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wärmen dient am zweckmäßigsten indirekter Dampf, um eine allzu starke Verlängerung der Flotte zu vermeiden. Außer den substantiven Baumwollfarbstoffen werden auch die Schwefelfarbstoffe, besonders wegen ihrer besseren Echt heiten, zum Färben von Halbwollwaren verwendet. Um die schäd liche Einwirkung des zum Lösen dieser Farbstoffe verwendeten Schwefelnatriums gegenüber der Wollfaser aufzuheben, sind ver schiedene Zusätze zum Färbebad empfohlen worden. Die meisten dieser Färbeverfahren sind durch Patente geschützt. Die Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning in Höchst a. M. empfehlen die Thiogenfarbstoffe auf Halbwolle nach dem Bisulfit- oder Phosphatverfahren zu färben. Ersteres eignet sich besonders für grüne, blaue und schwarze, letzteres für alle Thiogenfarbstoffe, namentlich aber für gelbe, orange farbene und braune. Beide Verfahren können kombiniert werden. I. Bisulfit-Verfahren: Nach dem Lösen des Farbstoffs in der erforderlichen Menge Schwefelnatrium gibt man die Farb stofflösung durch ein Baumwollfilter in die Kufe und neutrali siert annähernd mit Natriumbisulfit. Die Flotte steht richtig, wenn ein Tropfen der Flotte, auf Filterpapier gebracht, durch Phenolphtaleinlösung (5 g in einem 1 60 proz. Alkohol) deutlich violett gefärbt wird. Vorteilhaft ist ein Zusatz von Natron-Türkischrotöl zum Färbebad (0,51 pro 1000 1). Gefärbt wird bei 20—25° C während 2—4 Minuten auf einer Rollenkufe oder Unterflottenjigger. Nach dem Färben wird gut abgequetscht und gründlich gespült. Die Wolle wird nun mit sauren Wollfarbstoffen überfärbt. Da sich die Bäder oxydieren, müssen sie jeden Morgen mit der erforderlichen Menge Schwefelnatrium reduziert werden. Man braucht hierzu — 1 / £ , der zum Ansetzen notwendigen Schwefel natriummengen, läßt unter Umrühren 1 / 2 —1 Stunde stehen und neutralisiert dann wieder in der angegebenen Weise mit Natrium bisulfit. II. Phosphatverfahren: Die Farbstofflösung wird mit Natriumphosphatlösung (50 g pro 1) neutralisiert. III. Kombiniertes Verfahren: Die eine Hälfte des ver wendeten Schwefelnatrium wird mit Bisulfit, die andere Hälfte mit Natriumphosphat abgestumpft. Da beim Vordecken der Baumwolle trotz niedriger Tempe ratur leicht ein Anschmutzen der Wolle stattfindet, empfehlen die Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning in Höchst a. M. nach einem patentrechtlich geschützten Verfahren, die Ware x / 2 — 3 / i Stunde kochend mit 5 Proz. Tannin und 2,5 Proz. wolf ramsauren Natron oder Zinkvitriol zu behandeln, abzuquetschen und ohne weiteres Spülen nach einem der oben angeführten Ver fahren auszufärben. Auf diese Weise werden bedeutend lebhaftere Zwei farbeneffekte erhalten, da die Schwefelfarbstoffe nur die Baum wollfaser anfärben, die Säurefarbstoffe aber trotz der Vorbehand lung auf die Wolle aufziehen. Leopold Cassella & Co. G. m. b. H. in Frankfurt a. M. empfehlen zum Färben von Baumwollstoffen mit weißen oder farbigen Wolleffekteji folgende Arbeitsweise: • Nach dem Entschlichten und event. Mercerisieren wird die Ware im kochend heißen Bad, welches pro 1 Flotte 20—25 g Formaldehyd und 2—5 g Tannin enthält, behandelt, indem sie am besten das Bad auf dem Jigger passiert. Dann wird aufgerollt, eine Stunde aufgerollt stehen gelassen, gespült und ausgefärbt. Das Ausfärben erfolgt bei 20—25 u C im Jigger mit Imme dialfarbstoffen unter Zusatz von Glukose. Die Farbstoffe werden mit der erforderlichen Menge Schwefelnatrium und der doppelten Menge Glukose gelöst, dann dem Färbebad 2 g Soda, 2—3 ccm Türkischrotöl und 10—20 g Glaubersalz pro 1 zugesetzt und bis s / 4 Stunde gefärbt; hierauf wird abgequetscht, gespült und sofort in einem 60—70° C heißen Bad mit 2—3 ccm Salzsäure pro 1 und 1—2 ccm Bisulfit nachbehandelt, um die Wolle zu reinigen. Darauf wird wieder gespült und die Wolle zur Er zielung bunter Effekte event. mit sauren Wollfarbstoffen aus gefärbt. Um Changeantnuancen zu erreichen, kann nach folgen dem, den Höchster Farbwerken patentierten Verfahren gearbeitet werden: Man färbt mit Säurefarbstoffen