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Eine wertvolle Ergänzung des wirtschaftlichen Teiles bilden unsere jeden Mittwoch zur Ausgabe gelangenden Wochenberichte und unsere vierteljährlich erscheinenden Spezial-Nummern. Erstere enthalten u. a. regelmäßig ausführliche Berichte über die Geschäftslage der verschiedenen Zweige der Textil industrie sowie über die Rohstoff- und Warenmärkte des In- und Auslandes; außerdem bringen wir in den Wochenberichten auch all’diejenigen aktu ellen Handelsnachrichten (wie Neu-Etablierungen, Konkurse, Geschäfts Veränderungen, Submissionen etc.), deren schnellmöglichste Veröffent lichung im Interesse unserer Leser geboten ist. — Unsere Spezial-Nummern sind in erster Reihe dem Welthandel der Textilindustrie gewidmet und enthalten in übersichtlicher Anordnung Berichte und Mitteilungen über den Textilwaren-Außenhandel der gesamten Welt, über Zollwesen, Export u. dergl. mehr. technisch-wirtschaftliche Betrachtungen. [Nachdruck verboten.] Die in besonderen technologischen Abteilungen ausgebildeten Ingenieure müssen selbstverständ lich nach der Hochschule in einer Spezialfach schule, oder auch durch Volontieren in einem Etablissement ihrer Spezialität sich praktische Kenntnisse erwerben, was aber bei der syste matisch betriebenen Vorbildung nur ganz kurze Zeit erfordern wird, die eventuell sogar durch wiederholte Benutzung der Ferienzeit gewonnen werden kann. In dieser Abteilung sollte aber auch dem Konstruieren von Maschinen gebührende Be achtung geschenkt werden, nur dürfte dasselbe nicht so weit gehen wie in der Abteilung für Konstrukteure. Da nun in letzterer in den meisten Fällen außer der Technologie der Metalle und Hölzer kein Fabrikationsfach ge lehrt wird, weshalb die Absolventen derselben der gesamten übrigen Industrie mehr oder weniger fremd gegenüberstehen, so würden sich wohl auch Ingenieure für den Bau von Fabrikationsmaschinen am leichtesten aus Schülern der technologischen Ab teilung rekrutieren. Es dürfte dann endlich der Zeitpunkt ein treten, wo nicht mehr jährlich große Summen für die Erlangung oft nicht einwandsfrei kon struierter Maschinen nach England wandern. Ich erinnere mich noch der Zeit, wo kein Unternehmer glaubte wagen zu können, andere als englische Dampfmaschinen — sogar Kessel — anzuschaffen. Und jetzt?! Wie weit hat Deutschland die ganze Welt in dieser Hinsicht (aber auch bereits auf anderen Gebieten des Maschinenbaues) überholt, mit Hülfe gründlich wissenschaftlich vorgebildeter Konstruktions- Ingenieure! Bedeutende Fortschritte zeigen sich auch in jenen Ländern, in denen diese Ingenieure einen auf derselben Basis ruhende polytechnische Ausbildung erhalten.*) *) Daß die geistigen Waffen des deutschen In genieurs selbst über Ingenieure technisch hoch ent wickelter Länder den Sieg zu erringen vermögen, geht aus der erst kürzlich beendeten Erschließung der Kor dilleren Nord-Argentiniens mittels einer Bleichert- schen Drahtseilbahn hervor. Die weiten bis 6970 m emporsteigenden, stark zerklüfteten, für Schienen wege nicht zugängigen Gebirgszüge, beherbergen ungeheure Metal Imassen, insbesondere Eisen-, Kupfer-, Silber- und Golderze, die bisher kaum eine Spur von Abbau auf weisen. Die Erschließung der Erz führenden Höhen lehnten sämtliche amerikanische Firmen in Rücksicht auf die Gefährlichkeit und das Wagnis eines solchen Baues ab. Die Vereinigten Staaten Nord-Amerikas erwiesen sieh also nicht als das „Land der unbe- (Von Professor E. Pfuhl, Wirklicher Staatsrat.) (Fortsetzung.) Würden sich nun erst fachlich ebenso gründ lich ausgebildete Technologen mit den Kon strukteuren vereinigen, dann würde bald auf allen Gebieten ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen sein, den jetzt noch gewisse Industrien erst sehnlichst herbeiwünschen. Ehe wir nun diese flüchtigen Betrachtungen verlassen, wollen wir uns noch die Frage vor legen: Wie würde wohl ein Ingenieur des Konstruktionsfaches und wie ein, wie angedeutet, ausgebildeter Ingenieur-Technologe (Fabrikinge nieur) sich benehmen, wenn sie gleichzeitig zur Besichtigung eines größeren Fabrik-Etablisse ments — sagen wir der Faser-Industrie - zugelassen werden ? Nach meinen Beobachtungen bei Exkur