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Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 30.09.1883
- Erscheinungsdatum
- 1883-09-30
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-188309305
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-18830930
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-18830930
- Sammlungen
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Saxonica
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1883
-
Monat
1883-09
- Tag 1883-09-30
-
Monat
1883-09
-
Jahr
1883
- Titel
- Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 30.09.1883
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Erste Beilage M Leipziger Tageblatt und Anzeiger. 273. Sonntag den 3V. September 1883. 77. Jahrgang. Rudolf von GottschaU. Am heutigen Tage ist der sechzigste Geburtstag eine» der namhaftesten und vielseitigsten deutschen Schriftsteller, den ganz Deutschland zu seiern alle» Grnnv hat, in erster Linie aber unser Leipzig, dem dieser Schriftsteller seit nahezu zwanzig Jahre» al« Mitblirger angehörl; zum Borabend dieses Tages bat da« Leipziger städtische Theater bereits dem selben durch Ausführung seines „Mazeppa" den schuldigen Tribut de« Tankes abgetragen, und so Vars de» heutige» Tag auch das „Leipziger Tageblatt", für das der Gefeierte seit Jahren als Kritiker lhätig ist, nicht mit Stillschweigen über gehen. Rudolf von Gottschall ist eS, dem dieses Gc- benkblatt gewidmet sei. Nukolf von Gottschall, der als Lyriker, Epiker. Dramatiker und Romanschriftsteller wie als Literar historiker, Acsthetiker und Kritiker gleich Hervorragendes ge schaffen hat und obenan steht, wo dir ersten GeistcSheldcn unsere« Volkes genannt werden. In glücklichen Verhältnissen, al« der Sohn eines preußi schen OjsicierS, am 30. September 1823 in BrcSlau geboren, kam Gottschall frühe mit dem Vater an den Rhein, um seine erste Kindheit in Eoblenz zu verleben n»d dann diese schöne Rheinsladt mit dem goldenen Mainz zu vertauschen. Schon aus dem Mainzer Gymnasium regte» sich seine poeti schen Schwinge», und bereits die lyrischen ErsllingSfrüchtc dcS jungen Schlesiers fanden bei der für daS Schöne so empfänglichen rheinischen Bevölkerung freundliche Ausnahme, nebenbei aber versuchle sich der Jüngling auch bereits mit Erfolg als Kritiker eines Mainzer ÄlattcS, und in Mainz war schon damals die Ausgabe eines KrilikexS keine leichte, und gerade daS Mainzer Publicum war ganz, dazu beanlagt, selbst Kritik zu üben und da» Gute vom Schlechten zn »ntc» scheiden, wa« wesentlich dazu beitrug, den Geist dcS jugendlichen Kritikers zu schärfen. Daß der Ansenlhalt in Eoblenz und Mainz auch dem Gemülh und der Phantasie Goltschall's sich sehr förderlich erwies, ist selbstverständlich, und ebenso mußte angesichts des RheinstromS. der nach französischen Anschauungen höchstens aus seiner Ostseite als deutsch zu denken war, und in Riick- erinnerung an die »och jetzt von den Mainzern nicht vergessene längere Occupalion ihrer alterlhümlichen Stadt durch Frank reich Goltschall's Patriotismus reiche Nahrung sinbe», wie andererseits GottschaU kauni in einer anderen deutschen Stadt französisches Wesen, französische Sitte und ^Literatur hätte bester kennen und deren Licht- wie Schallcnscitru mehr würdigen lernen können, als eben in Mainz. Unter all diesen Ein drücken war demnach daS Leben in Mainz namentlich für den Dichter Gottschall von nachhaltigem Einfluß. Nachdem er seine Gymnasialzeit glücklich Überstunden, bezog Gottschall