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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 05.01.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-01-05
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000105013
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900010501
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900010501
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-01
- Tag 1900-01-05
-
Monat
1900-01
-
Jahr
1900
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Gemeindedorstand doriiseM erhalten. Die vocherge- gangene Wahl de-Ort-diener- zum Gemeinde» vorfian d war bekanntlich nicht genehmigt worden. — Lhoater» director Kammersänger Koepke hier wird nach Schluß der am Palmsonntag endenden Lheatersaison dom 1. Osteöfeier- tag« aib einen vierwöchigen OpernchkluS im hiesigen Stadt theater folgen lassen. — Stolberg, 3. Januar. Heute fand die Einweihung unserer neuen Lieh- und EchlachthofeS in feierlicher Weise statt. Geladen hierzu waren, wie der „Stollb. Anz." be richtet, außer den beiden städtischen Collegien, die beinahe voll zählig erschienen waren, die Rathrbeamten, eine Anzahl Vertreter auswärtiger und hiesiger Behörden und Körperschaften: Amts hauptmann vr. Hallbauer-Themnih, Cewrrberath Kunze-Ehrm- nih, RegierungSrath Roßmy-Hoheneck, Superintendent Lotichiu», Realschuldirector Professor Lösche, Schuldirector vr. Schmidt, Postmeister Uhlich, Bahnhofsinspector v. Egidy, die gesammte Fleischerinnung u. s. w. * Werdau, 4. Januar, vergangene Nacht wurde ein gewaltiger Feuerschein in der Gegend von Crimmitschau- Gößnitz bemerkt und ermittelt, daß in Altendorf «in Bauern gut mit allen Wirthschaft-gebLuden rin Raub der Flammen geworden ist. f. Lengenfeld, 4. Januar. Ueber die gestern bei dir Klopfers-Mlible an der Göltzsch erschossen aufgefandeaen drei weiblichen Personen erfährt man, daß die eine etwa 40, die beiden fstngeren etwa 18 und IS Jahre alt waren. Die ältere Person trug einen Trauring, sie scheint die Mutter der beiden jüngeren Mädchen gewesen zu sein. Gefunden wurden bei ihnen 20 ^tk, 10 und ein mit „Ll. k." gezeichnete- Taschentuch. Der Kleidung nach schienen sie Kellnerinnen oder Coupletsängerinnen gewesen zu sein. Bei der 40 jährig«, Frau lag ein Revolver. Eine von den drei Personen scheint die bridrn anderen erschossen und dann die Waffe auf sich selbst gerichtet zu haben, doch ist Mord nicht «»»geschloffen. Die todt aufgefundenen Personen waren früh 4,49 Uhr, aus Zwickau kommend, auf dem hiesigen Bahnhöfe angekommen. In Zwickau wird Niemand vermißt; dorthin sind, wie festgestellt, die drei Personen mit einem Leipzig.Werdauer Zuge gekommen. v. Annaberg, 4. Januar. In diesen Tagen vollenden sich 25 Iahre, seit Herr I u st i z ra th Dr- B ö h me, durch seine politische Thätigkeit als Landtags- und ReichstagSabgeordneter auch in weiteren Kreisen belannt, an der Spitze des hiesigen StadtverordnetencollegiumS steht. In einer Festsitzung, der sich ein Festmahl anschließen wird, werden dem verdienstvollen Manne die städtischen Collegien ihre Glückwünsche darbringen. I- Netzschkau, 3. Januar. Nach dem HauShaltplan für die städtischen Cassen zu Netzschkau auf das Jahr 1900 beträgt der durch Anlagen zu deckende Fehlbetrag 84 445,60 Mark. Dieses gegen das Vorjahr 4814,30 betragende Mehr ist in der Hauptsache durch Mehraufwand für da- Schulwesen, sowie durch erhöhten Aufwand für Unterhaltung der städtischen Wasserleitungen hervorgerufen worden. — Die seit einer langen Reihe von Jahren auf ihrem Schlosse hier wohnhafte, kürzlich verstorbene Gräfin Elisabeth von Schönburg- Glauchau hat der Stadt Netzschkau ein Der- mächtniß von 8000 ausgesetzt, dessen Zinsen zur Unter stützung von Armen zu