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Schlichtverfahren für baumwollene Ketten von 4000 bis 6000 Fäden 20er und 40er Water auf Sucker- oder Schönherr-Schlicht- maschine. (Antworten auf Frage Nr. 1180: „Ich bitte die verehrten Kollegen uni ein gutes Schlichtverfahren für baumwollene Ketten von 4000 bis 6000 Fäden 20 er bis 40 er Water auf Sucker- oder Schönherr-Schlichtmaschine; auch bitte ich um Auskunft, wie man die schleimige Haut auf der Oberfläche der Schlichtflotte (in der Schlichtpfanne) vermeidet. Muß die Schlichte durch Präparate dünnflüssig sein? Ich habe dies schon versucht, das Garn fühlte sich im Trockenkasten auch gut an, nachher in der Kette aber sehr weich und ließ sich im Webstuhl nicht verarbeiten. Wie erklärt sich dies? Ist es ratsam, die Schlichte kochend (wie in der Sizing) oder warm zu verarbeiten?“) I. Verwenden Sie zur Bereitung Ihrer Schlichte masse Diastafor der Deutschen Diamalt-Ge- sellschaft m. b. H., München. Sie können sich damit Ihre Schlichte dünnflüssig'machen, damit sie in das Garn hinein dringt. Wenn Sie genau nach Vorschrift verfahren, so bekommen Sie eine tadel lose Kette, die sich ausgezeichnet verarbeiten läßt. Man schlichtet je nach dem verwendeten Fettzusatz warm bis heiß. Trotzdem die Schlichtemasse sehr klebkräftig ist, teilen sich die Fäden vortrefflich. w. II. Bei hoher Einstellung von 20 er bis 40 er Water garn empfiehlt es sich, die Garne vorzustärken. Sie können bei Verwendung von vorgestärkten Garnen die Schlichtmaschine rascher laufen lassen und die Schlichtflotte dringt doch besser in die Fäden ein. Durch dieses Schlichten in 2 Etappen sparen Sie. Dünnflüssigkeit, also völlige Auflösung der Schlicht mittel, ist stets von Vorteil, denn eine dicke Schlichte verkleistert nur die Fäden und dringt nicht in die selben ein. Die völlige Auflösung der Stärke oder des Mehles erreichen Sie durch Zusatz von etwas Diastafor (von der Deutschen Diamaltgesell- schaft m. b. H. in München). Die Schlichte braucht nur einmal (bei der Bereitung) zu kochen, bei der Verwendung genügt eine Temperatur von 50—55° C. Die schleimige Haut auf der Oberfläche (in der Schlichtpfanne) vermeiden Sie durch Zusatz von etwas Formaldehyd (Hugo Blank, Berlin, Derfflingerstr. 15); dasselbe konserviert die Schlichte überhaupt und verhindert das Sauerwerden derselben. Das Schlichtverfahren, welches ich Ihnen anrate, ist daher folgendes: 1. Mit Weizenstärke die Garne (im Strang) vor stärken. 2. 2 / 3 Weizenstärke, l / a Kartoffelmehl, etwas Zusatz von Diastafor und Formaldehyd zur Schlicht flotte geben, die gut zu kochen ist. 3. Warm (nicht kochend) schlichten. Sollten Sie hiermit wider Erwarten den ge wünschten Erfolg noch nicht erzielen, so setzen Sie der Flotte noch etwas mehr Kartoffelmehl oder auch Pflanzenleim zu. * P. III. Ich empfehle Ihnen, sich in Ihrer Angelegen heit vertrauensvoll an die Firma Oscar Drumm in Mülhausen i. Elsaß wenden. Dieses Haus bringt seit za. 45 Jahren Schlichtepräparate in den Handel, welche weitverbreitet sind und große Verwendung linden und als die zweckentsprechendsten Mittel dieser Art gelten. Machen Sie obiger Firma etwa folgende Angaben: Blatteinstellung, ungefähre Schuß zahl, Nummer der zu verarbeitenden Garne, ob Amerika- oder Mako-Baumwolle, ob gefärbt, ge bleicht oder roh verarbeitet wird, ferner welches Schlichtmaschinensystem verwendet wird und ob Schlichte unter