l84l die Königsberger Universität als Stu dent der Rechte und hier in Königsberg, wo damals gerade die liberale Bewegung hohe Wogen schlug, war der geeignetste Platz für einen so feurigen jungen Mann, wie Gottschall, zumal Vesten freiheitliche Ideen schon in Mainz geweckt worden waren. Unser Dichter veröffentlichte, zwar noch schüchtern und ohne Nennung seines NamenS. in Königsberg 1842 seine „Lieder der Gegenwart" und 1843 seine in Zürich gedruckten „Censurflüchtlinge", deren Freimntb und Juarnd- srische ebenso wie ihre Hormvollendung auch in weiteren Kreisen bereits Aussehen erregten und Beifall fanden. Wie wohlgethan cs gewesen war. daß Gottschall unter der da maligen rcactionairen Regierung in Preußen diese seine Ge dichte hatte anonym erscheinen lasten, sollte er bald genug erfahren, indem er wegen Theilnahme an einer studentischen Demonstration mit dem consilium ubouncU erfreut wurde. Natürlich hatte diese Maßregel gerade daS Gegenthcil testen, wa« sie bezwecke» sollte, zur Folge, und' in BrcSlau. wohin sich Gottschall von Königsberg aus wandte, entsprach er dem von oben her geäußerte» Wunsche, er möge sich an die Milch der fromme» DcnkungSart gewöhnen, so wenig, daß er ein Jahr später feierlich aus Breslau ver wiesen ward. Hiermit war natürlich vor der Hand seine akademische Laufbahn abgeschlossen, und der junge Stürmer und Dränger zog sich nolhgebrungen inS Privatleben zurück, ohne indcß seine» freiheitlichen Ideen zu entsagen. In dem gastlichen Hause dcS Grasen Neichenbach mit Freuden auf. genommen, vollendete er. nachdem er bereits im Sommer 1843 ein Drama in Jamben, den „Ulrich von Hultcn", unter Nen nung seines NamenS in Königsberg hatte drucken lasten, sein in Prosa geschriebene«, krastgcnialeS Drama „Maximilian NobeSpierre", da«, nach Danton's Tode beginnend, in schwungvoller Darstellung die Kampfe dieses Mannes nach der Dictatur und seinen jähen Sturz schildert und sich be sonders .durch eine gelungene Charaktcrisirung der einzelnen Revolution-Männer auSzeichnct. Es erschien gedruckt zu Reiste Ende des IahreS 1845. Gottschall hatte inzwischen, trotz der freiheitlichen Ge sinnung. die sich in allen seinen bisherigen Gcistesproducten ausgesprochen, doch die Erlaubniß erhalten, seine Studien in Berlin zu beenden, und so hatte er denn die Genugtbnung. 1848 in Königsberg sein juristisches Doktorexamen'bestehen zu können. Zuerst batte er die Absicht, sich zu habilitiren, da von Seiten des Ministeriums aber zur Vorbedingung die Umwandlung seiner politischen Gesinnung gemacht warb, so gab er seine ursprüngliche Absicht auf nnb entschloß sich, fortan nur der schönen Literatur und der Pnblicistik zu leben. Er blieb in Königsberg, wo er politische Vorträge hielt und von Dircctor Wolterövorf mit der dramaturgische» Leitung der städtische» Bühne betraut ward. Er schrieb nun für diese Bühne, an der bereits seine „Blinde von Alarea", ein nach einer französischen Novelle gedichtete« Drama mit gewissen Anklängen an Friedrich Hebbcl's „Maria Magda lena". aufgesührt worden war, 1847 seinen „Lord Byron in Italien", und beide Dramen sandcn trotz ihrer romantisch-lyrischen Behandlung-weise viel Beifall. 