verwenden sind. tt Auerbach, 4. Januar. Der Nestor der vogtläadischen Lehrerschaft ist gestern bier zur ewigen Ruhe gebettet worden: Herr Oberlehrer ew. Robert Friedrich. Derselbe hat ein Alter von über 80 Jahren erreicht. s-. Plaue«, 4. Januar. Die Herren Gebrüder Tröger hier haben die von ihrem verstorbenen Vater, dem Lederfabrikanten Herrn Carl Tröger, am 25. November 1891 mit einem Capital von 10 000 -4t errichtete Tröger-Stiftungumweitere 10 000 -4t verstärkt und diesen hochherzigen Entschluß heute dem Stadtrathe angezeigt. — Heute früh 1 Uhr ist der in weiten Kreisen bekannte Herr Duchbindermeister und Stadtrath Louis Schiller im Alter von 77 Jahren gestorben. Herr Schiller hatte daS Amt eine- unbesoldeten Rathsmitgliedes über 20 Jahre bekleidet. Aus diesem Anlasse war ihm der Titel „Stadtrath" auch bei seinem Rücktritte verliehen worden. — Dresden, 4. Januar. Der König jagte beute mit dem Prinzen Georg und mehreren Cavaliere« auf Rippiener Revier. Die Jagdtafel findet in der königl. Billa Strehlen statt. — Der König hat dem Ober-Telegraphenassistente» Geißler in Dresden das AlbrechtSkreuz verlieben. Z Dresden, 4. Januar. In der gestern Abend im evan gelischen Verein-Hause stattgefundenen Sitzung deS Vereins Dresdner Presse widmete der II. Vorsitzende, Herr Jesco von Puttkamer, dom verstorbenen I. Vorsitzenden, Herrn Stadt rath vr. Emil Biereh einen ehrenvollen Nachruf. Die zahlreich erschienenen Mitglieder erhoben sich zum ehrenden Andenken an den Verblichenen von ihren Plätzen. Bei der Ersatzwahl de» »vorstackdeS wurde Herr JescovonPuttkamer zum ersten und Herr Redacteur Hermann Gtarcke zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Die übrige Tagesordnung wurde anläßlich des Trauer faller abgesetzt. — DaS Dresdner Adreßbuch wird in diesem Jahre erst am 15. Januar erscheinen. In der hiesigen Geschäftswelt wird daS lange Ausbleiben dieses wichtigen Buche sehr schmerzlich empfunden. — Jnsoltze des nunmehr beginnenden StändehauSneubaues sollen die an das Brühl'sch« Palair anstoßenden Gebäude der Terrassengasse Nr. 2 und 4 und der Brühl'schen Gasse Nr. 1, 3, 5, 7, 9, 11 und 13 ab gebrochen und die hierzu erforderlichen AbbruchSvrbeiten gegen Ueberkassung der Materialien möglichst an den Meistbietenden vergeben werden. Die Angebote zum Abbruch müssen bis zum 18. diese- Monats im StändehauSbaubureau eingercicht sein. — Infolge der günstigen Witterung sollen die Arbeiten aus dem Festplatze für daS 13. Deutsch« Bundes schießen nun mehr binnen werden. Die Herstellung der Festhalle, de» Gaben- tempelS, de- Musikpavillon- und des Eingangsportals, deren Ent würfe von Herrn Aimmermeister Noack stammen, sind diesem in Gemeiikschvst mit Herrn Rath-zimmermeister Weber übertragen 'worden. Mr die große Festhalle hvt sich bis jetzt noch kein Be werber gesunden, der die Bewirthung derselben übernehmen könnte. Allerdings kann dies bei der Größe der Anlage nur ein Wirth Wernchmen, der mit sehr großen Regirmitteln arbeitet. Vergnügungen. — Au« dem Bure«» tze» Stabtttz roter-. Im Reuen Theater findet brate, Freitag, da- Gastspiel de- -erzogl. Kammeriünqer- Hrrrn Paal Kalt sch au- Berlin uad der kSaigl. KammrrsSnaeria Frl. Sma»»«la Frank im „Lohengriu" statt. Dir Vorstellung beginnt um V.7 Uhr. — 3« Alte» Theater wird hext« da- Luft- spiel „Drr Herr tm Haase" wiederholt. — Morgen, Soaaabead, gebt im Reuen Theater in neaer Einstudirang Lortzing'S komische Oper „Casanova" znm ersten Male wieder in Scene. — Im Altea Theater wird Nachmittag» 3 Uhr da» Märchen „Aschen brödel", Abwd» 7 Ubr die Operette „Die Talmi,räst»" gegeben. — Im Lorola-TLrater ist „Lomtrsse Guckerl" an- «setzt. — Für de» Sonntag ist der Epielplan wie folgt entworfen: Im Reaea Lbeater