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Die Praxis hat. nun ergeben, daß mittels des Duron-Verfahrens auch solche öle und Fette in der Schmelze mit Vorteil mit ver wendet werden können, welche sonst wegen schwieriger Emulsionierung nicht wohl an gewendet werden könnten, wie z. B. gerei nigtes Wollfett und Mineralöl. So wird z. B. bereits seit Monaten im großen anstands los mit einer Schmelze gearbeitet, welche außer dem Emulsionskörper 10 Proz. Erd nußöl und 10 Proz. gereinigtes Wollfett ent hält. Diese Schmelze entspricht allen zu Anfang dieser Abhandlung angeführten Be dingungen. Stücke, welche diese Schmelze enthielten, wurden auf gewöhnliche Weise gewaschen und Proben davon mittels Äther extrahiert und der Fettgehalt bestimmt. Es ergaben sich 0,4—0,55 Proz. Fett, genau die selbe Menge, welche sich in gewaschenen Stücken befand, die mit Olein, bezw. mit Olivenöl gefettet waren. Es entspricht dies einer technisch reinen Ware. Völlig fett frei darf ja die Wolle nicht sein, da sie sonst barsch und die Warenqualität schlecht würde, wie dies zuweilen bei Wollen ein tritt, die mit zu scharfen Alkalien gewaschen wurden. Diese leichte Auswaschbarkeit ist erklär lich, wenn man bedenkt, daß überhaupt nur 2 Proz. Fette herauszuwaschen sind, gegen über 10 Proz. bei den gewöhnlichen Schmel zen, daß das Fett sehr fein und gleichmäßig auf der Wolle verteilt ist und daß der Emul sionskörper selbst an dem Waschprozeß teil nimmt. Für die Kammgarnspinnerei braucht man eine weit fettärmere Schmelze. Es wird im allgemeinen nur mit 1—2 Proz. Olivenöl geschmelzt. Statt dessen verwenden wir in unserer Kammgarnspinnerei schon längst l x / 2 Proz. einer 20 - prozentigen Erdnußöl enthaltenden Schmelze, welche mit der nöti gen Menge Wasser verdünnt ist. Wie schon erwähnt, kann jeder Spinner die ihm am besten dünkende Zusammen setzung der Schmelze wählen. Was in dieser Abhandlung gesagt ist, beruht auf monate lang im großen durchgeführten Arbeiten und Verfolgen der Ware durch alle Stadien der Verarbeitung bis zum verkaufsfähigen Zu stande. Die Untersuchungen über das inter essante Duron-Verfahren sind damit noch nicht abgeschlossen, sondern werden nach verschiedenen Richtungen hin fortgesetzt und ich behalte mir vor, sei es über Schmelz mittel, sei es über andere Anwendungsge biete, in einem späteren Aufsatz weiter zu berichten. Der Zweck dieser Abhandlung ist zu nächst, die Spinnereiindustrie zu Versuchen mit dieser neuen Schmelze anzuregen, was nach den heute vorliegenden Erfahrungen wohl ohne Risiko geschehen kann. Ferner möchte ich an dieser Stelle die Bitte um Mitteilung von Erfahrungen aussprechen, jum dieses wichtige und interessante Gebiet mög lichst ersprießlich weiter bearbeiten zu können. Die Appretur und öas Färben unter Druck von Mohair-Plüsch. |Nachdruck verboten.] • •• • • • Über diesen Spezialartikel der Färberei, der bisher hauptsächlich im Rheinland ver treten war, bringt der „Textile Colorist“ einen interessanten Aufsatz, der neuerdings auch für Sachsen besonderes Interesse haben dürfte, seitdem auch hier verschiedene Fär bereien den Artikel aufgenommen haben. Die Plüsche verlassen die Weberei be laden mit dem Leim der Baumwollkette und dem Gelatineappret des Mohairs. Bevor sie gefärbt werden, ist es notwendig, sie auf zuhängen und mit Dampf von etwa 3 Atmo sphären Druck zu dämpfen, um eine gleich mäßige Färbung zu erzielen. Um den Velours niederzulegen und besser mit der Baumwolle zu verbinden, wendet man ein Appretur mittel an, gewöhnlich Dextrin. In dieser Weise behandelte Ware besitzt nach dem Färben größere Weichheit als die ohne Ap- pret gedämpfte. Ein zu langes Dämpfen muß jedoch vermieden werden, da sonst die Wolle und der Mohair gelb gefärbt werden. Für helle Farben beschränkt man daher die Dämpfdauer auf x / 4 bis x / 2 Stunde, für dunkle auf 1 Stunde. Mari hat vielfach versucht, den Woll- Velours und den Baumwollgrund in einem Bade nach der Halbwollmethode zu färben, kam aber bald davon ab, weil die Wölb decke dadurch zu weich und der Effekt durch das heiße neutrale Bad beeinträchtigt wird. Die, Baumwolle wird entweder ungefärbt, oder schwarz resp. rot gefärbt verwendet. Dabei ist darauf zu achten, daß die Baum wollfarbstoffe nicht auslaufen dürfen, wenn die Wolle in einem sauren Bade nachgefärbt wird. Als Schwarz verwendet man daher mit Schwefelsäure und Bichromat entwickel tes Anilinschwarz, für Rot in der Regel Primulin, diazotiert und entwickelt mit Be- tanaphtol. Zuweilen