88 Ein Rittergut für die Wissenschaft geopsert. Bei seinem Bruder Wilhelm fand er die lebhafteste Theilnahme für seine Reiselust. Obgleich die ganze Humboldt'sche Familie damals am kalten Fieber krank lag, sprach man, wie Schiller am 14. April 1797 an Göthe schrieb, doch von nichts als von nahen großen Reisen. Eine gemeinschaftliche Reise nach Italien, wohin es Alexander um der dort thätigen Vulkane willen zog, sollte den Anfang zu einer Verwirklichung der vielen kühnen Reiseträume machen. Zuvor aber mußten noch die Erbschaftsangelegenheiten in Folge des Todes der Mutter geregelt werden. Denn Alexander mußte vor allen Dingen erst die Mittel für seine beabsichtigte große Reise gewinnen, und eine solche westindische Reise war damals für einen Privatmann ein sehr kostspieliges Un ternehmen. Alexander reiste darum im Mai nach Berlin, um die Hülfe des treuen Freundes Kunlh für die An gelegenheit in Anspruch zu nehmen, und im Juni waren die sammtlichen Glieder der Humboldt'schen Familie in Dresden versammelt, um die Erbschaftstheilung zu Ende zu führen. Alexander erhielt das Rittergut Ringenwalde in der Neumark als sein Erbe zugesprochen; aber er übernahm es nur, um es sofort wieder zu verkaufen, in der Absicht, die erlöste Summe zur Ausführung seines großen Reiseunternehmens zu verwenden. Der Käufer des Gutes war der Dichter Franz von Kleist, und Kunlh übernahm die Verwaltung der erlösten Gelder, wie er sich der Sorge für das an Wilhelm gefallene Tegel unterzog. Es giebt zwar nicht gerade viele Leute, die ein Ritter gut zur Befriedigung ihres Forscherdranges auszuwenden haben. Aber seltener sind doch noch die, welche ihr ganzes Erbgut daran setzen, um unter Mühen, Ent behrungen, Gefahren aller Art der Wissenschaft zu dienen.