Zuleitung von direktem Dampf oder durch irgend eine andere Heizung gekocht werden soll. Daraufhin gibt Ihnen die Firma Drumm die genau entsprechenden Schlichterezepte und vollste Garantie für ganz gute Resultate. G. W. IV. Das Schlichten für baumwollene Ketten von 4000 bis 6000 Fäden 20 er bis 40 er Water auf Sucker’scher oder Schönherr’scher Schlichtmaschine erfordert eine Schlichtmasse, durch welche die Kettenfäden geschmeidig und kräftig erscheinen, die Farben nicht alteriert werden, schnell trocknen und beim Verweben gut laufen. Als Grundlage für einen guten Schlichtansatz mögen nachfolgende Angaben dienen: Für 100 Ltr. Wasser nehme man: 5 kg Kartoffelstärke, 5 „ Textilpulver (lösliche Stärke), 1 „ Univ.-Glyzerinwachs, 200 g Textilseife, 100 „ Bienenwachs, 20 „ Zinksulfat. Seit Jahren hat sich bei uns die Benutzung des von der Firma Louis Blümer in Zwickau i. Sa. hergestellten Textilpulvers (lösliche Stärke) für Suckerr’sche Schlichtmaschinen gut bewährt. Die vom Fragesteller als Übelstand erwähnte Bildung einer schleimigen Masse im Schlichttroge ist entweder auf die Zusammenstellung der Bestand teile der Schlichtmasse zurückzuführen, oder darauf, daß das Kochgefäß kein Rührwerk enthält, durch welches die Masse stets in Bewegung erhalten wird, sodaß eine Hautbildung gar nicht eintreten kann. Bei bunten Ketten genügt es, bei 30—35° R. zu schlichten. . W. S. Schlichten doppelfädiger Ketten auf der Luft trockenschlichtmaschine. (Antwort auf Frage Nr. 1167.- „Ich fabriziere u. a. auch doppelfädige Schürzenstoffe, z. B. 2500 Kettenfäden Nr. 30 engl. doppelt auf 125 cm eingestellt, deren Ketten ich bis heute auf schottischen Schlichtmaschinen schlichten mußte, da sie, auf der Lufttrockenschlichtmaschine geschlichtet, sich nicht gut verweben ließen, weil die Fäden trotz genauen Aufpassens beim Andrehen der Fäden vielfach verschlungen waren und nicht leicht durch die Rispelstäbe des Webstuhles gingen, weshalb ich bei einer geringeren Produktion in der Weberei keine reine Ware erzielte. Die Hauptfarben, die in Betracht kommen, sind : Indigoblau, Türkischrot und Weiß. Ich habe mir auch schon versuchsweise doppelt angebundene Garne — mit leichter Drehung — von der Spinnerei kommen lassen; da ich aber meinem Indigoblau 8 Züge gebe, hatte das Garn beim Färben durch das vielfache Auswringen zu viel gelitten und waren zu viele Fäden gerissen. Infolgedessen enthielten die Ketten viel einfache blaue Fäden, wodurch ich ebenfalls keine reine Ware erhielt und wieder auf das frühere System zurückgreifen mußte. Kann mir nun Jemand ein Verfahren oder Mittel angeben, welches mich in den Stand setzten würde, doppelfädige Ketten auf der Lufttrockenschlichtmaschine so zu schlichten, daß die Ketten eine tadellose reine Ware geben?“) Scheren Sie die Ketten auf englischen Zettel maschinen, so ist dem Übelstande dadurch sehr leicht abzuhelfen, daß Sie die Doppelfäden nicht zusammen auf eine Scherwalze zetteln, sondern ge trennt, d. h. die am Webstuhl zusammengehenden Fäden auf 2 Scherwalzen. Beim Schlichten gehen die Fäden sämtlicher Scherwalzen wie gewöhnlich durch den Schlichttrog, sie werden getrocknet und gelangen nach erfolgter Trocknung durch die Teil schienen der Schlichtmaschine; da nun zwischen die Fäden jeder Scherwalze eine Teilschiene kommt, so werden die Fäden vor Aufwindung auf den Baum durch diese Schienen geteilt. Derart ge schlichtete Ketten