Snoward ging an die Tür, die nach den anstoßenden Kontor« führte, und schob den Riegel vor. »Machen Sie rasch und schließen Sie vorerst noch die Korridortür draußen! Ich bin vorläufig sür niemand zu sprechen. Dann können Sie sich nach einem Maurer Umsehen, aber keinen au« der Nachbarschaft, und erfinden Sie eine paffende Ausrede für den Auftrag, die durchbrochene Wand wieder herzuftellen! E« darf nicht« ruchbar werden. — Wenn Sie alle» dergestalt besorgt haben, daß mein Bankhau« vor übler Nachrede bewahrt bleibt, können Sie aus eine entsprechende Belohnung rechnen." Gärtner gehorchte mit stummer Eile. Er sah wohl «in.
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