singt di, küaigl. Kammersöagrria Frl. Ema- »aela Frank al» zweit, Gastsptelroll« di» „Selica" ia der „Afri kanerin", im Alten Theater wird Nachmittag« S Uhr da« Märchen „Aschenbrödel" wiederholt; Abead- gelangen di« veuedi^schr» Lustspiele „Die Hochzeit-reife" uad „Die zärtlichen Per- wandten" »nr Anfführnag. — Im Carola-Theater wird di« Operette „Der wahrhett««a»d'^gegeben. — lkittßftoI-Po>ost'V«rt«4. Ada Colley dars mit Recht al- der Stern der Saison bezeichnet werden, denn ihr Erfolg ist «in durchschlagender nnd di« „Albertville" ist allabwdUch dicht besetzt. — Morgen (Hohe- Neujahr), sowie am Sonntag finden je 2 Vorstellungen, '/,4 aiG V,8 Uhr, statt. — I» Vneakellar findet heute, wie jed« Dienstag nnd Freit«, NB NlstdR Fn»tli«>-L»»t,,t von Fr. «yl, statt. — Das in de» nächst« Lagen tm Schloßkeller (am s., 7., 8. und S. Januar) concertirende Trompetercorp« der Leib-Garde- )usaren au« Pot«dam dllrft» vielen noch in bester Erinnerung rin. L» ist freilich bereit- sieben Jahr, h«r, seitdem da- iLueidige Corp« hi«r gehürt ward«. Herr Director W. Hamm fährt« aber damal- sich und seine Leute aus« Beste ein, und auch die diesmaligen Concerte werden den Beweis erbringen, daß die schmucken Trompeter «ad ihr kuuftoerftüadtger Dirigent noch dieselben tüchtigen Musiker lud. Die sämmtltchea Programm» »eis« bei all» Vielseitigkeit doch eine sorgsältig« Wahl auf; neben drr klassischen Musik ist mancherlei Neue« und Interessante« zu finden. Am Sonntag nnd Kontag wrrdea außer d« Leib-Sarde-Husaren auch die 106er — beide Corp» vollzählig — mitwirken. Herr Häßler bietet hier icherlich wieder etwa», was allen musikliebendea Kreisen willkommen »ia and znm Besuch« «»spornen wird, damit d» Lieb» Müh' nicht umsonst ist. — In den Räumen de« Hotel Schloß Lrachenfel- finden am b., 6. nnd 7. Januar groß« Elitr-Coacerte statt, aa-grsührt von dem Trompetercorp» de- Regiment» Gardes du Corp». Bekanntlich besteht da« Regiment ans den größten und schönsten Mannschaften der prrußischea Armer, welche ia ihrer schmucken Uniform einen wirklich tmponirradea Eindruck machen. Auf die in den Programmen rathaltenra Fanfareamärsch« and die Harmonische Retrattr mit !derold»tromp«tea und Pauken macken wir sprctrll aasmerkiam. Wir können den Besuch dies» seltenen Corwerte anr sehr empfehlen. Sport. Renne« zu Gatwick am 4. Januar 1900. (Privat-Telegramm.) Ritgetheilt vom „Deutschen Sport", Berlin, Filiale Leipzig. Earlöwood Handicap Hurdle Race. Drei» 2000 ^4 Dist. 3200 w. „Holmfirtb" 1., „Monotype" 2., „SalinS" 3. Steg 9:2. Platz 9:6, 13:24. Ferner liefen „Blyth and Tyne", „Melton Prior", „Sylvestris", „Lextngton". Deeprne Handicap Steeple Chase. Preis 2000 Dist. 4800 w. „Nepcotr"!., „Tour»" 2., , Lord Arravale" 3. Sieg 2:1. Ltmberham Hurdle Race. Preis 1200 .H Dist. 3200 w. „Carhair" 1., „Chichester Boy" 2., „King Devil" 3. Sieg ü:4. Ferner liefen: „East Park", „Dnbhern". Vermischtes. --- Altenburg, Sa.-A., 3. Januar. Ain Technikum illteuburg, einer höheren und mittleren Fachschule für Maschinenbau, Elektrotechnik und Cbemie, verbunden mit Lehrwerkstätte, werden die Diplom-Prüfungen von jetzt ab durch den herzoglichen RegierungS-Commissar Herrn Gewerbe rath Böhnisch abgehalten. Ausführliche Programme der Anstalt erhält man auf Wunsch durch die Direclion kostenfrei zugesandt. -i- Meuselwitz, 4. Januar. Der Vicebürgermeister Spengler, welcher sein Amt über ein Viertel Jahrhundert getreu verwaltet hat, ist im Alter von 69 Jahren nach urzer Krankheit verschieden. — Ein Geschenk beS Reich-kauzlerS. Fürst Hohenlohe >at dem Lehrer Gäbisch in Schillingsfürst, der jetzt auf eine 25jährige Thätigkeit als Lebrer in der Heimath de» Kanzlers zurückblickt, zu seinem Jubiläum ein prachtvolles