müssen sich gut verweben lassen, und ein Verschlingen der Doppelfäden ist dann ausgeschlossen. Sollten Sie englische Zettelmaschinen zum Scheren dieser Ketten nicht zur Verfügung haben, sondern diese Ketten auf Sektional- schermaschine oder Konusschermaschine an fertigen, so bringen Sie an diesen Maschinen Rispel blätter für mehrfache Teilung an, man bekommt solche bis für 8-fache Teilung. Die Doppelfäden lesen Sie dann so in das Rispelblatt ein, daß die selben nicht beisammen, sondern getrennt durch das Blatt gehen. Auf diese Weise erreichen Sie dasselbe wie bei auf' englischen Zettehnaschinen gescherten Ketten, da Sie die Fäden ebenfalls nach erfolgter Trocknung auf der Schlichtmaschine durch die Teilstäbe von einander teilen können. Fr. S. B., Webereileiter. Herstellung von 120 cm breiten Schürzen- siamosen auf Revolverstühlen. (Antwort auf Frage Nr. 1173: „Sind zur Herstellung von 120 cm breiten Schürzensiamosen, Kette 26 Fäden 20 engl. prima Qualität und Eintrag 26 Fäden 20 engl. pro cm, Revolverstühle geeignet? Bis jetzt wurden sie auf Honegger-Wechselwebstiihlen älteren und neuen Systems hergestellt. Im bejahenden Falle, welche höchste Tourenzahl ist zulässig, ohne daß das Ketten material und die Stühle notleiten? Welche deutsche Firma be faßt sich mit Umänderung solcher Wechselwebstühle in Revolver stühle?“) Zur Herstellung von 120 cm breiten Sclrürzen- siamosen 26/26 Faden pro cm bei 20/20 No. sind Revolverwechselstühle in jeder Beziehung sehr geeignet und jedem System von Steigwechselstühlen unbedingt weit überlegen, denn bekanntlich ist der Revolvermechanismus viel leichter zu regulieren und an sich viel zuverläßiger und sicherer arbeitend als der Mechanismus des Steigwechselstuhles. Infolge dieser Eigentümlichkeiten arbeitet der Revolverstuhl auch wesentlich leichter und braucht weniger Be triebskraft; er ,läuft leichter davon“, wie der Fach- man sich ausdrückt. Trotzdem würde ich auch Revolverwechselstühle bei der Herstellung von obengenanntem Artikel, auch bei Verwendung bester Kettengarne, bei 130 bis 137 cm Blattbreite (so breit werden Ihre Stühle wohl sein) nicht schneller als 135 Touren pro Minute laufen lassen. Ich weiß wohl, daß diese Angabe manchem Fachmanne recht niedrig erscheinen wird. Die Erfahrung zeigt aber, daß die Produktion dennoch größer ist als bei 150/160 Touren pro Minute, weil die Stühle viel ruhiger laufen und der Wechselmechanismus tadellos arbeitet, wodurch nicht nur weniger Kettenfäden brechen, sondern auch der Schuß besser läuft. Die Folge ist schönere Ware mit weniger Fehlern. Ich zweifle nicht daran/ daß Ihnen z. B. die Oberlausitzer Webstuhlfabrik von C. A. Roscher in Neugersdorf in Sachsen für Ihre Honegger-Wechselstühle tadellose Revolverladen bei billigster Berechnung liefern wird, und ich würde Ihnen Vorschlägen, diese Firma einmal in dieser Sache zu Rate zu ziehen. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß nicht andere deutsche Firmen diese Arbeit ebenso gut und bei gleichen Preisen aus führen könnten. Sch. Ketten- oder Strangschlichterei? (Ant worten auf Frage No. 1149: „Ich habe eine kleine Baum woll-Weberei (Dampfbetrieb) mit za. 20 Stühlen, wo bunte echt farbige Garne und Ketten von 100—400 m Länge verarbeitet werden. Ich will jetzt Schlichterei einrichten und möchte daher wissen , ob Ketten- oder Strangschlichterei vorzuziehen ist und welches die bewährtesten Maschinen sind?