1848, in welchem Jahre auch seine lyrische» Gedichtsammlungen „Barrikadenlieder" und „Wiener Jmmvrtellenkränze" er schienen, dichtete Gottschall für das Hamburger Stadlthcatcr auf Baison'S Veranlassung da« Localtrauerspiel „Hieronymus Einiger", besten Titelheld, ein sreihcillicbendcr Patriot, wider Willen zum BaterlandSverräther wird. Iin folgenden Jahre verfaßte er ein kleines Tendcnzbrama „Die Marseillaise" und veröffentlichte abermals einen Band Gedichte, schrieb 1850 die Trauerspiele „Lambertine v. Mericourl", welches Drama, ein» der bedeutendsten dieser Epoche, die Furie der Revolu tion durch die Liebe z» idealisiren sucht, und „Ferdinand v. Schill". in welcher Tragödie der Dichter eine lebensvolle Schilderung de« EonflictS zwischen der Pflicht deS Gehorsams gegen den Krieg-Herrn und der de- Patriotismus giebt. Die Tragödie ward nach der ersten Ausführung von der Polizei in Berlin und BrcSlau ihrer patriotisch-politischen Anspie lungen wegen als gemeingefährlich gelennzeichnet und weitere Ansführungen verboten. Auch daS kleine, meisterhaft auS- gearbeitete Drama „Die Rose vom Kaukasus", daS den Eonslict zwischen Patriotismus und Liebe behandelt, gehört dieser Zeit an. Nachdem die „Lambertine v. Mericonrt" und „Schill" in Hamborg 1850 bezw. 1851 auch gedruckt erschienen waren, schloß der Dichter mit dem lyrisch-epischen Gedicht „Die Göttin, ein hohe- Lied vom Weibe", besten Sujet wiederum der sranzösischc» Revolution entnommen war, die mehr oder weniger von politischen Tendenzen beherrschte Sturm- und Drangperiode seine- poetischen Schaffen« ab, und die Zeit der künstlerischen Reife, der objektiven TarstcllungSweise begann 1SSS mit der längeren formvollendeten und farben prächtigen epischen Dichtung „Carlo Zeno", einem der besten Epen seiner Zeit. I» diesem Jahre zog er. nachdem er sich zuvor »och eine Zeit lang in Hambnrg ausgehaltcn, wieder nach Breslau, wo er sich verheiratbele und eine staunen-, werthe literarische Thäiigkeit entwickelte; so erschien in diesem Jahre sein epochcinachenves Werk „Die Nationallileratur in der ersten Hälfte des IS. Jahrhundert-", in welchem Gott schall mit großer Wärme der einseitigen Auffassung Julian Schmidt'- gegenüber sich der jüngeren Dichtcrgeneration an- nahm; da» Werk liegt jetzt, zur „deutschen Nalioualliteratur deS IS. Jahrhunderts" erweitert, in bedeutend vermehrter fünfter Auslage von vier stattlichen Bänden vor. DaS in diescni literarhistorischen Werk verfochtene Princip ist nachher (1858) vom Dichter in seiner „Poetik" weiter auSgesührt und die ästhetische Berechtigung diese- PrincipS schlagend dargetha» worden. Noch 1854 aber wardGottschall'S Lustspiel „Pitt und Fox" vollendet und machte rasch seinen Weg über alle deutschen Bühnen, um an denselben ein Repertoirestück von unvergänglicher Zugkraft zu worden. Diesem Lustspiele, mit dem der Verfasser wohl den glück lichsten dramat scheu Wurf gethan, reihten sich die „Diplo maten" (1856), „Die Welt dcS Schwindels" (1857) und andere an, welche Lustspiele gleichfalls vielfach beifällig Aus nahme fanden, wenn sie auch nicht von den, durchschlagenden Erfolg begleitet waren, wie sein „Pitt und Fox". Daneben war Gotllchall auch nicht müßig ans dem Felde der Tragödie. So schrieb er 1855 seinen „Mazeppa", worin der Untergang der maß- und ziellosen Leidenschaft treffend geschildert wird; hieran reihten sich die Dramen „Ter Nabob", „Katharina Howard", sein erfolgreichstes Trauerspiel. „König Karl XII.", „Herzog Bernhard von Weimar", „Arabella Stuart", „Amy Robsart", „Aus rother Erde" re. 1856 erschienen auch seine epischen Dichtungen „Sebastopol", 1858 seine „dienen Gedichte", in welchen n. A. der glückliche Versuch gemacht ist, die antiken Odenstrophcn zu reimen. 