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01-Frühausgabe Leipziger Tageblatt und Anzeiger : 22.08.1900
- Titel
- 01-Frühausgabe
- Erscheinungsdatum
- 1900-08-22
- Sprache
- Deutsch
- Vorlage
- SLUB Dresden
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- Rechtehinweis
- Public Domain Mark 1.0
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id453042023-19000822017
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id453042023-1900082201
- OAI
- oai:de:slub-dresden:db:id-453042023-1900082201
- Sammlungen
- Saxonica
- Zeitungen
- LDP: Zeitungen
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Parlamentsperiode
- -
- Wahlperiode
- -
-
Zeitung
Leipziger Tageblatt und Anzeiger
-
Jahr
1900
-
Monat
1900-08
- Tag 1900-08-22
-
Monat
1900-08
-
Jahr
1900
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2. Mage zim Lchziga Tageblatt »all AHM Nr. -1A, Niltlaach, 'L August Illllll. <Murgkn-Au?gube.t Deutschlands wacht zur See. Mkl.: WaS glänzt dort vom Walde im Sonnenschein. Was regt und rührt sich am Nordseestrand? Was leuchten die Wimpel und Waffen? Sie zieh'n für den Kaiser zu Wasser und Land Im Herzen Gott und die Wehr in der Hand, Um Sieg dem Rechte zu schaffen. Was grüßet vom Bord mit „Hurrah" und „Ade"? Das ist Deutschlands muthige Wacht auf See! Es gilt, das vergossene deutsche Blut An der fernen Küste zu sühnen, Laut kracht der Valetschuß über die Fluth, Es schwillt der alte Wikingermuth In den deutschen Herzen, den kühnen. Was weckt in dem Feinde da Grausen und Weh? Das ist Deutschlands muthige Wacht auf See. Du stehst nun bei Nacht und Sternenschein Und denkest der Heimath der fernen; Du denkst ay die treue Mutter Dein, Die still für Dich betet im Kämmerlein' Blick' auf zu den ewigen Sternen! Wen ahnest Du dort über Sternenhöh'? Der schützt Deutschlands muthige Wacht auf See. Laß branden die Wogen, laß brausen das Meer, Heraus nun, ihr Boxer, zum Kampfe! — „Vertrau' auf Gott, Dich tapfer wehr', Daraus besteht Dein' ganze Ehr'" — Steh' fest in Donner und Dampfe! Wer steht zu der Fahne in Sturm und Schlacht? Das ist Deutschlands nie wankende Fahnenwacht! Wir brachten Euch Sitte und Christenthum Statt eitlem Truge und Wahne, Ihr höhntet unser .Palladium. Wer führt zum Siege und neuem Ruhm Die deutsche hochflatternde Fahne, Daß stolz von Pekings Mauern sie weh'? Das ist Deutschlands Wacht zu Land und zur See! Fedor von Koppen, Ernennungen, Versetzungen rc. im öffentlichen Dienste. Departement -es Cultus und öffentlichen Unterrichts. Zur Erledigunggelangt: die ständige Lehrerstelle in Beerwalde. Collator die oberste Schulbehörde. Einkommen: 1200 Grundgehalt, 150 unwiderrufliche persönliche Zulage, 48 für kirchendienstliche Verrichtungen, 110 -F für Fortbil dungsschulunterricht und freie Amtswohnung im neuerbauten Schulhause mit Gartennutzung. Bewerbungsgesuche sind mit den erforderlichen Zeugnissen bis zum 7. September bei dem königl. Bezirksschulinspector vr. Lange in Dippoldiswalde einzu reichen. — Zu besetzen: die 6. ständige Lehrerstelle in Steinpleis. Collator: die oberste Schulbehörde. Einkommen: außer freier Wohnung oder 200 cki Wohnungsentschädigung 1350 <-A Gehalt, der bis zum 53. Lebensjahre bis 2400 steigt. Gesuche sind unter Beifügung sämmtlicher Prüfungs- und Amts führungszeugnisse bis zum 2. September bei dem königlichen Bezirksschulispector, Schulrath Lohse in Zwickau, einzureichen; — die Schulstelle zu Tellerhäuser. Collator: die oberste Schulbehörde. Einkommen: 1200 <-/? Gehalt, eventuell 110 für Fortbildungsschulunterricht, 36 für Sommerturnen, 80 Holzgeld zur Heizung der Schulstube, 20 cL für Abhaltung von Betstunden im Winterhalbjahr, 36 der Frau des Lehrers für Ertheilung des weiblichen Handarbeitsunterrichts und freie Wohnung mit Gartengenuß. Außerdem stand der bisherige Stelleninhaber im Genuß eines Bauer'schen Legates im Betrage von jährlich 90 -F, was eventuell geeigneten Bewerbern ebenfalls in Aussicht gestellt werden kann. Vorschriftsmäßige Bewer bungen sind bis zum 8. September an den königlichen Bezirks schulinspector vr. Försterin Schwarzenberg einzureichen. Mittheilungen aus -er Rathsplenarsitzung vom 18. August 1SVV.*) Vorsitzender: Herr Oberbürgermeister Justizrath Dr. Tröndlin. 1) Man nimmt Kenntniß von dem Dankschreiben des Herrn Di. Eduard Brockhaus hier für das ihm vom Rathe anläßlich seines 50jährigen Doctorjubiläums zugegangene Glückwunschschreiben. 2) Die Lieferung der Thürzargen für den Rathhausneubau Wird nach dem Vorschläge des Herrn Baurath Professor Licht vergeben. 3) Der Trennung der Parochicn Thekla und Mockau und der Erhebung der letzteren zu einer jelbstständigen Parochie stimmt man Patronats wegen zu, nachdem das evangelisch-lutherische Landes- consislorium sich dahin ausgesvrochen hat, daß durch diese Trennung die dem Rathe zustchenden Patronatsrechte an beiden Kirchen in keiner Weise berührt werden. 4) Dem Ankäufe eines Arealstreisens an der Amalienstraße in Leipzig-Plagwitz zur Vergrößerung des Schulhofes der XIII. Bürger- schule zum Preise von 35 pro Quadratmeter stimmt man zu. 5) Bei dem Königlichen Finanzministerium war bezüglich des Canalprojectes Leipzig-Riesa unter Vorlegung von spcciellen Plänen, sowie eines Erläuterungsberichtes angefragt worden, ob gegen die beabsichtigten Ueberführungen der Bahnen und Berührung von Straßen durch den Canal Bedenken vorliegen. Hierauf ist am 13. dieses Monats vom Königlichen Finanzministerium eine Ver ordnung eingegangen, die zu den einzelnen Vorschlägen Stellung nimmt. DaS Tiefbauamt ist zunächst um Abgabe eines Gutachtens zu ersuchen. 6) Die Einführung der Wasserleitung in die Barnecker Straße zwischen Carl- und Salzstraße in Leipzig-Lindenau mit einem Auf wande von 1670 a conto Stammanlage des Wasserwerks wird antragsgemäß beschlossen. 7) Die Abgabe des von den städtischen Gasanstalten gewonnenen TheerS aus das Jahr 1901 wird nach dem Anträge der Verwaltung der Gasanstalten genehmigt. 8) In Folge der Errichtung einer Schule an der Friesenstraße in Leipzig-Lindenau machen sich die Verlegung deS Lagerplatzes der 4. Bauinspection und die Versetzung des Dampfwalzenschuppens nothwendig. Als neuer Lagerplatz wird Parcelle Nr. 63 de» Flur buches für Lindenau, die zu diesem Zwecke für den 1. September diese-Jahres pachtfrei zu machen ist, und als Dampswalzenschuppen das ehemalige Gutbier'sche Grundstück in Leipzig-Lindenau bestimmt. Die Kosten für die erforderlichen Arbeiten werden antrags gemäß verwilligt. 9) Die Bepflanzung der Lothringer Straße zwischen Brie« und Pariser Straße in Leipzig-GohliS mit Linden genehmigt man. Die Kosten im Betrage von 935 werden zu Lasten von Conto 38 außerordentlich des HauShaltplaneS verwilligt. 