“) I. Für eine derartig kleine Webereianlage kann nur Strangschlichterei in Frage kommen. Die Beschaffung einer Kettenschlichtmaschine lohnt sich bei 20 Stühlen nicht, auch stellt sich die Ketten schlichterei bei derart kurzen Ketten von 100—400 m Länge wesentlich höher als Strangschlichterei. Ich empfehle Ihnen die Anschaffung einer kleinen Stranggarnschlichtmaschine und einer Bürst maschine, wie solche in bewährter Konstruktion von C. G. Haubold jun., Chemnitz und B. Cohnen in Grevenbroich gebaut werden. Die Anschaffung einer Revolverstranggarnschlichtmaschine kann ich Ihnen für Ihre Anlage auch nicht empfehlen, die selbe eignet sich bloß für große Produktion. Die im Strang geschlichteten und gebürsteten Garne werden auf der Trommelspulmaschine gespult und auf der Sektionalschermaschine geschert, letztere liefern die Firmen B. Cohnen, Grevenbroich und die Gebr. Sucker, Grünberg i. Schl. Mit bewährten Schlichtrezepten für Stranggarn schlichterei stehe ich dem Herrn Fragesteller durch Vermittlung der Redaktion dieser Monatschrift gern zu Diensten. Fr. S. B. II. Für eine Buntweberei von 20 Stühlen würde sich entschieden Strangschlichterei mehr empfehlen als Kettenschlichterei, da letztere nur bei größerem Bedarf rationell arbeitet; bei der Wahl einer Schlicht maschine wäre ferner darauf Rücksicht zu nehmen, daß besonders echtfarbige Garne, Türkischrot, Indigo und Anilinschwarz, die Schlichte nicht so leicht aufnehmen, und daher die mit den neuesten Ver besserungen versehene kombinierte Schlicht- und Bürst-Maschine von Jos. Timmer in Coesfeld zu empfehlen, auf welcher man mit vollster Sicher heit auch schwer Farbe annehmende Garne gründ lich durchstärken kann. Dr. E. Leinene Zelte im tropischen Klima gegen Witterungseinflüsse zu schützen. (Antworten auf Frage Nr. 1185: „Welches praktische Mittel ist anzuwenden , um leinene Zelte im tropischen Klima wasser dicht zu machen bezw. gegen brennende Sonne und schwere Regengüsse zu schützen? Eine Behandlung mit Teer, rohem und gekochtem Leinöl und Wachs scheiterte immer, da das Gewebe nicht genügend wasserdicht wurde oder verhärtete und dann berstete?) I. Für den genannten Zweck in hervorragender Weise geeignet ist das „Millerain“-Verfahren, das bei Erhaltung der Luftdurchlässigkeit größtmögliche Wasserdichtigkeit erzeugt und sich besonders für die Imprägnierung von Segeltuchen sehr gut be währt. Für diese Zwecke ist es nicht nur an Wagen decken bei den Königlichen Eisenbahn-Direktionen zu Altona, Berlin, Breslau, Münster, Frankfurt a. M. in Gebrauch, sondern auch für die Khakibekleidung unserer Schutztruppen in Kamerun und Togo. Die bei den Schutztruppen angestellten Versuche haben ergeben, daß selbst nach 20maligem Waschen die imprägnierten Khakianzüge noch starkem Tropen regen Widerstand geleistet haben. Die hauptsächlichsten Vorzüge des „Millerain“- Verfahrens in bezug auf Segeltuche bestehen darin, daß bei größtmöglicher Wasserdichtigkeit die Luftdurchlässigkeit erhalten bleibt, wodurch ein schnelles Trocknen möglich ist, und daß die naß gewordenen Stellen nicht hart werden. Durch die Geschmeidigkeit wird einem Brechen, durch das leichtere Trocknen vorzeitigem Verrotten vorgebeugt und dadurch die Gebrauchsdauer der Zelte resp. Decken ganz erheblich erhöht. Außer dem bedarf «diese Art der Imprägnierung keiner Er neuerung, was bei den meisten anderen Imprägnier verfahren der Fall ist.