1862 übernahm Gottschall die Redaktion der „Ostdeutschen Zeitung" in Posen, trat aber bald wieder von seinem Posten zurück, da er diesen als einen vcrtorcnen betrachten mußte, indem er mit seinem Versuch, eine Versöhnung der Polen mit dem Deutschthum hcrbcizusührcn, nicht dnrckzudnngen vermochte. Nachdem er daher noch 1863 eine Reise nach Ilalien unternommen, und die dort empfangenen Eindrücke in seinem „Nctsebuch nach Italien" (Breslau 1864) ver öffentlicht batte, siedelte er zu dauerndem Auscntballc nach Leipzig über, um daselbst die Redaction der „Blätter für literarische Unterhaltung" und „Unsere Zeit" zu übernehme», in demselben Jahre »och vom Großherzog von Sachsen zum Weimarisiben Hosratb, später (1875) zum Geh. Hosralh er nannt, und gab ebenfalls 1864 seine älteren epischen Gedichte „Carlo Zeno" und „Tic Göttin" wie den farbenreichen LotoS- blumcnkranz „Maja" gesammelt als erzählende Dichtungen heraus. Die Redaktion der erwähnten Zeitschristen, die natürlich vv» »u» an in erster Linie sei» Interesse wie seine Thäiigkeit in Anspruch nahmen und welche er beide aus der Höhe ihrer Zeit bl» zum heutigen Tage zu erhalten gewußt Kat, gab ihm auch besonders zur Abfassung zahlreicher kriti scher Essays willkommenen Anlaß und eure ganze Reihe dieser geistvollen Essay» erschiene» dann wieder in Buchform unter dem Titel „Porträts und Studien". Daneben übernahm er noch die Rcdactio» deS „Neuen Plntarch", einer Sammlung von Biographien hervorragender Charaktere der Geschichte. Literatur und Kunst, und veranstaltete 187-9 die erste AuSgabe von Grabbe'S „Sämmtlichen Werken", vorher schon (1568)'eine AuSgabe von Theodor Körner'» Werke» u. dgl. m. 1870 eröffiiete Gottschall auch mit feinem KriegSlicd in der „Kölnische Zeitung" den lyrische» Feldzug gegen den teulschen Erbfeind und vcrö„enllichle seine schwungvollen „KriegS- lieder" noch im selben Jahre, welcher Sammlung er 1873 einen weiteren Band Friedens- und KricgSgcdichte unter dem Titel „Janus", sowie ein komische« EpoS in vier Gesängen, den „König Pharao" folgen ließ. Im folgenden Jahre 1874 gab er eine „Gcdankcnharmonic" a»S Goethe nnd Schiller, um diese Zeit auch einen „Blüthenkranz »euer deutscher Dichtungen" heraus, der zahlreiche Auflagen erlebt hat. Neuerdings aber bat er sich mit Glück auch dem historische» Roman zugewandt, und schon sein erster dreibändiger Roman „Im Banne deS Schwarzen AdlerS". den der Dichter auch in seinem Lustspiel „Spion von NhcinS- berg" mit großem Geschick dramatisirt hat,. fand allgemein die größte Anerkennung. Diesem Roman, der 1875 erschien, folgte 1877 der Roman „Welke Blätter", 1879 der weitere Roman „Da» Goldne Kalb", >880 „DaS Fräulein von Saint Amarantbe" (wiederum der Geschichte der sranzösischc» Revolution entnommen). 1881 „Die Erbschaft dcS BtttteS" und 1883 endlich „Die Papierprinzessin", deren Sujet eben falls der französische» Geschichte entlehnt ist. Vergegenwärtigt man sich angesichts alle- dessen ferner noch, wie der uni seiner Verdienste willen vom Könige von Preußen 1877 in len erblichen 'Adelsstand erhobene Dichter, auch seit Jahren mit größter Gcwissciihastigkcit scines Amte- als Thealerkritiker wie einer Reihe Ehrenämter waltet, so muß man sagen: ein Leben voll Arbeit, aber auch voll Ruhm ist eS, daS miserm Rudolf v. Gottschall bcschiccen ward, und die Spannkraft seines Geiste» zwingt Jedem, der Gottschall in seiner Tbätigkeit verfolgt, Achtung vor dessen unerniüv- lichcr Thätigkcit ab. und diese Achtung steigert sich noch, wenn man bedenkt, wie der vielbeschäftigte Tichter trotzdem an dem Schicksal