10) Die Anlage der Fußwege und des Platzes vor der Emmaus- *) Bei der Redaction eingegangen am 21. August 1900. kirche in Leipzig-Sellerhausen wird nach den vorliegenden Plänen und Kostenanschlägen beschlossen. Erforderlich sind im Ganzen 15 780 die a eouto Stamm vermögen verwilligt werden. Zu 4, 6, 8, 9 und 10 ist Zustimmung der Stadtverordneten einzuholen. St. Privatfeier -es Kgl. Sachs. Militärvereins Mer. ar. Leipzig, 20. August. Der Königl. Sächs. Militärverein „107er" beging am vergangenen Sonnabend im großen Saale des Lehrervereinshauses die Erinnerungsfeier der 30. Wiederkehr des Tages der Schlacht bei St. Privat. Zahlreich war die Be- theiligung der Kameraden des Vereins mit ihren erwachsenen Familienangehörigen, auch das Unterofficiercorps des 107. Re giments war durch eine starke Deputation vertreten. Der Vor sitzende des Vereins, Herr Reichsgerichtssekretär Brückner, ; hielt die Begrüßungs- bez. Festansprache. Nach herzlicher Be- z grüßung der Erschienenen «beleuchtete der Redner die Bedeutung des Tages und wies unter Bezugnahme auf die politischen Er eignisse unserer Tage, auf den Ernst der gegenwärtigen Zeit hin. Der Redner hob hierbei hervor, daß auch vom 107. Regiment 60 Officiere, Unterofficiere und Mannschaften mit hinausge zogen sind, um in China für Deutschlands Ehre zu kämpfen, und wünschte denselben glücklichen Erfolg und glückliche Rückkehr. Herr Brückner schloß seine Ausführungen mit der Versicherung, daß auch die Mitglieder der Militärvereine nie ihren Fahneneid vergessen werden, und stets bereit sind, ihr Alles einzusetzen, wenn das Vaterland in Gefahr ist und unser Kaiser, unser König ruft. Er fügte hieran ein dreifaches Hoch auf den obersten Kriegs herrn Kaiser Wilhelm II. und auf König Albert, den Protector der sächsischen Militärvereine und Sieger von St. Privat. Be geistert stimmten die Anwesenden in diesen Ruf ein. Herr Höpping, ein Mitkämpfer von 1870/71 und besonders Theil- nehmer an der Schlacht von St. Privat, hielt die Festansprache. Derselbe gab eine anschauiche Schilderung der Kämpfe am 18. August, die ungemein fesselnd wirkte, da der Redner zumeist selbsterlebt« Vorkommnisse und eigene Beobachtungen bot. Auch aus die schweren Verluste der Sachsen, und besonders die des 107. Regiments an jenem Tage wurde von ihm hingewiesen. Zum Schlüsse brachte Herr Höpping mit «der Versicherung, daß die alten 107er immer treu zum Regiment« halten werd«n, auf den Regimentschef, Prinz Johann Georg, und auf das Stamm-Re giment, ein dreifaches Hurrah aus, in das die alten Soldaten stürmisch «instiinmten. Der Vorsitzende dankte dem Vortragen den für feine ungemein fesselnden Ausführungen mit warmen Worten, und die Anwesenden durch Erheben von den Plätzen. Im Laufe des Abends wurde noch manche zündende Ansprache gehalten und einige patriotisch anregende Lieder gemeinschaftlich gesungen. An den Regimentskommandeur, Herrn Oberst von Schweinitz, wurde ein Ergebenheits-Telegramm abgesandt: Von auswärtigen ehemaligen Angehörigen des 107. Regiments und von dem Bruderverein in Chemnitz, der zur gleichen Feier versammelt war, gingen Begrüßungsschreiben und Telegramm« ein. Der Gruß der Chemnitzer 107er wurde sofort erwidert. Alle Theilnehmer an der Festlichkeit waren hochbefriedigt von dem schönen, patriotisch erhebend wirkenden Verlauf derselben. Vermischtes. ID Bitterfeld, 20. August. Ein Schüler der hiesigen Real schule, der zwölf Jahre alte Sohn des Werkmeisters W., unter nahm im Juni heimlich eine Reise von hier über Köln, Sedan, Reims und Meaux nach Paris. Das Reisegeld hatte er sich da durch verschafft, daß er seinen Eltern eine größere