Harmonium i um Geschenk gemacht. — Mainz, 2. Januar. Im Nachbarorte Bodenheim lebt die Wittwe Cordini auS Caub, die jetzt in ihr 103. LebenS- abr getreten ist. Sie ist geboren 1797, kann sich also deS eltrnen Vorzug» rühmen, in drei Jahrhunderten ge rbt zu haben. Die Frau ist noch verbältnißmäßig rüstig und trinkt alltäglich noch ein GlaS Wein; sie wirb nur dann ungehalten, wenn Fremde kommen, die sie ausfragen wollen. (K. Z.) Trier, 2. Januar. Ein mit zahlreichen FestauSflügleru ibrrfüllter Persouenzug, der beute Vormittag von hier nach Coblenz abfuhr, ist durch die Wachsamkeit eine- Bahn wärter- einer große» Gefahr entgangen. Kurz vor der Durchfahrt des Zuge» durch den Cochemer Tunnel ent deckte der Wärter im Tunnel einen Schienenbruch und brachte den Zug durch Signalschuß noch rechtzeitig zum Stehen, langsam und vorsichtig wurde dann über die gefährdete Stelle gefahren und der Zug traf mit längerer Verspätung in Coblenz eia. ----- M -Gladbach, 2. Januar. Heute hat hier die Mehr zahl der Ladenbesitzer mit dem vom Schutzverein für Handel und Gewerbe angeregten freiwilligen Neunuhr-Laden» s chluß begonnen. — Göschcnen, 4. Januar. (Telegramm.) Vergangene Nacht vor N Uhr sind im Gotthard-Tunnel acht Wagen eine- GüterzugeS entgleist. Niemand ist verletzt worden. Der Schaden ist bedeutend. Der Verkehr auf drr Linie war bis 6 Uhr Abend» unterbrochen. -- Wien, 3. Januar. Gestern ist bekanntlich Juliane Hummel, die ihr Kind zu Tode gemartert, hingerichtet worden. Es ist die- seit neunzig Jahren wieder die erste Hinrichtung einer Frau. Die letzte war Theresia Kandl, die „Greißlerin von Hungedbrunn", ein eitle» und koketter Wei- von großer Schönheit, sie lebte mit ihrem Gatten in stetem Unfrieden; als er ihr Kind nicht al» das seine anerkennen wollte, schwur sie ihm Rache. Während er schlief, erschlug sie ihn mit einer Hacke, trug den entseelten Körper am nächsten Morgen in einer Butte weg, Einkäufe vorschützend, und warf den Leichnam in einer entlegenen Straße drr Vorstadt Wieden weg. Nach Hause zuoückgekehrt, füllte sie die Butte mit Erdäpfeln, und erzählte, ihr Mann wäre verreiss. Als Jemand einige dieser Erdäpfel lauste und blutig sand, erschrak sie heftig und gestand den Mord. Zum Tode oer- urtheilt, ließ sie sich ihre besten Kleider bringen, um bei der Aus setzung im AemensündeHübchen Staat machen zu können. Vier Mal mußte die Schneiderin das weiße Sterbekleid ändern, bis eS vollkommen paßte, und die Spitzenkrause gut zum Gesicht stund, auch ließ sie sich grüne Atlasschuhe machen, weil die einen kleinen Fuß bewirken. So betrat ohne Reue die 22jährige Frau am 16. März 1809 den „Malesizwagen", der sie zur Spinnerin am Kreuz brachte. Auf dem letzten Wege ärgerte sie sich über den Staub, der ihr weiße» Kleid beschmutzte, und schon stand sie auf der Leiter am Galgen, al» sie um Aufschub bat, da ihr der eine AtlaSischuh entfallen, und ließ sich vom Henkersknechte denselben anssrcken. So endete die letzte Frau, die in Wien die Todesstrafe erlitten. — Pari», 1. Januar. Frau RSjane erzählt auf einem ihrer vom „Figaro" veröffentlichten Tagebuchblätter über ihre BorsteNungvordemdeutschenKaiserpaare Folgende»: „Um sieben Uhr geht der Vorhang auf. Ich sagte mir. . . Nein, ich sagte mir gar zu viel. . . Notiren wir nur, waS ich gesehen habe. . . Zuerst sah ich nichts. Der Saal war dunkel, wie eS in den deutschen Theatern Mode ist. Ich ahnte nur den Kaiser, von seinem Hofe umgeben, in der ganz dunklen Mittelloge, und neben ihm den französischen Botschafter, den ver ehrungswürdigen und reizenden Marquis de NoailleS, einen der Unseren. Und daS gab mir etwas Sicherheit. Nach dem ersten Acte ruft man mich wieder und immer wieder hervor. Der Saal wird hell. Und