seiner Nebeniiiciischen lebhaft Antheil nimmt und Keinem, der sich an ihn wendet, seinen Rath und Beistand versagt, vielmehr zu den zugänglichsten nnd liebenswürdigste» Persönlichkeile» ganz Leipzigs gehört. Wir können nur wünsche», daß Rudolf von Gottschall, der unS von seiner reiche» Phantasie und vielseitigen Bildung so Diele Proben gegeben, der rcichbcgablc Dichter, Literarhistoriker, Acsthetiker uiid Publicist noch recht lange uns in der bisherigen Jugendsrischc und Schaffen-srcud gleit erhalten bleibe. Karl Siegen. Lin paar Rolossalfigurtn von Hugo Herb. Herr Bildhauer Hugo Herb hat jetzt die Modellirung zweier Kolossalfigure» vollendet, welche dazu bestimmt sind, zu beiden Seile» de- Portals eine- Neubaues aus der Stepbanstraßc (auSgesührt durch Herrn Architekt Bösenberg für Herrn Buchhändler A. Schnitze) ausgestellt zu werden, um die unterste Platte eine« darüber befindliche» Erker» zu unterstützen. Tie Figuren haben bei ihrer jetzigen, durch die Erkerplalte niedcrgebeugten Stellung eine Höhe von 2'/« Meter und würden. völlig gerade ausgerichtet, 3V, Meter iiiessen. Sie sind übrige»- nicht blo-, wie die» sonst oft der Fall, in der oberen Halste figural behandelt und in der unteren in einen Wandpseiler in Gestalt eine- HcrmeiisußeS au-lausend. sondern es hat sie der Künstler al- volle Figuren durchgebildet. Eine andere Abweichung von der gewöhnlichen Gestaltung derartiger Tragsigurc» besieht darin, daß der Formenkrei» »e» klassischen AlterthumS nicht zur Anwendung gekommen ist und daß Herr Herb keinen AtlaS oder Herkules gewäblt. sondern ein Paar alldeutsche Kriegergestalten au» ihren Ur wäldern bcrvorgeholt »nd deren 'lragfähigen Schlittern die Last aiisgebürdet bat. Ter Künstler hat in der Durchbildung der Gestalten einen gesunden RealiSmu» walten lassen. Die linke Figur hat ein Bärenfell, die rechte ein Ochsensell überczeworsen; trotzig schauen di« von der Last niedergebeugten bärtigen Häupter unter diesem kriegerischen Schmucke hervor. Ein einfaches kurze». Arme und HalS freilassende-, um die Hüsten gegürtete» Gewand bekleidet, in hübschen natürlichen Fattcninotivcn angeordnet, die Gestalten bi» zur Milte der Oberschenkel. Die nervigen Beine sind von da an nackt. Die Füße der linken Gestatt tragen einfache Sandalen, durch Kreuzriemcn befestigt, welche bi» ein Stück über die Knöchel reiche». Der andere Krieger hat sich einfache Schuhe her- gestellt durch ein unter den Fuß gelegtes und von alle» Selten heraufgcschnürteS Stück Lever; ebenso ist bei ihm «in Theit der Unterschenkel von einem Stück Zeug umschnürt. Ucbcr die Hüfte fällt da» mit einem Paar Kelten am Gürtel befestigte kurze Schwert. Die hinter den Gestalten lehnenden Sckiltc sind glücklich benutzt, um dieDnrchschncidung der Linien der Beine von den horizontalen Nulen der Qnaderung zu ver meiden. Da lei dem linken Träger die Last wesentlich aus dem Nacken und ziemlich gleichvertheilt auf beiden Schultern ruht, bei dem ander» aber wesentlich aus der rechten Schulter, so ist natürlich auch die Vcrlheilnng der Last aus tie beiden Beine und die dadurch bedingte Stellung derselben und die Turchdrückung der Knie bei beiden Figuren wesentlich verschieden behandelt. Die nackten, sehnigen Arme sind trefflich arrangirt nnd durcb- qebildet. Der äußere Arm der Figuren sucht einen Stützpunkt in den Hüsten, der innere stemmt sich bei beiten kräftig an den stark auekragciidcn, ebenfalls von Herrn He r b nivdellirten Schlußstein veS ThorboaenS, ohne daß dabei