Geldsumme entwendete. Nachdem er sich die Weltausstellung ange sehen hatte, machte er sich wieder auf den Heimweg. In Metz überlegte er sich aber die Sache und fuhr nach Zürich. Dort wurde er festgenommen und von seiner Mutter abgeholt. Er sollte nun die Realschule in Delitzsch besuchen. Am 18. Juli war er aber schon wieder verschwunden, und am 21. erhielten die Eltern die Nachricht, daß ihr Sohn in Genua in Italien festgenommen sei. Er habe den Wunsch geäußert, in Schiffs dienste zu treten. Wie wir hören, soll der Vater seine Ein willigung gegeben haben. v. Rhönclub. In dem bayerischen Flecken Nordheim fand am 19. d. M. unter Vorsitz des vr. Justus Schneider- Fulda die Jahresversammlung des Rhönclubs statt. Namens der bayerischen Regierung begrüßte Regierungsrath Gößmann-Mellrichstadt die Erschienenen. Der Geschäftsbericht ergab ein anschauliches Bild von der segensreichen Thätigkeit des Hauptvereins, wie der Zweigvereine. Anerkennung findet die Thätigkeit des „Frankfurter Rhönvereins", der die Be strebungen des Rhönclubs wirkungsvoll unterstützt. Der Rhön club zählt in 29 Zweigvereinen nahe an 3000 Mitglieder. Zur 25jährigen Jubiläumsfeier des Rhönclubs wurde beschlossen, diese in Verbindung mit der Jahresversammlung in Fulda 1901 abzuhalten. Die Jubiläumsschrift wird drei werthvolle Ab handlungen enthalten, vr. Schneider-Fulda wird eine Arbeit über „Geschichte der Rhön und der Stadt Fulda im vorigen Jahrhundert", Apotheker Gehenb-Geisa wird über die „Moos flora der Milseburg" und Pfarrer Ankelius über „die Flora des Kreuzberges" schreiben. Von den einzelnen Zwcigvereinen waren 3200 Unterstützungen gefordert, 1400 wurden an 18 Zweigvereine bewilligt, darunter 70 an Zweigverein Tann zur Verschönerung der Anlagen aus Anlaß der Einweihung des Denkmals für General v. d. Tann. --- Wie Präsident Lincoln ermordet wurde. Die Er mordung König Humberts lenkt das Interesse auch auf die früheren Attentate, die gegen Staatsoberhäupter begangen wur den. In dem soeben in Cincinnati erschienenen Buche „Re- oollections ok a lüketime" von General Roeliff Brinkerhoff findet sich ein Bericht über die Ermordung des Präsidenten Lin coln, der von großer Bedeutung ist, da es sich um die Erzählung eines Augenzeugen handelt. Der General Brinkerhoff befand sich am Abend des Attentats in Ford's Theater. Er erzählt: „Man hatte schon eine halbe Stunde gespielt, als der Präsident eintrat. Ein Beifallssturm begrüßte ihn auf dem Wege zu seiner Loge. Seine Gattin begleitete ihn. Lincoln schien das erste Mal, seit ich ihn kannte, heiter und glücklich zu sein. Während seiner Prä sidentschaft hatte ich ihn oft gesehen, und immer mißmuthig. Jetzt war keine Spur von Sorge und Angst an ihm zu bemerken. Er schien an dem Stück großen Gefallen zu finden. Man gab „Tke America Oousin". Alles ging bis 10 Uhr in aller Ruhe vor sich- Da lenkte einer meiner Freunde meine Aufmerksamkeit auf die Loge des Präsidenten und bemerkte: „Ein Reporter be sucht Vater Abraham." Ich blickte hin und sah an der Thür der Loge des Präsidenten einen Mann stehen, der den Hut auf chatte und auf die Bühne schaute. Darauf zog er ein Visiten- kartentäschchen aus einer Seitentasche, nahm den Hut ab und trat hinten in die Loge. Dann wandte ich mich wieder der Bühne zu und hörte gleich darauf einen Pistolenschuß. Ich blickte nach der Loge des Präsidenten und sah einen Mann mit todtenbleichem Gesicht und rabenschwarzem Haar nach der