bei jedem Wiedererscheinen auf der Bühne kann ich mit meinen guten Augen sehen, wie der Kaiser da» Zeichen zu den BeifallSbezeugungen giebt. ... Am Ende der dritten Acte» kam ein Kammerherr zu mir und fragte mich, ob ich Ihre Majestäten vor meiner Abfahrt begrüßen wollt«, und auf mein etwas verwirrt gestammelte» „Ja" geht er weg. Der Vorhang fällt nach dem vierten Acte, die Hervorrufe werden immer stürmi- scher, und ich sehe den Kaiser mitten in seiner Loge stehen und kräftig applaudiren. Der Kammerherr von vorhin erscheint wieder, reicht mir den Arm und führt mich fort. Ich glaubte, rin Stockwerk emporsteigen und um die eine Hälfte der Balconloge herumgehen zu müssen. Aber mein Cavalier bleibt plötzlich im Erdgeschosse nah« bei der Bühne stehen und führt mich in eine Art Salo», wo sich bereit» eine Dame mit fast weißen Haaren be findet, die außerordentlich vornehm ou-sieht und mich wie Je manden begrüßt, der erwartet wird. S« war die Kaiserin. Gie war allein. Erst etwa- überrascht, wie man sein muß, wenn man eine gewisse Ceremonie erwartet hat und ganz etwas AndereS findet, begriff ich doch schnell die feine liebenswürdige Aufmerk- samkeit dieses Vorgehens. Man hatte mir nicht nur diesen Auf stieg und diesen Spaziergang durch die Wandelgänge hindurch nach einer langen und ermüdenden Vorstellung ersparen wollen, sondern man hat auch geglaubt, indem man mich zuerst einer Frau, mag sie auch Kaiserin sein, gegenüberzustellen geruhte, daS erste Zusammentreffen mit einem so verwirrenden Manne, wie es der deutsche Kaiser für eine Französin sein muß, abzumildern. Ich fand das sehr „chic", sehr französisch. Und ich muß Ihnen gestehen, daß ich mich sehr gerührt fühlte. Fünf Minuten ver streichen, während deren ich unzählige Liebenswürdigkeiten zu hören bekomme. Ich höre sie entzückt an und denke: „Jetzt kommt er!" Aber ich sage mir: „Schließlich hat er ja nicht den Krieg geführt" und tausend ähnliche Dinge, als der Kaiser, von Uni formen umgeben, im Säbelrasseln plötzlich auf der Schwelle deS kleinen Salons erscheint. Die Kaiserin wies mich an ihn mit den Worten: „Da ist der Kaiser, der besser, als ich, die Freude zum Ausdruck bringen kann, die wir heute Abend empfunden haben." Er ist in eine dunkle und sehr discret gehaltene Uniform gekleidet. Er sieht genau so aus, wie auf den Pksdtographien. Er trat an mich heran und ließ sich in einem selten reinen Französisch über die Schönheit der Costüme, über den Geist und die Feinheit des Stückes und über die unausgesetzt elastisch emporschnellende Handlung aus. „Herr Sardou ist in der That ein äußerst ge schickter Bühnendichter!" sagte er. — Als er von dem intimen Napoleon sprach, den Sardou aus dem historischen herauSdestillirt bat, erlaubte ich mir die Bemerkung: „Dieser Napoleon in Pan toffeln hat unfern Sardou verführt und daS Publicum sehr be lustigt, denn wir wissen, er ist groß genug, daß es uns gestattet ist, ihn etwas zu verkleinern." — „Ich liebte das Stück bereits sehr, als ich es in der deutschen Sprache auffllhren sah", erwiderte der Kaiser galant, „aber ich würdige und kenne es erst seit heute Abend recht." Indem er mir eine glückliche Reise wünschte, fügte er hinzu: „Ich danke Ihnen für die ausgezeichneten Lcctionen, die Sic unseren deutschen Künstlern gegeben haben." Ich ge stattete mir das Vergnügen, den Statisten, die das Theater gestellt hat, ein berechtigtes Lob zu spenden, und sagte: „Majestät, ich habe heute Abend meine Kameraden darauf aufmerksam gemacht, mit welcher Disciplin und welcher Intelligenz die Statisten in den Rahmen der Darstellung verschmolzen." Diese Bemerkung schien dem Kaiser zu gefallen. „Dann müssen Sie mir danten" sagte er, denn ich habe Befehl gegeben, daß