die Motive sich rechts und links in (leiser Symmetrie wiederholte». Bei voller Natürlichkeit der Haltung runden sich und schließen sich überhaupt alle Linien der Composition in gefälliger, schöner Weife zusammen n»d eS ist vorauSzusehcn, daß auch in Verbindung mit der fertigen Architektur der Gesammt- cindruck dieser Trägcrgruppe ei» schöner, ja, man kan» sagen meiiunientalcr sein wird. Ans Anralhcn einer Anzahl von Mitgliedern des KünsilervereinS hat sich Herr Herd ent schlossen, sein Atelier (Blnmengasse ll) Sonntag und Montag von 10—4 Uhr für Künstler nnd Kunstfrennve zur Besichtigung seiner Kolossaisiguren geöffnet zu halten. Adolf WeiSke. 37. Hauptversammlung der Gnstav-Adotf-Stiftung in Lübeck. m. * Lübeck. 27. September. Wir haben heule zunächst über das gestern Nachmittag staiigchabte Fcstdincr zu berichten. Dasselbe wurde in dem mit allerlei Grün, Wappen und Fahnen schön decorirten Saale dev Casinos ai gehalle»; kein Platz war leer, so Mancher, der gern noch mit Thcil genommen, muhte unikehren, da der Saal nur ca. 300 Pcrsenc» fahle. Den ersten Toast aus Se. Majestät den Deutschen Kaiser brachte Herr Professor vr. Fr icke aus unter lautestem Veisall der Versammlung. DaS nngcsähr war der Sinn seiner Worte: Wem ander» sollte daS erste Wort gelten als unserem Kaiser! Wo ist ein Fürst wie er, ausgezeichnet durch Tiefe und Innerlichkeit, durch Echtheit seiner Persönlichkeit, durch die Herr lichkeit seiner Traten. durch die peinlichste Treue in der Erfüllung auch der kleinsten Pflichten! In der Rüstigkeit seines Alters ein Anadciiwlindcr Gottce vor unseren Augen! Wir haben alle sein Bild in unseren Häusern, aber wir bedürfen nicht eS anznschauen, den» sei» Bild lebt in unseren Herzen. Vor wenig Tagen hat Se. Majestät den Hebungen seines Heere» beigewohnt i» unermüdlicher Kraft und nun weilt er aus dem Nicdcrwalde, um in diesen Tagen, umgeben von so vielen Fürstlichkeiten, zur Seite den Schlachlen- denker Moltke, umgeben von der ganzen dentschen Nation, umgeben auch von dem Bürgermeister dieser Stadt (Herr Bürgermeister Brhn war eben nach dein Niederwald abgereist) ein Denkmal zu weihen, das an Deutschlands gewaltigste Zeit erinnert, herniederschaut auf de» Rhein, Deutschlands Strom, nicht DeiiischlandS Grenze. Und dieser beste, edelste, gerechteste Kaiser, gerecht auch gegen seine katholischen Untcrthanen, ist ein treuer evangelischer Christ, der keine Gelegenheit vorübergehen läßt, ohne eS zu bezeugen: ohne Glauben, ohne Religion, ohne geweihte Sitte wird au» euch nicht». Er ist zugleich ei» Mariner Freund deS Gustav-Adols-BereinS, der unter Len Gebern des Vereins oben an steht! Se. Majestät der Kaiser, der Schirmherr ilnscrer evangelischen Kirche, der Protecior der Gnstav-A-ols-Ttistung lebe hoch! Sosort nach dem Toast wurde daS bereits von nns »liigcthcilte Telegramm an den Kaiser abgelandt. Herr Consul A dami-Bremen liest den Senat der Stadt Lübeck, deren Thore und Häuser den Guslav-Adols-Vercin so gastlich aus genommen, hochleben. Herr Senator Kulenkainp-Lübcck dankte durch ein Hoch auf den Verein. Herr Hr. von Erlegern ge dachte, anknüpsend an das Wort: „Es ist ein Geist, aber mancherlei Gaben", dankend der beiden Festprcdiger?. Weymann und ?. Pank. Letzterer lvon der Versammlung mit einem lauten Bravo begrüßt) erwiderte durch einen Toast aus die Lübeckerinnen. Herr Lonsistorial- ralh Natorp gedachte dankend de» Localcomitss, Herr Pastor Zieh de» Lübecker Frauenvereins. Herr Pastor Frick-Zürich verlas