vordersten Reihe eilen. Mein erster Eindruck war der, daß es zum Stück gehöre. AIS er über daS vordere Geländer stieg, schrie er klar und deutlich: „8!o somper tyrannis." Da erst kam mir der Gedanke, das Ganze bedeute ein Attentat. Der Mann schwang einen scharfen Dolch, der im Gaslicht funkelte, in der Hand, ging quer über die Bühne, das Gesicht dabei dem Publicum zugewandt, und ging hinaus. Einen Augenblick herrschte Todtenstille; das Publicum schien wie gelähmt. Soviel ich gehört habe, kam kein Laut aus der Loge des Präsidenten. Lincoln saß auf seinem Stuhl, der Kopf war auf die Brust gesunken, sonst aber behielt er dieselbe Stellung, wie vorher. Endlich standen einige Zuschauer auf, und eine Menge sammelt sich um die Loge. Nach einigen Augenblicken wurde die Thür geöffnet und Lincoln an der Rückseite des erste» Ranges hinausgetragen . . . Sein Gesicht war sehr blaß und trug den Stempel des Todes." ---- Einen merkwürdigen MnseumSbau plant der durch seine großartigen Ausgrabungen in Aegypten bekannt« Archäo loge Flinders Petri zum Zwecke der Unterbringung ethnologischer und archäologischer Gegenstände in großem Umfange. Es soll in der näheren Umgebung von London ein Grundstück von etwa einer Quadratmerle angekanft und mit großen Galerien gleich mäßig bebaut werden. Diese Galerien sollen vorläufig in solchen Abständen voneinander errichtet werden, daß nach ihrer Voll endung in den Zwischenräumen noch Gebäude von sechs Mak größerer Ausdehnung geschaffen werden können. Es sollen nun in jedem Jahre Galerien von etwa 400 Fuß Länge gebaut werden, was in einem Jahrhundert auf Gebäude von insgesammt acht englischen Meilen Länge hinaus kommen würde, die dann noch in sechs Mal größerem Umfange vervollständigt werden könnten. Es handelt sich also um allmähliche Schaffung einer ganzen Mu se u m s sta d t, die fortgesetzt vergrößert und vielleicht erst innerhalb 600 Jahren vollendet werden soll. Die Ausgaben sind so berechnet, daß in jedem Jahre eine Summe von 200 000 Mark für diesen Zweck zur Verfügung stehen müßte. Aus Spitzbergen. Die russisch-schwedische Gradmessungs-Expedition hat jetzt einen Winter an dem Orte ihrer Thätigkeit, Spitzbergen, zu gebracht, und von der russischen Abtheilung der Expedition ist darüber ein Bericht bei der Akademie der Wissenschaften in Petersburg eingetroffen, dem wir das Folgende entnehmen. Die russische Abtheilung hat in Horesund überwintert. Außer dem meteorologischen und dem magnetischen Observatorium wurden nach der Abfahrt der russischen Schiffe von Spitzbergen, im September, im russischen Winterquartier noch zwei astro nomische und ein astrophysikalisches Observatorium errichtet. Ende September war der erste wirkliche Schneesturm. Die sibirischen Hunde, an so etwas nicht gewöhnt, wurden unruhig, fingen an, sich zu beißen, und vier wurden von den anderen lodtgebissen; man mußte für die Hunde ein besonderes geräumiges Gelaß bauen. Am 8. October versteckte sich die Sonne auf vier Monate, und Ende October trat vollständige Finsterniß ein. Ein geord netes Leben mit regelmäßiger täglicher Beschäftigung begann im russischen Winterquartier am 5. November. Bei gutem Wetter und Hellem Himmel beschäftigten sich Alle mit astro nomischen und anderen Beobachtungen. In einem besonderen Hause fanden Beobachtungen an Pendelschwingungen statt. Bei Sturm, Regen- und Schneewetter nahm man alle Stunden meteorologische Beobachtungen vor. Besonders werthvoll sind