11.000 Dokumente zur sächsischen Industriekultur digital: Das Betriebsarchiv des Kraftwerks Hirschfelde ist online

Digitale Sammlungen Landesdigitalisierungsprogramm Saxonica

„Elektrokohle“ hieß die Telegrammadresse des ältesten sächsischen Energiegroßkraftwerks Hirschfelde bei Zittau. „Elektrokohle“ vereint aus heutiger Sicht nach dem beschlossenen Kohleausstieg 2038 und zugleich angesichts der E-Mobilität Vergangenheit und Zukunft in einem Wort. In den 1920er Jahren war „Elektrokohle“ noch ein verheißungsvoller Blick in die Zukunft.

Zwar wurde die Errichtung des Großkraftwerks Hirschfelde bereits 1911 begonnen, doch mit dem Ausbau ab 1918 steht es für den Infrastrukturausbau in der Weimarer Republik. Von 1918 bis 1933 entstanden neben vielen weiteren Infrastrukturbauten auch Kraftwerke, Talsperren und erste Autobahnen wie auch der Entwurf eines Autobahnnetzes überhaupt – Infrastruktur, die bis heute oder zumindest jahrzehntelang den Menschen diente. Dazu gehört das Großkraftwerk Hirschfelde, das bis 1992 aus Kohle Strom erzeugte. Nach der Schließung wurden Gebäudeteile unter Denkmalschutz gestellt und das umfangreiche Betriebsarchiv gesichert. Ein bis 2017 bestehender Förderverein machte es sich zur Aufgabe, ein Museum im Kraftwerk zu betreiben und das Archiv zu erschließen. Es lag nahe, vor allem die im Archiv vorhandenen Fotos, Pläne und Zeichnungen zu digitalisieren und damit online benutzbar zu machen. Gerade die großformatigen Pläne waren für eine wiederholte Benutzung nicht geeignet.

Mit der Stiftung Kraftwerk Hirschfelde wurden so aus Mitteln des Landesdigitalisierungsprogramms für Wissenschaft und Kultur 11.000 Dokumente des Betriebsarchivs aus dem Eigentum der Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG) digitalisiert. Die Dokumente umfassen Fotografien von der Erbauung des Kraftwerks, Innen- und Außenansichten, von Maschinen und Arbeitern, Lagepläne sowie Bauzeichnungen und stehen auf Sachsen.digital, der Deutschen Fotothek, der Webseite der Stiftung und in der Deutschen Digitalen Bibliothek online zur Verfügung. Die Digitalisierung dieser wertvollen Dokumente zur sächsischen Industriegeschichte ist gleichzeitig einer der Beiträge der SLUB zum Jahr der Industriekultur 2020. Unser Dank gilt den Partnern, die dieses Projekt ermöglichten.