ei» sclbstversasticS längeres Gedicht aus die Stadl Lübeck, das mit vielem Beifall ausgenommen wurde. Herr Hofpredigcr Rogge liest die Veteranen de» Vereins lebe», Herr Superintendent Teutsch den Vorsitzenden Herrn Professor Fricke, Herr Prälat Doll die Diosporageistlichen „na Herr Superintendent Großmanu alle Frciiiide der Diaspora. Tie heutige zweite öffentliche Versammlung wurde früh 8 Uhr mit Gesang und einem Gebet, gesprochen von Herrn Hosprediger Rogge, eröffnet. Demnächst hielten Ansprachen: vr. Boigdt» Dombrowken über die Diaspora-Gemeinden Friedenau, Landeck, Bischossiein, Sceburg, Superintendent Haase-Teschen über Troppau, Freüvaldau, Auhammer, To'ten (Errichtung eine» evangelische» Krankenhauses), Pastor Ranle-Lübcck über die Kohls in Indien, an denen der JesnitisnmS so vielfach seine Mission treibt, Pastor Zahn-Wi-lowitz über diese seine Gemeinde und Zabrze in Ober- schlcsien. ES folgte die Berichterstattung über die Centralcassenrechnung für 1881 82 durch Herrn Oberpostcommilsar Opel-Dresden. Die Versammlung erihcilte Tccharge und druckte dem langjährigen Cassirer de» Vereins Herrn Ilr. Lampe-Leipzig ihren besonderen Tank aus. Als Rechiningsrevisorcn für die 3 Jahre vom 6. November 1883 bis dahin 1886 wurden gewählt die Herreu Fäbndrich, O. Wcickert, De Liagre-Leipzig. Tic Versammlung war nun aus dem Höhepunct ihrer Verhand lungen angekommeii, bei der immer ganz besonderes Interesse in Rnivruch nehmende» Bestimmung über das gemeinsame Liebcüwerk. lieber tue drei vom Cenlralvorftand vorgeschlaqencn Gemeinden Altenesse» in Rheinpreußcn (Küchbau), Grost-Wrbka in Mähren lPsarrbausbau), Proskau in Schlesien (kirchbau), gab Herr Prälat D o ll-Karlsruhe eine» eingehenden, in kurze» Zügen genau orien- tircnden. dabei ganz unpartenschen Bericht. Bei der Abstimmung siegte Alienessen mit 88 Stimmen (darunter die 6 Stimmen de» HauvtvereinS Halle sund hie Stimme deS TentralvorstandeS gegen Wrbka (46 Stimmen, darunter die 8 de« Hanplvereins Leipzig) und ProSka» (10 St.) Die siegende Gemeinde erhält 16,969 .4!, jede der unterliegenden 4635 ^l Herr Pastor Leipoldt-Alien«ssen dankte mü sehr bewegten Worten. Nach einer halbstündigen jPanse wurden die Ansprachen noch sorigesetzt. Es redeten die Herren Pastor Klebek-Brünn über Olmütz, Pastor Molnär-Pilsen über seine Gemeinde, Consistorialrath Nie mann.Munster bar sür da» Paderborner Land, Lbersenior Lang- Topiü-Sz. Marlon sür Slavonien. Pastor Jiinek-Stritzct sür Mähren und Pastor Schack-Heidelberg sür die deutsch-evangelischen Gemeinde» im südlichen Rußland. Für dar nächste Fahr luden ein die Herren Lonststortakralh Bayer »och Wiesbaden und Pfarrer Ritberi nach Darmstadt. Die Ber- sammlung enischied sich mit großer Majorität für Wiesbaden. In die zuletzt vom Herrn Vorsitzenden gesprochenen Dankesworte, welche galten dem Senat, der Bürgerschaft. den Gesangvereinen, insandcrheit dem LocalcomitS, stimmte» gewiß olle Festgenossen, di» so köstliche Tage in Lübeck verlebt und eine außerordentlich lieben», würdige Gastsrenndschast ersahre», von Herzen ein, nicht minder in da- Schliisigcbet de« Herrn Euperintendenie» Grostmann um Be hütung, Förderung, Segnung der liebe» Stadt Lübeck und der heilige» Sache, der diese Feier galt. Nachmittag 2 Uhr wurde die Versammlung mit dem Gesang „Nun danket Alle Galt" geschloffen. Am späleren Nachmittag wurden die Domkirche, da- Rathhau-, da« Haus der Kausmannichast (Fredenhagen'schcs Zimmer), da» SehifferhauS von vielen Fremden besichtigt. Da« Abend« 