die gelungenen Beobachtungen und photographischen Aufnahmen der Nordlichter und ihrer Spektra, was vorher Niemandem recht gelingen wollte. Zum ersten Male wurde ein Nordlicht am 5. September beobachtet. Die raschen Bewegungen und Formen veränderungen dieser wunderbaren, räthselhaften Naturerschei nung übten auf die Beobachter einen starken Eindruck aus. Recht schlecht bestellt ist es auf Spitzbergen zur Zeit der schrecklichen Schneestürme, die dort mit dem Eintritt der vier monatigen Nacht häufig wiithen, und wenn auch die Temperatur während derselben nicht sehr niedrig war (nicht unter —29 Grad Celsius), so erlangte dafür der Wind eine Schnelligkeit von 40 und mehr Meter in der Secunde, so daß die bezüglichen Meß appparate ihren Dienst versagten. Zur Zeit eines Schneesturmes ist das Stöhnen und Krachen ganz ungewöhnlich. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird herumgeworfcn und weg gerissen. An jedem Hinderniß bilden sich große Schneeweben. Die Stürme dauern zwei bis sechs Tage, und nur manchmal tritt ein kleiner Nachlaß des Windes ein, um dann mit erneuerter Gewalt wieder loszubrechen. Von Anfang November an be gannen besonders heftige, schreckliche Stürme zu wüthen. Spitzbergen ist ein sehr günstiger Ort für den Fang von See hunden und Eisbären, die dort in großen Mengen vorkommen. Die erste Begegnung mit diesem gefährlichen Polarthiere fand im russischen Winterquartiere am 26. November statt. Der Astronom A. S. Wassiljew machte an diesem Tage einen Spazier gang auf Schneeschuhen längs der Meeresküste, kam an eine große Eisscholle und bemerkte, daß sie sich bewegte. Als er auf ungefähr 20 Meter herangekommen war, bemerkte er, daß diese Eisscholle ein weißer Bär war. Mächtig erschrocken, ließ Wassiljew die Schneeschuhe liegen und stürzte nach Hause; glücklicher Weise verfolgte ihn der Bär nicht. Darauf gingen einige mit Flinten hinaus und schossen auf Geradewohl. Der Bär wurde verwundet, aber verschwand in der Finsterniß. Am 25. December kam ein Eisbär in den Hof des Winterquartiers und hätte fast Unheil angerichtet. Es waren damals gerade einige unbewaffnete Matrosen auf dem Hofe thätig. Auf den Schrei eines derselben: „Ein Bär, ein Bär!", kamen schnell Leute mit Waffen heraus, *Und das Ungethüm fiel von einem Schüsse des Astronomen Ach matow, der sich dabei großer Lebensgefahr aussetzte. Vom Januar an kamen die Bären häufiger vor, und am 24. Februar wurden auf einmal ihrer drei erlegt. Im Ganzen wurden von den Mitgliedern der Expedition 12 Bären erlegt, aber mehr als 60 gesehen, darunter waren viele verwundet, aber es gelang ihnen, zu entkommen. Zuletzt wurde eine große Bärin am 13. April geschossen, ihr sehr wildes und bösartiges Junge aber lebend gefangen und in einen dazu hergerichteten Käfig gesetzt. Das Fleisch des Eisbären ist schmackhaft und bildete eine ange nehme Abwechselung in der Kost, die auf Spitzbergen nur aus Conserven bereitet wird. Im December war das Wetter auf Spitzbergen verhältniß- mäßig warm, im Mittel —5 Grad Celsius, das ist höher als in Petersburg, aber es fanden Platzregen statt bei starkem Südwind. Dafür wüthete vom 15. bis 20. December ein heftiger Schneesturm. Am 10. Februar ging die Sonne zum ersten Male auf, und der echte Winter stellte sich im März ein; am 4. März war die niedrigste Temperatur, — 32 Grad Celsius; am 13. April waren — 28 Grad Celsius. Vom 20. April an geht auf Spitzbergen die Sonne nicht mehr unter