wird die Baumwolle auch im kalten Bade nach dem Färben der Wolle nachgedeckt. Das Bleichen des Mohairs mit Wasser stoffsuperoxyd oder Ammoniak gibt häufig eine schlechte Farbe und erfordert eine nach trägliche Behandlung in der Kälte mit Hy drosulfit und Essigsäure. Man erhält einen sehr guten Weißeffekt, indem man einen genügend weißen Plüsch mit einer Lösung von 0,04 g pro Liter oder etwas mehr an feuchtet und dann schwefelt; auf diese Weise wird die Baumwolle blauer als Mohair. Der im Sommer gewebte Plüsch soll nach einer vielverbreiteten Ansicht nach dem Schwefeln ein besseres Weiß geben als Winterware. Das hängt wahrscheinlich mit der für den Appret des Mohairs angewandten Gelatine zusammen. Diese ist im Sommer viel leich ter zur Gährung geneigt als im Winter und bildet dann Ammoniak; dieser schlägt dann den Kalk des harten Wassers nieder (?Der Ref.) und verhindert dessen Absorption durch die Mohairwolle. Das für die Gelatinelö sung verwendete Wasser muß durch Zusatz von etwas Ammoniak weich gemacht wer den. Der Zusatz von Ammoniak hat auch noch den weiteren Vorteil, daß er die Bil dung von gelben Flecken verhindert, wenn der Plüsch aufgewickelt und zwei Stunden in heißem Wasser gebrüht wird, um das Mohairhaar wellig zu machen. Die gelben Flecken verdanken ihren Ursprung einem vom Schwefeln her rührenden Überschuß an Säure. Zum Färben bedient man sich noch viel fach des Blauholzes, weil kein künstlicher Farbstoff eine so lebhafte und tiefe Nuance gibt. Man versetzt das Bad mit Chromkali oder Chromnatron, Kupfervitriol und Oxal säure und wendet es kochend an. Nach dem Färben wird mit Wasser gespült, vielfach auch mit gefaultem Urin. Sehr beliebt ist auch die Verwendung von Manganbister, der die Herstellung von halb braunem, halb schwarzem Plüsch gestattet. Man färbt dann mit Kalium-Permanganat in der Kälte. Die Mohairwolle nimmt den Farbstoff vollstän dig auf, während die Baumwolle dabei ge bräunt wird. Um ein tiefes Braun auf Wolle zu färben, muß man das Bad schwach an säuern. Die Säure bindet einen Teil des beim Erhitzen der Wolle frei werdenden Alkalis und ist auch für den Färbeprozeß sehr gün stig Das saure Färben und Spülen gibt der Wolle auch einen schönen braunen Glanz (Lustre). Säuert man das Bad mit Schwefel säure an und macht es dann mit Ammoniak alkalisch, so wird der Niederschlag des Bisters beschleunigt. Für die spätere Be handlung des Plüsches ist es vorteilhaft, den Mohair in Wasser auszukochen, dann dämpft man ihn oder kalandert ihn heiß. Die verschiedenen Muster werden hergestellt durch gleichzeitiges Pressen und Dämpfen während zwei Stunden bei einem Druck von l l / 2 Atm. Darauf wird zwischen mit über hitztem Dampf geheizten Walzen kalandert. Der Tupfeneffekt wird mit dem Pinsel hervor gebracht, nachdem die Wolle mittels einer Ver dickung bedruckt ist. Das Gewebe steht dann beim Trocknen wieder auf. Der Velours muß gesteift werden, damit der Effekt durch den Dampf nicht verdorben wird, der sich wäh rend des Trocknens des Gewebes bildet. Man bedient sich einer Stärkeverdickung 1 :10, wobei eine schwaehgelbliehe Färbung nicht nachteilig ist und ein Teil der Stärke vor teilhaft durch Dextrin ersetzt werden kann. Zur Haltbarkeit setzt man der Verdickung 1 Proz. Chlorzinklösung 50° Be zu. Man dämpft unter einem Druck von 1 Atm. und zwar, wenn es sich um helle Nuancen han delt, mindestens 45 Minuten. Dann macht man das Gewebe wieder weich in kaltem Wasser, nach welchem Prozeß es f„rbfertig ist. Nach dem Färben werden die mit Tupfen bedruckten und gedäinpften Stücke vor dem Spülen in eine Lösung von Koch salz von 1° Be getaucht, die mit Essig säure angesäuert ist, um den Farbstoff zu fixieren. Ein zweistündiges Kochen macht die gekräuselten oder getupften Haare wider standsfähiger gegen das Färben, Spülen und Trocknen als ein einfaches Dämpfen. Der Velours hat im allgemeinen eine große Nei gung, sich gerade zu legen, besonders unter Einwirkung von feucht kalter Luft, wie sie im Winter in Färbereien die Regel bildet. Man kann dem Haar verschiedene Formen geben, je nachdem man es faltet oder in Haufen durchkocht. Man färbt auch diese Pakete ohne sie aufzubinden und erhält einen Stoff mit frisiertem Velours, indem man Mo hairhaare, die schon gekräuselt sind, verwebt. Die gut gespülten Plüsche werden dann auf einer schnell laufenden Schleuder aus geschleudert und gleichzeitig vorgetrocknet. Die Rotation erleichtert das Aufstehen des Velours. Man bringt sie dann auf eine Trok-