6 Uhr in der Marienkirche nach einem gewählten Programm künstlerisch durchgrsührte Loacert befriedigte in seinen lieblichen, wie i» seine» gewaltigen Theilen allgemein. — Für Abends 8 Uhr war ei»e frei» Versammlung mit Vorträgen, au» dem Gebiet der Gustav-Advls- Dtistnng im großen Saale de- Casino» augesetzt. Der Zadraaatvar eia so großer, daß kaum die Hälfte eine» Sitz- oder Stehplatz finden konnte, ein Beweis, wi, grober Anklang der vom Lrntralvorstand angeregte Gedanke solch freier Versammlung gefunden. — von den zahlreichen Redner» konnten wir noch hören die Herren Lonflftorial- rath Natorp, Oberpsarrer von Lölln-Brück, Superintendent Tentsch- Hermaunstadt. Pastor Terlinden-DuiSburg, welch« unter Borsühruug lebensvoller Bilder von der Noth der Diaspora, sowie von-dem Segen der Arbeit de» Gustav-Adols-BereinS zeugten. Morgen findet eine gemeinsame Fahrt nach Travemünde statt, dann kehren sie wieder heim, die vielen Fremden mit herzlichem Dank, aber auch mit neuer Lust sür die Arbeit an dem gottgesegnelen Werk de» Gustav-Adols-BereinS. Möchte der Verein auch der lieben Stadt, die ihn dies Jahr so gastlich ausgenommen, einen bleibenden Segen hinterlassen, daß man dort aus dem Grund protestantischen Glauben«, in der Arbeit evangelischer Liebe auch seiner weiter freundlich gedenket Schach. Aufgabe Nr. SSO. von llerwano ron (lottsodnU in Leipzig. Sokirnrn. IVots,. Weiß zieht an und setzt in drei Zügen matt. Lösuug vau Nr. -28. 1. De4—g7 86—bk S. Dg7—d? bk—t>4 8. »3—b4: matt. 1. ..... . Ik»5—bk 2. f Ldk-o4 3. ü2—33 matt. Stugelaufene Lösungen. Nr. <28 wurde gelöst von H. Neubeck. Balthas. Mischer, K. W. Winkler ft, Reudnitz, Sustuv Schumann, L. Wegner, Schützen- holwirth in Georgenthal, Hermann Böhm, I. G. Ritter, Friedrich Ed. Wegwitz, C. Rlcmann (Thonberg). Rösselsprung Rr. 849. (Milgetheilt von «tugnatv Loftlmaon.) n o 0 o t 1 V 0 o ll e m - v Q r n o r « i . r » » ll ä ck v o ll > ft L o r ck l o 6 n 1 » v t i » v v o » t ll » o m ft ft l » ll 8 s 11 o » v o r « o o o v u v > v 6 t « r t ft ft ! - - v 8 V u » » o L >- r t L 0 v t » t L *! 6 m 6 o o t » s e i 8 l » (Die Namen der LSser werde» veröffentlicht.) Lösung de» Rösselsprungs Nr. 248. Fm Fleiß kann dich die Biene meistern, F» der Geschicklichkeit ein Wurm dein Lehrer sei»; Dein Wissen «heilest du mit vorgezog'nea Geistern — Die Kunst, o Mensch, hast du allein l (Schiller.) (»tngelansene Lösungen. Der Rösselsprung Nr. 248 wurde gelöst von Carl Dietrich, Therese Engelmann, Lehrer Schwermann. Helene Bolgtläuder, Anna Lehmann, Selma Schneider, Auguste Kohlmann. Arithmetische Aufgabe Rr. 873. Au« de» Ziffern 0, 1, 2, 3, 4, b, 6, 7, 8, 9 lallen drei Zahlen so gebildet werden, daß da» Product, au» zwei derselben um die dritte vermehrt, eine Summe giebt, di« sich aus möglichst viele Nullen endigt, mindesten- aber ans 2 Nullen. Di« 0 darf selbstverständlich bei den zu bildenden Zahlen nicht die 1. Stelle liuv bilden. 1. Beispiel. 947, 23« „nd 1508. Denn »47 . 236 1894 2841 5682 IK08 — 22500 S. Beispiel. 40817. 6623 mld S. Denn 40817 . K6S3 204085 244902 81634 1224kl —_ v — 229514000. Da sich bei diesem 2. Beispiele da« Resuttat aus 3 Nullen endigt so dürsen in de» gebildeten Zahlen die Ziffern, welche vor der dritt letzten Stelle stehen, nicht ander« angeordnet werden, um neue Aus lösungen zu bilden. Außer diesem 2. Beispiele gelten daher K0817 . 4623 -f- 9 »der 405817 . 623 9 ». s.«. nicht al- oene ' AuflSsnuge».
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