den Horizont, und man kann sie dort des Mitternachts photographiren. Am 31. März begannen die Exkursionen der Astronomen und Geodäten auf die Berge, um an den Signalen Beobachtungen und Messungen vorzunehmen. Diese Expeditionen sind mit außer ordentlichen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden, nicht nur auf dem Wege dahin und zurück, sondern auch während des Auf enthalts auf den Bergen selbst. Es sind Gletscher zu über schreiten, in denen sich Risse mit tiefen Abgründen finden, und diese Risse sind im Frühjahr mit dünnem Eis bedeckt. Aber außer den Schwierigkeiten des Wege- ist auch das Verweilen auf d^r Bergen sehr lästig und ermüdend. Immer hat man mit Winden, die leicht die Stärke eines Sturmes erlangen können, und mit Regenwctter zu kämpfen. Dabei muß man ganze Wochen lang unthätig dasitzen und auf gutes Wetter warten, oft ohne Erfolg. Am 17. April sind der Chef der Expediton, Capitän D. D. Sergijewstij, und der Astronom I. I. Sykora mit einem Mundvorrath auf mehr als einen Monat, mit zwei Schlitten und sechs Matrosen nach dem Berge Keilhau aufgebrochen, und am 28. April haben sich die Astronomen Wassiljew und Ach matow ebenfalls mit Proviant für mehr als einen Monat auf den Berg Hadgehog begeben. Während eines Aufenthaltes von 40 Tagen gab es auf dem Keilhau keinen einzigen Hellen Tag. Am 23. Mai kam in den Hornsund das erste Schiff „Svensk- sund", und am 26. Mai die Schiffe „Batan" und der „Eis brecher". Sonach ist die russische Expedition 9 Monate lang von der ganzen übrigen Welt abgeschnitten gewesen. (Eingesandt.) Bezugnehmend auf das Eingesandt in der Abendausgabe der Montagsnummer des Leipziger Tageblattes gestatten sich einige Abonnentinnen der Straßenbahn auch ihrerseits ihre Beobachtungen kund zu geben. Daß von den Unglückssällen beim Absteigen meist die Damenwelt betroffen wird, läßt sich keinesfalls behaupten, im Gegentheil sind in letzter Zeit nur Herren dabei zu Schaden ge- kommen. Man lese als Beispiel beide Berichte in der Montags- nummer. Es ist ferner doch selbstverständlich, daß man sich schon vor Erreichung der Station, wo man aussteigen will, erhebt, um dem Schaffner das Zeichen zum Anhalten zu geben. ES geschieht dies übrigens ebenso oft von Seiten des stärkeren Geschlechts, und wenn wirklich eine Dame das Trittbret eher erreicht, dann wird wohl ein taktvoller Mann die kleine Geduldsprobe, einige Secunden zu warten, mit Selbstverleugnung bestehen. Allerdings betragen sich viele Herren immer sehr rücksichtsvoll gegen sich selbst, indem sie im Sommer auf den Perrons die frische Luft genießen und den Damen den Aufenthalt daselbst durch gefährliche Glimmstengel un- möglich machen, während sie im Winter bei besetztem Wagen die Sitzplätze ohne Rücksicht einnehmcn. Ein aufgespannter Sonnen- schirm ist übrigens noch lange nicht so gefährlich, wie ein unter den Arm geklemmter Stock. Meteorologische Beobachtungen cukster Sternwarte in Detnrle. klöke 1l9 Kster Uder <lem Keere. Wetterbericht «le» Si. 8. Institut«» tu Okemnlt-r vom 21. 9 lTkr Koreens. 2oit 6er Reodacktun^. liarow. red. aut 0-llUUm. 'tdsrwo- wstsr. Oela-Or. ltelaUve t'sucd- lletr. wma- ricdtuue u. Ltards. Mwiusl,- Lniivdc. 20. L.ux. 4k. 8 0. 746,4 -i-22,4 61 0 2 klar 21. - Llts.8- 746,9 -i-20,6 78 8 y bewölkt - >m. 2- 745.9 4-25,0 58 IV 2 bewölkt lllaximum 6er T emperatur --- -s- 28".6. lllimmum °° 4- 15 .4. Ltations-Xams. o s Richtung; unä 8tärks 6es Wirrstes. Wetter. s cr. L Stornoway . . 