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Lande selbst erzeugt. Die holländische Pro duktion deckt den Bedarf in ordinärer und mittlerer Ware fast vollständig, bessere Ware, namentlich Tischwäsche, kommt, jedoch nur für den Konsum in den Niederlanden selbst, vorwiegend aus Deutschland. Einiges liefert Osterreich-Ungarn. Damaste bilden keinen bedeutenden Ar tikel, werden teilweise auch im Lande selbst erzeugt und auch aus Deutschland bezogen. Leinenstoffe für Damenkleider und Blusen etc. werden im ordinären und mittleren Genre hier selbst fabriziert, während bessere Ware aus dem Auslande, Belgien, Deutschland, Eng land und der öst.-ung. Monarchie bezogen wird. Batiste im Stück geben trotz der aufstre benden holländischen Industrie noch immer einen sehr guten Importartikel ab, sowohl für Holland selbst, als auch für dessen ostindische Kolonien. England und die Schweiz bestreiten fast den größten Teil des Bedarfes. Leinengaze, Linons (Rohleinen) und andere j undichte Webwaren fabriziert die holländische | Industrie nicht. Man bezieht diese Ware aus Deutschland, England, Belgien und Osterreich- Ungarn. Dieselbe findet nach den Kolonien guten Absatz. Leinenspitzen und Kanten werden in nicht unbelangreichen Quantitäten vorwiegend aus der Schweiz, dann auch aus dem Erzgebirge eingeführt. Leinenband und Posamentierwaren kommen für den hiesigen Bedarf in großen Mengen aus Deutschland, sie bilden für die Kolonien aber keinen belangreichen Artikel. Leinenknopfwaren liefert Sachsen und Böhmen. ^Schafw oll waren. Wollene Kotzen werden im Lande selbst billiger erzeugt und stark exportiert, ebenso fabriziert die hollän dische Industrie Preßtücher für Zuckerfabriken etc. Von letzterem führt auch wohl Belgien noch etwas ein. Fußteppiche werden in den zahlreichen Teppichfabriken hier selbst konkurrenzlos er zeugt und in einigen bestimmten Sorten auch nach den Kolonien und dem Orient verschifft. Wollene Tuche werden teilweise im Lande selbst erzeugt; Kammgarne, Strichgarne, ganz- oder halbwollen, stammen vorwiegend aus dem Auslande, England, Deutschland und Oster reich-Ungarn. Bandwaren, Lama- und Alpakabänder, werden namentlich für den Export nach den Kolonien aus Deutschland bezogen und sind sehr gefragt. Fez liefert seit jeher die öst.-ung. Monarchie, dann auch Italien, in letzter Zeit wurden Fabriken in Belgien errichtet. Wirkwaren werden im Lande selbst in aus reichendem Maße erzeugt, sie kommen aber noch aus Deutschland und Belgien. Deutsch land liefert viel Jägerwäsche. Früher wurden Wirkwaren stark aus Österreich-Ungarn hier her gebracht. Bedruckte wollene Web waren, namentlich Kaschmirs, bilden sowohl für den Inlandbe- darf als auch für die Kolonien einen sehr gangbaren Artikel, der aus Österreich-Ungarn und Deutschland viel importiert wird. Für den Export nach Übersee arbeitet besonders stark Bayern. Seidenwaren. Nähseide, weiß gefärbt, Seidenzwirne, werden aus der Schweiz und Deutschland stark eingeführt, gestickte Seiden waren, Brokate kommen vorwiegend aus Frankreich, sind aber auch für Übersee ge sucht. Tülle, Gaze, Spitzen liefern Frankreich und Deutschland, dann die Schweiz, ebenso verschiedene Schnüre und Besatzartikel. Seidensamte, Plüsche kamen im Berichts jahre in bedeutenden Quantitäten aus Lyon und Krefeld. Auch als Möbelbekleidung finden diese Waren fast ständig guten Absatz. Bandwaren kommen vorwiegend aus Deutschland sowie aus Lyon und Zürich. Der Umsatz ist sowohl für Holland selbst als auch für dessen Kolonien groß. Konfektio ns waren. Künstliche Blumen werden hier erzeugt. Vieles kommt indessen aus Deutschland, Frankreich und aus Österreich-Ungarn. Strauß- und Schmuck federn kommen namentlich in allerfeinster Qualität aus Frankreich, dann aus Deutsch land und der öst.-ung. Monarchie. Hüte. Der Bedarf an Herrenhüten wird fast nur durch Import gedeckt. Es gehen hier vorwiegend Hüte englischer und amerika nischer Fasson. Hauptsächliche Lieferanten sind Deutschland und auch England. In letzter Zeit beginnt jedoch auch die ameri kanische Industrie hier festen Fuß zu fassen. Hüte der bekannten Marken aus Österreich- Ungarn sind hier vom feineren Publikum sehr geschätzt. Italien liefert in Konkurrenz mit Deutschland ganz billige Filzhüte für Übersee. Damenhüte liefert in ordinärem und mitt lerem Genre Deutschland und England, feinere Ware kommt aus Frankreich, Deutschland und zum Teile auch aus der österreichisch ungarischen Monarchie. Herrenkleider. In den letzten Jahren hat sich die holländische Herrenkleiderindustrie sehr entwickelt; es hat daher der seinerzeit bestandene rege Import von fertigen Kleidern ganz nachgelassen. Holland exportiert sogar