unter Zusatz von 10 Proz. Glaubersalz, 3 Proz. Ameisensäure und 3 Proz. Tannin durch l x / 2 stündiges Kochen aus und gibt darauf eine kurze Passage in einem frischen mit l x / 2 Proz. Brechweinstein besetzten Bad bei za. 30° C. Die Wollfaser wird durch diese, gleichzeitig mit dem Färben bewirkte Präparation gegen die Aufnahme von substantiven Farb stoffen beim nachfolgenden Decken der Bäumwollfaser geschützt, so daß das Nachfärben der Baumwolle selbst bei einer höheren Temperatur, 60—70° C, erfolgen kann, ohne ein Trüben der Wolle befürchten zu müssen. (Schluß folgt.) Verjähren zur Erzeugung von unvergriinlichem yinilinschwarz unter Zusatz von Diaminen oder /iminophenolen zu den Oxydationsmittel enthaltenden /inilinschwarzmischungen von j. ^cilmann & Co. unö Dr. Jtfartin ijattegay in Jftülhausen i. Cis. (D. K.-P. Nr. 247495.) Zur Erzeugung'von Anilinschwarz auf Wolle und Halbwolle war bisher entweder eine vorbereitende, starke Chlorierung bzw. Säuerung der Wolle notwendig, weil bei der üblich angewandten Anilinschwarz mischung die reduzierende bzw. säureabsorbierende Wirkung der iWolle die Schwarzbildung zurückhält, oder eine Vorbereitung mit Berlinerblau. Es ist bereits bekannt, Haare (bzw. Haarhüte) zur Erzeugung von Anilinschwarz in der Kälte mit Mischungen von Anilin, Paraphenylen diamin oder analogen Basen durch Oxydationsmittel zu färben (Revue generale des matieres colorantes, Band 12, 1908, Seite 165 bis 172). Weiter war es bekannt, durch Anwendung des aus der Patent schrift 204514 bekannten Verfahrens Anilinschwarz auf Haaren oder Pelzen in der Kälte mit Anilinschwarzbädern herzustellen (Revue gene- rale des matieres colorantes, Band 13, 1909, Seite 187 bis 190), welche ohne Zugabe eines Oxydationsmittels durch den Luftsauerstoff allein infolge der katalytischen Wirkung von geringen Mengen Paraphenylen diamin oder Aminophenol mit einem Sauerstoffüberträger zur Ent wicklung kommen. Erweitert wurde dieses bekannte Verfahren durch Zugabe eines Oxydationsmittels, welches die Entwicklung des Schwarz in der Kälte erleichtern soll (vgl. Ztschrf. f. Farben-Industrie 1910, Seite 309). Bei allen diesen Verfahren handelt es sich nur um Haare oder Pelze sowie der aus ihnen hergestellten Fabrikate. Dagegen ist eine Anwendung dieser Verfahren auf Wolle und ihre Fabrikate nicht be kannt geworden. Die zuerst genannten Verfahren sind auf Wolle, trotz geeigneter Vorbehandlung (Säuren, Chloren, Chroinieren), praktisch nicht übertragbar. Das allein in der Kälte oder bei gemäßigter Temperatur in Be tracht kommende dritte Verfahren ist in der beschriebenen Ausführungs form nur für Haare geeignet, aber nicht anwendbar für Wolle, weil in der Färberei, und ganz besonders im Zeugdruck, ein in der Kälte sich entwickelndes Schwarz nicht brauchbar ist. Den Gegenstand der vorliegenden Neuerung bildet der Zusatz von Paraphenylendiamin (sowie analogen und homologen Basen) oder Paraaminophenol (sowie analogen Verbindungen) zu Mischungen von Anilinsalz, Oxydationsmitteln und Sauerstoffüberträgern zwecks Erzeugung von unvergrünlichem Anilinschwarz auf Wolle, die auch mit Seide oder Pflanzenfasern gemischt sein kann, und in der Anwendung höherer Temperatur zur Entwicklung der Farbe, Der wesentliche Unterschied dieses neuen Verfahrens von dem aus der Zeitschrift für Farben-Industrie 1910, Seite 309, bekannten, welches ausschließlich auf Haare und Pelze beschränkt ist und bei niederer Temperatur zur Entwicklung kommen muß, beruht wie die Patentschrift des näheren darlegt, darauf, daß die in dem Anilinschwarz klotz enthaltenen Kupfersalze durch solche Sauerstoffüberträger ersetzt werden, die wie Vanadiumverbindungen, Blutlaugensalz usw., erst bei erhöhter Temperatur wirksam sind. Die Anwesenheit von Kupfer in einem Anilinschwarzklotz macht diesen auch deshalb für Wolle vollständig unbrauchbar, weil Kupfer verbindungen bekanntlich die Eigenschaften der Wolle schädlich beein flussen und namentlich eine störende Braunfärbung infolge Bildung von Schwefelkupfer auf ihn bewirken. Die Ausführung des bekannten Prudhomme-Artikels wäre infolge