in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig bliebe. . ." Er fügte dann noch einmal höflich hinzu: „Glückliche Reise!" und entfernte sich mit seiner Umgebung, nachdem er zum Marquis de Noaillcs gesagt hatte: „Ihnen kommt da- Vergnügen zu, Madame heimzugeleiten." --- 8i» soliScS und bequemes Nest. Das ornitho logische Museum von S 0 l 0 t h u r n in der Schweiz ist um einen merkwürdigen Gegenstand bereichert worden, der wohl einzig in seiner Art sein dürfte. ES ist ein Vogelnest, das nicht weniger als 32 Centimeter im Umfange hat und ganz aus stählernen Uhrfedern construirt ist. Während des Sommers bemerkte ein Arbeiter einer großen Uhrmachcrwerkstätte der Stadt, daß eine Schwalbe, die auf einem benachvarten Baum nistete, oft in den offenen Arbeitsraum flog und im Davonfliegen irgend etwas aus der Werkstätte, sei es ein Metallspänchen oder gar eine stählerne Uhrfeder, im Schnabel mitführte. Vor einigen Wochen nun, nachdem die Schwalbe längst mit ihren Genossen in ein wärmeres Land gezogen war, kam der Arbeiter auf die Idee, auf den Baum zu klettern und das verlassene Schwalbennest anzu sehen. Er fand es aus lauter Uhrfedern bestehend. ----- London, 4. Januar. (Telegramm.) Al» die neue Kgl. Aacht „Victoria and Albert" ia Pembroke gestern aus dem Dock gebracht werden sollte, legte sie sich auf die Seite und blieb in ungünstiger Lage im Docke stecke». Der entstandene Schaden ist noch nicht genau fest gestellt, er ist jedoch beträchtlich. —e. Tie Engländer haben endlich einen Lieg über die Boeren davongetragen, und zwar in Lonvon selbst, im Saale des Olympia-Theaters. Die Londoner Matter schildern diesen Sieg mit echter Begeisterung. Die Bühne des Olympia- Theaters ist sehr groß. Um das Publicum zu belustigen, stellte man dort zuerst Eskimos aus Labrador aus: Männer, Frauen und Kinder. Möse Eskimos sind das friedfertigste und das an ständigste Volk der Welt; deshalb wurden sie auch mit gerechter Neugierde betrachtet. Dann stellte man andere Wilde aus und ging zuletzt zu den Seinen aus Südafrika über. Ein riesen hafter Kinematograph zeigte die Abfahrt des Sir Redvers Buller, ein Panorama von Capstadt, eine Truppenrevue bei der Abfahrt von PortSmouth. Frenetischer Beifall, dann plötzlich ibildes Ge heul und Zischen: auf der Leinwand erscheint das patriarchalische Gesicht des Präsidenten Krüger. Er fährt spazieren. Zuletzt kommt die Pantomime. Die Bühne stellt einen Bergwinkel in Natal und ein Boerenlager dar. Eine englische Truppenabtheilung erscheint und greift die Boeren an. Man thut Wunder der Tapferkeit. Ein heldenmüthiger Soldat erobert eine Boeren- fahne. Stürmischer Jubel. Plötzlich ein furchtbares Getöse: in Rauch gehüllt, erscheint ein Panzerzug, ein echter Panzerzug mit einer echten Locomokive, und eröffnet aus seinen Maximgeschützen ein furchtbares Feuer. Die Boeren werden in Stücke gerissen, und die Zuschauer singen.,Rule kritannio.!* So wird jetzt im Londoner Olympia-Theater Abend für Abend glänzend gesiegt. Das lohnt sich schon! Und dann, welcher Fortschritt der Bühnen kunst! Eine echte Locomdtioe! Das ist der höchste Grad, den die dramatische Kunst erreichen kann -°- Petersburg, 4. Januar. (Telegramm.) Wie au- Werey (?) unter dem 2. Januar berichtet wird, ist dort ein starkes, von Süden nach Norden gebendes Erdbeben, daS 5 Secunden anbielt, wabrgenommen worden. Beim ersten Stoße wurde ein starkes unterirdische-, dem Kanonendonner ähnliches Getöse verspüre. — Tiflis, 4. Januar. (Telegramm.) Wie jetzt bekannt Wird, sind von dem Erdbeben im Kreise Ackalkalak inS- gesammt 13 Dörfer betroffen und 6 vollständig zer stört worden. Die Zahl der bisher aufgefundenen Leichen beträgt 800. Um der beimgesuchten Bevölkerung ärztliche uad