754 still be6eekt - 12 Rlacksost . . . 752 8W leiekt wolkig -i - n Okristiansullst . 755 080 leiekt kerren -i - 15 llaparansta . . 765 still heiter -I - n SkustesnLs . . 753 0 leiekt halb beleckt 18 Stockholm . . 762 80 mässig wolkenlos - 20 Kopenhagen 757 80 schwach beiter - 19 Kemel . . . 761 0 leiekt wolkenlos - - 23 8winemUn6s . 757 §0 schwach beiter - - 21 8kaxen ... 756 880 mitssiß besteckt - - 19 ZM . . , . 753 8 schwach besteckt - 19 Hamburg . . 756 81V sebwack besteckt - - 19 Reister . . . 756 wxw leiekt besteckt - 17 8ciUzt .... 753 88 W leiekt nolkiir -i - 16 KUnster . . . 756 W leiekt besteckt - 16 Lerlill.... 756 8 massig Reeell -i - 21 Karlsruhe . . 759 80 mässiß- wolkig -i - 17 Rraukkurt a. dl. 758 81V mässig Kelter - - 17 Lletr .... 759 88W leiekt beiter - 15 Daris .... 757 881V lockt Kalb besteckt -i - 15 UUnckea. . . 761 80 leiekt wolkig -i - 18 Okewmtr. . . 758 8 schwach wolkig - 19 Wien .... 760 still heiter - 16 ?ra« . 758 881V leicht wolkenlos - 19 Krakau . . . 761 80 leiekt kalb besteckt - 18 Demker^. . . 762 still Xekel -i - 16 Kerm»nllsta6t . 762 80 leiekt «olkenlos - 12 Triest.... 760 still besteckt - 21 Ri^a .... 762 0 leiekt deiter -1 - 18 Retersdurjr . . 766 080 leiekt wolkenlos -I - 14 8umburßcheast . 754 X leiekt bcstecal -i - 12 llol^keast . . 754 8 leiekt besteckt -i - 15 Rurstcastls . . 755 8 leiekt molkig; - 17 ^dersteen. . . 754 XXO leiekt besteckt -i - 12 Roedespoint. . 753 still wolkig -i - 16 Varmutk. . . 755 V leiekt halb besteckt - 17 Valentin . . . 753 80 leiekt besteckt -i - 16 Olermvllt. . . 756 0X0 leiekt besteckt -i - 17 Oderboure . . 756 8 leiekt bssteckl -i - 16 Wittsrnnesverlauk i n 8acksen am 20. ^UAUSt 1900: 8tation 8eek. m 1'emperalur Willst liisasr- rcdlzr Kittel lllinim. Dressten . 115 -t-22,1 -i- 16,1 8 2 — keip/sttr . 117 -f-22,3 -i- 13,8 OSO 2 Oolstira . 169 -i-25,1 -s- 13.5 8 3 — Lautrsll . - 202 -s-22,9 -i- 18,1 880 3 —— Zittau . . 258 -i-21,8 -i- 14,4 80 1 — Okemnitr. 310 4-21,4 -i- 15,0 0 2 — kreiberx . 398 -f-21,0 -i- 16.0 8 3 — 8ckneebsre 435 -i-20,9 -i- 13,2 080 3 0,8 bllster . . 500 4-18,5 -4- 10.6 880 2 — Altenberg; 751 4-18,7 -i- 14,6 8 7 — lieitrendain 772 -i-17,2 -i- 11 9 080 5 — kicktelbers- 1213 -s-16,2 -k- '2,6! 80 5 — (Ilinimum vost dliesterscklac: weräen am Kittae abeeleseo.l ^uck am 20. kielt stas stnrckwex keltere, trockne uuck sekr «arme Wetter bei «Ustöstl. VVinsten an. ^m lllor^eu xiox ckie Temperatur bis nakeru 10 ° (Lister) herab, stisx aber taxsllber wiester vielfach Köber als 25" (DeipriK-Oolstitr 28."6); ikrs Llittelwertks laxen 4 bis 9° Uder cken normalen. Osdersicdt äer VVotterlaxs in koropa deute krllk: Der tieks Druck ärinxt unter Lunakme seiner Intensität von W Ker weiter nacd stem Oontinent vor, 6er koke Druck verlext sick mit seinem Llaximum vack X. Inter Drekunx 6er Wlusts Uber 8 naeb 8VV Kat sieb runekmenste Lewvlkunx und vereinzelt Xie6erscdlax eingestellt, auck ist 6ie Temperatur etwas zurUckgexanxen unä »tobt ein weiterer Witteruoxs- umsedlag bevor. 8ejäkllkll>u8ell MM nnd hoher! — 4 Meter — Porto- und zollfrei zngrsandt! Muster zur Auswahl, ebenso von schwarzer, weißer uud farbiger „Heunebrrg- Seide" für Blousen und Roben, von 75 Pfg. bis Mk. 18,65 p. Met. — Eigene Fabrik auf deutschem Zollgebiet. Nur ächt, wenn direkt von mir bezogen! l>. NeiMlMg, MMt, Mill, Königl. und Kaisers. Hoflieferant.
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