seine Erzeugnisse und erfreut sich dessen Fabrikat guten Rufes in Deutschland und in den ostindischen Kolonien. Damenkleider u nd Röcke. Hier scheint die holländische Fabrikation doch noch nicht jene Stufe der Vollkommenheit erreicht zu haben, welche heute durch die elegante Dame an dieselbe gestellt zu werden pflegt. Es be stehen zwar auch in Holland unstreitig große Ateliers, welche die elegantesten Roben er zeugen, doch sind deren Preise derartige, daß sich nur wenige Damen den Luxus gestatten können, hier nach Bestellung arbeiten zu lassen. Fast der ganze Konsum wird aus Deutsch land bestritten, doch liefert auch Frankreich ziemlich viel des elegantesten Genres. Wäsche. Neben -dem deutschen erfreut sich in Herrenwäsche das Erzeugnis öster reichischer Fabrikanten eines recht guten Rufes, welcher leider mitunter durch einzelne nicht leistungsfähige kleine Firmen, die sich zum Exporte herandrängen, geschädigt wird. Seit zwei Jahren hat Holland auch eine nati onale Wäschefabrik, welche vorwiegend mitt lere Genres erzeugt und nicht ohne Erfolg arbeitet. Dieselbe bezieht bedeutende Quanti täten österreichischer Zephire. Damenwäsche. Trotz des großen Be darfes, der hier herrscht, wird wohl sehr wenig aus Österreich-Ungarn bezogen. Vorwiegend gehen hier billigere und mittlere Waren fran zösischen Modelles. Einiges liefert Deutsch land und Belgien. Feinste Wäsche für Aus stattungen liefert fast ausschließlich Frank reich. Auch bestehen in Holland verschiedene deutsche Etablissements, die für den allge meinen Bedarf Damenwäsche erzeugen. Krawatten werden in letzter Zeit in ge ringen Quantitäten auch hier erzeugt. Der Hauptbedarf wird jetzt aus Deutschland ge deckt. Die öst.-ung. Industrie hatte hier früher so schöne Erfolge zu verzeichnen gehabt, sie hat sich aber sukzessive durch die deutsche Konkurrenz nahezu ganz verdrängen lassen. Handschuhe- Gewirkte und gewebt.e Ware kommt vorwiegend aus Sachsen. An Handschuhen feinsten Genres bestreitet Frank reich fast ausschließlich den Markt. Die Baseler Bandfabrikation. Der Jahresbericht der Handelskammer in Basel pro 1906 enthält folgende Mitteilungen über die Bandfabrikation des Baseler Kammer bezirks: Das Jahr 1906 gleicht in manchem Punkt seinem Vorgänger, nur bewegte sich die Kon junktur für die Bandindustrie gerade in um gekehrter Richtung: 1905 brachte guten An fang, doch schlechten Fortgang und Schluß, 1906 traurigen Anfang, aber ermutigenden Ausblick am Ende. Beschäftigung hat auch das vergangene Jahr fast ständig in genügendem Maße ge bracht, aber die Preise waren schlecht, ja zum Teil verlustbringend. Die Industrie de- kredierte allerdings im Februar nicht ohne Erfolg einen generellen Aufschlag von 5 Proz.; dessen Wirkung wurde aber durch die Hausse der Rohseide bald illusorisch gemacht, und in den Sommermonaten verfiel wieder alles in Lethargie. Auch die ersten Herbstwochen, die mit außergewöhnlich lebhaftem Geschäft fürs Frühjahr überraschten, vermochten abso lut keine Steigerung der Preise zu bringen, sodaß’sich die Fabrikation im August und | September mit noch sehr billigen Orders weit hinaus beschäftigen ließ. Es machte sich ge rade auch auf dem englischen Markt die deutsche Konkurrenz stark fühlbar und Deutschland verkaufte dort breiteTaffetbänder, einen sehr begehrten Artikel, zu wahren Schleuderpreisen, allerdings zum Teil auch auf Kosten der Qualität. Erst später, als es sich immer deutlicher zeigte, daß die Mode Bänder begünstige, und die Rohseidenpreise wesentlich stiegen, fingen auch die Baseler Verkaufspreise an, mehr mit der Konjunktur Schritt zu halten. Ende 1906 war die Industrie mit Aufträgen ordent lich versehen, und es ist zu hoffen, daß die notgedrungen stark veränderte Preislage die Mode nicht wieder vom Bandartikel abgehen lasse. An neuen Artikeln und Geweben hat das Jahr eigentlich nichts gebracht; breite, glatte Unibänder in Nr. 60, 80 und 100 waren für Hutgarnitur wieder das Hauptgenre, und auch die Gewebe, Musseline und Faille- tine’blieben dieselben; ja, die Gunst der Mode zeichnete besonders den letztem Artikel aus, sodaß darin große Quantitäten bestellt wurden. Breite, stückgefärbte Satins wurden auch immer noch verlangt, spielten aber nicht die Hauptrolle, und auch die für den Winter in Paris wiederholt lancierten Moirös vermochten kaum einen Achtungserfolg zu erringen. In schmälern Breiten 5, 9, 12 waren wieder Satin teint en pieces simple und doubleface und Musseline die gefragtesten Artikel, die auch in größeren Quantitäten bestellt wurden, ob schon man immer noch keine eigentliche Kleiderbesatzmode hatte. In Fa^onn^s waren am Anfang des Jahres breite Pekins und die reichen, bunten Baya-