materielle Hilfe zu leisten, sind außerordentliche Maß nahmen ergriffen worden. Die Presse der betreffenden Gegend erläßt Aufrufe zur Hilfeleistung. Die Kranken werden nach drr Kreisstadt befördert. — Gestern NachmittaA wurde aber mals ein Erdstoß von geringerer Stärke verspürt. Lücherbesprechungen. Wa» für Ansprüche in Bezug auf seinen Empfang «in neu er scheinender Erdenbürger im 20. Jahrbundert an seine Eltern stellt, da» zeigt ua» die neueste Nummer der illustririen Monatsschrift »Jlnftrirte Wäschezettung", Verlag John Henry Schwerin, Berlin, die auch die unerfahrenste Hausfrau die Selbsiansertigung jeden Wäichrartikel» lehrt und sie über alle Neuheiten am besten und gründlichsten insormlrt. Der große praktische Nutzen diese« concurrrnz- losen Sprcialblatte» besteht ia seinen herrlichen, überau» zahlreichen Vorlagen für Damen«, Herren- und Kinderwäsche, die zur Wäsche gehörigen Häkeleien rc., m dem jeder Nummer beigeqebenen großen Schnittmusterbogen, seinem orirntirenden Wäickebericht, den klöppel- briefrn, abwechselnd mit vielgestaltigen Monogrommverschlingangen rc, Für nur 60 vierteljährlich ist di» „Jllnsttirte Wäschezrituag" von ollen Bnchhandlnngea und Postaastaltrn zu beziehen. Grati«probr- nummern durch erstere nnd den Verlag John Heary Schwerin, Berlin W. 35. Berichtigung. In der 1. Beilage der Abendausgabe vom 2. Januar muß r« in den vom Stande-amt HI. mitartheiltea Todesfällen richtig heißea Raab», Anna Louise Ottilie, geb Müller, Fabrikant«»» Wittwe. Nech Schluß »er «rteetton et»jr,,,,e« vt- t» »teler «L»nk mNeetßeMeo, «eßemd Leu««» NmNenten« L«k»»e»mn» «N» s-«n »»« der »«»«schrtft «rstchvtch, »« Meer*»» »ich» »>e,ilWW «sch. ch «Ü»t» Mr versttdeumlu»»» und «—qNMUche »NaiWN M» «na-orlli» « mnchE * Varna, 4. Januar. Heute früh gegen 6 Uhr stürzte >er Kohlenschacht Espenhain bei Borna zusammen. Drei Personen sind getödtet worden, fünf sind gerettet. ' * Verltn, 4. Januar. Die heutige Nummer deS „Post- AmtsblatteS" giebt bekannt, daß die Anwärter der höheren Laufbahn der Post und Telegraphie da- Reifezeugniß eines Gymnasiums, Realgymnasium- oder einer Oberrealschule besitzen, «in mehrjähriges akademische- Studium durchmachen müssen, und nach dem Bestehen zweier Prüfungen n höheren Dienststellen eingestellt werden. Anwärter für die höhere Laufbahn werden bis auf Weiteres nicht angenrmmer.' Es folgen nun die vom „Reichianzeiger" bereits veröffentlichten Bestimmungen über die mittlere Laufbahn, woran sich die Br- timmungen über die UebergangSzeit für die einzelnen Beamten-. classen schließen. * Stettin, 4. Januar. Der Stapel laus de» Schnell dampfers „Deutschland" ist nach Abgang des Eise- nun mehr auf den 10. Januar, Mittags 12 Uhr, festgesetzt.^Der Jaiser hat seine Anwesenheit bei dem Festacte zugesagt. IV. Köln, 4. Januar. (P r i v a t t e l e g r a m m.) Die „Kölnische Zeitung" verbreitet sich heute an leitender Stelle noch mals, trotzdem sie bestimmt erwartet, daß England baldigst Auf klärung und Genugthuung geben werde, in energischer Weise gegen dasenglischeVorgehen und meint, man müsse ent rüstet fragen, wie ein englischer Kreuzer es wagen konnte, einen deutschen Reichspostdampfer mit Beschlag zu belegen. Jedenfalls stünden Dinge ernstester Art zur Entscheidung. Da» Auswärtige Amt habe sofort mit vollstem Nachdruck und mit klarer Erkenntniß der Wichtigkeit des Zwischenfalle- alle erforder lichen Schritte gethan, um sich volle Genugthuung zu verschaffen. Derartige Zwischenfälle wären unmöglich, wenn die deutsche Seemacht in gleicher Weise gekräftigt und gefördert worden wäre, wie es mit dem Landheer in den letzten Jahrzehnten ge schehen sei. * vischwetler, 4. Januar. Heute Nachmittag 1 Uhr 85 Mm. ühr der D-Zug Nr. 76 auf einen