sionen mit Studierenden der letzten Semester, in denen beide Richtungen vertreten waren, ist der erste Blick des Konstrukteurs nach dem Schornstein und sein erster Weg zum Kesselhause. Dort wird er sich zunächst mit dem Kesselsystem, der Feuerungsanlage und deren Bedienung bekannt machen, sich nach automatisch registrierenden Rauchgas-Analysa toren, nach Differenzzug-Geschwindigkeitsmessern usw. erkundigen. Dann eilt er zur Dampf maschine. Diese wird befühlt, behorcht, Vaku- meter und Manometer werden eingehend be obachtet; besonderes Interesse gewährt eine ihm noch fremde Steuerung, sein Entzücken erreicht einen hohen Grad, wenn ihm Indikator- Diagramme vorgelegt werden können usw., kurz, er ist nur schwer von der Maschine weg und in die Fabrikationsräume zu bringen. Dort gewinnt die Wellenleitung ihm noch allenfalls Interesse ab. Was sonst um ihn herum noch vorgeht, ist ihm entweder ganz oder ziendich gleichgültig; ja an gewissen Maschinen geht er scheu oder ganz interesselos vorüber, da ihm deren Wesen und Zweck vollständig fremd ist, höchstens erkundigt er sich noch nach dem Kraftverbrauch der Maschinen. Ganz anders wird der Ingenieur-Techno loge handeln. Wie und wodurch die Fabrik grenzten Möglichkeiten“. Die deutschen Firmen traten dagegen mit großem Wagemut an die Auf gabe heran. Schließlich wurde der Bau einer Draht seilbahn der Firma Adolph Bleichert & Co., Leipzig- Gohlis übertragen, die denselben zur vollen Zu friedenheit der argentinischen Regierung zu Ende geführt hat, trotz der sich entgegenstellenden bei spiellosen Schwierigkeiten. Ein schönes Zeichen für den hoch entwickelten Geist des deutschen Ingenieurs. (Näheres hierüber: Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1906, Heft 44 u. f.). 1). Verf. getrieben wird, ist ihm zunächst gleichgültig. „Wo fängt die Fabrikation an? Wo ist der Eingang des Rohmaterials?" sind seine ersten Fragen. Und nun verfolgt er den Gang des selben von Anfang bis zu Ende, achtet auf die charakteristisch hervortretenden Maschinen und auf deren Eigenart und, wenn er ein besonders guter Beobachter und etwas kritisch angelegt ist, wird er die Frage nicht unterlassen: „Warum geschieht dies so?“ oder „ Wäre es nicht besser, wenn man den Arbeitsprozeß in etwas anderer Weise durchführt?" Er wird der Aufstellung der Maschinen und ihrer Bedienung Aufmerk samkeit schenken und vielleicht sehr bald her ausfinden, daß, weil jene unzweckmäßig ist, diese schlecht vonstatten geht usw. — Schließlich, wenn die Zeit für die Besichtigung fast herum ist, wird er noch rasch durch das Kessel- und Maschinenbaus eilen und sich freuen, wenn beide recht sauber sind und die Maschine stoßfrei läuft. — Zur näheren Prüfung dieser Anlage, die er zwar versteht, hat er ja doch so wie so keine Zeit.*) Wenn endlich erst eine größere Zahl In genieur-Technologen ausgebildet und diese tätig gewesen sein werden, würden wohl auch all mählich Annoncen wie etwa die folgende aus den Fachblättern verschwinden, weil für der artige Anerbietungen keine Nachfrage mehr sein würde: „In Neu- und Umbauten versierter Ingenieur mit besonderer Erfahrung in der Reorgani sation unrationeller Betriebet) bietet seine Dienste den Herrn Industriellen an.“ *) Im Vereine deutscher Ingenieure zeigt sich die überwiegende Ausbildung der Ingenieure in der Maschinenbaurichtung auch darin, daß bei den Haupt versammlungen Exkursionen fast ausschließlich nach Maschinenbau- und nahe verwandten Anstalten statt finden. Es war aber doch einmal vorgekommen, daß während der 37. Hauptversammlung des Vereins in Stuttgart die Besichtigung einer Kammgarnspinnerei vorgenommen wurde. Der Bericht über dieselbe im Chemnitzer Bezirksverein (Seite 1402 der Vereins- Zeitschrift 1896) ergeht sich nun ausführlicher über die Dampfkessel und Dampfmaschinen, deren Dimen sionen, Seilrillen usw. und erwähnt zum Schluß: „Nach Besichtigung der Dampfmaschinen und ihrer Kesselanlagen wurde der großartige Spinnerei saal in Augenschein genommen, der als Shedbau eine Grundfläche von 23000 qm bedeckt.“ Das ist alles! Dieser Bericht deckt sich also mit meinen oben angeführten Erfahrungen auch inbetreff des Interesses der älteren Maschinenbau-Ingenieure. D. Verf.