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Kesselspeisung durch Injektore. Die Speisung der Dampfkessel bildet bekanntlich für die rationelle Dampferzeugung ganz besonders den Gegenstand gründlicher Erwägungen eines jeden Industriellen, welcher darnach strebt, seine Fabrikation bis in den Ursprung der Krafterzeugung hinein leistungsfähiger zu gestalten. Es ist klar, daß man, wenn man schon heißes Wasser in den Dampfkessel bringt, viel weniger Kohle aufzuwenden braucht, um dieses Wasser in gespannten Dampf zu verwandeln. — Vor Jahrzehnten hatte man es natürlich noch nicht so nötig, wie heute, sozusagen jede Wärmeeinheit über ihren Verbleib oder ihre Umsetzung in Kraft zu kontrollieren. Mit der wachsenden Konkurrenz und den wachsenden Kohlenpreisen hat aber die Dampferzeugung bzw. Krafterzeugung gewiß schon jedem Dampfkesselbesitzer Kopfschmerzen bereitet bei der Suche nach Kohlenersparnis. Die Betrach tungen verfielen zunächst auf die Wiedergewinnung heißer Abdämpfe, Abgase und Abwässer. Die mit diesen Abfällen jahraus-jahrein entweichenden Wärmemengen sind ganz bedeutend gewesen und man kann sagen, daß auch heute noch unendlich viel Abwärme ins Weltall nutzlos entweicht. Soweit man nun Abdämpfe und Abgase verwertet hat, hat man aus ihnen heißes Wasser erzeugt und da man fast in jedem Betriebe noch zu einem großen Teil Dampfheizung betreibt, sei es für Lokalheizungen, Trocken-, Schlicht-, Spann- und Appretur-Maschinen, Trockenräume oder für andere mit Dampf geheizte Arbeitsmaschinen, so hat man meistens viel Kon denswasser, welches bei seinem Austreten aus den Kondenstöpfen noch durchschnittlich za. 100° C. Temperatur hat. Diese Kondenswässer in Ver bindung mit den vorgewärmten Wässern bilden im allgemeinen die Haupt menge des Speisewassers für die Dampfkessel. Je heißer diese Wässer sind, um so besser ist es natürlich für die Dampferzeugung. Mit der Zusammenziehung und Erzeugung heißer Kesselspeisewässer entstand nun aber eine andere Sorge, welche mitunter unangenehme Uber- Fig. 1. liegt darin, daß er keine beweglichen Teile besitzt, sein Inneres wird nur durch ein Düsensystem gebildet, in welchem sich die lebendige Kraft des Dampfes auf das Wasser fortpflanzt und dieses in den Kessel stößt. Die richtige Funktion des Injektors war aber bisher insbesondere davon abhängig, daß das Speisewasser in der Regel nicht über 50° C, bei billigeren Injek toren noch nicht einmal so viel, betragen durfte. Der Injektor hat außer dem noch den wirtschaftlichen Vorteil, daß die ganze Menge seines Betriebs dampfes in dem zu fördernden Wasser in Wärme umgesetzt wird. Diese beiden vorteilhaften Eigenschaften sicherten dem Injektor die errungene Vorzugsstellung und sie ist ihm auch noch da erhalten geblieben, wo das Speisewasser unter der genannten Temperatur bleibt. Aber auch in anderen Betrieben, wo sonst heißere Wässer verspeist werden, bleibt er wegen seiner unbedingten Zuverlässigkeit stets al« Reserve-Speisevorrichtung in Gebrauch, um Dank seiner Zuverlässigkeit im Notfälle, d. h. im Falle der Gefahr, in Benutzung zu kommen. Wie schon gesagt, gibt es an der Überlegenheit des Injektors gegenüber fast allen Speiseorganen, wie sie auch heißen mögen, im Grunde genommen keinen Zweifel, nur konnte er bei dem Bestreben, heißeres Wasser in die Kessel zu bringen, wegen seiner auf Naturgesetzeu beruhenden Funktionsmöglichkeit nicht für sehr heißes Wasser (Körtings- Universal-Injektoren speisen bis za. 68 oder 70° C im günstigsten Falle, und stehen somit unter allen Injektoren oben an) benutzt werden. Dieses Hindernis ist nunmehr auch überwunden und es wird jeden Betriebsleiter interessieren, daß die Gebr. Körting Aktiengesellschaft in Körtingsdorf bei Hannover jetzt einen Injektor auf den Markt bringt, der hinsichtlich der Höhe der Speisetemperatur sämtlichen sonstigen Speise vorrichtungen faktisch überlegen ist. In Fig. 1 ist dieser neue „Heißspeise- Injektor“ dargestellt. Man erkennt den Apparat sofort als einen zur Gattung der Injektoren gehörigen Apparat, doch findet man bei näherer Betrachtung, daß er mehr Anschlußstutzen besitzt, als ein gewöhnlicher Injektor. Das Charakteristische an diesem Apparat ist die Zugehörigkeit eines Druckgefäßes, welches aus Fig. 2 zu ersehen ist, wo auch seine beispiels weise Anordnung erläutert ist. Der Injektor ist mit diesem Druckgefäß durch eine Dampf- und eine Wasserleitung verbunden und zwar zu dem Zwecke, um das in dem Druckgefäß angesammelte bzw. vorhandene heiße, eventuell siedende Speisewasser unter Druck zu setzen und um es alsdann dem Injektor zuzuführen. Die Bedienung des Injektors ist genau die gleiche, raschungen zeitigte: Die vorhandenen Speisevorrichtungen versagten oder verschlissen in mitunter verhängnisvoller Weise, weil die Fördertemperatur des Wassers bei Injektoren und gewöhnlichen Pumpen meistens nicht über 60° steigen darf. Das Versagen der Speisevorrichtung ist erklärlicherweise eine Beängstigung für die Sicherheit des ganzen Betriebes und man mußte sehen, andere Vorrichtungen zu schaffen, welche imstande sind, auch kochende Wässer, also bis za. 100° C, zu verspeisen. Für die Kondenswässer entstanden die bekannten Kondenswasser-Rückspeise-Automaten und für die sonstigen heißen Speisewässer baute man Heißwasser-Pumpen und man kann sagen, daß beide Vorrichtungen eine anzuerkennende Vollkommenheit erreicht haben, jedoch läßt es sich nicht ableugnen, daß diese Vorrichtungen mitunter kom pliziert uud teuer sind, und endlich teilweise einen großen Dampfverbrauch aufweisen. Das sympathischste Kesselspeiseorgan war von seiner Entstehung an (d. h. seit za. 40 Jahren) aber doch immer der sogenannte „Injektor“, der jedem Dampfkesselbesitzer bekannt ist. Der größte Vorteil dieses Apparates wie bei einem Körtings Universal-Injektor, man braucht nur den Funktions hebel von der einen Seite nach der anderen zu drücken. Sämtliche zur Funktion notwendigen Vorgänge im Injektor und dem Druckgefäß werden I durch diese Hebelbewegung betätigt. Mittels dieses neuen Apparates ist es sogar möglich, Wasser bis 120° C (nämlich wenn diese unter Druck stehen) zu verspeisen; so heiße Wässer kommen dann, weil sie durch den Betriebsdampf des Injektors noch weiter erhitzt werden, mit za. 150° C in den Dampfkessel. Dieser neue Injektor gilt übrigens als gesetzliche Speisevorrich- tung, welcher Umstand ihm ganz besonders deswegen zum Vorzug gereicht, weil insbesondere die Kondenswasser-Rückspeise-Automaten nicht als solche anerkannt werden. Während der neue Injektor, wenn er heißes Wasser zu verspeissn hat, in Verbindung mit dem Druckgefäß funktioniert, kann er durch eine Umstellvorrichtung auch mit kaltem Wasser arbeiten, wenn ihm dieses zufließt und zwar arbeitet der Injektor dann ganz wie genau wie jeder andere, nämlich ohne Druckgefäß in kontinuierlicher Weise. Während des