Güterzug, wahrscheinlich in Folge falscher Weichenstellung. Dabei gerirthen drr letzte Wagen deS GüterzugeS, der mit Spiritus beladen war, sowie die Loco- motive und der Postwagen des D-Zuges in Brand. Drei Post beamte sollen verbrannt sein. Der Locomotivführer und der Heizer sind schwer, mehrere Personen sind leicht verletzt. * Wie», 4. Januar. In dem Heeresausschusse de: ungarischen Delegation erklärt auf mehrere Anfragen Ugron'S der Reichskriegsminister v. Krieghammer: Die Erhöhung des Truppcncontingents und die Aufstellung der neuen Armee corps würden nur im Wege von Wehrgesctzen möglich sein, und dies gehöre in das Gebiet der Legislative. Im Falle de- Aus bruchs eines Krieges würden die nothwendigen Gesetze über die Kriegsleistungen auf Grund der Beschlüsse der gesetzgebenden Körperschaften erlassen werden. Die Gesetze würden natürlich vorbereitet. Der Bedarf an Officieren für den Ernstfall fei vollauf gedeckt. * Part», 4. Januar. Staatsgerichtshof. (Fort setzung.) Buffet fordert den Gerichtshof höhnisch auf, seinen Spruch zu begründen. DLroultzde erklärt, die Derurtheilung sei ihm gleichgiltig; wenn er auf eine entlegene Insel verschickt werden sollte, werde er von dort zurückkehren, wenn die Stunde der Gerechtigkeit geschlagen habe. GuSrin sagt, er bedauere nicht- und verlange keine Milde; denn er habe der Sache, die er vertrete, einen Dienst geleistet. Hierauf wurde die öffentliche Sitzung unterbrochen. Der Gerichtshof schreitet zur Berathung über die Strafbemessung. * Paris, 4. Januar. Drr GtaatSgertchts- hof vernrtheilte mit US Stimmen DSronlbde nnd Buffet z« je LV Jahren Verbannung. Delnrcalucet wurde 1» eo»tm»»cl«m z« LV Jahre« Verbannung, und Guertn z« IVJahrea Ge fängnis) in einem befestigten Platze verurtheilt. * Dover, 4. Januar. Der jüngst bei Deal gesunkene Dampfer „Patri a" ist heute flott gemacht worden, ist aber eine Meile vom Lande wieder gesunken. Zwei Männer sind ertrunken. * Frere, 4. Januar. („Reute r'S Bureau".) Die Schanzen der Boeren wurden heute früh mit Erfolg beschossen. Die Lydditgranatcn rissen die Schanzgräbrn de» Feindes an der linken Seite deS in drr Ebene liegenden Kaffern- kraals auf. Der Feind änderte seine Stellung; seine Pferde gingen durch. * London, 4. Januar. Nach einer amtlichen Drahtnachricht hat Oberst Montmorency Dordrecht geräumt und die AuS- weichsstation B ird » S id i ng an der Bahn nach Jndw« besetzt. * London, 4. Januar. Die zweite Ausgabe der „Time»" berichtet ausOranjeRiver unter dem 3. Januar: Artillerie und Infanterie ist von de Aar au- als Verstärkung an General French entsandt worden. Dasselbe Blatt berichtet aut Modder River vom 3. Januar: Mehrere Eingeborene wurden über rascht, als sie im Begriffe waren, aus dem englischen Lager Signale an die Boeren zu geben. * Belmont, 3. Januar. („Reuter- Bureau".) OberstPilcher konnte sich, da er sich nur auf einem Streif- zuge befindet, au- militärischen Gründen in Dougla» nicht be, Haupte». Er räumte den Platz und nahm alle England ergebenen Bewohner mit fort. * Belmont, 3. Januar. Nach einer Depesche de» „Reuter- schen Bureau»" au» CookSfarm vom 3. Januar ist die Colonne de» Obersten Pilcher mit Flüchtlingen und den von ihm erbeuteten Zelten, Wagen und Vieh dort au» Douglas wohlbehalten eingetroffen. Er nähert sich jetzt Belmont. Ferner wird berichtet, daß sich heute früh 600 Boeren25MeilenvonDoverfarm befunden haben. » * Pretoria, 2. Januar. („R euter'S Burea u".) All dem Hauptquartiere drr Boeren wird berichtet, e- sei sechs Reitern gelungen, durch einen kühnen Streich au» Ladysmith zu entkommen. Man glaube, Oberst Rhodes oder vr- I « mr - s 0 n, oder alle Beide seien darunter. '
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